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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#31 von mirko83 , 28.12.2008 23:29

Hallo conny1310 und bummi,

danke für eure Beiträge. Zunächst: Ich denke nicht das eine Diskussion sinnlos ist.

Leider bin ich wohl zu jung um die DDR aus eigenen Erfahrungen als Staatsbürger zu kennen. Ich kenne sie nur aus Erzählungen und Medien.
Wir liegen wahrscheinlich von der Meinung her auch gar nicht so weit auseinander.
Die Fragestellung bezog sich auf die DDR, nicht auf einen Vergleich zur heutigen BRD, zumindest habe ich es so aufgefasst und mich ausschliesslich darauf bezogen.
Über Sanktionen und Strafen in der BRD würde ich gern mehr erfahren, gern könnte man ein eigenes Thema starten.

Das die heutige BRD besser ist habe ich zu keiner Zeit behauptet, nur erwähnt was ich besser zu glauben finde. Auch war nicht alles schlecht in der DDR, im Gegenteil.
Die heutige Regierung findet in keinster Weise meine Zustimmung. Aber das steht auf einem anderen Blatt...

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#32 von bummi , 29.12.2008 01:21

Zitat von mirko83
Hallo conny1310 und bummi,

danke für eure Beiträge. Zunächst: Ich denke nicht das eine Diskussion sinnlos ist.

Leider bin ich wohl zu jung um die DDR aus eigenen Erfahrungen als Staatsbürger zu kennen. Ich kenne sie nur aus Erzählungen und Medien.
Wir liegen wahrscheinlich von der Meinung her auch gar nicht so weit auseinander.
Die Fragestellung bezog sich auf die DDR, nicht auf einen Vergleich zur heutigen BRD, zumindest habe ich es so aufgefasst und mich ausschliesslich darauf bezogen.
Über Sanktionen und Strafen in der BRD würde ich gern mehr erfahren, gern könnte man ein eigenes Thema starten.

Das die heutige BRD besser ist habe ich zu keiner Zeit behauptet, nur erwähnt was ich besser zu glauben finde. Auch war nicht alles schlecht in der DDR, im Gegenteil.
Die heutige Regierung findet in keinster Weise meine Zustimmung. Aber das steht auf einem anderen Blatt...


im direkten vergleich, @mirko,
wag ich, für mich, zu behaupten, die ddr war besser.
ich weiß, daß ich damit dem vorwurf ausgesetzt bin, ich wäre ein mitschwimmer oder nutznieß
der ddr gewesen; bis hin zur lauscher-mythologie.
besondere aspekte, die nicht mit "das-war-besser-damals" abgetan werden können, kann ich ohne weiteres mal
anfügen, wenn du interesse hast.
zu nennen wären in erster linie die zehn-klassen-schule, nebst aller außerschulischen bildungen,
die solide facharbeiterausbildung und auch weitere bildungswege,
das freizeitangebot, besonders für junge leute,
die arbeitszeit und die bewegung dahin und zurück
und die überdurchschnittliche qualität der lebensmittel.
von mangel, wie er heute dargestellt wird, kann ich nicht berichten.
das liegt zum teil daran, daß ich koch bin und eben aus haxen,
rippchen, kochfleisch etc. ziemlich gute essen herstellen konnte/kann.
gesoffen hab ich nie sonderlich, so das mir bestimmte "in - sorten", wie
kirschlikör, mokka-edel oder apfellikör, nie gefehlt haben.

im gegensatz zu heute haben wir ausgesprochen gesund gelebt.
ich bitte, das im vergleich zu berücksichtigen.
alle sportvereine, in denen ich mitgemischt habe, existieren heute nur noch schattenweise.
dazu fristen sie ein dasein in sportanlagen, in denen wir nicht mal unseren müll gelegt hätten.

alle paar jahre besuch ich meine "heimat", wobei mir die bezeichnung mitunter schwer fällt.
ich sehe überall nur abwärtsbewegung statt "blühende landschaften".
die paar stadtzentren, die regelrecht verbaut sind, mag ich deswegen nicht unbedingt erwähnen.
alles andere verkommt. und das in einem besorgniserregenden tempo.
vor zwei oder drei jahren haben wir mal, mit paar landeskollegen, eine mototour gemacht.
ich wollte ihnen "den osten" zeigen.
wir waren vom harz bis in die bastei, sogar bis berlin unterwegs.
alle meine mitfahrer waren schockiert. vom ist-zustand! einige kannten die ddr noch.
das ist eine rein subjektive darlegung. jeder sieht das anders.

kh

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#33 von mirko83 , 29.12.2008 15:00

Zitat von bummi

im direkten vergleich, @mirko,
wag ich, für mich, zu behaupten, die ddr war besser.
ich weiß, daß ich damit dem vorwurf ausgesetzt bin, ich wäre ein mitschwimmer oder nutznieß
der ddr gewesen; bis hin zur lauscher-mythologie.

kh


Ich würde nie jemandem etwas unterstellen

Außerdem stimme ich dir in allen genannten Punkten zu! (Nur das mit der Lebensmittelqualität kann ich pers. nicht beurteilen.

Das mit der Chancengleichheit bei der Ausbildung ist für mich wohl der größte Unterschied, dem sich die BRD geschlagen geben muss.

Was ich aber nicht objektiv beurteilen kann sind die Vorraussetzungen dafür. Von vielen weiß ich, dass man zur NVA musste um studieren zu dürfen. Eine alternative, bis auf Bausoldaten, gab es nicht. Weiterhin wurde bei vielen Dingen ein "Parteibuch" in der Hand verlangt?

Wie würdest du das aus eigener Erfahrung beurteilen?

Selbst bin ich gegen diesen massiven Sozialabbau und Raubtierkapitalismus der sich in den letzten Jahren ausgebreitet hat. Ich (links) kann mich noch gut daran erinnern als 98 die SPD an die Macht kam. Ich hatte die Hoffnung und den Optimismus: "Jetzt geht es wieder bergauf." Das waren aber aus heutiger Sicht Verbrecher am Volke, genauso wie es die Gewerkschaften mittlerweile sind.

Ich weiß nicht wie das noch weitergehen soll, ich bin jung, gut ausgebildet und sehe so langsam keine Perspektive mehr in diesem Land.

Soviel zu meiner Meinung zur heutigen BRD. Ich selbst würde von mir sagen: "Ich bin nicht Staatsfeindlich, aber Regierungsfeindlich."

Gruß

Mirko

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#34 von DeutschLehrer , 29.12.2008 15:54

@mirko
So wie man in der DDR mangelnde Leistung durch "gesellschaftliche Aktivität" ausgleichen konnte ( Dreier-Abitur + FDJ-Funktionär) konnte man umgedreht mit sehr guten Leistungen auch Schwächen im gesellschaftlichen Bereich etwas ausgleichen. Ich selbst habe es auch geschafft, ohne Parteibuch zu studieren. Es war sicher auch örtlich verschieden und immer von konkreten Menschen abhängig, welche Bedeutung ein Parteibuch oder ähnliches hatte

DeutschLehrer

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#35 von mirko83 , 29.12.2008 17:02

Zitat von DeutschLehrer
@mirko
So wie man in der DDR mangelnde Leistung durch "gesellschaftliche Aktivität" ausgleichen konnte ( Dreier-Abitur + FDJ-Funktionär) konnte man umgedreht mit sehr guten Leistungen auch Schwächen im gesellschaftlichen Bereich etwas ausgleichen. Ich selbst habe es auch geschafft, ohne Parteibuch zu studieren. Es war sicher auch örtlich verschieden und immer von konkreten Menschen abhängig, welche Bedeutung ein Parteibuch oder ähnliches hatte

DeutschLehrer


Danke für die Antwort.
Vieles wahr wohl vom Wohlwollen bestimmter Menschen abhängig.
Beispielsweise durfte mein Onkel nicht den Meister machen, weil er nicht in der Partei und zudem noch in der Kirche war.
Ein Dozent von mir wollte studieren und sollte dafür zum Militär. Er wollte zur Marine, wurde dafür aber ausgemustert.
Als man später an ihn herantrat und sagte er solle studieren, sagte er: "Nur wenn ich zur Marine komm!" - Und prompt fand er sich auf einem U-Boot wieder.

Egal wie, konnte man in der DDR aber an eine höhere Ausbildung kommen. Für viele ist dies heute nicht möglich...

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#36 von Pamina , 29.12.2008 17:23

Als ich das erst Mal nach der Wende im "Westen" war, da beeindruckte mich meine gleichaltrige Cousine total und war prägend für mich bis heute.
Sie sagte;"Wäre ich in der DDR aufgewachsen, dann wäre ich ganz sicher in der Partei gewesen, wenn nicht sogar Parteisekretär,wenn es eben meiner Karriere genützt hätte"
Ich fand das so toll, dass sie nicht die Wertung über uns abgegeben hat, sondern ihre Sichtweise verdeutlicht hat.

Ich wünschte mir hier oft auch mal so viel Toleranz, aber alles wird immer intolleranter hier, jeder sucht nur Vergleiche, aber die hinken sowieso immer und die Vielfältigkeit der subjektiven Betrachtung ist viel zu groß, deshalb kommen oft nur Halbherzigkeiten und Verletzungen für eine Seite heraus, manches mag man gar nicht mehr lesen, weil man sich schämt, wenn das einer liest, der nicht im Osten groß wurde.
Viele Dinge ,die uns früher so verletzt haben, waren nämlch auch nur solche Sachen,durch die sich irgend so ein Parteiheini oder Hochschläfer profilieren wollte, die Anweisung hatte er oft gar nicht solchen Quatsch durchzusetzen,aber sowas gab,gibt und wird es immer geben,egal welches System gerade angesagt ist.

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#37 von mutterheimat , 29.12.2008 18:04

Zitat von mirko83
Zitat von DeutschLehrer
@mirko
So wie man in der DDR mangelnde Leistung durch "gesellschaftliche Aktivität" ausgleichen konnte ( Dreier-Abitur + FDJ-Funktionär) konnte man umgedreht mit sehr guten Leistungen auch Schwächen im gesellschaftlichen Bereich etwas ausgleichen. Ich selbst habe es auch geschafft, ohne Parteibuch zu studieren. Es war sicher auch örtlich verschieden und immer von konkreten Menschen abhängig, welche Bedeutung ein Parteibuch oder ähnliches hatte

DeutschLehrer


Danke für die Antwort.
Vieles wahr wohl vom Wohlwollen bestimmter Menschen abhängig.
Beispielsweise durfte mein Onkel nicht den Meister machen, weil er nicht in der Partei und zudem noch in der Kirche war.
Ein Dozent von mir wollte studieren und sollte dafür zum Militär. Er wollte zur Marine, wurde dafür aber ausgemustert.
Als man später an ihn herantrat und sagte er solle studieren, sagte er: "Nur wenn ich zur Marine komm!" - Und prompt fand er sich auf einem U-Boot wieder.

Egal wie, konnte man in der DDR aber an eine höhere Ausbildung kommen. Für viele ist dies heute nicht möglich...

Hallo mirko83. Ich habe etwas für dich, http://www.youtube.com/watch?v=tecEO66-KME&feature=related, U Boote durfte die DDR nicht besitzen (genauso, besaß die Bundeswehr damals, niemals U-Boote unter deutschem Kommando, diese Boote fuhren unter dem Oberkommando der USA, Englands und Frankreichs). Das hängt alles mit dem Vertrag von den Siegermächten zusammen. Mein Kumpel 3 Jahre jünger als ich, war auch bei der Marine (Minensuch/legerboot). Ein Scheißjob, wenn man aus dem Süden ist, (an die Zugverbindung und an den Winter denken). Aber du hast Recht. Es ging nach der "Nase". Ich hatte die Chance, mit Jugendtourist ins NSW Gebiet zu fahren. Aber meine "Nase" war nicht genau in der "Mitte", als ich sagte, entweder die Fahrt, (Italien) steht, (egal was passiert), oder ihr könnt sie euch an den Hut stecken. Ich hatte 6000 DDR Mark angesetzt (Reise-Zielland USA, oder Kanada, oder Australien, Neuseeland). Italien hatten sie mir angeboten. Mein Geld war somit viel zu hoch angesetzt. Das nur nebenbei. Meine Erste Reise ging nach der Mauer und unmittelbar nach der Währungsunion nach Spanien. Pamina hat Recht, mit dem was sie schreibt. Man stößt sehr oft an Unverständnis. Ganz besonders bei den jungen Leuten. Sie können sich nicht hineinversetzen, genauso können wir uns nicht in eine/n Wehrmachtsangehörige/n hineinversetzen.


Wer sind die besten Fälscher der Welt? Die Medien!!!!

 
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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#38 von bummi , 29.12.2008 18:19

Zitat von mirko83
Zitat von bummi

im direkten vergleich, @mirko,
wag ich, für mich, zu behaupten, die ddr war besser.
ich weiß, daß ich damit dem vorwurf ausgesetzt bin, ich wäre ein mitschwimmer oder nutznieß
der ddr gewesen; bis hin zur lauscher-mythologie.

kh


Ich würde nie jemandem etwas unterstellen

Außerdem stimme ich dir in allen genannten Punkten zu! (Nur das mit der Lebensmittelqualität kann ich pers. nicht beurteilen.

Das mit der Chancengleichheit bei der Ausbildung ist für mich wohl der größte Unterschied, dem sich die BRD geschlagen geben muss.

Was ich aber nicht objektiv beurteilen kann sind die Vorraussetzungen dafür. Von vielen weiß ich, dass man zur NVA musste um studieren zu dürfen. Eine alternative, bis auf Bausoldaten, gab es nicht. Weiterhin wurde bei vielen Dingen ein "Parteibuch" in der Hand verlangt?

Wie würdest du das aus eigener Erfahrung beurteilen?

Selbst bin ich gegen diesen massiven Sozialabbau und Raubtierkapitalismus der sich in den letzten Jahren ausgebreitet hat. Ich (links) kann mich noch gut daran erinnern als 98 die SPD an die Macht kam. Ich hatte die Hoffnung und den Optimismus: "Jetzt geht es wieder bergauf." Das waren aber aus heutiger Sicht Verbrecher am Volke, genauso wie es die Gewerkschaften mittlerweile sind.

Ich weiß nicht wie das noch weitergehen soll, ich bin jung, gut ausgebildet und sehe so langsam keine Perspektive mehr in diesem Land.

Soviel zu meiner Meinung zur heutigen BRD. Ich selbst würde von mir sagen: "Ich bin nicht Staatsfeindlich, aber Regierungsfeindlich."

Gruß

Mirko


langsam kommt mer zu ner recht verträglichen plauscherei. freut mich, @mirko.
in meinem fall kann ich sagen, daß ein studium auch ohne den ganzen militärfirlefanz möglich war.
auch im fall meines bruders. der hat direkt studiert und ich auf abendschule, parallel zum beruf.
die zweite variante, also meine, fand ich persönlich besser, weil´s dadurch keine finanziellen hürden gab,
bzw. das studium bei vollem verdienst möglich war. ich war auch der meinung, daß mer bissl
fachliche grundkenntnisse brauchte, um in unserem beruf mitreden zu können.
der beruf war praktisch mein urwunsch. die entsprechenden studien ergaben sich mit der qualifikation.
als junger mann hab ich schnell festgestellt bzw. feststellen müssen, daß zu zeitig übertragene verantwortung
zu einer art überheblichkeit führt, die der gesamtentwicklung ungeheuer schadet. mir war deshalb eine
dosierte entwicklung lieber.
die lebensmittelqualität ist, besonders im fleischsektor, heute, erheblich schlechter als zu ddr-zeiten.
in der eu-norm wird fleisch ausnahmslos gepoltert, sprich - leicht gepökelt, gehandelt. das war in der ddr
verboten. also, jeder, der ein stück fleisch kauft, bekommt im grunde schinken:-))) bei fisch und käse
gilt ungefähr das gleiche. gemüse, ist glaub ich ein thema, daß mer heut den punkt erreicht haben,
an dem ausnahmslos frühreife erzeugnisse gehandelt werden. dazu kommt die unglaubliche vielfalt und menge
an "spritzmitteln" - ich schreib´s mal so weitläufig, weil wir heut schon gegen "stoßflecke" spritzen!

zum thema spd getrau ich mir gar nicht, meine meinung zu sagen.
nach dem krieg, in der neuen ddr, haben viele kommunisten die zusammenlegung mit der spd abgelehnt und
diese bewußt sabbotiert. unter anderem auch einer meiner großväter. in modernen archiven und entsprechenden
dokus kann jeder genug material finden, warum sie das taten. die vergangenen jahre dürften letztlich auch
zweifelnde bundesbürger überzeugt haben. wir sind hier aber in keinem polit - forum, wo mer das ganze
bis zuletzt auspuzzl´n kann. da müßt´mer eher nen seperaten strang eröffnen. natürlich nach
einer abstimmung:-))). im grunde isses aber der form des forums nicht gerecht.

der ddr-bürer hatte auch probleme. meist menschliche.
von den sorgen, die wirklich das leben belasten, wie arbeitslosigkeit, gesundheitsfürsorge, freizeitdefizide,
einsamkeit, rechtsunsicherheit etc., konnten ddr-bürger nur träumen. was wir heute als ganz normal betrachten,
wie die auswahl nach preis, farbe etc., stand für uns nicht zur debatte. das heißt für mich, ich bin angehalten,
jedes angebot, jeden vertrag, jedes schriftstück, jede aussage usw., zu prüfen und abzulegen/zu archivieren.
mein gott. dafür konnten wir uns locker, betont, mal in ne schlanghe stellen, um im frühjahr ´n paar frische gurken
zu bekommen. wobei die sicher keine mangelware waren. sie waren eher zu teuer.
heute stehe ich in bedeutend längeren schlangen, bei erheblich weniger freizeit.
nur eben wo anders.

kh














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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#39 von conny1310 , 29.12.2008 21:21

Hey,

hier gehts ja richtig schnell ab, wenn man mal nen Tag nicht reinschaut kommt man kaum nach mit lesen.

Du konntest dich sogar ohne Probleme während der Arbeitszeit in eine Schlange stellen (natürlich nicht wenn einer an einem Band in der Prod. stand, obwohl ich glaube die haben auch Leute abgestellt wenns was gab) passiert ist dir da nichts. Kein Meister hätte sich getraut was zu seinen Arbeitern zu sagen. Der Witz, mein Mann muß heute um einen Tag regulären Urlaub regelrecht betteln, in seiner Firma ist Urlaub Luxus. Er hat nicht mal die Zeit sich in der Freizeit in "irgendwelche Schlangen" von heute zu stellen. Weil Freizeit gibt es fast keine. Dieses Jahr mußte er mal nen neuen Ausweis beantragen, dafür muß man aber unterschreiben am besten persönlich auf dem Amt. Ich hab der Dame gesagt wenn sie um 20.00 Uhr abends noch da ist schicke ich meinen Mann vorbei oder vielleicht am Sonntag.
Das gab einen Zirkus weil sich diese Leute hinter ihren Schreibtischen gar nicht vorstellen können wie manche Menschen arbeiten müssen.

Heute ist nichts mehr so wie es scheint, alles muß hinterfragt werden, keinem kann man mehr trauen und selbst gesetzlich zustehende Rechte muß man heutzutage vor Gericht einklagen mit dem Risiko dadurch seinen Job zu verlieren.

Früher gabs halt keinen Tomatenketchup und Schinken nur an Weihnachten (dafür hat er wenigstens geschmeckt). Haben gerade gestern unserem Sohn erklärt das alles ausser Nutella und Schinken auf unserem Frühstückstisch früher auch zu finden war. Er neigt auch oft dazu zu sagen: " das hattet ihr ja alles nicht". Diese Meinung scheint sich wirklich unter den Jungen zu festigen. Da haben wir noch viel Arbeit.

Zu NSW Reisen, da hatte ich auch mal ne Möglichkeit über die FDJ (Schweiz wäre es gewesen). Bis heute kann ich die Absage dazu nicht begreifen. Ich sag mal mein Elternhaus war sicher politisch voll korrekt und ich war zwar noch jung aber eigentlich nie ein "Wackelkandidat", aber mein Mann war zu dem Zeitpunkt gerade bei der Fahne (NVA 3 Jahre).

Das war der Grund für eine Ablehnung, keine Ahnung welche Geheimnisse ich hätte ins Ausland tragen können, abgehauen wäre ich doch niemals...
Dann kam ich mir auch noch blöd vor weil die Reisen ja den Betrieben zugeteilt wurden und wenn eine Ablehnung kam war die Reise für den Betrieb weg, es konnte also auch kein anderer mehr fahren.

Die haben ihren eigenen Leuten nicht mehr vertraut und hatten glaub ich Angst vor allem und jedem, oder es gibt noch Gründe von denen ich eben nichts weiß.
Vielleicht war meine Nase auch blos nicht ganz in der Mitte.

Das mit den Lebensmitteln kann ich zwar nicht so beurteilen aber ich glaube es gleich, bei den Skandalen jedesmal wenn man Nachrichten hört.

Pamina, ich bin der festen Überzeugung die Masse der Leute die ich hier heute kenne wäre damals in der Partei gewesen, so wie sie( hier im Dorf) in ihre Kirche laufen
weil es halt alle immer so gemacht haben. (Sie gehen eh nur an Kommunion, Hochzeit, Taufe allerhögstens noch an Weihnachten hin)
Mir sind diejenigen näher die gläubig sind und keine Institution dazu brauchen. Als "Linker" ist man denen eigentlich viel näher.

Noch eine kleine aktuelle Geschichte zum Schluß. Auf unserer diesjährigen Weihnachtsfeier vom Sprtverein stand ich vor der Tür neben den Rauchern (wartend auf meinen Mann) als man sich angeregt über die Ossis unterhielt ohne mich wahrzunehmen. Ihr müßt wissen da war jemand zwei Wochen in Görlitz un hat festgestellt das die Bratwurst dort nur 1,80 auf dem Weihnachtsmarkt kam. (in Wimpfen 4,00 Euro) Nun meint er natürlich es wäre doch nur recht wenn die auch 10 Prozent weniger verdienen, weil da ja alles billiger ist..... Vom Solizuschlag mal ganz abgesehen, er meint nähmlich er sponsort damit die billige Bratwurst
Nun als er mich bemerkte fühlte er sich etwas ertappt und fragte mich doch sogar nach meiner Meinung. Ich bin ja nun nicht ganz unbefangen hab ich ihm gesagt,
aber die Butter und die Milch beim Kaufland kost ja wohl in Sachsen das gleiche wie hier. Ihm zu erklären das Fleischer und Bäcker wohl noch etwas günstiger sind weil sonst wohl keiner mehr da hin gehen würde und sich das leisten könnte war mehr als schwierig. Denn eins konnte ich auch sagen als ich vor acht Jahren hier her zog hatte ich im Osten die gleiche Miete wie hier, und die Nebenkosten waren eher im Osten höher...

Ich weiß nur nicht inwieweit die einem wirklich zuhören und auch glauben, vielleicht meinen sie auch wir wollen immer alles nur rechtfertigen.
Wie sind eure Erfahrungen mit sowas?

conny

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#40 von bummi , 30.12.2008 01:49

ah, @conny, tomatenketchup und schinken hab ich einfach selbst gemacht.
eierlikör, schokobecher, orangenjus usw. auch. ist alles nicht schwer und ging auch leicht massenhaft herzustellen.
waffelbecher habe ich aus hippenteig hergestellt. die waren eigentlich besser als das original. da muß mer nur schnell sein:-))

in lokale oder gaststätten, in denen ich nicht rauchen kann, gehe ich nicht..
das heißt bei uns, daß mer allerhöchstens im sommer oder bei entsprechenden temperaturen in lokale geht,
die einen garten haben. ein paar lokale bieten einen extraraum. dazu müßte ich mit dem auto fahren:-)))
das rauchverbot haben wir schon paar jahre länger als deutschland. jetzt, und das kommt sicher auch noch in de.,
gibt es keinen alkohol mehr ab zwölf in der nacht. ich quieck mich blöde. alle discos hören auf. bloß gut,
daß wir nicht mehr in die disco müssen:-)
frei nach dem sprichwort: ´alkohol und nikotin, rafft die halbe menschheit hin´.

so parteimitgliedschaften waren, glaub ich, eher instrumente der disziplinierung.
man konnte praktisch einem abteilungleiter, im geeigneten rahmen, richtig die levitten lesen, was normal
so kaum möglich war. ich hab an der trasse gedient und sollte, von muß war keine rede,
freund der fdj, dsf-mitglied und kandidat der partei sein. alles erstreckte sich auf die dauer des einsatzes.
die argumentation, daß alle diese organisationen auch die trägerschaften des projektes hielten,
überzeugte mich. ich war weder pionier, noch fdj-ler. in meinem fall ist sozusagen, der staat in vorleistung
getreten. ich schätze das heute noch.

kh









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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#41 von tommes , 30.12.2008 01:59

Hallo bummi,

mit welcher Begründung konntest Du nicht Pionier oder FDJ-Mitglied sein? In meiner Klasse ging das nur bei Kindern von Ausreisewilligen oder Christen.

thomas

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zuletzt bearbeitet 30.12.2008 | Top

RE: Fragen zum Leben in der DDR

#42 von mirko83 , 30.12.2008 10:39

Hallo zusammen,

ja langsam wird das eine angeregte Plauscherei.

Die Ausgangsfrage war ja,: "Was wisst ihr noch über das Leben in der DDR?"

Irgendwie viel mir gestern wieder ein, dass meine Familie als kinderreich galt und es Vergünstigungen gab. Ich kann mich aber nur noch dunkel daran erinnern.

Beim googeln bin ich auf folgende links gestoßen:

http://www.volkmar-weiss.de/iq-falle-s150.html

http://www.mdr.de/damals-in-der-ddr/lexi...nd-1593128.html

http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/99714.html

http://cgi.ebay.de/24-Essenmarken-f%FCr-...227112001r17028


http://www.mensch-home.com/DDR.htm


Wie war das denn ???

- kostenlose Schulspeisung für kinderreiche ?
- höhere Stipendien für kinderreiche ?
- verkürzte Arbeitszeit für Frauen (kinderreich)?
- Haushaltstag ?
- zwei Tage bezahlte Freistellung für´s Studium der Frauen, wohlgemerkt pro Woche ?
- leichtere Arbeit für Schwangere bei vollem Gehalt ?


Was wisst ihr noch darüber, über die Familienpolitik der DDR ?


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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#43 von conny1310 , 30.12.2008 11:18

Da war man halt als Koch gut dran wenn man viel selber machen konnte. Ich erinnere mich auch das meine Oma Ketchup selber geamcht hat. War ja nur ein Beispiel, weil ich manchmal meine meine Kids können heute ohne Tomatenketchup nicht mehr leben.
Das der Mangel an vielen Dingen die Menschen halt auf die Palme bringt war abzusehen. Heute würden sie vielleicht gern auf das eine oder andere verzichten.
Manchmal denke ich man muß die Menschen erst mit allen materiellen Dingen regelrecht zuschütten, damit sie den Horizont für anderes frei bekommen. Man muß vielleicht erst einmal alles besitzen und verlieren ehe man andere Werte zu schätzen weiß. Das passt zum Sprichwort das man nur aus Schaden klug wird.

Irgendwo hab ich das Beispiel schon mal gebracht, ich hab in einer Schuhfabrik geschafft und ein großer Teil der Kinderschuhe ging in den Export(natürlich die die toll aussahen). Es ist schon krass wenn die Leute jeden Tag tolle Schuhe produzieren und sie selber nicht kaufen können. Ich weiß noch wie ich vor meiner Hochzeit geheult habe weil ich keine weißen Schuhe in meiner Größe kriegte und hab in der Schuhfabrik gearbeitet. Das war schon krass.

Den Haushaltstag fand ich cool, bin auch noch in den Genuss gekommen. Zum putzen wurde er natürlich kaum genutzt...

Die Arbeit für schwangere weiß ich auch nicht so genau, im Büro war das nicht das Problem, durften glaube nur keine Schicht mehr machen. Aber ähnliche Regelungen gibt es heute glaub ich auch. Hab ne Freundinn die an ner Tankstelle schafft die durfte auch gleich nicht mehr arbeiten als sie schwanger war. Wird irgendwie bezahlt freigestellt. Ich weiß nicht obs krank ist oder der Arbeitgeber bez. muß.

Auch bei den kinderreichen Familien kenn ich mich leider nicht so aus.

Hey bummi beim rauchen muß ich als heutige Mitarbeiterin in der Gastronomie leider sagen das ich froh bin wenn das Rauchverbot bestehen bleibt.
Tut mir leid für dich, ich hab auch so nen Qualmer zuhause aber der ging beim Essen immer schon raus und sagt es stört ihn nicht.

Wenn ab zwölf kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird können die aber nicht viel Umsatz machen da vor 11.00 doch soundso keiner heute weg geht zur Disko.
Aber die Jungen heute haben sich warscheinlich schon bis 24.00 ins KOMA gesoffen... ist ja auch furchtbar.

Das war bei uns eben noch ganz gesittet, da ging man schon gegen 18.00 und war um 24.00 wieder zuhause....

conny




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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#44 von bummi , 30.12.2008 11:39

Zitat von mirko83
Hallo zusammen,

ja langsam wird das eine angeregte Plauscherei.

Die Ausgangsfrage war ja,: "Was wisst ihr noch über das Leben in der DDR?"

Irgendwie viel mir gestern wieder ein, dass meine Familie als kinderreich galt und es Vergünstigungen gab. Ich kann mich aber nur noch dunkel daran erinnern.

Beim googeln bin ich auf folgende links gestoßen:

http://www.volkmar-weiss.de/iq-falle-s150.html

http://www.mdr.de/damals-in-der-ddr/lexi...nd-1593128.html

http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/99714.html

http://cgi.ebay.de/24-Essenmarken-f%FCr-...227112001r17028


http://www.mensch-home.com/DDR.htm


Wie war das denn ???

- kostenlose Schulspeisung für kinderreiche ?
- höhere Stipendien für kinderreiche ?
- verkürzte Arbeitszeit für Frauen (kinderreich)?
- Haushaltstag ?
- zwei Tage bezahlte Freistellung für´s Studium der Frauen, wohlgemerkt pro Woche ?
- leichtere Arbeit für Schwangere bei vollem Gehalt ?


Was wisst ihr noch darüber, über die Familienpolitik der DDR ?



ich hatte reichlich mitarbeiterinnen, sogar alleinstehend!, mit zehn kindern und mehr.
in unserer familie ist eine schwägerin, die das achte kind von dreizehn! ist.
ihre familie war eine bauersfamilie, mit !!!eigenem gut!!!.
meine frau ist das fünfte kind ihrer familie. kann mer sich gut vorstellen, wie groß unsere familienfeiern sind.
und jetzt das wunder:
alle frauen und männer konnten arbeiten gehen und die familie betreuen.

die bezahlte freistellung für studien hatte ich auch.
das waren einfach die zwei freien tage, die eh gesetzlich vorgeschrieben wurden.
die freistellung zur bildungseinrichtung von der arbeit, in der regel auch zwei tage pro woche,
waren gesetzliche pflicht. man hat also studiert, ohne irgendeine freizeiteinbuse im privatleben
hinnehmen zu müssen. das resultat ist eben ein relativ kluges volk:-))).

bei so einem gut gebildeten volk hätte, betont, die volkskammer darauf achten müssen, daß
bei uns alle arbeiten und entsprechend wenig freizeit haben. im grunde war das bekannt.
nur, man muß den traum auch fertig träumen. gleichzeitig hat das volk wenig zeit, sich zu hause
essen zu kochen oder klamotten zu nähen z.b..anfang der achziger reagierte dann unser gesetzgeber.
das nennt sich dann: gesetz zur konsumgüterproduktion. bekanntlich konnte unser volk das verdiente geld
nicht an den mann bringen, weil es zu wenig (hochpreisige) angebote gab. die reiselust wurde
etwas eingeschränkt, weil es limitierte umtauschsätze gab. sprich, wir konnten nur tagessätze
in bestimmten höhen tauschen, wenn wir unsere "bruderländer" besuchten. in aller regel reichten diese
sätze für übernachtung.

im grunde waren alle aufgezählten maßnahmen gesetz. zudem kamen noch innerbetriebliche
regelungen, die das gesetz noch mit diversen anreicherungen versah. z.b. bevorzugte urlaubsplätze,
klamottenscheine, kostenlose bus- und zugnutzung, "bananenvorrecht"!!! :-)), diverse kinderferienlager
(um die eltern mal zu entlasten), usw.

diverse (rahmen-)gesetze findeste auch hier (unter ddr):
http://www.documentarchiv.de/

kh







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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#45 von DeutschLehrer , 30.12.2008 11:56

Eines der größten Privilegien im Rahmen der Frauen- und Familienförderung durfte ich genießen. Ich war nach meiner Scheidung alleinerziehender Vater mit einer kleinen Tochter und durfte mein Fernstudium als "Frauensonderstudium" absolvieren. Da war reichlich Zeit fürs Studium und extra bekam ich noch Haushalttage. Fast paradiesisch.
Der "Haushalttag" ist ja sicher ein Begriff, den heute nur noch wenige kennen. Frauen mit Kindern im Haushalt bekamen einen Tag im Monat frei zur Erledigung der Hausarbeit. So stand es im Familiengesetzbuch. Und als alleinerziehender Vater durfte ich das im Sinne der Gleichberechtigung auch nutzen.

Man kann sich so etwas heute gar nicht mehr vorstellen

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Himmelfahrt oder Männertag ?
Mit welcher alten DDR - Ware denkt ihr könnte man heute noch Geld verdienen?!


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