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Lenin zurück nach Leipzig?

#1 von herman , 23.01.2009 12:07

Putin war ja gerade da. Hat einen Orden bekommen. Für was eigentlich?

Aber was mich da interessieren würde, etwa vor einem Jahr wolllten Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange, SPD, ehemals DDR-Lehrerin mit SED-Parteibuch, und Leipzigs Linke-Chef Volker Külow, der als Stasi-Informant unter dem Decknamen „Ostap“ noch im Frühjahr 1989 eine Studentin bei der Geheimpolizei denunzierte ein Denkmal wiederaufstellen. Die Denkmals-Wiederaufstellung, lobte Külow, sei „der souveräne Umgang mit einem der größten Denker der Menschheitsgeschichte“.

Gemeint war ein gewaltiges Relief aus DDR-Zeiten um den in Metall gegossenen Marxismus-Leninismus, denn das bärtige Antlitz trägt gleichzeitig die Züge des russischen Revolutionsführers. Jahrzehntelang bildete das Propaganda-Werk über dem Haupteingang der Leipziger Universität eine Art SED-Triumphbogen.

Wie zu lesen war ließ sich für die Neuaufstellung des SED-Staatsblechs das sächsische Wissenschaftsministerium die gigantische Summe von 300 000 Euro kosten – für Reinigung, Transport und ein aufwendiges Beton-Fundament.

Zwar waren auch kritische Stimmen zu hören, von einer „Schande“ sprach der Leipziger Schriftsteller und Ehrenbürger Erich Loest, den die SED wegen ideologischer Unbotmäßigkeit einst für sieben Jahre ins Zuchthaus gesteckt hatte. Auf einer Diskussionsveranstaltung, klagt Rektor Häuser, habe er sich „als Walter Ulbrichts letzten Statthalter“ beschimpfen lassen müssen.

Doch solche Netzbeschmutzer werden doch hoffentlich keinen Erfolg gehabt haben. Also insbesondere an unsere sächsischen Freunde, steht Lenin im Marx-Antlitz wieder dort? Hinweise werden vertraulich behandelt.

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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#2 von Daneel , 23.01.2009 12:56

SED-Staatsblechs
ehemals DDR-Lehrerin mit SED-Parteibuch
eine Art SED-Triumphbogen
in Metall gegossenen Marxismus-Leninismus
gigantische Summe von 300 000 Euro
Lenin im Marx-Antlitz


Nun ja, was will uns herman eigentlich sagen, ist doch schön das man kulturelles Erbe pflegt.
Und zugleich wird auch noch einem der größten Weltveränderer des 20. Jhd. ein Denkmal gesetzt. Man muss nur seine ideologischen Scheuklappen fallen lassen und sich den Geifer von den Lippen wischen, dann geht das schon.


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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#3 von Wega , 23.01.2009 13:05

@ Daneel:

 
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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#4 von herman , 23.01.2009 13:12

OK, ich hol mir gleich ein Taschentuch.

Wenns nur der gute alte Marx gewesen wäre der sich sowieso im Grabe umgedreht hätte um nicht die zu sehen die sich alle auf ihn berufen, da möchte ich zustimmen.

Aber bei Genosse Lenin, der wohl zwielichtig in dem SED-Historienschinken mit eingearbeitet ist, da ist das anders. Und der war wohl mehr gemeint im unterwürfigen SED-Staat mit seiner verfassungsgemäßen immerwährenden Verbundenheit zu Sowjetrußland.

Nicht nur in Leipzig gilt zurzeit: Hello Lenin. Wer sich kritisch mit der zweiten deutschen Diktatur auseinandersetzt, steht in Ostdeutschland des Jahres 2009 einer wachsenden Front von Verharmlosern und Vergangenheitsumdeutern gegenüber. So wie die Gedenkstätten-Mitarbeiter im ehemaligen Zuchthaus „Roter Ochse“ in Halle/Saale in Sachsen-Anhalt, die dort eine Ausstellung über die Staatssicherheit und die Verfolgung der Andersdenkenden in der DDR betreiben.

Und was den Genossen Lenin angeht, auch die Linke.PDS.SED von Potsdam drängt, eine Statue von Wladimir Lenin wieder in der Stadt zu platzieren.
Es ist folgende allgemeine Dummheit im Beitrittsgebiet auch heute noch weit verbreitet: Stalin sei der grausame Menschenschlächter gewesen, Lenin hingegen der menschlichere Kommunist. Ganz falsch.

Lenin hat den Staatsterror erfunden. Seine Theorie („Der proletarische Staat ist eine Maschine zur Vernichtung der Bourgeoisie“) hat er systematisch und skrupellos in die Praxis umgesetzt. In seinen Herrschaftsjahren hat er Zehntausende von Geiseln erschießen, Hunderttausende revoltierende Arbeiter und Bauern in Massakern töten, bis zu 500 000 Kosaken deportieren und liquidieren lassen, hat er die Konzentrationslager erfunden, Giftgas eingesetzt und eine Hungersnot ausgelöst und gerechtfertigt, die fünf Millionen Menschen das Leben kostete.

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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#5 von Daneel , 23.01.2009 14:01

Zitat von herman
Stalin sei der grausame Menschenschlächter gewesen, Lenin hingegen der menschlichere Kommunist. Ganz falsch.

Lenin hat den Staatsterror erfunden. Seine Theorie („Der proletarische Staat ist eine Maschine zur Vernichtung der Bourgeoisie“) hat er systematisch und skrupellos in die Praxis umgesetzt. In seinen Herrschaftsjahren hat er Zehntausende von Geiseln erschießen, Hunderttausende revoltierende Arbeiter und Bauern in Massakern töten, bis zu 500 000 Kosaken deportieren und liquidieren lassen, hat er die Konzentrationslager erfunden, Giftgas eingesetzt und eine Hungersnot ausgelöst und gerechtfertigt, die fünf Millionen Menschen das Leben kostete.


Obiger Text ist ein Zitat von Herrn Markwort ("Focus") und sollte als solcher auch gekennzeichnet werden!

Und das der gegen jeden Hinweis alternativer Gesellschaftsordnungen ist, ist ja nicht neu. Die angeführten Angaben von diesem Herrn sind großer Müll und ausser der dubiosen Quelle Schwarzbuch des Kommunismus wird er wohl nichts anführen können. Man sollte Lenins Handeln aus dem Kontext von 1917 betrachten, und sich vor Augen führen, was die Alternativen waren, so mitten im 1. WK!


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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#6 von WELLO , 23.01.2009 14:48

überflüssiges Zitat entfernt - Daneel

"Alternativ" soll hier wohl heißen: "sozialistisch" - es gibt ja lt. Meinungs-Vorgabe der linken Genossen nur "Kapitalismus oder Sozialismus"; alternativ wäre ja dann noch was anderes. Das kann ja nicht sein.

Das kommunistische Schwarzbuch bekommt schnell einen Aufkleber: "rechts" und "dubiose Quellen" - und schon ist die lästige Diskussion über Fakten beendet. Getreu den alten Gewohnheiten, andere Meinungen haben nicht zu gelten, und die eigene in Frage zu stellen, kommt schon gar nicht in Betracht. Die parteiliche Wahrheitsfindungskommission hat darüber ja schon längst hinter verschlossenen Türen entschieden und die Beschlüsse der XXXXXX. Parteikonferenz haben diese als Direktive ausgegeben.

Das ganze ist immer mehr ein Lehrstück, wie Stalinisten mit der Wirklichkeit und damit mit der Wahrheit umzugehen pflegen: Es ist nicht so, wie es ist, sondern so, wie es zu sein hat. Die Wirklichkeit ist lediglich dazu da, im Sinne der Parteilinie zurechtgebogen zu werden. Denn nur die Stalinisten sind im Besitze der letzten, allgemein- und endgültigen Wahrheit, und Stalin ist demzufolge posthum der Friedensnobelpreis als GRÖFAZ (größter Friedensstifter aller Zeiten) zuzuerkennen. Weitere Fragen sind ab heute nicht mehr zulässig, sie schaden nur der sozialistischen Weltrevolution...

Übrigens schreiben wir das Jahr 2009, Stalin ist seit 1953 mausetot, und der Kommunismus seit 1989 ebenso. Aber läppische Fakten muss man ja nicht zur Kenntnis nehmen...

Gruß Wello

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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#7 von Daneel , 23.01.2009 15:16

Nun haben wir den Bogen zu Stalin und den Stalinisten. Ist nur nicht das passende Thema zu einem Lenin-Denkmal. Und was ich unter alternativ verstehe, lasse ich mir nicht von dir unterstellen, und es ist auch nicht implizit der Sozialismus als einzige Alternative gemeint. Das Schwarzbuch des Kommunismus halte ich deshalb dubios, weil es Fakten sehr einseitig interpretiert, und darin liegt das grundlegende Problem, dieses Buches, es interpretiert und ist als Faktenquelle deshalb ungeeignet, nicht mehr und nicht weniger.

So und nun lasse ich dich mit deinem lieben Onkel Stalin alleine weiter über eure friedenstiftende Massnahmen plaudern, was immer ihr auch zu bereden habt im Jahre 2009.


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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#8 von herman , 23.01.2009 16:03

Gute Empfehlung!

Stimmt. Der Text ist von Markwort. Was ist daran beanstandenswert? Lediglich daß ich nicht quote gemacht habe, ist einfach vergessen worden. Denn auch andere sind meiner Meinung. Und Markwort aus Herausgeber vom Focus, gehört der auch schon auf die Abschussliste? Vielleicht alle die nicht beim ND beschäftigt sind?

Sollte jeder mal zumindest was davon gehört haben. Vom Schwarzbuch des Kommunismus. Insbesondere jene die durch dümmliche Ostpropaganda und 40 jähriges Eingesperrtendasein kontinuierlich berieselt wurden.

Das Schwarzbuch des Kommunismus: Unterdrückung, Verbrechen und Terror


Ein Beispiel aus dem Schwarzbuch: die DDR. Berlin 17. Juni 1953. Nur mit sowjetischen Panzern hält sich das Regime an der Macht.
13. August 1961, nur der Bau der Mauer, an der auf Menschen geschossen wird, verhindert eine Entvölkerung der DDR. Bis dahin flüchteten über 3 Millionen in den Westen.
Die 80er Jahre. Hinter der demokratischen Fassade sichert die Erinnerung an den Terror weiterhin die Herrschaft der Kommunisten. Die Gewalt nimmt unter Honecker - so das Schwarzbuch - subtilere Formen an.

Glücklicherweise hatten Honecker und Co. nicht die Machtfülle wie Verbrecher angefangen bei Lenin und Stalin bis MaoTsTung und PolPot.

Bis zu 100 Millionen Tote im Namen des Kommunismus. Schreckliche Jahrhundertbilanz eines französichen Historikerteams. Die deutsche Diskussion zeigt, wie schwer es ist, von liebgewordenen Weltbildern Abschied zu nehmen.
Bei der deutschen Linken gibt es ein Problem um das sich Viele bislang mehr oder weniger geschickt herumgemogelt haben. Nun aber ist dieses Buch hier auf dem Markt, und es zwingt die deutsche Linke zu einer Auseinandersetzung: Das "Schwarzbuch des Kommunismus". Auf etwa eintausend Seiten stellt es die Verbrechen der kommunistischen Ideologie dar.

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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#9 von DeutschLehrer , 23.01.2009 16:11

Im gleichen Stile könnte man sicher noch viele Schwarzbücher schreiben, Schwarzbuch der Kirche, Schwarzbuch der USA, und ... und ... Es gibt noch viele Millionen Tote, die nicht in das Schwarzbuch des Kommunismus passen.

Gruß DL

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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#10 von WELLO , 23.01.2009 16:19

Zitat von Daneel
Nun haben wir den Bogen zu Stalin und den Stalinisten. Ist nur nicht das passende Thema zu einem Lenin-Denkmal.



Oh doch. Es gibt da z. B. einen inzwischen historischen Briefmarkenblock aus dem Jahre 1953, der zeigt die Herren Marx, Engels, Lenin und Stalin einträchtig beieinander. Später wurde Herr Stalin entfernt, die anderen drei blieben, als Nr. 4 wurde dann wahlweise irgendein andrer Säulenheiliger eingearbeitet.
Wieso der Herr Lenin zu Herrn Stalin "nicht passen" soll, dass muss mir erst mal jemand erklären...

Gruß Wello

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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#11 von WELLO , 23.01.2009 16:24

Zitat von DeutschLehrer
Im gleichen Stile könnte man sicher noch viele Schwarzbücher schreiben, Schwarzbuch der Kirche, Schwarzbuch der USA, und ... und ... Es gibt noch viele Millionen Tote, die nicht in das Schwarzbuch des Kommunismus passen.

Gruß DL


Sehr guter Vorschlag! Manche würden sich in der Tat die Augen reiben, was da so an Fakten zusammenkäme, von der Inquisition angefangen, von der alle möglichen Leute viel abgekupfert haben. Und - man soll doch alle Dinge im Zusammenhang betrachten, sagt der dialektische Materialismus - das Schwarzbuch des Kommunismus würde in die gesamte Reihe fugenlos reinpassen.

Gruß Wello

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RE: Lenin zurück nach Leipzig?

#12 von Björn , 23.01.2009 19:47

Ende letzten Jahres kam eine Diskussionssendung (glaube von Arte oder so) mit Historikern, Medienwissenschaftlern usw.! Da ging es um die europäischen Systeme der letzten 100 Jahre und ihre Verbrechen. Da war auch die Rede vom Schwarzbuch des Kommunismus und das etliche Sachen davon so nicht belegbar und unter Fachleuten arg umstritten sind!
Wie wärs denn eigentlich, wenn wir gleich alle Denkmäler von Kaisern, Königen und ehemaligen "Herschern" deutschlandweit entsorgen?! :-o


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