Ossi Forum - bundesweites Kontakt- und Unterhaltungsforum


RE: Identitätsverlust

#16 von mutterheimat , 06.06.2008 22:53

Mein Gott, Joe, meinen Respekt. Das hätte ich nicht gedacht, von dir. Zu so einer Linie (und öffentlich) gehört ein kräftiges Stück Mut. Ich gratuliere dir. Manch andere ziehen den Schwanz ein, wenn sie darauf angesprochen werden. Ich war seit meiner Lehrzeit (dritter Teil, von drei Teilen), ein völliger Gegner des Systems. Das hängt mit meiner Verwandschaft, meinem Umfeld und meinen Erfahrungen zusammen. Fast alle, (außer meinem Opa), männlichen Verwandten haben den Krieg überlebt. Vom absoluten Kommunisten, bis zum Anhänger, (aber kein Mitglied), der SS ist alles vertreten. Inzwischen sind fast alle tot. Ich hatte direkte Kontakte nach Finnland, BRD, Osteuropa. Ich habe mehr Informationen gehabt, als es gut war (und zwar direkt). Das hat auch die NVA unmittelbar nach der Einberufung gemerkt. Ich kannte genau das Helsinkiabkommen, das Haager Abkommen, etc. Aber ich bin in der DDR groß geworden. Es fällt mir extrem schwer, umzubauen. Ich erkenne die Mißstände bereits, da sind sie erst im Aufbau (hängt alles mit alter Information zusammen, seitens meines Onkels-Porzellanmanufaktur, Du weißt!!!!). Ich habe diesen Staat gehaßt und geliebt. Es war mein Identität. Ich war klarer und eindeutiger Anhänger von Helmut Kohls "Haufen". Alle, welche ich kannte, in meiner Verwandschaft, haben CDU gewählt. Sogar eine mir sehr nahe stehende, (um nicht zu sagen extrem, nahe) Person, (lebt noch heute, ist 98 Jahre), welche am liebsten einen Mann aus Braunau gewählt hätte, hat sich von mir überzeugen lassen. Es waren nicht umsonst die Herrschaften der "kalten Hand" bei mir zu Hause und sind, im wahrsten Sinne des Wortes, bei eben dieser Person, versehentlich gelandet. Das Echo kann sich jeder selbst ausmalen. Die DDR war mein Zuhause. Ich hatte die Möglichkeit, abzuhauen. Aber ich hatte keine direkten Verwandten im Westen. Das war der entscheidente Knackpunkt. Die DDR war tot, daß festzustellen war und ist, extrem schwer. Und es tut weh. Es ist wie eine Amputation eines Gliedes nach einem schweren Unfall. Genau dort hat man Schmerzen, aber das Glied gibt es gar nicht mehr. Es sind nur Nervenstränge, welche man gekappt hat.


Es ist immer besser, etwas aus originalen Quellen zu erfahren, als aus ganz besonders "klugen Köpfen".

 
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RE: Identitätsverlust

#17 von Schlawine , 06.06.2008 23:00


Also in stabi habe ich aufgepasst, aber westfernsehen konnte mann im tal der ahnungslosen nur bei extremen nebel etwas sehen; zu meiner vergangenheit stehe ich, bin damit schon oft angeeckt, habe keine cdu gewählt und werde es nie tun, ich war spd wähler und jetzt überlege ich ob ich überhaupt noch wählen gehe und solange mann mich nicht akzeptiert mit meiner vergangenheit werde ich auch hier nicht richtig an kommen, nä schaun wa mal[/quote]
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Kirschli,
wer dich nicht akzeptiert auf Grund deiner Vergangenheit auf den kannst du doch verzichten, oder ? Das sind Dumme die leider noch nichts kapiert haben.Du bist so eine tolle Frau die selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen will und dafür auch Unannehmlichkeiten und Mühen auf sich nimmt.Das kann nicht Jeder von sich sagen.Du bist intelligent und hast ganz vernünftige Ansichten.Ignoriere einfach dumme, überhebliche Menschen.Die polieren mit ihrem Verhalten nur ihr eigenes Ego auf.Übrigens weiß ich inzwischen auch nicht mehr was ich wählen soll da man ja nur die Wahl zwischen Dumm und Dümmer hat.


Schlawine

 
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RE: Identitätsverlust

#18 von Hartmut , 07.06.2008 07:59

Zur Wendezeit wahr ich noch in der UdSSR habe daher nicht viel persönlich erlebt .
Nur diese eine Demo habe ich mit meiner Frau damals erlebt einige Tausend Leute zogen mit BRD Fahne und auch DDR Fahne durch Stassfurt (damals hatten wir noch genug Mitbewohner)und riefen den auf allen TV Sendern zu hörenden Spruch wir sind das Volk.
Ehrlicherweise muss ich zugeben das es auf der Haut kriebelte ,ich will auch sagen das mir Persönlich die Wende Recht kam und ich mit meiner Familie jetzt so leben wie wir wollen alles das erreichten was wir vor hatten und es uns gut geht hier im Osten vorraussetzung wahr natürlich das wir beide Arbeit haben.
Noch mal zur Demo ich sah keinen von der CDU, SPD,oder anderen Partein nur die Reps hatten ne Menge Leute unterwegs um Zettel zu verteielen,kaum jemand nahm sie, heute ist das schon anders.
Kommt man heute mal mit Mitbürgern auf die Zeit zu sprechen und fragt wahrst Du auch zur Demo ,Ich ,nie ich wollte das System nicht die DDR wahr besser.
Ist doch komisch in der Stasie wahr auch keiner und in der Partei auch nicht seltsam in Deutschland muss es viele dubletten gegeben haben .
Hartmut


Es gibt soviel schlechtes auf der Welt.
Versuchen wir gutes daraus zu machen.

 
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RE: Identitätsverlust

#19 von kirschli ( gelöscht ) , 07.06.2008 16:01

@ schlawine, eh das geht ja runter wie öl

kirschli

RE: Identitätsverlust

#20 von WELLO , 09.06.2008 22:00

Zitat von mutterheimat
Ich habe diesen Staat gehaßt und geliebt.
Es war mein Identität. Die DDR war tot, das festzustellen war und ist extrem schwer. Und es tut weh. Es ist wie eine Amputation eines Gliedes nach einem schweren Unfall. Genau dort hat man Schmerzen, aber das Glied gibt es gar nicht mehr. Es sind nur Nervenstränge, welche man gekappt hat.


hallo mutterheimat,
Du bringst es auf den Punkt - mindestens ist es für mich theoretisch nachvollziehbar. So oder so ähnlich liest es sich auch in den anderen Beiträgen... Herauszulesen ist bei einigen ein ziemlich großer Frust-

Vielleicht bin ich zu sehr nüchterner Preuße, ohne es bisher so recht wahrgenommen zu haben: Kann man einen Staat hassen oder lieben? Offenkundig ja - aber ich könnte es nicht! Der frühere Bundespräsident Heinemann sagte mal zu diesem Thema: ich "liebe meine Frau..."
Also, zu meiner Zeit haben wir im DDR - Schulunterricht Deutschland noch als Ganzes behandelt, den DDR - Hymnentext noch gelernt (Deutschland, einig Vaterland...); ein Gedicht gelernt von Johannes R. Becher, Texdichter der DDR - Hymne), das fing an:

Deutschland, meine Trauer,
Du mein Fröhlichsein...


Irgendwo im Familienarchiv gibt es noch einen Autoatlas von Deutschland, herausgegeben vom Verlag Neues Deutschland in den 50er Jahren, mit der sinngenäßen Bemerkung, "möge es bald möglich sein, dass alle Deutschen überall hin in ihrem Vaterland fahren können...

Die Abgrenzungsdoktrin gegen die Westdeutschen wurde erst nach dem Mauerbau in der Sechzigern von E. Honecker installiert - und wie man feststellen kann, wirkt sie in manchen Köpfen noch nach, auf subtile Weise...

Verrückterweise gab es bis zum Ende der DDR die SED - Parteizeitung Neues Deutschland - sie gibt es immer noch... Überall woanders war der Begriff Deutschland zu einem Unwort erklärt worden...
Den Vogel schoß allerdings die Deutsche Reichsbahn ab, die gab es als DDR - Staatsbahn bis zuletzt - niemanden hatte dieser Name offenbar gestört... Das böse Deutsche Reich war ja eigentlich längst verblichen! Aber genau einen Hauch von diesem Deutschen Reich konnte man im früheren West - Berlin wahrnehmen, wenn man in den Untergrund stieg, auf einen kaum noch arbeitenden S-Bahnhof - die S-Bahn wurde ja von Ost - Berlin aus verwaltet und ab den sechziger Jahren von den Westberlinern boykottiert. Investiert wurde über Jahrzente nix; Ausnahme: Bahnhof Zoo - so entwickelte sich über die Jahre eine echte Museumslandschaft, mit Original - Einrichtungen aus den zwanziger und dreißiger Jahren, incl. der alten rumpligen S-Bahn mit dem kernigen Sound... den gibt e heute auch nicht mehr...

In jenen Tagen wurde auf beiden Seiten Gesamtdeutschland bemüht, als anzustrebendes Ziel - im Westen mit den berühmten Sonntagsreden, im Osten träumte man von einem gesamtdeutschen Sozialismus... Tatsächlich hatte man auf beiden Seiten aber genau in die entgegengesetzte Richtung gearbeitet, bis Willy Brandt eine vorsichtige Wende einleitete...

So ist es wichtig, dass man sich über die sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen ein- und derselben Vorgänge in diesem Forum austauschen kann. Ansonsten habe ich die Vorgänge im "fernen Westen" ähnlich wahrgenommen, wie sie von Hartmut und Joe beschrieben wurden...

Hier noch ein interessanter link:

http://www.ddr-im-www.de/index.php?itemid=460


Gruß Wello



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RE: Identitätsverlust

#21 von tommes , 12.06.2008 20:45

Ich frage mich schon länger, ob wir (bis ca. 35) überhaupt eine Identität haben

Im "Westen" wird man als "Ossi" behandelt und teilweise auch diskriminiert - im "Osten" und von "Ossis" wird uns vorgeworfen, dass wir den Osten nie erlebt haben und sowieso nicht mitreden können.

Als Beispiel nehme ich mal die Tochter von einem Dresdner Fahrer. Sie ist jetzt 20 und hat ihre Lehre in München gemacht. Von der DDR hat sie NICHTS richtig wahrgenommen - ist aber durch ständige abwertende Äußerungen von Gleichaltrigen (von Deutschen+Ausländern!) wieder in Dresden gelandet und fühlt sich dort - mit fast dem gleichen Geld - viel wohler.

thomas

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RE: Identitätsverlust

#22 von Buhli , 12.06.2008 21:43

Wello, das mit der Reichsbahn soll mit den damals noch existierenden Verträgen mit jener zu tun gehabt haben. Die Bundis haben ihre Bahn neu gegründet und haben sich somit von allen bestehenden Verträgen ohne "Nachwirkungen" trennen können. Es musste nichts um- sonder nur neu gestaltet werden. Der DDR blieb da nicht mehr viel übrig. Ein neuer zweiter deutscher Name hätte viel mehr Kosten verursacht, als das Beibehalten der alten Verträge. Die Währungsunion hat noch mal 1990 Beweise dafür geliefert. Alle Verträge, die in DDR-Mark verfasst wurden, waren über Nacht wertlos. Somit waren auch die Vertragspartner raus und so mancher Betrieb nur deshalb zum Tode verurteilt.


Nehmt euer Herz in beide Hände, und macht was draus. (Zitat von Lutz Bertram. Ehemaliger blinder DT64 Moderator, den leider die Stasi in ihre Fänge bekam)
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RE: Identitätsverlust

#23 von tommes , 12.06.2008 22:11

Zitat von tommes
Ich frage mich schon länger, ob wir (bis ca. 35) überhaupt eine Identität haben

Im "Westen" wird man als "Ossi" behandelt und teilweise auch diskriminiert - im "Osten" und von "Ossis" wird uns vorgeworfen, dass wir den Osten nie erlebt haben und sowieso nicht mitreden können.

Als Beispiel nehme ich mal die Tochter von einem Dresdner Fahrer. Sie ist jetzt 20 und hat ihre Lehre in München gemacht. Von der DDR hat sie NICHTS richtig wahrgenommen - ist aber durch ständige abwertende Äußerungen von Gleichaltrigen (von Deutschen+Ausländern!) wieder in Dresden gelandet und fühlt sich dort - mit fast dem gleichen Geld - viel wohler.

thomas


@WELLO + Buhli: Eure Beiträge sind immer sehr interessant und ich kann mit eurer Lebenserfahrung nicht mithalten - das bestreite ich auch nicht!!
Ich wollte nur mal wieder einen anderen Gedankengang einbringen, der dem ursprünglichen Thema entspricht.

thomas

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RE: Identitätsverlust

#24 von obelix , 12.06.2008 22:37

@ Tommes

Du hast keine Identität und die der älteren von uns wirst du nie erreichen.

Du weißt doch nicht von was du schreibst laß es das hat dir schon mal jemand empfohlen.

Du kennst die DDR nicht und den Westen auch nicht was soll das????

SPUND !!

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RE: Identitätsverlust

#25 von mathias , 12.06.2008 22:43

Zitat von obelix
@ Tommes

Du hast keine Identität und die der älteren von uns wirst du nie erreichen.

Du weißt doch nicht von was du schreibst laß es das hat dir schon mal jemand empfohlen.

Du kennst die DDR nicht und den Westen auch nicht was soll das????

SPUND !!


Jungspund, wenn ich bitte darf, Jungspund


Spürst du es in dir? Wie uns das Leben erfüllt mit Glück? Wir alle sind hier zu leben unser Geschick. Sing ein Lied! Vergiss die Sorgen, wenn ein Tag zu Ende ist! Komm vertrau auf morgen, weil das Leben es uns verspricht!

Es war einmal..das Leben

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RE: Identitätsverlust

#26 von tommes , 12.06.2008 22:47

Danke Obelix

Konsequent scheinst Du nicht unbedingt zu sein

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RE: Identitätsverlust

#27 von tommes , 12.06.2008 23:02

Zitat von tommes
Ich frage mich schon länger, ob wir (bis ca. 35) überhaupt eine Identität haben

Im "Westen" wird man als "Ossi" behandelt und teilweise auch diskriminiert - im "Osten" und von "Ossis" wird uns vorgeworfen, dass wir den Osten nie erlebt haben und sowieso nicht mitreden können.

Als Beispiel nehme ich mal die Tochter von einem Dresdner Fahrer. Sie ist jetzt 20 und hat ihre Lehre in München gemacht. Von der DDR hat sie NICHTS richtig wahrgenommen - ist aber durch ständige abwertende Äußerungen von Gleichaltrigen (von Deutschen+Ausländern!) wieder in Dresden gelandet und fühlt sich dort - mit fast dem gleichen Geld - viel wohler.

thomas

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RE: Identitätsverlust

#28 von obelix , 12.06.2008 23:21

Schließt hier im ossiforum der Kindergarten
nie??

... .. .....!!

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RE: Identitätsverlust

#29 von tommes , 12.06.2008 23:29

Ich frage mich schon länger, ob wir (bis ca. 35) überhaupt eine Identität haben

Im "Westen" wird man als "Ossi" behandelt und teilweise auch diskriminiert - im "Osten" und von "Ossis" wird uns vorgeworfen, dass wir den Osten nie erlebt haben und sowieso nicht mitreden können.

Als Beispiel nehme ich mal die Tochter von einem Dresdner Fahrer. Sie ist jetzt 20 und hat ihre Lehre in München gemacht. Von der DDR hat sie NICHTS richtig wahrgenommen - ist aber durch ständige abwertende Äußerungen von Gleichaltrigen (von Deutschen+Ausländern!) wieder in Dresden gelandet und fühlt sich dort - mit fast dem gleichen Geld - viel wohler.

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RE: Identitätsverlust

#30 von joesachse , 12.06.2008 23:38

Zitat von obelix
Schließt hier im ossiforum der Kindergarten
nie??

... .. .....!!


Wenn Deine Mutti dich endlich abholen würde, könnten wir ja schließen.

 
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