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Fragen zum Leben in der DDR

#1 von Naddel , 22.12.2008 21:41

Hallo zusammen,
ich soll von der Schule aus ein Referat zum Thema "Alltagsleben in der DDR" vorbereiten. Allerdings habe ich dort nie gelebt und habe auch keine Verwandeten, die ich ausfragen könnte. Deshalb hoffe ich doch sehr, dass mir hier jemand meine Fragen beantworten kann. Zugegeben, es sind ziemlich viele Fragen. Würde mich trotzdem freuen, wenn sich jemand die Zeit nimmt wenigstens einen Teil zu beantworten. Vielen Dank schon mal im Vorraus.


Alltag:
Wie sah denn so ein typischer Tag in der DDR aus? Was war anders im Vergleich zur BRD bzw. zu heute?

Arbeit:
Wie lange dauerte denn ein normaler Arbeitstag? Gab es geregelte Arbeitszeiten?
Gab es Arbeitslosigkeit? Und wenn ja bekamen Betroffene eine Unterstützung vom Staat (also gab es sowas wie heute Hartz IV?)

Frauen und Kinder:
Mussten Frauen auch arbeiten, oder sollten sie eher daheim bleiben um auf die Kinder aufpassen?
Wie wurden die Kinder versorgt? Es heißt doch dass es viele Kinderklappen gab. Wer bezahlte das? Kostete es was ein Kind dort abzugeben? Oder war das umsonst? Gab es sowas wie Kindergeld?

Schule / Abi:
Wie sah es mit der Schule aus? Gab es die gleichen Schularten wie in der BRD, bzw. wie heute? Waren die Schulzeiten länger als heute um z.B. die Familien zu entlasten, also gab es sowas wie Ganztagesschule?
Gab es auch Abi? Und wenn ja konnte jeder auch das Abi machen? Und nach dem Abi – konnte man studieren? Und wenn ja durfte man selbst entscheiden, was man studieren wollte?

Freizeit:
Hatte man damals eigentlich Freizeit? Was hat man denn in seiner Freizeit so gemacht? Gab es Vereine (also wie z.B. die Sportvereine heute)?

FDJ:
Waren so gut wie alle Kinder damals in der FDJ? Man musste doch einen Beitrag zahlen - War der hoch? Was passierte wenn man als Kind nicht in der FDJ war?
Wurden die Kinder, durch die FDJ, wirklich dazu benutzt ihre eigenen Eltern auszuspähen?

Feiertage:
Gab es die gleichen Feiertage wie in der BRD oder gab es mehr / weniger?

Medien:
Ich habe gelesen, dass es nur zwei Fernsehsender gab. Was lief dort gesendet (also mehr politisches oder eher Unterhaltung?)?
Westdeutsches Fernsehen war ja verboten. Konnte man es bei sich trotzdem leicht empfangen? Was das sehr gefährlich? Was passierte, wenn man dabei erwischt wurde?
Gab es verschiedene Zeitungen / Radiosender? Wie sah’s mit der Pressefreiheit aus?

Stasi:
Musste man als einfacher Bürger eigentlich Angst davor haben, von der Stasi verhaftet zu werden?
Hatte oft man Angst, dass z.B. der Nachbar als „informeller Mitarbeiter“ für die Stasi arbeitete? Wusste man noch wem man trauen konnte?

Lebensmittel:
Es gab ja Lebensmittel die rationiert waren. Was waren das z.B. für welche? Waren die auch teurer?

Eigentum:
Hatte man eigentlich genug Geld um zu leben? Konnte man sich auch mal was leisten?
Wie groß waren in etwa die Wohnungen? Kleiner als in der BRD / heute?
Wie sah’s mit Urlaub aus? Konnte man sich den leisten? In welche Länder durfte man überhaupt reisen?
Gab es trotz dem Sozialismus eigentlich wirklich reiche Leute?

Partizipation:
Gab es für den Bürger Partizipationsmöglichkeiten? Also konnte der normale Bürger sich irgendwie am politischen Geschehen beteiligen? Gab es Interessensverbände, Parteien, …?
Gab es antisozialistischen Zusammenschlüsse? War es möglich so einer Organisation beizutreten? War so etwas sehr gefährlich? Was passierte wenn man da als Mitglied von der Stasi erwischt wurde?
Wie viele Parteien gab es denn so ungefähr? Gab es überhaupt Wahlen? Wenn ja, liefen diese denn korrekt ab (also gab es Wahlbetrug, oder wurde man z.B. dazu gezwungen eine bestimmte Partei zu wählen)?

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#2 von kirschli ( gelöscht ) , 22.12.2008 22:41

Hallo Nadel deine Fragen alle zu beantworten ist ein Buch wert, jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht und es giebt hier viele Rubriken die sich mit unserem Leben auseinandersetzen, stöbere einfach mal das Forum durch und du wirst vieles erfahren
Alltag: wir sind arbeiten in die Betriebe und LPG's gegangen. Der Arbeitstag hatte 8 Stunden also 40 Stunden die Woche. Die Kinder gingen in die Schule und in den Kindergarten oder in die Kinderkrippe (was sind Kinderklappen): Nachmittags sind sie im Hort gewesen oder auch nicht, dort wurden Hausaufgaben gemacht und sie konnten Spielen, basteln oder sind in einer Arbeitsgemeinschaft oder in Sportverein , Tanzverein ,Musikverein gewesen wenn es sie interessiert hat. Wir haben abends Tanzveranstaltungen( Disco) Theater, Kino oder Gaststätten besucht wie jeder normale Mensch auf dieser Welt wenn er es sich leisten kann. Viele hatten einen Garten oder ein Grundstück wo mann sich mit den Nachbarn zu schönen Abenden traff ,was es hier nicht giebt! Wir kannten keine Arbeitslosigkeit.In den letzten Jahren gab es allerdings in denGeschäften vieles nur unter dem Ladentisch zu kaufen(Bück dich Ware) weil alles in den Export ging, um Devisen zu bekommen.
Die Arbeitszeiten waren geregelt je nach Beruf und Tätigkeit, es gab auch Schichtdienst im 2 Schichten oder in drei Schichten .
Wir Frauen sind arbeiten gegangen ,aber nicht alle ,es gab auch Frauen die in Teilzeit arbeiteten,das hat jeder für sich entschieden.Ein Krippenplatz kostete ca 30 DDR-Mark und ein Kindergartenplatz so um die 20 Mark , die Kinder bekamen Mittagessen, das Frühstück und die Vesper brachten sie von zuhause mit. Kindergeld gab es 20 Mark für jedes Kind, bis kurz vor der Wende ,da wurde es angehoben weil sich vieles verteuert hatte.
Wir sind 10 Jahre in die algemeinbildende polytechnische Oberschule gegangen, bis zur achten Klasse alle gemeinsam, dann konnten sehr gute Schüler auf die EOS gehen und Abbi machen oder sie sind erst nach der Zehnten gegangen. Anschließend erlernten wir einen Beruf , schulabgänger mit 10 jahren lernten 2 Jahre und wer die Schule nach der 8 Klasse verliess lernte 3 Jahre. Andere machten eine Berufsausbildung mit Abbitur . Nach dem Abbi bestand die Möglichkeit zu Studieren.Mann konte aber auch noch nach einer Berufsausbildung ein Studium aufnehmen.


" wie dus machts ist egal-falsch ists alle mal"

kirschli

RE: Fragen zum Leben in der DDR

#3 von tommes , 22.12.2008 23:16

Hallo,

schön, dass sich jemand dafür interessiert

In den nächsten Tagen bekommst Du bestimmt noch andere Antworten. Ich antworte aus meiner Sichtweise - zur Wende war ich 14.

Alltag:
Wie sah denn so ein typischer Tag in der DDR aus? Was war anders im Vergleich zur BRD bzw. zu heute?

Es gab keine Zukunftsängste. Die Schule hat den weiteren Weg bestimmt und festgelegt - wenn man nicht "aus der Reihe" (religiös, nicht Pionier/FDJ, Kind von Selbständigen, o. ä.) getanzt ist.

Arbeit:
Wie lange dauerte denn ein normaler Arbeitstag? Gab es geregelte Arbeitszeiten?
Gab es Arbeitslosigkeit? Und wenn ja bekamen Betroffene eine Unterstützung vom Staat (also gab es sowas wie heute Hartz IV?)


Meine Eltern haben von halb 6 und halb 7 bis halb 4 und halb 5 gearbeitet. Arbeitslose gab es offiziell nicht. Unvermittelbare wurden z.B. im Heizwerk eingesetzt.

Frauen und Kinder:
Mussten Frauen auch arbeiten, oder sollten sie eher daheim bleiben um auf die Kinder aufpassen?
Wie wurden die Kinder versorgt? Es heißt doch dass es viele Kinderklappen gab. Wer bezahlte das? Kostete es was ein Kind dort abzugeben? Oder war das umsonst? Gab es sowas wie Kindergeld?


Die meisten Frauen haben gearbeitet. Es bestand die Möglichkeit, Kinder in die Wochenkrippe, die Krippe oder den Kindergarten zu geben und nebenbei werktätig zu sein. Viele Kombinate(heute Unternehmen) boten das an. Was das gekostet hat, weiß ich nicht. Es gab für junge Ehepaare einen Ehekredit. Es gab Kindergeld, welches sich mit der Anzahl der Kinder gesteigert hat.

..morgen mehr.

Grüße
Thomas

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zuletzt bearbeitet 27.12.2008 | Top

RE: Fragen zum Leben in der DDR

#4 von DeutschLehrer , 23.12.2008 00:37

Hier mal der Versuch, alles zu beantworten:


Alltag:

Der Alltag unterschied sich vor allem dadurch, dass man mehr Zeit mit der Suche nach bestimmten Angeboten verbrachte und auch oft noch nach der Arbeitszeit irgendwie mit "gesellschaftlicher Tätigkeit" beschäftigt war. Außerdem mußte ich im Winter Kohlen schleppen und Holz hacken (Hat aber mehr mit der vergangenen Zeit zu tun)

Arbeit:

Die gesetzliche Arbeitszeit war 8 3/4 Stunden = 43 3/4 Stunden-Woche in Normalschicht (z.B. Büro) oder 8 Stunden = 40-Stunden-Woche im Dreischichtsystem. Die Arbeitszeiten waren strenger geregelt als heute, Gleitzeit gab es nicht.
Arbeitslosigkeit gab es nicht. Fast an allen Betrieben hingen Schilder - Arbeiskräfte gesucht.
Eine Stütze wie ALG2 gab es nicht, im Gegenteil, wer nicht arbeiten ging konnte wegen "asozialem Verhalten" ins Gefängnis kommen (Straftatbestand).

Frauen und Kinder:

Es war gewünscht, dass Frauen arbeiten gingen, aber meine Mutter war fast ihr ganzes Leben Hausfrau und das war auch kein Problem. Kindereinrichtungen (Krippen, Kindergärten,Horte) gab es genügend, natürlich manchmal nicht genau vor der Nase (dann mußte man sich eben ein,zwei Jahre früher anmelden) und es kostete fast nichts. Essengeld mußte bezahlt werden.
Viele Betriebe hatten für ihre Leute gleich eigene Einrichtungen, um die Arbeiter an sich zu binden.
Kindergeld gab es auch, es war aber nicht hoch (Ich weiß nicht, ob ich mich richtig erinnere, mir sind Beträge von 20.- M bis 80.- M in Erinnerung - bin aber schon alt)

Schule / Abi:

Das dumme dreigliedrige Schulsystem wie heute gab es nicht. Es gab die allgemeine
10-klassige "Polytechnische Oberschule" = POS für alle. Auf Antrag und Befürwortung der Lehrer war der Besuch der "Erweiterten Oberschule" = EOS = Gymnasium möglich. Die EOS ging von der 9, bis zur 12.Klasse (entsprechend G4) Für lernschwächere Schüler war auf Antrag auch das Abgehen nach der 8.Klasse POS möglich. Hilfsschulen bildeten die unterste Ebene für geistig Behinderte.
Die Schulen waren in ihrer Mehrheit Ganztagsschulen, nur den Begriff gab es noch nicht. Es fand einfach nachmittags auch Unterrich statt und Arbeitsgemeinschaften waren im Angebot. Teilweise auch betreutes Hausaufgaben-Erledigen.
Das Abitur wurde nach der 12.Klasse EOS oder im Rahmen einer Berufsausbildung mit Abitur abgelegt. Es berechtigte, sich an einer Hochschule oder Universität zum Studium zu bewerben. Die mögliche Fachrichtung war stark vom Zensurendurchschnitt, aber auch von "gesellschaftlicher Aktivität" abhängig (FDJ-Mitglied, GST, DSF)

Freizeit
:
Die Freizei war sicher ähnlich wie heute, es gab Sportvereine, Diskos. auch die GST mache Angebote (Segelfliegen, Motorsport). Es gab aber auch "verordnete Veranstaltungen", denen man sich besser nicht entzog.

FDJ:

Ich schätze, dass mehr als 95 % aller Kinder Pioniere-Thälmannpioniere und dann FDJ-ler wurden. Der Beitrag waren nur paar Pfennige. Nur die Kinder harnäckiger Christen usw. waren nich in den Jugendorganisationen. Die Folge - Null-Chance zu studieren, eventuell schlechtere Noten und nur Nachteile.
Das Ausspähen der eigenen Eltern halte ich für eine extreme Ausnahme. Es geschah eher unwissentlich. Kinder wollten ja bei den Pionieren dabei sein, in der Gemeinschaft, und konnten eine ablehnende Haltung ihrer Eltern nicht verstehen, da haben sie vielleicht auch schon mal was von zu Hause erzählt, was sie besser nicht gesagt hätten

Feiertage:

Die Zahl der Feiertage hat sich nicht wesentlich verändert, nur waren christliche Feiertage oftmals keine arbeitsfreien Tage, dafür waren Frauentag (8.März) Tag der Befreiung (8.Mai) und Tag der Republik (7.Oktober) arbeitsfreie Tage.

Medien:

Dass es nur zwei Fernsehsender gab, entsprach der Zeit, es gab in Westdeutschland auch noch kein Privatfernsehen und die DDR war auch kleiner. Wir hatten noch einen russischen Militärfernsehsender als drittes Programm. Das Erste DDR-Fernsehen entsprach von der Programmstruktur durchaus der ARD, mit einem kleinem Touch zu etwas mehr Propaganda, das zweite DDR-Fernsehen wurde leider nach einem recht positivem Start später zu einem Sender für Russisch mit Untertiteln.
Westfernsehen war nie offiziell verboten, es war "verpönt". In den 60-er Jahren liefen FDJ-Gruppen von Haus zu Haus und sahen an der Form der Dachantenne, wer Westfernsehen empfing. (Ochsenkopf Kanal 4 = 2,2 m lange Dipole) und klebten an die Hauswand sinnige Sprüche, wie "Der Ochsenkopf auf dem Dach, der Klassenfeind im Schlafgemach".

Für den Westfernsehempfang gab es keine Strafen, nur wer in der SED war bekam ein Parteiverfahren. Allerdings konnte man eine gestohlene West-Antenne auch nicht bei der Polizei anzeigen. Ich kenne eine Entscheidung des Bezirksgerichts Karl-Marx-Stadt, wo der Richter den Rechtsschutz so einer Antenne ablehnte. Ich kenne aber nur wenige Leute, die kein Westfernsehen gesehen haben. Es war normal. Nur im Osten der Republik war es technisch schwierig, den Westen zu empfangen. Ich kenne Leute, die haben 20 m Antennenmaste mit Vierergruppen von 30-Element-Yagis errichtet.
Eine Vielfalt von Zeitungen und Radiosendern gab es, nur kaum verschiedene Informationen
Pressefreiheit im heutigen Sinne war ein Fremdwort, hatte aber auch den Vorteil, dass es keine ständigen Horrormeldungen wie heute von BILD und Co über Mord, Sex, Raub usw. gab.

Stasi:

Vor der Stasi hatte man normal nichts zu befürchten. Es sei denn, man hat irgendwie sich gegen den Staat ausgesprochen oder exponiert. Meine Stasi-Begegnungen waren eher lachhaft. Eine Fehlzündung meines Motorrades bei einer Fahrt durch den Wald veranlaßte den Revierförster, mich anzuzeigen wegen Schußwaffenbesitzes - eine Nacht Verhör - weiter nichts. Ein Aufsatzthema in der Schule - Bewerbung - was ich, um meinen des Französischen unkundigen Deutschlehrer zu ärgern in Französisch an eine erfundene französische Firma schrieb, führte zum Vorwurf der geplanten Republikflucht. Zum Glück hat die Staatsanwältin ob des Witzes gelacht.
Angst vorm "IM" hatte ich nie, ich habe eher heute mehr Mißtrauen zu meinen Mitbürgern.
Ich habe meine Stasi-Akte nie gesehen, vielleicht würde ich da eine Überraschung erleben

Lebensmittel

Rationierte Lebensmittel kenne ich nur aus meiner Kindheit, in den 50-er Jahren gab es noch Buttermarken. Höhere Preise dafür gab es nie, höchstens lange Schlangen. Es gab mal Bananen, sofort eine Riesenschlange und die Verkäuferinnen teilten von sich aus jedem pro Kopf nur zwei oder drei zu, damit möglichst viele Leute was bekamen.

Eigentum:

Geld war im Überfluss vorhanden, zumindest bei normal sparsamen Leuten. Lebensmittel waren spottbillig, auch der normale Bedarf. Alle etwas luxoriöseren Arikel wie Fernseher, Auto, und .. und... waren dafür extrem teuer.
Wohnungen waren sicher im Durchschnitt etwas kleiner als im Westen, aber heute habe ich die kleinste Wohnung meines Lebens, wegen der heutigen Mieten. Damals habe ich 50,50 M für 90 qm bezahlt, jetzt
Urlaub war kein Geld-Problem, ich war fast jedes Jahr an der Ostsee, ansonsten an Binnenseen. Die Plätze waren nur begrenzt. Im Ausland war ich in Russland, in Tschechien in Polen und eine angebotene Kubareise habe ich abgelehnt. Reisen durfte man praktisch in alle sozialistischen Länder, mein Vater als Rentner dann auch in den Westen.
Es gab auch wirklich reiche Leute, die hatten aber dann zum Teil zur Wende Probleme, ihr Vermögen zu transferieren.


Partizipation:

Es gab fünf Parteien - SED, LDPD (liberal), NDPD (national), CDU, und Bauernpartei.
Antisozialistische Zusammenschlüsse waren erst kurz vor der Wende ein Thema, ansonsten strafbar.Es gab viele Organisationen - vom Konsum bis zur GST, Kleingärtner, sogar Kleingewerbetreibende und Unternehmer. Es gab Wahlen und sicher wurden diese in den meißten Fällen auch ordentlich ausgezählt, erst als die große Flucht- und Protestbewegung begann, wurde auf Bezirksebene auch massiver Wahlbetrug begangen. Die in 40 Jahren DDR an 90 + X Zahlen gewöhnten Funktionäre wollten diese Zahlen ja auch weiterhin nach oben reichen.
Der Druck auf die Bürger überhaupt zur Wahl zu gehen, war teilweise örtlich extrem. Die kamen sogar extra mit der Wahlurne bei einem zu Hause vorbei. Dank des Systems "Nationale Front" der Blockparteien konnte man ja eigentlich nicht mit "Nein" stimmen.


Ich hoffe, Deine Fragen sind umfassend beantwortet, wie kann ein Mensch nur so viele Fragen haben ???
Wenn es nicht reicht, schreib mir eine E-Mail im Forum, ich gebe Dir meine Telefonnummer und wenn Du eine Flatrate hast, kannst Du mich einen ganzen Tag löchern - ich bin Rentner .

Ich habe auf Grund des umfänglichen Textes und der fortgeschrittenen Zeit nicht alles korrigiert, meine T-Taste hängt ein bißchen

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#5 von mutterheimat , 23.12.2008 02:56

Du findest im Vergleich DDR-BRD aus heutiger Sicht, haufenweise Material, welches du verwenden kannst. Auch Dinge aus meinem persönlichem Erleben. Nicht alles gehört dort hinein, daß meiste aber schon. Auch andere Schüler haben sich schon dafür interessiert. Z.B. die Kinder von Schlawine. Es ist bestimmt für dich von Interesse alles zu lesen, aber es dauert eine ziemliche Weile. Sonst kannst du mich auch einmal direkt fragen. Sie auf mein Portrait.


Wer sind die besten Fälscher der Welt? Die Medien!!!!

 
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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#6 von Naddel , 23.12.2008 13:38

Wow, dass ich so schnell Antworten bekomme hätte ich nicht erwartet. Vielen lieben Dank euch allen.

@DeutschLehrer: Wahnsinn, vielen vielen Dank. Ich dachte nicht dass jemand so viel Zeit hat um alles zu beantworten . Das bringt mich echt ein ganzes Stück weiter!

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#7 von Weilheimer , 23.12.2008 14:23

Mensch DeutschLehrer, da hast du Dich ja richtig ins Zeug gelegt.
Zum Thema Staatsicherheit würde ich noch etwas ergänzen wollen. So wie Du es beschreibst, verhielt es sich mit der Staatssicherheit, wenn der Bürger angepasst und komform den Gesetzen der DDR lebte. Nur sind nicht alle Menschen so gestrickt, um so ihr Dasein zu fristen. Wenn jemanden das Verändern und Gestalten in die Wiege gelegt wurde, bekam er früher oder später Probleme mit der Altherrenriege im Zentralkomitee der SED und ihrem Machtorgan der Staatssicherheit.
Was dem wissenschaftlichen und technischen Fortschritt anging war die Deutsche Demokratische Republik sicher kein schlechtes Land. Ideen wurden jede Menge produziert, flossen aber aus finanziellen und politischen Gründen nur selten in ein gebrauchsfähiges Produkt.
Einige Konstrukteure und Entwickler gerieten so mit den Oberen aneinander und hatten dann auch ihre Probleme mit der Staatssicherheit, wenn sie sich entschlossen wegen dieser Statik im System, die DDR zu verlassen.


Daß die Philosophie eine Frau ist, merkt man daran, daß sie gewöhnlich an den Haaren herbeigezogen ist.

 
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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#8 von conny1310 , 23.12.2008 18:26

Zum Thema nicht FDJ-ler und Christen...

ich kenn da einige die sehr wohl das ABI machen und studieren konnten auch als Christen und nicht FDJ-ler, ich hab mich dazu schon mal irgendwo geäußert.
Viele dieser "Sanktionen " waren meiner Meinung nach abhängig von den Menschen die dir begegneten.
Es gab kein Gesetz das dies vorsah, nur sture, besonders lienientreue Leute und die gibts heute auch noch. Es gibt genug Stellenanzeigen von z.B. rel. getragenen Pflegeeinrichtungen in denen nur religiöse Menschen einen Job kriegen... Bei uns muß sogar die Putzfrau in der KITA katholisch sein, so viel dazu.

Du kannst dich ja auch mal mit element123 in Verbindung setzen, der macht auch grad ein GFS Referat und hat von einigen hier schon Material geschickt oder gemailt bekommen. Schau dich halt mal um...

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#9 von DeutschLehrer , 23.12.2008 20:15

@Wellheimer
Etwas stört mich an Deiner Betrachtung und auch an der heutigen Darstellung der DDR in den Medien. Die Masse der Bundesbürger glaubt heute, die DDR war ein von der Stasi grausam unterdrücktes System, wo an jeder Strassenecke ein Stasi-Mann stand und kein Mensch laut sprechen konnte . Es war aber doch anders. Bis zum Ende der DDR kannte ich den Begriff IM noch nicht mal und bis heute habe ich noch keinen Menschen getroffen oder auch nur persönlich davon gehört, dass er ernsthaft Probleme mit der Stasi hatte. Und ich habe nicht im Wolkenkuckucksheim gelebt und war sicher nicht besonders angepasst. Aber die Wahrheit ist einfach, dass die Stasi im DDR-Alltag keine Rolle gespielt hat. Wir hatten Versorgungsprobleme, wer reisen wollte konnte nicht wie er wollte, aber ansonsten haben wir doch ganz normal gelebt - Oder nicht ? Mich ärgert einfach, dass ein völlig falsches Bild an die Jugend vermittelt wird.
Ich war als Abteilungsleiter Technologie in der Entwicklung und mußte mich auch schon vor der Konfliktkommission verantworten wegen "Materialverschwendung" für bestimmte Versuche. Ich hatte es eben genehmigt. Aber deshalb kam noch keine Stasi.

Entschuldigung, aber dieses Thema regt mich schon im Fernsehen auf.

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#10 von Naddel , 24.12.2008 00:11

Zitat von DeutschLehrer
@Wellheimer
Etwas stört mich an Deiner Betrachtung und auch an der heutigen Darstellung der DDR in den Medien. Die Masse der Bundesbürger glaubt heute, die DDR war ein von der Stasi grausam unterdrücktes System, wo an jeder Strassenecke ein Stasi-Mann stand und kein Mensch laut sprechen konnte .
Mich ärgert einfach, dass ein völlig falsches Bild an die Jugend vermittelt wird.

Hm, ja da kann ich zustimmen. Schon allein was unsere Geschichtslehrerin in der 10. Klasse uns erzählt hat ... grausam! Dabei hat die so ein Schwäbisch drauf, dass es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass sie jemals in der DDR gelebt hat.
Also vorausgesetzt man hat im Unterricht mal zugehört (was schon schwierig genug war) dann wurden einem so Sachen erzählt wie: Die FDJ benutzte die Kinder um ihre eigenen Eltern auszuspähen und das teilweise mit Abhörtechnik (also mit Wanzen uns so weiter); die Leute mussten total aufpassen was sie sagten und mit wem sie redeten, weil sonst gleich die Stasi kam und sie verhaftet wurden...

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#11 von tommes , 24.12.2008 00:55

@Naddel: Die FDJ war keine Kinderorganisation.

Bis zur 3.Klasse war man Jungpionier (mit blauem Halstuch) und ab der 4. Klasse Thälmannpionier (mit rotem Halstuch). In die FDJ kam man erst in der 8.Klasse und musste eine Prüfung vor der Klassenlehrerin, einem Mitglied vom Elternaktiv und der Pionierleiterin ablegen(bei uns ist einer durchgefallen und musste nachsitzen). In der Vorbereitung zur FDJ wurden z.B. Reisen nach Buchenwald unternommen.

Während der gesamten Schulzeit war es Pflicht, in einer Sportgemeinschaft oder einer Arbeitsgemeinschaft zu sein. Die Sportgemeinschaften waren entweder von der Armee(ASV) oder von der Stadt. Gute Sportler wurden dort gesichtet und an eine KJS (Kinder- und Jugendsportschule) versetzt.
Bei den Arbeitsgemeinschaften ging es von Handarbeit bis hin zu Computern.

Zur Freizeitgestaltung von Jugendlichen gab es in fast jeder Stadt einen Jugendclub, der öffentlich finanziert und gleichzeitig abhängig von der Initiative der Betreiber war.

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#12 von nordmann , 24.12.2008 09:00

@naddel...so unrecht hat deine lehrerin nicht..

fakt ist,die ddr wa ein unrechtsstaat mit all seinen helfeshelfern (diktatur pur)

nie wieder!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!11

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#13 von DeutschLehrer , 24.12.2008 09:20

@nordmann
Was weißt Du denn noch von der DDR ? Du warst doch noch Kind damals !

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RE: Fragen zum Leben in der DDR

#14 von Weilheimer , 24.12.2008 09:54

Zitat von DeutschLehrer
@Wellheimer
Etwas stört mich an Deiner Betrachtung und auch an der heutigen Darstellung der DDR in den Medien. Die Masse der Bundesbürger glaubt heute, die DDR war ein von der Stasi grausam unterdrücktes System, wo an jeder Strassenecke ein Stasi-Mann stand und kein Mensch laut sprechen konnte.
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Ich denke mal Du hast privat oder im Beruf nicht so viel mit den "Bundesbürgern" zu tun. Das was die Medien schreiben, ist nicht das, was der Alt-Bundesbürger über die DDR weiß.
Klar konnte man in der DDR "gut" leben, wenn man sich gegen das bestehenden System nicht auflehnte. So konntest Du nie in den "Genuß" von Bautzen kommen und die Deutsche Demokratische Republik 20 Jahre nach der Deutschen Einheit als rosarotes Land ausmalen. Dir persönlich ging es ja gut.
Wenn diese DDR doch so "super" war, warum sind die Menschen 1989 in den Montagsdemos in Leipzig auf die Straße gegangen? Das waren nicht nur alles Bürgerrechtler, sondern Menschen, die auch der Meinung waren, "So kann es nicht weitergehen" mit den alten senilen Herren im ZK der SED. Was der DDR fehlte und ihr Ende besiegelte, war das, was man FREIHEIT nennt. Auch wenn ein Käfig golden ist, bleibt es doch ein Käfig.
Ich habe in meinem näheren Bekanntenkreis jemanden der einen Ausreiseantrag gestellt hatte und 1988 in die BRD auisreisen durfte, von dem weiß ich aus erster Hand, wie der Repressionsapparat der DDR funktionierte. Nach einem Ausreiseantrag durfte zum Beispiel ein Ingenieur und leitender Angestellter einen Hilfsarbeiterjob verrichten, wenn er die Arbeit verweigerte, drohte Gefängnis. Und es sicher auch keine üble Nachrede, wenn man behauptet, das jeder irgendwo einen Bekannten, Verwandten hatte, der Informant der Staatssicherheit war. Es gibt Museen in Deutschland, da kann man die teilweise intimen Berichte dieser sogenannten IM nachlesen. Daher behaupte ich "Ja es stand an jeder Ecke ein STASI Informant". Oder meinst du ernsthaft, die Tausenden von Mitarbeitern der Staatssicherheit, hatten nur die Aufgabe die DDR-Bürger vor dem bösen und unmenschlichen Kapitaliismus zu beschützen?
DeutschLehrer, du hast geschrieben, was dich aufregt. Mich regt zum Beispiel das viele Ex-DDR Bürger, vorwiegend der Generatiion Ü50, welche einen größeren Teil ihres Lebens in der DDR lebten, heute mit verklärten Blick zurückschauen und der Meinung sind "Es war doch alles nicht so schlimm, im Gegenteil es war richtig gut in der DDR".


Daß die Philosophie eine Frau ist, merkt man daran, daß sie gewöhnlich an den Haaren herbeigezogen ist.

 
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zuletzt bearbeitet 24.12.2008 | Top

RE: Fragen zum Leben in der DDR

#15 von DeutschLehrer , 24.12.2008 10:20

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DeutschLehrer, du hast geschrieben, was dich aufregt. Mich regt zum Beispiel das viele Ex-DDR Bürger, vorwiegend der Generatiion Ü50, welche einen größeren Teil ihres Lebens in der DDR lebten, heute mit verklärten Blick zurückschauen und der Meinung sind "Es war doch alles nicht so schlimm, im Gegenteil es war richtig gut in der DDR".
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Ich finde das durchaus logisch, wir über 50 haben eben andere Erfahrungen gemacht.
Die DDR war eben nicht nur ihre letzten Jahre.

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Himmelfahrt oder Männertag ?
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