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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#61 von Pamina , 07.01.2009 15:09

Deutschlehrer, das glaub ich allerdings nicht, dass der normale Arbeiter keine hatte, bin von überzeugt, dass aus meiner Familie viele eine hatten, es waren auch viele bei dem Verein, aber das wußte ich ,wer das ist. Ich denke, dass auch ich eine Akte hatte, wir hatten eben diese viele Westverwandschaft und Funtionäre in der Familie.
Aber mich interessiert es nicht, weil ich mir sicher bin, dass jedes Land solche Vereine hat, bloß bei uns wurde eben alles offen gelegt, Stasi,Kinderheime,Altenheime, einfach alles und jeder Dussel durfte da seine kluge Meinung hinterlassen, seine Kritik abgeben.Möchte nicht wissen, welcher Dreck aufgeschwämmt wird, wenn das alle Länder machen müßten, da wäre die DDR dann vielleicht ein Unschuldslamm, keine Ahnung, werde ich auch nie erfahren, vielleicht auch gut so.
Meine Freundin wußte ja nicht mal, dass sie "IM" war,nun weiß sie es, seit sie vor lauter Neugier Akteneinsicht wollte und sich dadurch sogar noch Schwierigkeiten mit ihrem jetzigen Arbeitgeber einhandelte.
Ich hab soooooooo gelacht, denn die war nun echt ganz anders drauf, aber dann war sie fertig mit der Welt, weil sie heimlich ausgequetscht wurde und Infos gegeben hat, wo im Leben keiner drauf gekommen wäre, dass der Haufen aus den Infos für sich Material entnehmen konnte.
Sie hatte sogar einen richtigen IM-Namen, sie mußte lange darüber reden, damit sie ihre Bestürzung los wurde.
Ich bin zwar ne Neugierige, aber das interessiert mich echt nicht, ob da so kranke Typen irgendwas über mich schreiben.

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#62 von Björn , 07.01.2009 16:27

Heutzutage werden auch sehr viele eine Akte bei einem der 3 bundesdeutschen "Vereine" haben, die meisten wissen es jetzt aber auch wieder nicht!!
Schon allein durch den Wehrdienst bei der Bundeswehr kommt man ruckzuck zu einer beim MAD! Ich mach mich deswegen trotzdem nicht verrückt. Ich weiß auch nicht, ob man in seine aktuellen Akten überhaupt Einsicht gewährt kriegt?! Vielleicht weiß daß ja ein anderer hier?


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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#63 von joesachse , 07.01.2009 20:42

Zitat von Naddel

Bin jetzt schon relativ weit mit meinem Referat, aber jetzt hätte ich noch mal ne Frage / Fragen
Zu der Stasi, bzw. zu den Akten … wurde für jeden Bürger in der DDR eine Stasi-Akte angelegt? Was stand da so drin? Und hat jemand von euch seine Stasi-Akte vielleicht beantragt? Wie viele Seiten umfasst sie denn?


Ich habe meine Stasiakte angefordert, ich war mir sicher, dass eine existierte und zwar aus drei Gründen:
1. Ich habe in Warschau studiert, und dass zu einer heissen Zeit, als dort die Aktivitäten der Solidarnosc ihren Höhepunkt hatten.
2. Mein Bruder wurde zu den Grenztruppen eingezogen (er hatte darauf keinen Einfluss!!)
3. Ich habe während meines Studiums in Dresden am Forschungsreaktor in Rossendorf gearbeitet (Diese Bereiche werden sicherlich auch heute als sicherheitsrelevant angesehen, könnte ja ne Atombombe basteln)

War dann von den ca 20 Seiten eher etwas erstaunt, wie wenig und belanglos diese Infos waren. Es gab Befragungsprotokolle von Lehrern und Nachbarn sowie ein Protokoll von einem Gespräch mit meinem Bruder, bei dem sich selbst mein Bruder nicht bewusst war, dass da die Stasi gegenübersitzt und dass für meine Akte sein könnte. Auf mich ist jedenfalls kein IM angesetzt worden

Den besten Satz hat eine ehemalige Klassenlehrerin von mir zu Protokoll gegeben: "Auf Grund seiner überdurchschnittlichen Intelligenz neigt er gelegentlich zu Überheblichkeit"

Ich denke, dass sicherlich von vielen, die in irgendeiner Weise als "potentielle Bedrohung" gesehen wurden, so eine Akte existiert, aber bei weitem nicht von allen.

Viele Grüße
JoeSachse


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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#64 von Daneel , 08.01.2009 11:49

Ich denke der Großteil der Bürger hatte eine Akte, denn irgendwie mußten ja die Massen an IMs beschäftigt werden. Ich habe keine Akteneinsicht beantragt, weiss aber das wohl eine existiert, zumal der damalige Innensenator meiner Heimatstadt mich höchstpersönlich nach Görlitz delegiert hatte. 8-) Meine Mutter und mein Bruder hatten Einsicht beantragt, von meinem Bruder weiss ich das sie sehr umfangreich ist, was mich nicht wunder, da er bis zu seiner Flucht 1987 mehrmals in Schutzhaft genammen wurde, wenn Feiertage anstanden. Aber irgendwie wollte und will ich es nicht wissen, weil ich mit der damaligen Umgebung so gut wie keinen Kontakt mehr pflege. Ich schau lieber nach vorne, als im alten Dreck zu wühlen.


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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#65 von Björn , 08.01.2009 13:13

Ich kenne 2 Brüder, die hatten eine Akte, weil sie auch im unmittelbaren Grenzbereich arbeiten mußten (Landwirtschaft). Dort stand kaum was drin (u.a. bestimmte Arbeitszeiten im Grenzbereich und wann sie West- oder Tschechei- Besuch hatten). Heutzutage haben sie beide wieder eine Akte, weil sie friedlich gegen die Atomtransporte demonstriert haben :-o


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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#66 von kirschli ( gelöscht ) , 08.01.2009 16:55

nicht alle hatten eine stasiakte, mein gesch. mann dachte auch das er eine hätte und hat einsicht beantragt und er war sehr enttäuscht als er die nachricht bekamm das keine existiere
bei mir könnte es etwas anders sein, habe einen schwager der oberstleutnant bei der arme war und einen vater der vp-meister war, sowie einen schwager der ins ausland auf montage für oh ja das war immer ganz geheim, wir habens erst mit bekommen als wieder mal techn. produkte auf tauchten die es bei uns ja nicht gab oder im intershop gegen harte wärung,
als mein schwager in moskau studieren wollte mußten alle angehörigen einen fragebogen aus füllen wegen verwandschaft im "ausland", er wurde darauf hin abgelehnt und mußte in der ddr studieren, möglicher grund entfernte verwandte von seiten meines mannes in der brd oder mein mißratender bruder der im knast war.
ich wollte erst auch mal prüfen lassen was es so eventuell über mich gibt, aber ich wills auf eine art garnicht wissen, es ist vergangen und würde vielleicht nur unfrieden stiften, zu mal auch viel gelogen wurde in diesen akten und banale sachen hoch geschaukelt wurden und wie pamina schon schrieb welches land hat eine reine weste, das beste beispiel ist der handel mit personenbezogenen daten der jetzt ganz offiziel statt findet.


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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#67 von Banaus , 08.01.2009 17:08

Zitat von joesachse

... erstaunt, wie wenig und belanglos diese Infos waren. Es gab Befragungsprotokolle ...
Ich denke, dass sicherlich von vielen, die in irgendeiner Weise als "potentielle Bedrohung" gesehen wurden, so eine Akte existiert, aber bei weitem nicht von allen.

Viele Grüße
JoeSachse

Ich weiß nicht, ob ich mir meine Stasi- Akte mal angucken soll. Meine Eltern hatten IMs als Gartennachbarn, aus dem Verhalten einiger Lehrer schließe ich, daß sie IMs waren, andere IMs haben offen gesagt, daß sie für GHG arbeiten.
Aufgrund einer Arbeit in der Produktion von Funkgeräten für NATO- Kampfflugzeuge bin ich (auch) vom BND durchleuchtet worden, ich gehe daher davon aus, daß auch der MAD eine Akte von mir hat. Was drinsteht? Sicher, daß ich ein unverbesserlicher Spinner mit einem Faible für freche Kommentare bin.




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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#68 von Weilheimer , 08.01.2009 21:18

Das die DDR kein Rechtsstaat war, ist heute eigentlich nur noch für die Marxisten und ewig Gestrigen unklar. Woran konnte man nun festmachen, das es sich bei der DDR, um eine Diktatur handelt?
Mir fällt spontan ein, es wurde staatlicherseits vorgeben, was man offiziell zu denken hatte. Ein Beispiel dafür war das Verhältnis zur damaligen Sowjetunion. Ein Russe, war im DDR Slang kein Russe, sondern ein Sowjetbürger und der war im staatlichen Sinn war ein Befreier und ein Held. Das Wort Russe war negativ belegt und galt als abwertende Bezeichnung für einen Sowjetbürger. In der DDR wurde verschwiegen, das die Russen während und nach der "Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus" deutsche Frauen reihenweise vergewaltigten. Die "Russenkinder" welche nach einer Vergewaltigung geboren wurden, schwieg man tot. Meine Großmutter war 1945 eine attraktive blonde Frau und die haben sich tagelang vor den Russen versteckt, aus Angst vergewaltigt zu werden.
Sie erzählte mir auch eine andere Geschichte, welche anfangs witzig war und sehr ernst endete. Die Russen marschierten in Schwerin ein. Die Soldaten quartierten sich in Häusern in der Stadt ein. Die Soldaten bereiteten Essen zu und haben dazu Kartoffeln geschält, diese wollten sie waschen. Sie schütteten die Kartoffeln in die Toilettenschüssel und zogen an der Strippe und die Kartoffeln waren weg. Im Anschluß haben sie den Wohnungsbesitzer erschossen, weil der die Kartoffeln angeblich gestohlen hatten. Die Toilette wurde damals durch die Russen als Zapzarap-Maschine bezeichnet.
Als Kind in der Schule durfte man solche Geschichten auch nicht erzählen und darum war es unter der Bevölkerung der DDR mit der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft sehr oft nicht weit her. Die Helden. Befreier und Sowjetbürger wurden gemieden und blieben in ihren Kasernen auch weitgehend unter sich. Wenn ich so zurückdenke, fand ich die Russen auch nicht so toll. Die Autos haben beim Vorbeifahren komisch gestunken und die russischen Frauen konnte man 5 km gegen den Wind am Geruch ihres Parfums und ihrer komischen "Kriegsbemalung" erkennen. In meiner damaligen Heimatstadt waren die wenigsten gut auf die Russen zu sprechen, denn die betrieben dort einen großen Flugplatz und der Lärm vom Flugbetrieb hat die Anwohner in der Nähe schon sehr in Mitleidenschaft gezogen. In der Schule waren die Russen dann Sowjetbürger, Helden und Befreier, so wurde eben geheuchelt.


Daß die Philosophie eine Frau ist, merkt man daran, daß sie gewöhnlich an den Haaren herbeigezogen ist.

 
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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#69 von Björn , 09.01.2009 01:38

Weilheimer, stattgefundene Vergewaltigungen haben nichts mit dem Sozialismus oder den Sowjets an sich zu tun. Die Wehrmacht inkl. der anderen Nazitrupps (egal welcher Dienstgrad) haben in Frankreich, Jugoslawien, der Sowjetunion usw. mehrere zig Tausende vergewaltigt! Die Amis taten es in Vietnam genauso wie in vielen anderen Kriegsländern! In Afrika wird es im Bürgerkrieg gemacht!
Hinterher heißt die Rache fast immer "Gleiches mit Gleichem vergelten"!!


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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#70 von WELLO , 09.01.2009 03:16

So ungefähr wie @weilheimer habe ich das auch noch in Erinnerung, die Geschichten mit der zapzarap - Maschine und den Vergewaltigungen, genauso wie der ständige Fluglärm, mitten in der Nacht - die Flugschneise war nur ca. 500 m von unserem Haus entfernt. Die Sowjets hatten da Düsenbomber (IL152 ?) stationiert auf einem früheren Flugplatz der Fa. Heinkel; ein paar km weiter gab es den Flugplatz Neuruppin, da waren modernere MIG - Jäger zugange, die kamen manchmal bis zu uns.

Anfang der fünfziger Jahre konnte es passieren, dass wegen einer despektierlichen Äußerung in der Öffentlichkeit jemand von der Straße weg verhaftet wurde - das passierte mal einem Onkel von mir, der war für drei Wochen spurlos in irgendeinem Stasi-Knast verschwunden... Das war übrigens seinerzeit fast normaler Alltag. Die Stasi hatte seinerzeit sogar einzelne missliebige Leute aus West - Berlin in Richtung Osten entführt, das ging dann zu fast wie in einem James Bond - Film... Dass darüber im RIAS berichtet wurde, passte den SED - Bonzen überhaupt nicht. Berlin war eines der Zentren im Kalten Krieg, und die Grenzen waren damals noch - fast - offen.

Zum Thema Medien: Es gab zu dieser Zeit tatsächlich zunächst nur ein Ost- und ein Westprogramm im Fernsehen; später gesellte sich dann noch jeweils eines dazu (ZDF und DFF II). Der Rundfunk spielte eine viel größerer Rolle - heute nennt man das Hörfunk. Alles analog und störanfällig über Mittelwelle. Radios mit UKW/FM konnten sich nur Gutbetuchte leisten, damals. In manchen Orten im Museum kann man die damaligen Rundfunkempfänger sehen, große, wuchtige Holzkästen mit Drehknöpfen und hinterleuchteten Stationsskalen. Von West-Berlin aus, später auch von Hof in Bayern sendete der Sender RIAS in Richtung Osten. Die DDR störte den Empfang landesweit mit ca. 250 ! Störsendern, weil sie die Info fürchtete, die der RIAS verbreitete und die der Osten am liebsten unterdrückt hätte. Das ging so von ca. 1950 bis 1977, da gab es eine internationale Konferenz, die die Verteilung der Rundfunkfrequenzen neu regelte. Ab dato wurden die Störsender abgeschaltet, dafür durften die Ostsender ihre Leistungen hochfahren. So konnte man "Radio DDR" und den DDR-"Deutschlandsender" auch tagsüber sogar im Ruhrpott deutlich hören.

Wir hörten damals allerdings viel lieber den AFN, weil uns die betuliche Ärmelschoner-Musik der deutschen Sender in Ost wie West auf den Keks ging. Die GIs sendeten Original Rock 'n' Roll - Titel, die SED nannte dies prompt "psychologische Kriegführung des Pentagon" - und wir hatten was zu lachen. Und genau auf dieser Frequenz etablierte die DDR dann einen eigenen Propaganda - Sender, der hieß "Deutscher Soldatensender" und sollte die Jungs von der Bundeswehr ein bisschen mit "Rotlicht" bestrahlen, wie wir das damals nannten - und den AFN stören. Aber mit richtigen Störsendern trauten die sich dann doch nicht, mit den Amis anzulegen... Auch einen "Deutschen Freiheitssender 904" hatte man etabliert, der tat so, als sei er konspirativ im Westen unterwegs. Tatsächlich wurde das Programm in Berlin - Ost produziert und über einen Sendemast in Burg bei Magdeburg verbreitet. Der RIAS wurde 1992 abgeschaltet, der AFN Berlin ebenso, auch der SFB; der ging mit "Radio DDR" zusammen und heißt heute DeutschlandRadio Kultur...

DDR - Bürger durften privat sowohl Fernsehen und Rundfunksender aus dem Westen zwar empfangen, die Info aber nicht weitergeben. Wer indes in einer HO - Gaststätte einen Fernseh- oder Rundfunkempfänger auf Westempfang geschaltet hatte und dabei erwischt wurde, musste mit 'ner Strafe rechnen.

Inzwischen gibt es auch nicht mehr die staatlich verordnete Vorgabe "30/70" - bei öffentlichen Veranstaltungen in der DDR durfte offiziell nur 30% "Westmusik" und musste 70% "Ostmusik" gespielt werden.

An Zeitungen gab es nur die gleichgeschalteten "Presseorgane" der DDR zu kaufen. In allen Tageszeitungen stand folglich so ziemlich das Gleiche drin - und sie waren alle sehr dünn. Man musste Papier sparen. Zum 1. Mai wurde beispielsweise eine Auswahl von sozialistischem Spruchweistum verbreitet, das waren die offiziell ausgegebenen "Losungen" zum 1. Mai; die wurden dann abgeschrieben, auf Spruchbänder gemalt und quer über die Straßen gehängt. Sie sahen alle gleich aus - revolutionsroter Untergrund und weiße Schrift. Im Sommer wurde regelmäßig mit einem unüberbietbaren Pathos über die "Ernteschlacht" berichtet, jeder Halm und die gesamte Mahd wurde in einem "sozialistischen Wettbewerb" mit einer besonderen Sorgfalt geborgen und in die Scheuer gebracht. Und wenn sich eine Erntebrigade mit besonderen Leistungen hervortat, dann konnte man sicher sein, dass damit der "imperialistische Klassenfeind" empfindlich getroffen wurde - zumindest auf einem der Spruchbänder, die zu diesem Anlaß auch wieder produziert wurden... Nach und nach schufen sie sich ihre eigene Welt...

"West" - Zeitungen waren selbstverständlich nicht erhältlich und verboten, deren "Einführung" in die DDR war ein Straftatbestand. Umgekehrt konnte man bis zuletzt über einen Spezialversand sämtliche Ostzeitungen im Westen beziehen! So haben wir in den sechziger Jahren als Studenten in Darmstadt unser verbrieftes Informationsrecht genutzt und regelmäßig auch einige Ostzeitungen gelesen, unter anderem das "Neue Deutschland". Umgekehrt seinerzeit ein undenkbarer Vorgang.

Wenn zu Mauerzeiten ein Westmensch die DDR - Grenze passierte in Richtung Osten - das ging nur mit einem hochkomplizierten, umständlichen Procedere und langen zeitlichen Vorlauf - durfte der keine Westzeitungen "einführen". Wurde ein solches "Presseorgan" entdeckt, musste es offiziell konfisziert werden. Einmal nahm mir ein Grenzer so ein "West - Presseorgan" ab, eine Tageszeitung, die hatte ich im Auto offen liegengelassen - "nicht dass Sie denken, ich würde die jetzt lesen", sagte er mir daraufhin und bekam einen roten Kopf... Da war so ca. 1978 in Berlin-Staaken -

Aus der frühen Mauerzeit gibt es einen Film "Der geteilte Himmel", nach einem gleichnamigen Buch von Christa Wolf, DDR - Schriftstellerin. Für einige Sekunden sind in diesem Film die Original - Störgeräusche des Tabu - Senders RIAS zu hören. Der Film wurde in der DDR gedreht und nahm sich des Themas "Republikflucht" an. Es könnte sein, dass er auf einer DVD erhältlich ist. Man kann sich da auch durchgoogeln.

Lebensmittelkarten gab es nach dem Krieg bis 1958; damit konnte man ein bestimmtes Kontingent von knappen oder subventionierten Waren bekommen. "Hausbrand", also Brennmaterial für die Öfen, wurde noch länger kontingentiert. Öl als Brennmaterial gab es in der DDR nicht, bis zuletzt. Frei erhältliche Waren waren teurer, aber oftmals auch knapp oder - nicht erhältlich. Irgendwas war in der DDR immer knapp oder "gab es" nicht. Man hatte aus ideologischen Gründen in den sechziger Jahren den Mittelstand systematisch zerschlagen und damit eine unnötige Knappheit von bestimmten Gütern und Dienstleistungen herbeigeführt. Eine spezielle Kampagne sollte da Abhilfe bringen. Viele Firmen wurden aufgefordert, eine zweite, oft "atypische" Produktionslinie einzuführen für die fehlenden "1000 kleinen Dinge", wie sie wieder offiziell genannt wurden. Nähnadeln, Knöpfe, Zeichenblöcke, Schuhsohlen als Einlagen, was auch immer - lauter "Pfennigware", die plötzlich fehlte.

Hintergrund für diese Mangelwirtschaft war die "sozialistische Planwirtschaft", bei der alles starr im Detail, zentral und für mindestens ein Jahr im Voraus eingeplant wurde. Jede kleine, unvorhergesehene Abweichung rief dann manchmal ungeahnte Störungen im Produktionsablauf hervor. Wenn von irgendwas ein plötzlicher Mehrbedarf entstand, vielleicht durch einen Defekt, und für das Ersatzteil das Plankontingent erschöpft war und daher nicht verfügbar, dann gab es ein Riesenproblem, und oftmals eine Art Dominoeffekt, wo ganze Produktionsstraßen plötzlich stillstehen konnten. Und manchmal hatte man das Teil in der Planung schlicht vergessen... Diese Planung war Gesetz, aber das half wenig. Die Ideologen bestimmten das Geschehen.

Zum Glück ist das alles schon sehr lange her...


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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#71 von Weilheimer , 09.01.2009 03:39

Zitat von Björn
Weilheimer, stattgefundene Vergewaltigungen haben nichts mit dem Sozialismus oder den Sowjets an sich zu tun. Die Wehrmacht....


Björn das weiß ich natürlich auch, aber es ging mir mehr darum, mal darzulegen, wie im real existierenden Sozialismus mit der Wahrheit umgegangen wurde. Es war Krieg, die Deutschen hatten ihn begonnen und so galten sie eben immer als Täter. Die andere Wahrheit war eben staatlicherseits nicht erwünscht und wie WELLO schon schrieb in den 50ern konntest du für "diese" Wahrheit in Sachsenhausen oder auch in Sibirien verschwinden. Das war auch ein Grund, warum in dieser Zeit, so viele Menschen in der Westen Deutschlands auswanderten. Die Antwort der Regierenden war ja dann später der Mauerbau. Dieser andere Umgang mit der Geschichte gehörte genau so zur DDR, wie der Trabi und Plaste und Elaste aus Buna.
In der DDR gab es offiziell nach der Staatsgründung 1949 keine ehemaligen Wehrmachtsangehörige mehr, wo waren die alle hin?


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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#72 von Lehmann ( Gast ) , 09.01.2009 10:54

Zitat von Weilheimer
Das die DDR kein Rechtsstaat war, ist heute eigentlich nur noch für die Marxisten und ewig Gestrigen unklar. Woran konnte man nun festmachen, das es sich bei der DDR, um eine Diktatur handelt?



Also dein "Russen-Beisipel"- So erklärt sich " Lieschen Müller" die Welt.
Eine politische Erklärung kann das nicht sein. Du polemisierst im Stile der "BLÖD-Zeitung, obwohl du es aufgrund deiner genossenen Bildung besser könntest.

Allein mit der Beantwortung der Frage "Von wem geht die politische Willensbildung in einem Land aus?" hätte zu einem konstruktiveren Diskussionsansatz geführt.

Der Anspruch auf eine Diktatur in der DDR stand schon in der Verfassung, in der sich die SED den Führungsanspruch festschrieb. Das Gefasel um die "Nationale Front" war Effekthascherei und diente der Ruhigstellung der Bevölkerung.




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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#73 von WELLO , 09.01.2009 11:39

@weilheimer
...ja, wo waren die alle hin??? Vielleicht wurden die schon frühzeitig "gewendet" - ?
Doch halt - es gab ja sogar eine Partei, die NDPD, Nationaldemokratische Partei Deutschlands - oha! Die hatte auch eine eigene Zeitung ("Der Morgen"). Diese Partei wurde extra für die damaligen Wendehälse eingerichtet... Sie ist nicht identisch mit der heutigen NPD.

Aber richtige Wahlen, bei denen man zwischen verschiedenen Parteien aus - wählen und sich für eine entscheiden konnte, gab es in der DDR NICHT. Die SED stellte vorweg eine Liste mit ihr genehmen Kandidaten zusammen, und diese Liste sollte per Akklamation in toto gewählt werden. Einzige Ausnahme: Wahlen im März 1990.
Dafür wurden "Wahl" - Temine angesetzt, auch Wahllokale eingerichtet. Man erwartete vom Wähler, dass er die vorgedruckte Liste schlicht in die Hand nähme und in den Schlitz würfe - ganz offen, obwohl formal als geheime Wahl deklariert. Die Wahlkabine befand sich am anderen Ende des Wahllokales, hatte nur eine Art Deko - Funktion.
Ein Onkel von mir wagte es mal, erst nach einem Bleistift zu fragen und erntete schon damit eine Reihe offener Münder! Er bekam ihn dann nach nervösem Suchen, wanderte dann quer durch den Saal in die Wahlkabine und strich die gesamte Liste durch. Diese Liste warf er dann in die Urne - alle waren immer noch starr. Ein derartiger Vorgang war eigentlich im Procedere gar nicht vorgesehen... Und die Wahlhelfer konnten in aller Ruhe ein "Spezialvermerk" auf der Wahl - Teilnehmerliste anbringen...

Aber das waren Ausnahmen, und die 99,67% - es konnten allerdings auch schon mal 99,81 oder 99,77% sein - des Wahlergebnisses jedesmal wurden wahrscheinlich ausgewürfelt; die zweite Stelle nach dem Komma war ja, wie jeder leicht nachvollziehen kann, sehr entscheidend! Am Ende der DDR, als viele mutiger wurden und ähnlich durchgestrichene Zettel ablieferten, waren selbst diese Zahlen nicht mehr glaubwürdig und erwiesen sich dann als auch noch gefälscht - siehe Mai 1989...
Manche gingen aus Protest auch gar nicht zur "Wahl". Die wurden dann mit Spezialkommandos extra dazu aufgefordert.

Und es gab noch etwas:
Propaganda West: Das damalige "Ministerium für gesamtdeutsche Fragen" stellte eine minutiöse Dokumentation zusammen über Nazis, die in die "Führungskader" der SED und anderer Parteien der "Nationalen Front" - ja, so hieß das damals in der DDR! - aufgenommen wurden (eine Art Dachverband der formal anderen Parteien - Ulbricht: "es muss alles ganz demokratisch aussehen"). Darin konnte man über jeden eine genaue Biografie nachlesen, die Dokumentation konnte man kostenlos bei diesem Ministerium anfordern.
Propaganda Ost: Sie erzählte in den eigenen Medien pausenlos, wie furchtbar braun die frühere BRD doch sei, und belegte dies anhand von Nazi - Richtern, die (natürlich NUR im Westen) wieder in Amt und Würden seien. Tatsächlich gab es solche Richter, die erstaunlich mildes Recht über ehemalige Täter sprachen. Der Richterbund hat diese Praxis erst sehr viel später angeprangert. Und manche KZ - Opfer mussten jahrelang darum kämpfen, eine kleine Entschädigung für ihren Aufenthalt im KZ zu bekommen. Die alt-bundesdeutsche Justiz hatte sich mit diesem Vorgehen nun auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert... Allerdings, als ein sehr Prominenter diese Praxis auch noch verteidigte, musste er dann doch gehen - es war der frühere BAWÜ - Ministerpräsident Filbinger, der allen Ernstes öffentlich bemerkte: "...was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein" - auf die Idee, dass dieser Ausspruch genau umgekehrt richtig sein würde, kam er damals nicht. Trifft übrigens auch zu für die Ex - DDR...

Gruß Wello

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#74 von DeutschLehrer , 09.01.2009 13:42

@Wello
Und was ist für mich besser an der heutigen "Demokratie" ? Wen wähle ich denn jetzt ? Parteien setzen ihre Listenkandidaten und ich kann eventuell mithelfen mal der SPD oder der CDU ein paar Prozentpünktchen mehr zu verschaffen. - Es bleiben aber die selben handelnden bzw. regierenden Personen. Grundlegend ändert sich aber nichts. Die DDR war wenigstens so demokratisch, am Ende freiwillig zu verschwinden. Glaubst Du, wenn es ähnliche Demonstrationen wie damals in Leipzig, heute in Köln gäbe, würde sich auch nur ein Hauch ändern

Viele Grüße
DL

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#75 von WELLO , 09.01.2009 14:17

@DeutschLehrer
....da sind wir beim Kernthema angelangt. Diktatur oder Demokratie (ohne Gänsefüßchen)?

"Weimar" wurde auch in der DDR immer als "Demokratie ohne Demokraten" bezeichnet. Zu Recht. Wer hatte sie ernsthaft unterstützt? Weder die Rechten noch die Linken! Und das frühere Zentrum hatte das ihre in Rom...

Wenn man in den diversen Links - links herumstöbert, taucht diese abfällige Beurteilung logischerweise dort auch wieder auf. Bei denen ist die Demokratie höchstens ein blutleeres formaljuristisches Ritual, das es zu überwinden gilt - genau, wie bei den Rechten, die mit abfälligen Bezeichnungen wie "schwarz-rot-senf" und "Demokröten" etc. herumschwadronieren.

Und so wurde in der alten BRD die "Demokratur" erfunden ("beim Führer hätt's sowas nich jeje'hm!"), und in der Nazizeit wie in der DDR "war ja nicht alles schlecht". Hätte es beides "nich jejeh'm", stünde die Demokratie beim einfachen Bürger vermutlich viel besser da. Sie ist in der Tat noch ein bisschen mehr, als nur einmal in vier Jahren ein Kreuz zu machen - und sich dabei schon überfordert zu fühlen... Nur - wenn man von vornherein eine schlechte Meinung darüber pflegt, kann man sich doch gar nicht damit identifizieren. Da ist es dann schöner, in verklärten Erinnerungen zu schwelgen oder irgendwelchen Erlösungsphantasien nachzuhängen...

Was sollte sich denn nach Deiner Vorstellung "grundlegend" ändern? Vielleicht kann man ja im Forum drüber reden?
(Tatsächlich ändert sich unser Leben jeden Tag ein bisschen, aber wir nehmen es meistens nicht wahr.)

Gruß Wello

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