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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#16 von bogotras , 13.12.2007 04:32

@tommes

Das mit den Menschen hast du richtig festgestellt. Sehe ich auch so.

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zuletzt bearbeitet 13.12.2007 | Top

RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#17 von Karli ( Gast ) , 13.12.2007 09:03

@bogotras
Erst jetzt komme ich dazu , auch meine Meinung zu deinen Beiträgen
kundzutun , man hat eben meist nur Zeit , mal kurz die Forumsbeiträge zu überfliegen , aber selten zum Schreiben.
Also, auch ich hätte mir einen etwas andere Entwicklung der Dinge gewünscht.
Als Leipziger bin ich ja irgendwie " mitschuldig " , an den Geschehnissen Ende 89.
" Wir sind DAS Volk ", da stand ich noch dahinter , der Wunsch nach Veränderungen in der DDR bei ihrem gleichzeitigen
Erhalt . Man hätte ja nicht mal was tun müssen , was geschriebenen Gesetzen zuwiderläuft ,
einiges nur konsequenter Umsetzen und zu Ende denken , die Marxschen Theorien aktualisieren
(was ja auch immer gewünscht war )und keine uralten , überholten Prinzipien reiten .
Und mehr auf die Menschen hören , statt über sie zu urteilen . Tja , man hätte....
Skeptisch wurde ich jedoch bei der Parole " Wir sind EIN Volk " ( Wer hat die eigentlich ausgegeben ? ).
Sicherlich , auch in den ersten Versionen der DDR-Verfassung ( ich hab noch eine von ´64 ) stand was vom einheitlichen deutschen Staat,
aber das wenige , was ich vom Leben in der Bundesrepublik wußte , ließ mich diese auch nicht gerade als das gelobte Land erscheinen -
was sich ja irgendwie bestätigt hat.
Freilich . man sprach von Vereinigung , da konnte man sich ja Hoffnung machen .
Nun ist´s halt ein Anschluß geworden , ein Kauf mit geborgten Geld .
Nun , ich persönlich kann nicht meckern : Zwei Autos , Haus , beruflich mehr erreicht als es in der DDR je möglich
gewesen wäre , zumindest nach außen hin . Aber , wir haben auch einen hohen Preis dafür bezahlt , finde ich .
Und nicht nur , weil wir Heimat ( und damit die Familie ) verlassen haben ( mußten ?! ).

Karli

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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#18 von bogotras , 13.12.2007 20:06

@Karli, deine Worte gefallen mir, hast einen guten Beitrag geschrieben.

Ich selbst habe ja an keiner Demo teil genommen, weil ich die Dinge anders gesehen habe, hatte auch erheblichen Meinungsstreit mit meinen Geschwistern.
Ich gebe vielen erst mal Recht, das es so in der DDR hätte nicht weiter gehen hätte dürfen und können. Da gibt es sehr viele Sparten, wo man konkrete Beispiele bringen kann. Selbst in der Partei, der ich auch angehört habe, gab es sehr kritische Stimmen und auch konkrete Vorschläge, was gemacht werden kann, werden muß und wie man es machen kann. Mit dem Sputnikverbot wurde auch das parteiinterne Organ "Einheit" eingestellt, weil namenhafte Professoren, Doktoren und Parteisekretäre sich sehr kritisch geäußert haben. Den Genossen Hermann und Hager hat das nicht gefallen und da haben sie auch da den Hahn zugedreht.
Es waren also nicht nur die Bürgerrechtler, Dissidenten und andere mutige Bürger, die ihre Stimme erhoben haben, sondern auch Genossen, die genauso Bürger der DDR waren und in die Reihen der Bürgerrechtler genannt gehören.
Ich kann auch sagen, das wir bereits 1985 sehr scharfe Berichte an die Bezirksleitungen gesendet haben, aber diese verschwanden vom Schreibtisch und man schwieg. Als z.B. die Sache mit dem 3,1 er Wartburg aufkam (wie toll er sei, was für "Neuerrungen" er hat usw.) und das wir solche Dinge auch als Argument bei Diskussionen verwenden sollten, um die Überlegenheit des Sozialismus so kräftig untermauern solten, haben wir Gott sei Dank gesagt, he, das haben die aber im Westen schon seid 20 Jahren und schon weiter entwickelt. Damit will ich sagen, das alle Bevölkerungsschichten aktiv waren, so auch die, die gerne angegriffen werden, weil sie mit ihrer Mitgliedschaft angeblich diese politischen Verkrampfungen unterstützt haben sollen. Das weise ich auch von mir, denn auch ich bin in den normalen Konsum oder HO einkaufen gewesen und habe nur die Produkte kaufen können, die da waren. Auch für mich gab es mit dem Parteibuch keinen Intershop oder "Shop der Partei". Wobei, es gab sowas ja nicht, das haben sogar die westdeutschen Medien zugeben müssen.
Man soll es auch mal so sehen, dass viele SED Mitglieder mit ihrer Entscheidung Mitglied zu werden auch aktiv mithelfen wollten, um was zu änderen, nach vorne zubringen und auch andere zu begeistern. Das es auch nicht wenige gab, die nur ihren Vorteil daraus gezogen haben, wie Karriere, mehr Geld usw. bestreite ich nicht, das waren Lumpenproleten und ich habe sie auch nicht gemocht. Nicht wenige von denen sind aber heute sogar in der Politik, in der SPD, CDU oder in der Wirtschaft als Manager, Geschäftsführer usw. Ich kenne sehr viele und würde am liebsten sogar mit Namen und Adresse hier aufwarten. Aber ich bin mir der Gefahr bewußt, der ich mich dann aussetze. Aber fakt ist, diese sogenannten demokratischen Parteien der BRD messen mit zweierlei Maß, weil sie mit solchen Lumpen auch noch paktieren, sie fördern und als ihre Parteifreunde sehen. Pfui!

Im übrigen: Die Worte von Johannes R. Becher der Nationalhymne der DDR behandelt nicht die DDR, sondern immer nur Deutschland und auch ein einig Vaterland.
1.Strophe sogar:

Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt,
laßt uns Dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen, und wir zwingen sie vereint,
denn es muß uns doch gelingen, daß die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint, über Deutschland scheint.

Ein Ohmen?

Trotzdem trage ich diese DDR mit ihren vermurksten Sozialismus in meinem Herzen, denn ich habe sie, die DDR, 40 Jahre erlebt, gelebt, geliebt und auch gelegentlich gegen sie geschimpft.
Ich habe sie aber 1989/1990 nicht mit Zugrabe getragen! Ich werfe mich doch nicht selbst weg!

Und wer es gepackt hat in dieser BRD nun Fuß gefaßt zu haben, der soll sich glücklich schätzen, aber angemessen sich solidarisch mit den Zurückgeblieben zeigen. Es gibt viele Möglichkeiten! (Ich meine keine Spenden oder andere materielle Zuwendungen!!!)

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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#19 von Karli ( Gast ) , 14.12.2007 11:58

Da ist wohl was dran , daß die kleinen , ehrlichen Genossen die wirklich gearschten waren - und sind.
Während diejenigen , für die die Partei nichts weiter als ein Karrieresprungbrett war ,
sich heute meist in Chefsesseln aalen , wirft man den anderen ihre Vergangenheit bei jeder Gelegenheit
vor. Ich verzichte hier auf Beispiele aus meiner näheren Umgebung ,das würde sicherlich
den Rahmen sprengen . Jedenfalls war da viele Vorfälle , die ich IM Arbeitsumfeld erlebte,
Grund genug , der Partei fern zu bleiben , und diejenigen Genossen , die auch Freunde waren ,
auf andere Art zu unterstützen .

Karli

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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#20 von queeny , 21.02.2008 21:22

Hallo Bogotras ! Bin ganz Deiner Meinung was die "etablierten" Parteien betrifft. Ich habe 1985 die DDR verlassen und noch im November 1984 war die STASI bei uns in der Firma, um mich umzudrehen! Was sinnlos war. Damals habe ich zu dem STASI-Fritzen gesagt, dass ich der DDR höchstens noch fünf Jahre geb, dann ist Schluss. Und wie Recht ich hatte! Als der Mauerfall dann kam, hatte ich grosse Bedenken wegen der Russen. Wenn die nicht so besonnen reagiert hätten, wäre es sehr schlimm ausgegangen! Ich kann mich auch noch gut an diesen sogenannten "runden Tisch" erinnern. Wie viele von den engagierten Leuten sind schon lange von der Bildfläche verschwunden! Die Wendehälse haben das Rennen gemacht! Ich werde mich mal zurückhalten und hier nicht mit Namen kommen, denn sonst müßte ich kotzen! Natürlich möchte ich keine Mauer mehr,aber die Mauern in den Köpfen vieler Besserwessis, wird noch über Generationen da sein. Ich erlebe das doofe Gelabere jeden Tag auf der Arbeit und im Wohnumfeld. Mache von denen würden am liebsten eine neue Mauer am besten gleich bis zum Mond ziehen. Unseren Politikern glaube ich schon lange nichts mehr. Die lullen uns ein, lassen sich dann wählen und treten uns dann zum Dank voll in die Fresse. Das zum Thema Mauerfall.

Gruss. Rebekka

 
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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#21 von elena52 ( Gast ) , 21.02.2008 22:03

Karli und Queeny, habe gerade eure Beiträge gelesen und kann mich euren Gedanken voll und ganz anschließen, habe ihnen eigentlich nichts hinzuzufügen.
Im Osten "besetzen" seit der Wende größtenteils Glücksritter die lukrativen Chefsessel, von hüben und drüben.

LG
Elena

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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#22 von Rotkäppchen , 22.02.2008 09:54

Hallo Landsleute,
also ich freu mich wirklich hier gelandet zu sein und auf so viele Gleichgesinnte zu treffen. Hier wird keiner so schnell wegen seiner Meinung niedergemotzt oder ausgelacht, dieser gegenseitige Respekt hier beeindruckt mich und lässt mich in dieser Gemeinschaft richtig wohl fühlen. Schade, dass ihr alle soweit weg wohnt und dass ich deshalb wohl an keinem Treffen teilnehmen kann. Aber wer weiss, vielleicht klappts ja mal.
Aber hier geht es ja um was anderes, nämlich wie man sich beim Mauerfall und in der Zeit der Wende gefühlt hat. Ich war damals 18 und ich muss sagen, es war die aufregendste Zeit in meinem Leben! Ich habe an den Demonstrationen teilgenommen, aber als man anfing zu schreien „Wir sind ein Volk“, konnte ich nicht mehr mitrufen. Irgendetwas in mir war da blockiert. Wieso denn jetzt das? Am Anfang stand das doch auch nie zur Debatte, da ging es um Veränderungen im eigenen Land, um komplette Umwälzungen, um Reformen im eigenen System – und das klang alles mehr als aufregend und interessant. Wer hat also angefangen mit diesem Ruf nach Wiedervereinigung? Ich könnte mir vorstellen, dass da wirklich Leute eingeschleusst wurden, da der Westen die Gefahr erkannte – Sozialismus und die Menschen sind auch noch glücklich dabei???? Nee so etwas darf es nicht geben, dann haben wir unsere Massen auch nicht mehr unter Kontrolle! Also mussten alle Reformen im Keime erstickt werden und die DDR zur bundesdeutschen Besatzungszone ernannt werden 

Glaubt ja nicht, dass ich das damals alles schon so erkannt habe, ich war dumm und habe mich dann sogar auf die Wiedervereinigung gefreut. Mein ganzes soziales Umfeld war so. Und als die ganzen Horrormeldungen jeden Tag aufs Neue ans Licht kamen über Korruption, Bereicherung usw. der Funktionäre, wuchs meine Wut. (wenn ich die wirtschaftlichen Verbrechen der Funktionäre von damals mit den kriminellen Machenschaften der Manager und Politiker von heute vergleiche *Tzz*)
Ein paar Jahre später begann die Umwälzung in meinem Inneren, ein neues Weltbild, neue Freunde und neue Blickwinkel, ein Studium, ein Marxist als mein Lieblingsprofessor und schwupps war ich auf einer anderen Seite gelandet. Mir wurden die Augen geöffnet im wahrsten Sinne des Wortes. Heute erkenne ich eine andere Wahrheit – die Wahrheit und trauere wirklich den Chancen hinterher, die das Land hatte.
Ungerechter wie heute kann eine Welt gar nicht mehr sein.

Einen lieben Gruss

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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#23 von bittersweet , 23.02.2008 05:28

"und trauere wirklich den chancen hinterher,die das land hatte"

JA...trauer ist es,aber auch eine unbeschreibliche wut,mit welcher leichtigkeit-wenn auch teilweise ferngesteuert-die ddr-bürger sich ihres staates entledigten.was alles schiefgelaufen ist und wie borniert die "obrigkeit" war,darüber können wir seitenlang diskutieren.den wirklichen todesstoß hat unserer heimat aber das EIGENE VOLK gesetzt!mögen in die reihen der damaligen demonstranten leute eingeschleust wurden sein,die dies forciert haben,sie hätten keine chance gehabt,wenn DAS VOLK zu SEINEM staat gestanden hätte.aber das war leider nicht so..."das sein bestimmt das bewußtsein" reichte bei der großen menge leider nur bis zum gedanken "her mit den bananen"...
die menschheit ist primär dumm-DAS hat sich 89 vollkommen bestätigt und der damaligen brd zu einer sang-und klanglosen annektion verholfen.kein gedanke mehr an vorbildliches schulsystem,an wissensvermittelnde kinderbetreuung und nicht nur kinderaufbewahrung vor der schulzeit,an solidarität,auffangen von leuten,denen es schlecht ging,auch wenn das mancher als einmischung angesehen hat...tausend sachen wären aufzuzählen,schon allein im zwischenmenschlichen bereich...alles war von einer sekunde zur anderen viel weniger wichtig,als bac und palmolive,coca-cola und vw...
ich habe versucht,in diesem mir übergestülpten staat zu leben(u.a. hatte ich in der zeit zwei schulpflichtige kinder;das hat mich schon an den rand meiner kräfte gebracht und da stimme ich allen schreibern zu diesem thema vollkommen zu),aber mit jedem jahr wuchs der haß auf die menschheit,und als ich physisch und psychisch fast am ende war,habe ich die notbremse gezogen...
seit 1,5 jahren lebe ich in meiner neuen heimat und sie ist schon heute mehr heimat für mich,als diese brd es je geworden wäre...

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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#24 von mathias , 23.02.2008 09:26

Ich weiß nicht so recht, was vieleicht an meiner Jugend liegt (zur Wende 9 Jahre), ob das überhaupt so einfach gewesen wäre, dass Land zu reformieren. Machbar wäre es theoretisch gewesen, wie man ja an den anderen Staaten sieht, und dabei sind durchaus interessante Modelle entstanden, aber schwierig alle mal.
Und man wäre auch nicht drum herum gekommen einen Staat zu schaffen, der Kapitalistisch ist, hätte Privatisierungen gegeben usw usf, aber man hätte durchaus eine Soziale Balance finden können, dass Bildungssystem behalten, und ihn vieleicht demokratischer gestalten können als diesen! Also mehr Skandinavien als BRD

Aber seinen wir nun mal realisitisch, zwar höre auch ich Stimmen, auch von jüngeren Leuten, die sagen:
"Vor 18 Jahren wurden wir unserer Freiheit beraubt!"
nur wird es wohl nicht nochmal einen eignen Staat, oder die Chance dazu geben, aber dennoch kann man versuchen diesen Staat zu gestalten, und sich ein zu bringen, schon unserer Kinder und Kindes Kinder wegen, die es mal besser haben sollen, und nach möglichkeit auch in der Heimat!

"Wir sind nur für das Verantwortlich, was in unserer näheren Umgebung geschieht. Der Rest ist Schicksal!"
Fritz Lang


Spürst du es in dir? Wie uns das Leben erfüllt mit Glück? Wir alle sind hier zu leben unser Geschick. Sing ein Lied! Vergiss die Sorgen, wenn ein Tag zu Ende ist! Komm vertrau auf morgen, weil das Leben es uns verspricht!

Es war einmal..das Leben

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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#25 von queeny , 23.02.2008 11:55

Hallo bittersweet! Muss natürlich sofort nach dem Lesen Deiner Erinnerungen antworten. Also erst mal: Ich möchte, dass es nie wieder eine Mauer gibt! Dies gilt nicht nur für Deutschland. Wir sollten mal den Blick über den Tellerrand heben. Z. B. Belfast oder Israel. Was ich an der Wiedervereinigung jedoch einfach unmöglich finde ist, dass es keinen Volksentscheid darüber gegeben hat. Der Westen mit all seinem Geld hat quasi den Osten aufgekauft. Und viele westdeutsche Glücksritter, haben gutgläubige DDRler über den Tisch gezogen. Die Krönung jedoch war die Treuhand! Ich selbst habe früher in der DDR in einem Unternehmen gearbeitet, das auf das hochmodernste ausgerüstet war - Industrieroboterfertigung usw. Als ich dann 1985 in den Westen kam und 1987 dann bei einem "Globalplayer" anfing zu arbeiten, da dachte ich , daß ich in der Steinzeit arbeiten würde. Hat sich heute allerdings geändert. Ich denke auch, dass der "Runde Tisch" nur Makulatur war nach dem Motte: "Schaut her, was wir alles für Euch tun!" Die Weichen für den kapitlistischen Weg waren längst gestellt. Die "Roten", die uns alle so viele Jahre eingesperrt hatten, haben mit gewissen Kreisen paktiert. Die ursprünglichen Initiatoren der Wende wurden ausgebootet und so konnte so was wie Merkel,
der Inbegriff des Blockflötenwendehalses, sich ins Rampenlicht drängen. Und die Treuhand hat dann alles verscherbelt was möglich war und dies zum grossen Teil für einen Apfel und ein Ei! Mit anderen Worten: Das Eigentum des Volkes - ja Euer Eigentum liebe DDRler - wurde Euch gestohlen! Und keiner hats gemerkt!! Ich hätte mir schon einen anderen Weg für die DDR gewünscht. Und es hätte sicher - ganz sicher - einen anderen "Mischweg" gegeben. Es ist einfach alles zu schnell passiert, so daß ich erst im Nachhinein alles reflektieren kann. Nun ist es nun mal so wie es ist. Stellt Euch mal vor was passieren würde, wenn die ehemaligen DDRler heute nochmal auf die Strasse gehen würden und ihren eigenen Staat verlangen würden! Was würde dann wohl passieren? Dann würden wir alle sehen, mit was für einem Staat wir es hier in Wahrheit zu tun haben....Die Entwicklung in "diesem unseren Lande" zeigt mir mehr und mehr erschreckende Parallelen mit dem Leben in der ehemaligen DDR! Das hier wird mehr und mehr zu einem totalen Überwachungsstaat....und das ist erst der Anfang. Gruss. Rebekka

 
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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#26 von bittersweet , 23.02.2008 18:13

hallo queeny!

"ja euer eigentum liebe ddr-ler"...wie ich aus deinem beitrag rauslas,warst du selbst auch ein ddr-ler,der seinem land allerdings 1985 den rücken kehrte.ich weiß nicht,wie alt du damals warst und ob es somit DEINE entscheidung war-allerdings warst du damals schon berufstätig und damit auch wahrscheinlich volljährig-,deswegen möchte ich auf die frage des AKTIVEN mit-und umgestalten der ddr nicht eingehen.

nur noch soviel dazu:eine WIEDERVEREINIGUNG war diese ganze sache bestimmt nicht,denn die ddr und die brd waren zwei souveräne,von der weltgemeinschaft anerkannte staaten.mit viel nachsicht könnte man von VEREINIGUNG sprechen,aber das hast du auch schon mit deinem beitrag zum großen teil widerlegt...
für mich war und ist es eine annektion,die allerdings,da gebe ich dir recht,leider von einer recht großen masse herbeigesehnt wurde.

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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#27 von queeny , 23.02.2008 21:35

Hallo bittersweet! Deine Kritik ist angekommen. Ich kann offen über alles reden, denn ich habe nichts zu verheimlichen. Ich habe die DDR 1985 verlassen und ich habe es bis heute nicht bereut, obwohl ein Neuanfang sehr schwer war. Leider war es in der DDR zu der damaligen Zeit nicht möglich irgendetwas an diesem System dort zu verändern. Glaube mir eins: Ich habe es versucht. Mein Chef war auch in der SED und das erste was bei uns jeden Morgen stattfand war dies: Er kam rein mit dem "Neuen Deutschland", das auch ich übrigens abonniert hatte, denn diese Zeitung war trotz aller Demagogie nicht uninteressant. Er pickte sich irgenein Thema raus und rief zur offenen Diskusson auf. Vielleicht war er auch so ein IM, der Berichte abfassen mußte, wer weiss. Ich habe immer offen meine Meinung gesagt, die natürlich nie mit der Linie von Partei und Regierung übereinstimmte. Ich mußte deshalb ständig Häme einstecken. Ich habe gesehen, dass es in unserem "Kombinat" Firmen gab, die auf Halde produzierten, weil sie keine Abnehmer für ihre Produkte fanden. Es gab unter anderem ein Hochhaus in unserer Stadt, indem ein Haufen Architekten saßen und die projektierten, projektierten und projektierten... für nichts. Also nach aussen alles hui, aber innen pfui. Viele Beispiele könnte ich noch aufzählen, aber dies ist nun einmal Vergangenheit. Ich konnte nicht mal den Job innerhalb der Firma wechseln. Ich wäre gerne aus dem Büro in die Produktion in die Arbeitsvorbereitung gewechselt, dies war nicht möglich. Der Bereichsleiter - auch ein Genosse - nahm mich beiseite und sagte mir, dass er dafür wäre, aber die anderen Genossen wären geschlossen dagegen, weil sie Angst hätten, daß ich die Arbeiter aufhetzen könnte. Angst vor einer alleinstehenden Frau? Das kann ich bis heute nicht glauben. Also bin ich den Weg über Ausreiseantrag, viel Ärger, lange Wartejahre gegangen, denn sonst hätte man mich eines Tages wohl doch noch eingesperrt. Schließlich hatte ich ja zwei kleine Jungs und die brauchten mich. Jedoch habe ich die DDR nie aus dem Blick verloren. Es gab viele Dinge, die hier im Westen über die Massenmedien kamen und immer noch kommen, die in mir Wut und Hass auf bestimmte negative Meinungsmache des Besserwessijournalismus anstacheln. Heute sehe ich auch, dass nicht alles schlecht war in der DDR. Und ich verstehe Deine Reaktion nur zu gut. Wäre ich heute noch jung und vielleicht erst dreissig, dann wäre ich wohl noch ein Kämpfer. Aber nun bin ich des Kämpfens müde, denn Mein Kampf heisst jeden Tag: "Bestehen im Arbeitsalltag, keine Fehler machen und gegen die jungen Kollegen bestehen." Noch ein paar Jahre, dann ist das Arbeitsleben vorbei und dann habe ich endlich Zeit. Mal schauen, ob nicht doch einiges in "diesem unserem Lande" veränderbar ist. Ich habe da ein Vorbild: Anna Politkowskaja. Vielleicht weisst Du wer das ist. Sorry das es so viel geworden ist. Lieben Gruss. Rebekka

 
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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#28 von bittersweet , 25.02.2008 02:29

hallo rebekka!

auf solche einzelnen 180%en "erfüllungsgehilfen",wie deinen ehemaligen chef,möchte ich jetzt(oder besser nie mehr)und hier(und auch nirgends anders)mehr eingehen.ein guter freund sagte mir gestern "der drops ist gelutscht...".mein chef(ohne parteibuch,fleißiger kirchgänger)hat sich damals wahnsinnig über seine neue mitarbeiterin gefreut,weil er der genossin nun gleich mal die verantwortung für den wöchentlichen "tag der massenpolitischen arbeit"(oder wie der quatsch in den 80ern hieß)übertragen konnte,da "sie das ja viiieeel professioneller angehen können"...
ja,WIR habens vergeigt...du und ich und 17 mio.andere.
allerdings unterscheiden wir beide uns in einem grundlegend,auch wenn ich deine art zu schreiben sympathisch finde.auch ich werde offen reden;kann auch sein,daß das mein letzter beitrag hier im forum sein wird...
ich bin das,was heute so landläufig als "rote socke" bezeichnet wird und ich werde es zeit meines lebens bleiben,da ich von der IDEE überzeugt bin.
vom geburtsjahrgang her sind wir wahrscheinlich gar nicht SO weit entfernt(1959).politisch aktiv-aber IM sinne der partei-und staatsführung war ich "schon immer".das bedeutet nicht,daß ich meine klappe nicht oft genug aufgerissen und auch das eine oder andere mal verbrannt habe.ich habe auch 89 noch geglaubt,daß ein anderer,aber trotzdem sozialistischer weg möglich ist und habe mich als delegierte zum sonderparteitag der sed aufstellen lassen.ob meine große klappe daran schuld war,oder die tatsache,daß ich frischgebackene zweifache mama mit 2-monatigem töchterchen war und die facharztausbildung gerade erfolgreich bestanden hatte,weiß ich nicht.vielleicht waren die genossen damals auch bloß froh,daß sich jemand dafür aufstellen ließ,denn die meisten waren ja nur noch damit beschäftigt,wie sich sich schnellstens ihres roten büchleins entledigen konnten...
egal,das führt jetzt zu weit.ich will damit bloß sagen,ICH habe-manchmal wahrscheinlich gegen windmühlenflügel-aber gekämpft,bis zum bitteren ende-der annektion.meine parteimitgliedschaft ließ ich ruhen,als ich 91 aus beruflichen gründen gen westen zog.
aus deinem beitrag entnehme ich,daß du ein kritischer mensch warst/bist.nur kann der mensch eben kritik konstruktiv und destruktiv betreiben.ich möchte dir hier nicht zu nahe treten,aber wenn ich lese "ich lag NIE auf partei-und staatslinie",dann muß ich dir hier auch ganz hart antworten:wieso hast du erwartet,daß dann dieser staat dafür sorgen sollte,daß du deinen beruf,oder arbeitsplatz wechseln kannst,weil es dir dort besser gefallen hätte? dieser staat,der dir eine kostenlose schul-und berufsausbildung gewährt hat und sich auch darum gekümmert hat,daß du als alleinstehende mutter arbeiten konntest...ich nehme mal an,daß du deine ausbildungskosten NICHT zurückzahlen mußtest,als du dem staat ddr den rücken gekehrt hast.so hätte ICH es nämlich gemacht-wer gehen will,bitte,bezahlen,was man inzwischen vom staat konsumiert hatte und ab...in den goldenen westen.
allerdings hätte ich auch in der frage volkseigentum einiges anderes gemacht,z.b.den arbeiter,angestellten des betriebes an IHREM betrieb beteiligt(volksaktie?).naja...auch DAS führt jetzt zu weit.
ich wollte dir damit eigentlich nur sagen,daß ich mit den "abgehauenen" auch heute noch mein problem habe.toleranz bei grundsätzlichen gegensätzen ist keine eigenschaft,die zu den meinigen gehört und-ich höre den aufschrei im forum-ich leide da nicht darunter.auch deswegen habe ich für mich entschieden,daß ich in einem mir fremden,aber von MIR ausgewähltem land besser leben kann,als in diesem mir ubergestülpten und verhaßten...
ich schrieb es schon irgendwo weiter oben:heute,nach 1,5 jahren,sage ich "zu hause",wenn ich von meiner neuen heimat spreche...

und nochmal zu den EIGENEN leuten:
http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...,537390,00.html

solche nattern hat die ddr an ihrem busen genährt.ich schäme mich einfach nur,diesem berufsstand nach 1990 noch für 16 jahre angehört zu haben...

saludos!

bittersweet


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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#29 von queeny , 25.02.2008 19:31

Hallo bittersweet! Auch wenn Du es vielleicht nicht glaubst. Ich kann Dich verstehen!!! Ich möchte über dieses Thema hier auch nicht weiter referieren. Ich glaube, das würde letztendlich den Rahmen dieses Forums sprengen. Ich fände es aber gut, wenn Du mir Deine privatem E-Mail-Adresse verraten würdest. Ich glaube schon, dass wir mehr Gemeinsamkeiten haben, als ich am Anfang dachte. Ich wohne seit über zwanzig Jahren im Westen und habe heute einen völlig anderen Blickwinkel als noch 1980-1985! Man kann da auch fragen, ob das die Weisheit des Alters ist? Meine E- Mail findest Du ja unter Einstellungen. Würde gerne so richtig auf Deine Anwort antworten, aber das ist nicht alles für die Öffentlichkeit bestimmt. "Big Brother ist überall!" Hoffe Du verstehst was ich meine. Dieses Forum hier ist sonst schon toll, das beste was ich bisher im Netz gefunden habe. Man kann sich über fast alles austauschen, aber eben nur fast. Mehr will ich dazu dann auch nicht sagen. Wenn Du zwischen den Zeilen lesen kannst, wirst Du schon verstehen, wie ich das meine. Lieben Grúss. Rebekka

 
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RE: Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls am 09. November 1989

#30 von Buhli , 25.02.2008 21:57

Schön, daß sich hier jemand eingegefunden hat, der (die) aus der "Parteiarbeit" plaudern können. Wieso ist der Lutscher gelutscht? Wie blind muß man sein um nicht zu erkennen, daß die Wiedervereinigung erst jetzt beginnt? Es wird immer mehr Know how aus der DDR sichtbar bzw. eingebracht. Bildungssystem, Kinderbetreuung, Polikliniken, usw. Leider auch das negative. Siehe Überwachungsstaat. Ist schon interessant, wie oft man hört, daß sich die einen oder anderen "Gesprächspartner" freiwillig einen Maulkorb aufsetzen. Das Problem hatte ich so in der DDR nicht, wie ich es heute erlebe.
Nun hackt mal nicht so auf der Frau Merkel rum. Die hat vor kurzem die Managergarde zusammengenietet. Das war schon mal stark. Nur haben die Manager was mit den DDR-Politikern gemeinsam. Die lassen sich nicht "beraten". Gleich gar nicht von einem "Ossi". Sie sagte nur im Schlußsatz: "Wenn Sie so weiter machen, fahren sie den Karren an die Wand. Ich weis wovon ich spreche." Die "Wessielite" beklagt sich ja, weil sie keine Entscheidung, sondern nach Möglichkeiten sucht. Einer ihrer ersten Antrittssätze war: "Ich möchte dem Land dienen." Darunter verstehe ich, nicht nur in der Politik. "Sich zurücknehmen." Sie scheint es den Politikern und Medienmachern Bonner Prägung, recht ordentlich vorzuleben. Die mußten doch auch nie Entscheidungen treffen. Die hat denen ja der Dicke und anschließend der Gerhard abgenommen.
Bittersweet wo ist jetzt Deine neue Heimat?
Über den Big Brother mach ich mir genauso wenige Gedanken, wie vor 1990. Der bewegt sich nur auf niedrigerem Niveau. Das macht ihn allerdings gefährlich. Nicht die Intelligenz sondern die Dummheit ist die Basis allen Übels. Vielleicht auch meine Dummheit?
Die letzten Wahlergebnisse und die darauffolgenden Reaktionen der Politiker, in Bezug auf die LINKE, zeigt doch ganz deutlich, daß die Politiker Bonner Prägung noch weit von Demokratie entfernt sind. Ganz zu schweigen von der Wiedervereinigung. Demokratie heißt auch Kompromissbereit zu sein. Ich lese aus den Ergebnissen nur: "Steckt eure Köpfe zusammen und führt dieses Land." Die Politiker haben bisher immer nur erklärt warum es nicht geht. Sollten die nicht nach Möglichkeiten suchen, wie es geht? Da würde ich nicht unbedingt von Betrug am Wähler sprechen, wenn nichts anderes möglich ist, als das eine oder andere Wahlversprechen zu widerrufen.
Bin ich da richtig, oder hab ich mich verhört? Mittlerweile kehren der BRD mehr Leute den Rücken, als damals der DDR?
Wisst Ihr das es zu den letzten Beiträgen schon einen Thraed gibt? Den könnte man ja wieder vorholen. Den hat der Thor eröffnet. Ich glaub "Guter Westen-böser Osten" heist er. Klinkt Euch mal da ein. Da gibt es reichlich Stoff. Bis zum nächsten Lebenszeichen.


Nehmt euer Herz in beide Hände, und macht was draus. (Zitat von Lutz Bertram. Ehemaliger blinder DT64 Moderator, den leider die Stasi in ihre Fänge bekam)
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