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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#331 von frank , 09.09.2012 08:38

Zitat
Sicher, die DM wollten (fast) alle, aber das die Menschen in der Euphorie ihre Würde aufs Spiel setzten,
indem sie einer willenlosen, widerstandsfreien Übernahme zustimmten, mit allen Vor- und Nachteilen,
merkten viele erst später.



Der Spruch wirkt irgendwie wie aus der Zeit gefallen. Ist Karl-Eduard auferstanden?

Umgekehrt ist es richtig. Es war würdelos und eine Zumutung, vom Chef-Propagandisten sich die Zeitung häppchenweise vorlesen zu lassen, denn kaufen konnte ein Ossi nur den Einheitsbrei der SED. Alles andere war verboten.

Es war würdelos, per Gesetz zu 'Wahlen' getrieben zu werden, bei denen es nichts zu wählen gab.

Und 'widerstandsfrei' 1800 Milliarden übergeholfen zu bekommen, das war natürlich die größte aller Zumutungen.

p.s.

Die 'Übernahme' erfolgte nicht willenlos, sondern durch einen Beschluss der erstmalig frei gewählten Volkskammer und nicht wie vorher üblich, durch das kommunistische Politbüro, welches über keinerlei Legitimation verfügte. Aber das schien unseren Neu-Karl-Eduard damals nicht die Bohne zu stören.


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#332 von Kolumbus 1492 , 09.09.2012 08:48

Zitat von frank im Beitrag #

Zitat
Sicher, die DM wollten (fast) alle, aber das die Menschen in der Euphorie ihre Würde aufs Spiel setzten,
indem sie einer willenlosen, widerstandsfreien Übernahme zustimmten, mit allen Vor- und Nachteilen,
merkten viele erst später.


Der Spruch wirkt irgendwie wie aus der Zeit gefallen. Ist Karl-Eduard auferstanden?

Umgekehrt ist es richtig. Es war würdelos und eine Zumutung, vom Chef-Propagandisten sich die Zeitung häppchenweise vorlesen zu lassen, denn kaufen konnte ein Ossi nur den Einheitsbrei der SED. Alles andere war verboten.

Es war würdelos, per Gesetz zu 'Wahlen' getrieben zu werden, bei denen es nichts zu wählen gab.

Und 'widerstandsfrei' 1800 Milliarden übergeholfen zu bekommen, das war natürlich die größte aller Zumutungen.

p.s.

Die 'Übernahme' erfolgte nicht willenlos, sondern durch einen Beschluss der erstmalig frei gewählten Volkskammer und nicht wie vorher üblich, durch das kommunistische Politbüro, welches über keinerlei Legitimation verfügte. Aber das schien unseren Neu-Karl-Eduard damals nicht die Bohne zu stören.







immer wieder und immer wieder die scheiss Kohle - da geht die Würde schon los die wir verloren haben , immer wieder diese Drecks Geldvorhaltungen. Es hat Euch keiner drum gebeten um Euer Scheissgeld ihr hättet nur Nein sagen brauchen. Man wenn ich könnte ich würde euch jeden von euren Dreckseuros zurück zahlen und dann macht Euch vom Acker.

Das muss sich kein Pole und kein Tscheche anhören.


Und dann nochmal alles zurück bis 1945 und diesesmal der Russe vom Westen her.


Wenn der Staat den Weg der Gerechtigkeit verlässt , wird ziviler ungehorsam zur Pflicht.

 
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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#333 von altberlin ( gelöscht ) , 09.09.2012 09:42

Zitat von michaka13 im Beitrag #


Morgen altberlin. Wie meinst Du das ? Siehe die fett markierten Stellen im Zitat. Wo setzte wer seine Würde in welcher Art und Weise aufs Spiel? Wie hätte denn Deiner Meinung nach ein Widerstand gegen die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten aussehen sollen?



Die Würde wurde vielen von denen aus dem "Beitrittsgebiet" bereits genommen, als sie sich als teilweise Billiglöhner in jahrelangen
Zeitarbeitsbeschäftigungen verdingen mußten, tausende trifft es noch heute. Nur hat sich der Verdienst etwas gebessert.
Dazu kam, hin und wieder gibts das auch noch heute, die unverholen geäußerte Meinung, alle Ossis wären faul, hätten nie gearbeitet,
könnten dieses auch nicht. Warum wurden sie dann angeworben bzw beschäftigt im Westen ?
Die Grundstücksfrage, dinglich erworben oder rückübereignen, was Jahrzehnte aufgebaut,gepflegt und bewahrt wurde, für den "Wessi" ?
Die Würde wurde auch genommen, oder wenigstens versuchte man es, indem behauptet wurde, wir hätten nichts geschaffen. Das betrifft
das Bauwesen, den Maschinen-und Fahrzeugbau und auch das Sozialwesen. Ich glaube, dafür, das wir keinen Marshallplan hatten, wurde eine Menge geschaffen.
Damit hatte aber keiner der euphorisch nach der D-Mark Schreienden gerechnet, das sich viele Leben komplett ändern würden, Familien
reihenweise zerbrechen, die "Brücke" die neue Heimat wird. Und das betraf nicht nur die sogenannten Faulpelze, sondern Akademiker
gleichermaßen. Warum gibt es denn heute so viel Ablehnung der Politik, besonders, aber nicht nur im Osten ? Und nun erzähle mir keiner,
der gesamte Osten steht zur Bundesrepublik, wie sie heute ist. So viel lügen kann man eigentlich gar nicht. Ich kenne genug Menschen
zwischen Erzgebirge und Ostsee, alle freuen sich über das Westauto, aber sie freuen sich nicht über die negativen Folgen der Einheit,
die ich jetzt hier nicht erläutern will. Wer in der DDR bewußt und nicht nur als Windelscheißer gelebt hat, weiß, wovon ich spreche.
Auch wer als noch relativ dummer Junge, ohne jedwede Erfahrung, mit 16 oder 18 die Wende erlebt hat, dem fehlte der tiefere Durchblick,
die wahren Folgen der Wiedervereinigung nach allein westlichem Muster zu begreifen. Diese Altersgruppe ist in das neue System hineingewachsen,
hatte mit dem der DDR außer vielleicht in der FDJ keinen Bezugspunkt. Alles Wissen über die damalige Zeit stammt aus irgendwelchen Medien,
die selten objektiv und tatsachengetreu sind, man merkt es immer wieder selbst, wenn offensichtliche Fehler gefunden werden.
Ich und meine Familie sowie die meisten Menschen, die ich damals kannte, waren froh, "frei" zu sein, die Welt stand mit einem Mal offen,
aber das war es euch schon. Skepsis und Zweifel bestanden von Anfang an, was wird werden.
Fazit:
Es war überhastet, der Große frißt den Kleinen, ohne zu schauen, ob irgend etwas erhaltens- oder schützenswert ist. Beispiele findet jeder
heute in den Medien, jeder, der fragen kann, kann auch denken und lesen.

Eine damals im Gespräch gewesene Konföderation mit schrittweiser Annäherung und Anpassung hätte Gesamtdeutschland besser getat, wirtschaft-
lich, finanziell und vor allem menschlich. Schritt für Schritt, und der Eindruck einer "feindlichen Übernahme" wäre nicht erst aufgekommen.

Zum Abschluß noch eine Episode aus der vergangenen Woche, ein Kunde in Stuttgart, wohlsituiert, finanziell absolut sorgenfrei, im Ruhestand.
Seine Sicht: Die Vereinigung kam zu schnell und zu unüberlegt. Ein Herr KoHohl (seine Worte) wollte sich als Kanzler der Einheit
profilieren, deshalb die Eile. Und weil wir gerade dabei sind, als Folge bekamen wir später den Euro, den Frankreich zur Bedingung machte für die Zustimmung zur Wiedervereinigung. Übrigens hätte dieser Kunde eine Konföderation auchfür eine bessere Lösung gehalten.
Eigentlich müssen wir uns heute bei Herrn KoHohl bedanken für das Desaster, was nach 1990 über den Osten hereinbrach. Seine Worte von den
"Blühenden Landschaften" wurden wohl falsch ausgelegt.

--


vorwärts immer, rückwärts nimmer
E.H.

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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#334 von Kolumbus 1492 , 09.09.2012 09:53

Dem hinzufügen möchte ich noch , das es eine einfache Rechenaufgabe ist zu erkennen das 17 Millionen noch dazu ohne jeder Unterstützung nicht das erwirtschaften können was 6o Millionen mit Unterstützung zu erwirtschaften in der lage sind - erst recht nicht unter diesen Bedingungen. Danke altberlin - ging runter wie Öl.


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#335 von mutterheimat , 09.09.2012 10:09

Stimmt altberlin. Jaja, die Dabeigewesenen. Da Kapitel ist ein eigener Strang wert. Insbesondere nachdenkenswert für Leute, welche dem Vergessen und der inzwischen, blühenden, Ignoranz anheim gefallen sind. Rate mal, warum ich so eine Signatur gewählt habe? Rate mal, warum es des öfteren, heftigste Streitereien gibt, wenn ich solche Leute, welche zum Mauerfall noch nicht einmal, oder gerade so, die 18 Jahre Grenze ereicht haben, zur "Seite stelle". Kann es sein, das die Antwort darauf so lautet, -Kannst du GENAU GEZIELT ETWAS DAZU AUSSAGEN-? Warst du mittelbar, oder unmittelbar, dabei? Dann geht doch der Zank los! Amen.


Wer sind die besten Fälscher der Welt, die Medien! Wer das alles glaubt, was alles so da drin steht und gesagt wird, (Presse, Rundfunk, Fernsehen, Internet), dem ist nicht zu helfen!

 
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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#336 von Kolumbus 1492 , 09.09.2012 10:10

Zitat von mutterheimat im Beitrag #
Stimmt altberlin. Jaja, die Dabeigewesenen. Da Kapitel ist ein eigener Strang wert. Insbesondere nachdenkenswert für Leute, welche dem Vergessen und der inzwischen, blühenden, Ignoranz anheim gefallen sind. Rate mal, warum ich so eine Signatur gewählt habe? Rate mal, warum es des öfteren, heftigste Streitereien gibt, wenn ich solche Leute, welche zum Mauerfall noch nicht einmal, oder gerade so, die 18 Jahre Grenze ereicht haben, zur "Seite stelle". Kann es sein, das die Antwort darauf so lautet, -Kannst du GENAU GEZIELT ETWAS DAZU AUSSAGEN-? Warst du mittelbar, oder unmittelbar, dabei? Dann geht doch der Zank los! Amen.




Kein Medium sagt Dir die Wahrheit - kein enziges. Schweigen ist feige , reden ist Gold.


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#337 von frank , 09.09.2012 10:21

Zitat von altberlin im Beitrag #

Die Würde wurde auch genommen, oder wenigstens versuchte man es, indem behauptet wurde, wir hätten nichts geschaffen. Das betrifft
das Bauwesen, den Maschinen-und Fahrzeugbau und auch das Sozialwesen.



Dass die 'Würde genommen' wurde, weil die Innenstädte verfallen sind, der Maschinen- und Fahrzeugbau keine auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähigen Produkte erzeugte, und, wie de'Maziere nach Kassensturz warnte, die Sozialkosten wie etwa die Renten nicht mehr gezahlt werden konnten, ist doch ziemlich skurril.

Es wurde nichts genommen, sondern es war nichts mehr da. Nach 40 Jahren Sozialismus. Ich selbst war ja auch ziemlich erstaunt, wie marode bei Lichte betrachtet die Hinterlassenschaft tatsächlich war. Allerdings, wie man heute weiß, die Genossen Schürer (Planungschef) und Stasi-Generalmajor Kleine, zuständig für Wirtschaftsfragen, haben dies schon etliche Jahre vor Abgang dem Genossen Honecker mitgeteilt.


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#338 von Kolumbus 1492 , 09.09.2012 10:26

Zitat von frank im Beitrag #
Zitat von altberlin im Beitrag #

Die Würde wurde auch genommen, oder wenigstens versuchte man es, indem behauptet wurde, wir hätten nichts geschaffen. Das betrifft
das Bauwesen, den Maschinen-und Fahrzeugbau und auch das Sozialwesen.



Dass die 'Würde genommen' wurde, weil die Innenstädte verfallen sind, der Maschinen- und Fahrzeugbau keine auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähigen Produkte erzeugte, und, wie de'Maziere nach Kassensturz warnte, die Sozialkosten wie etwa die Renten nicht mehr gezahlt werden konnten, ist doch ziemlich skurril.

Es wurde nichts genommen, sondern es war nichts mehr da. Nach 40 Jahren Sozialismus. Ich selbst war ja auch ziemlich erstaunt, wie marode bei Lichte betrachtet die Hinterlassenschaft tatsächlich war. Allerdings, wie man heute weiß, die Genossen Schürer (Planungschef) und Stasi-Generalmajor Kleine, zuständig für Wirtschaftsfragen, haben dies schon etliche Jahre vor Abgang dem Genossen Honecker mitgeteilt.




Frank Du hast keine Ahnung. Und davon ganz viel. Das darf ich Dir mal sagen. Die DDR rezessive der Sozialismus durfte keine Aktiengesellschaften haben ...und das war der Grund für fehlenden Korrospondenz am Weltmarkt. übrigens hat Quelle damals genug im Osten Konsumgüter eingekauft. Sogar Forschungslizenzen hat man als Errungenschaften präsentiert die DDR Federn entstammten. Wieviele Krane im Westen kamen von Takraf ? Schon vergessen ?


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#339 von michaka13 , 09.09.2012 10:36

Zuerst einmal ein Danke an altberlin für diesen sachlichen Beitrag und die Beantwortung meiner Fragen. Daran sollten sich seine beiden Vorschreiber mal ein Beispiel nehmen!

Du verwendest die Worte "Billiglöhner" und "Zeitarbeitsbeschäftigung". Doch ist das ein Phänomen, welches nur die neuen Bundesländer betrifft? Ich kenne einige Rheinländer, die hier geboren sind, die sich ebenfalls schon seit Jahren in diesen prekären Beschäftigungsverhältnissen herumschlagen müssen. Die ebenfalls von ihren Familien getrennt sind, weil sie ihr AG quer durch die Republik schickt. Wie sieht es mit deren Würde aus? Ich sehe hier nicht die Wiedervereinigung als Ursache, eher ist dies eine Folge der Globalisierung. Doch darüber können wir gern in einem passenderen Thema diskutieren.


Zitat
Dazu kam, hin und wieder gibts das auch noch heute, die unverholen geäußerte Meinung, alle Ossis wären faul, hätten nie gearbeitet,
könnten dieses auch nicht.


Richtig. Hin und wieder habe ich das vor zig Jahren auch mal gehört. Doch willst Du die Meinung einiger weniger Dummer als repräsentiv betrachten? Ich tue dies nicht. Und ich denke nicht, das Du so ein dünnes Fell hast und Dir diese Meinung von dem ein oder anderen Idioten zu Herzen nimmst.

Zitat
Ich kenne genug Menschen
zwischen Erzgebirge und Ostsee, alle freuen sich über das Westauto, aber sie freuen sich nicht über die negativen Folgen der Einheit,...



Tja altberlin, so ist das Leben. Alle wollen nur die schönen Sachen. Die negativen Dinge sollen doch bitteschön außen vor bleiben. Das ist überall so. Der neue tolle Job mit mehr Verantwortung und mehr Verdienst, den möchte man haben. Das dies aber oft auch mit einem Mehr an Arbeit verbunden ist, wird gern ausgeblendet. Und so ist es auch in Deinem Beispiel. Das schicke Auto, das tolle Häuschen oder Reisen in alle Welt - das hätte jeder gern gehabt in der ehemaligen DDR. Das aber auch im freien Westen nicht alles Gold war/ist was glänzt, wurde großzügig übersehen.

Vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, die Wiedervereinigung wäre etwas langsamer, mehr geplant gekommen. Doch hätten die Menschen in der ehemaligen DDR das auch so gesehen? Was wäre gewesen, wenn man gesagt hätte, Du mußt weiterhin in Deinem abgewirtschafteten Betrieb rumwurschteln? Du mußt weiterhin zusehen, wie Du mit Deinen paar Ostmark über die Runden kommst! Was wäre gewesen, wenn es volle Geschäfte gegeben hätte, aber man nicht die richtige Währung hatte, um dort einzukaufen. Und nur wenige Kilometer weiter, hinter der dann offenen Grenze, fahren die Menschen diese schicken Autos. Machen diese tollen Reisen. Wohnen in ihren schicken Häuschen. Du erinnerst Dich doch auch an den Spruch " Kommt die D-Mark bleiben wir, kommt sie nicht dann gehen wir" Und genau so wäre es dann wahrscheinlich auch gekommen. Dieser unabhängige DDR-Staat wäre innerhalb kürzester Zeit ausgeblutet.

Noch etwas, was eigentlich nichts mit dem Thema zu tun hat:

Zitat
Wer in der DDR bewußt und nicht nur als Windelscheißer gelebt hat, weiß, wovon ich spreche.
Auch wer als noch relativ dummer Junge, ohne jedwede Erfahrung, mit 16 oder 18 die Wende erlebt hat, dem fehlte der tiefere Durchblick,
die wahren Folgen der Wiedervereinigung nach allein westlichem Muster zu begreifen.


Du legst mit dieser Aussage eine unglaubliche Arroganz an den Tag, die sie gerade Euch "älterer Generation" oft zu eigen ist. Der Zeitpunkt einer früheren Geburt ist kein Verdienst oder Privileg. Jemanden auf Grund seines Alters Wissen oder Erfahrungswerte abzusprechen ist einfach nur dumm. Anstatt gemeinsam, Generationen übergreifend zu diskutieren, Probleme anzugehen und zu beheben, wird von vielen Älteren lieber allein gewurschtelt. Nur die eigene Erfahrung zählt, das eigene Wissen und nix weiter. Diejenigen, welche Du hier als dumme Jungs und Windelscheißer bezeichnest, sind heut Männer von über 40 Jahren und die meißten haben sich oft genug im Leben beweisen müssen! Denk bitte mal drüber nach.


Wünsche noch einen schönen Sonntag,


Gruß, micha

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zuletzt bearbeitet 09.09.2012 | Top

RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#340 von delta , 09.09.2012 10:57

Zitat:Altberlin
Zum Abschluß noch eine Episode aus der vergangenen Woche, ein Kunde in Stuttgart, wohlsituiert, finanziell absolut sorgenfrei, im Ruhestand.
Seine Sicht: Die Vereinigung kam zu schnell und zu unüberlegt. Ein Herr KoHohl (seine Worte) wollte sich als Kanzler der Einheit
profilieren, deshalb die Eile. Und weil wir gerade dabei sind, als Folge bekamen wir später den Euro, den Frankreich zur Bedingung machte für die Zustimmung zur Wiedervereinigung. Übrigens hätte dieser Kunde eine Konföderation auchfür eine bessere Lösung gehalten.
Eigentlich müssen wir uns heute bei Herrn KoHohl bedanken für das Desaster, was nach 1990 über den Osten hereinbrach. Seine Worte von den
"Blühenden Landschaften" wurden wohl falsch ausgelegt.

Ende.


Dies Aussage habe ich schon vor vielen Jahren gemacht und dafür wurde ich fast gesteinigt, sowohl von hüben und drüben......
Allerdings frag ich mich...was soll ich mit der Aussage anfangen...einen Marschall-plan hatten wir nicht, aber dafür 1800 Milliarden für
den Aufbau Ost bis jetzt ...Leute bleibt auf den Teppich...als Deutschland den Marschall-Plan genehmigt bekam war Deutschland total zerbombt
und die Masse der Menschen hatten keinen Job und nichts zu beissen, geschweige 1800 Milliarden Aufbau Ost......
Natürlich wurden viele Menschen im Osten entwurzelt, aber dadurch wurde gleichzeitig eine Verarmung West installiert in nie dagewesener
Form nach dem Krieg durch die explodierenden Globalisierung und Endsolidarisierung der Sozialeinrichtungen. Ausbeutung findet sowohl als auch auf
beiden Seiten statt. Kriegsgewinnler gibt es auf beiden Seiten... die Behauptung der Westen hat durch den Osten gewonnen kann ich nur als
Witz bezeichnen weil der Osten jetzt alles im Westen kaufen muß und folglich alle Wessis Stinkreich dadurch wurden....
Ich bin weder reich geworden, noch hab ich Irgendeinen Profit durch den Osten erfahren......vielleicht war ich einfach zu dämlich dazu, oder einfach
nur zu ehrlich, aber das muß den auf beiden Seiten solche Leute gegeben haben ......die zu dämlich oder zu anständig waren.
Und die Würde wurde mir auch genommen, dem Staat bin ich nicht würdig genug, das er mir nach fast 43 Arbeitsjahre die volle Rente zahlt, aber einen
kriminellen Bundespräses 19000 tausend Euro mehr Gehalt genehmigt plus Weihnachtsgeld......und vieles mehr.
Wo bleibt da euer Aufschrei....................


wer fehler findet, darf sie behalten, ich habe reichlich davon.

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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#341 von altberlin ( gelöscht ) , 09.09.2012 11:02

Michaka, die heutigen Männer um die 20 waren damals Windelscheißer ohne jegliche DDR-Lebenserfahrung, alles heutige Wissen stammt vom Hörensagen,
oder irre ich mich ? Kann die Masse der der damals pubertierenden Generation von DDR-Erfahrung reden ? Nein, und das ist nicht arrogant gemeint,
sondern Tatsache. Auch habe ich bewußt zwischen damaligen Windelscheixxern und Jugendlichen unterschieden, die einen wissen gar nichts, die
anderen nicht viel, denn es ist eine alte Weisheit, das sich Jugend (Bis auf Ausnahmen) einen Dreck um Politik schert.
Heute natürlich kann jeder seinen Standpunkt haben, sein Wissen erweitert, inwie weit alles den damaligen Gegebenheiten entspricht, mag dahingestellt sein. Aber es muß auch respektiert werden, das es Menschen gibt, die die damalige Zeit bewußt erlebt haben, Erfolg hatten und auch einen gewissen Wohlstand aufweisen konnten. Wer das ernsthaft bestreitet, ist entweder schon in der Schule nicht ohne Klemmer vorwärts gekommen oder hat generell Hass auf alles, was auch nur im Entferntesten mit DDR zu tun hat. Und auch dann sollte man trotzdem ehrlich sein.
Ich könnte, wenn ich mich darüber belesen würde, auch über das Kaiserreich debattieren, nur, ob ich ohne direkte persönliche Erfahrung immer die
Wahrheit treffen würde, ich glaube, das wäre anmaßend.
Bestes Beispiel ist ein User hier im Forum, der Viele Namen hat, aber von nicht sehr viel auch Ahnung.

Zitat
Und nur wenige Kilometer weiter, hinter der dann offenen Grenze, fahren die Menschen diese schicken Autos. Machen diese tollen Reisen. Wohnen in ihren schicken Häuschen. Du erinnerst Dich doch auch an den Spruch " Kommt die D-Mark bleiben wir, kommt sie nicht dann gehen wir" Und genau so wäre es dann wahrscheinlich auch gekommen. Dieser unabhängige DDR-Staat wäre innerhalb kürzester Zeit ausgeblutet.


Geht es nicht vielen Deutschen heute noch so ? Einfach, weil sie im neuen Deutschland keine Chance bekommen haben, überflüssig wurden ?

Zitat
Du verwendest die Worte "Billiglöhner" und "Zeitarbeitsbeschäftigung". Doch ist das ein Phänomen, welches nur die neuen Bundesländer betrifft?



Es ist jetzt ein gesamtdeutsches Problem geworden, anfangs aber in Größenordnungen für Ostdeutschland aktuell.
Zehntausende fahren Jahr für Jahr kreuz und quer durch die Republik, teilweise zu Löhnen und Bedingungen, die jeder Beschreibung spotten.
Umziehen kommt nicht immer in Frage, aus familiären Gründen, beruflichen oder wohnungsmarktpolitischen Gründen. Was tun, wenn kein bezahlbarer Wohnraum mehr verfügbar ist ? Einkommen ist endlich, Miete leider nicht.

Ossis = faul, ich hab ein dickes Fell, deshalb stört es mich nicht persönlich, denn ich habe es anders bewiesen. Sonst wäre ich nicht schon 9,5 Jahre hier. Aber es ist unverschämt, solche Bemerkungen zu machen, und es sind leider besonders die Regionen, denen es gut geht, die zu derart Überheblichkeit neigen.

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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#342 von joesachse , 09.09.2012 11:05

Vielen Dank dafür, dass Ihr die Diskussion wieder von billiger Polemik auf eine sachliche Ebene zurück bringt.
Ich habe mich zur Wendezeit auch politisch engagiert, wir haben intensiv (wenn auch auch heutiger Sicht manchmal naiv, dafür aber immer enthusiastisch) darüber gestritten, wie sich die DDR weiterentwickeln solle. Ich war damals für einen langsamen Zusammenschluss, bei dem sich das Volk des neuen Deutschlands dann auch eine neue Verfassung geben sollte.
Es gab einige Leute, die ähnliche Ansichten hatten, aber die Wahlen im März 1990 zeigten mir, dass die Mehrheit der DDR-Bürger einen schnellstmöglichen Zusammenschluss/Anschluss an die BRD wollten, denn genau das waren die Versprechen der CDU, die damals über 40% der Stimmen bekam. Die Ideen eines Zusammenschlusses und gemeinsamen Neuanfangs waren damit auch im Osten nicht mehrheitsfähig. Ich war damals traurig und verärgert, denn es war abzusehen, was kommen würde. Der Kapitalismus (auch in der aktuellen Form) funktioniert genau so, wie wir es in der Schule und im Studium gelernt haben. Dieses Wissen haben damals Millionen von DDR-Bürgern verdrängt und sich bewusst oder vielleicht auch unbewusst für diese Gesellschaft entschieden. Eine andere Frage ist, ob es rückblickend betrachtet überhaupt andere Möglichkeiten gegeben hätte.
Was mich etwas ärgert ist die Tatsache, dass sich in Gesprächen oder auch in Internet-Foren nur wenige Ex-DDR-Bürger zu Ihrer Entscheidung von damals bekennen, egal ob sie diese aus heutiger Sicht für richtig oder falsch halten.

In vielen Diskussion auch hier im Forum werden die massiven Probleme unserer Gesellschaft aufgezeigt. Dass unsere Gesellschaft voller Widersprüche ist und dass es Unrecht gibt ist allen klar. Aber die Frage, was wie geändert werden muss, diese Frage wird nur sehr selten auf einem vernünftigen sachlichen Niveau geführt. Wir hatte hier im Forum ein paar gute Themen dazu und sollten dies meiner Meinung nach wieder aufleben lassen und tatsächlich mal über Visionen für die Zukunft diskutieren.

Schönen Sonntag noch
JoeSachse


Jede Geschichte hat vier Seiten. Deine Seite, Ihre Seite, die Wahrheit und das, was wirklich passiert ist.(Bruce Sterling)

 
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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#343 von altberlin ( gelöscht ) , 09.09.2012 11:09

@ delta, einen Marshall-Plan hattet ihr nicht ?
http://de.wikipedia.org/wiki/Marshallplan

Frisch mal dein Gedächtnis etwas auf !
Und dann schau mal hier,

http://de.wikipedia.org/wiki/Reparationen

das war hauptsächlich Sache der DDR, die Russen waren nicht fein beim Abmontieren, ob sie es gebrauchen konnten oder nicht.
Da ist der Aufbau Ost nur ein verspäteter Ausgleich.

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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#344 von Kolumbus 1492 , 09.09.2012 11:11

Zitat von delta im Beitrag #
Zitat:Altberlin
Zum Abschluß noch eine Episode aus der vergangenen Woche, ein Kunde in Stuttgart, wohlsituiert, finanziell absolut sorgenfrei, im Ruhestand.
Seine Sicht: Die Vereinigung kam zu schnell und zu unüberlegt. Ein Herr KoHohl (seine Worte) wollte sich als Kanzler der Einheit
profilieren, deshalb die Eile. Und weil wir gerade dabei sind, als Folge bekamen wir später den Euro, den Frankreich zur Bedingung machte für die Zustimmung zur Wiedervereinigung. Übrigens hätte dieser Kunde eine Konföderation auchfür eine bessere Lösung gehalten.
Eigentlich müssen wir uns heute bei Herrn KoHohl bedanken für das Desaster, was nach 1990 über den Osten hereinbrach. Seine Worte von den
"Blühenden Landschaften" wurden wohl falsch ausgelegt.

Ende.


Dies Aussage habe ich schon vor vielen Jahren gemacht und dafür wurde ich fast gesteinigt, sowohl von hüben und drüben......
Allerdings frag ich mich...was soll ich mit der Aussage anfangen...einen Marschall-plan hatten wir nicht, aber dafür 1800 Milliarden für
den Aufbau Ost bis jetzt ...Leute bleibt auf den Teppich...als Deutschland den Marschall-Plan genehmigt bekam war Deutschland total zerbombt
und die Masse der Menschen hatten keinen Job und nichts zu beissen, geschweige 1800 Milliarden Aufbau Ost......
Natürlich wurden viele Menschen im Osten entwurzelt, aber dadurch wurde gleichzeitig eine Verarmung West installiert in nie dagewesener
Form nach dem Krieg durch die explodierenden Globalisierung und Endsolidarisierung der Sozialeinrichtungen. Ausbeutung findet sowohl als auch auf
beiden Seiten statt. Kriegsgewinnler gibt es auf beiden Seiten... die Behauptung der Westen hat durch den Osten gewonnen kann ich nur als
Witz bezeichnen weil der Osten jetzt alles im Westen kaufen muß und folglich alle Wessis Stinkreich dadurch wurden....
Ich bin weder reich geworden, noch hab ich Irgendeinen Profit durch den Osten erfahren......vielleicht war ich einfach zu dämlich dazu, oder einfach
nur zu ehrlich, aber das muß den auf beiden Seiten solche Leute gegeben haben ......die zu dämlich oder zu anständig waren.
Und die Würde wurde mir auch genommen, dem Staat bin ich nicht würdig genug, das er mir nach fast 43 Arbeitsjahre die volle Rente zahlt, aber einen
kriminellen Bundespräses 19000 tausend Euro mehr Gehalt genehmigt plus Weihnachtsgeld......und vieles mehr.
Wo bleibt da euer Aufschrei....................




wenn einer mal wieder Aufschreit fängt es im Osten an - da verlass Dich drauf delta. Der Wesi bekommt nämlich seinen Pops nicht hoch - sorry.


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#345 von delta , 09.09.2012 11:20

Was meinst du mit billiger Polemik...joesachse
bei fast jeden Märchen gibt es einen Ursprung der eine gewisse Wahrheit entsprungen ist......auch in der Neuzeit...
Klar habt Ihr in der schule gelernt das der Kapitalismus nicht auf Dauer funktionieren kann, aber hat der Sozialismus
etwas funktioniert.......In einen Punkt gebe ich Dir recht...der Osten war zu kritiklos am Anfang und ich hatten darauf gesetzt,
das die gut ausgebildeten Ossis das durchschauen........Achtung Satiere
Und das ist auch der Grund, das gerade wir zwei uns nicht immer einig sind........weil du in der dieser Beziehung auch ganz schön
naiv warst und manchmal auch noch bist.....................
das ist kein persönlicher angriff....................


wer fehler findet, darf sie behalten, ich habe reichlich davon.

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