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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#136 von Ilrak , 08.09.2011 19:57

Ja, es gab Offiziere, die nicht Mitglied der SED waren.
Auch für mich wird die Bundesrepublik wohl nie richtig Heimat sein ,
das Grundgesetz kenne ich nicht mal .


Revolution ist das Morgen schon im Heute,
ist kein Bett und kein Thron für den Arsch zufriedener Leute.
(Renft - Zwischen Liebe und Zorn )

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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#137 von Kehrwoche , 08.09.2011 20:23

Tja, das ist Pech für euch.
Tränen kommen mir aber nicht. Wo es Gewinner gibt, gibt es eben auch immer Verlierer. So ist das Leben eben.


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#138 von altberlin ( gelöscht ) , 08.09.2011 20:32

Am liebsten sind mir immer die "Gewinner", die ihre Nase so hoch tragen, das sie nicht mehr sehen, wo sie hintreten. Denn auch die gibt es.
Gut, aber obwohl ich ebenfalls keine innige Beziehung zur Bundesrepublik in der gegenwärtigen Form aufbauen kann bin ich doch der Meinung, das ich auch kein komplettes Zurück haben möchte. Es hat alles seine Licht- und Schattenseiten.


.

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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#139 von Buhli , 08.09.2011 22:49

@reporter, wußtest Du, daß mehr als die Volkskammer aus mehr als 50% Nichtparteimitgliedern bestand? Im Bundestag gibt es nicht einen. Oder gräbst du da auch was aus?
@Ilrak, wenn Du das GG nicht kennst, ist es auch nicht schlimm. Es wird doch auch von Gesetzgebern und Altkanzlern ignoriert.


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#140 von reporter , 08.09.2011 23:29

Zitat von Buhli
@reporter, wußtest Du, daß mehr als die Volkskammer aus mehr als 50% Nichtparteimitgliedern bestand?



Es ist unerheblich, welche Leute die 'Volkskammer' im einzelnen bestückt haben. Die Mitgliedschaft in diesem Verein war Bestandteil des Günstlingsgewirtschafte der SED-Diktatur. Dieses Scheinparlament hatte ohnehin nichts zu melden, die Verteilung auf die Blockflöten-Parteien, die SED und die sogenannten gesellschaftlichen Gruppen, die wiederum SED-Gruppierungen darstellten, war seit Jahren per SED-Verwaltungsanweisung festgelegt und der Ossi konnte 'wählen' was er wollte, er fand auf seinem 'Stimmzettel' nur die von der SED festgelegte Verteilung auf der Einheitsliste.

Es ist schade, dass es nicht mehr dazu kam, wie von einigen Bürgerrechtlern beabsichtigt, dass sich Honecker und Konsorten deswegen wegen Hoch- und Landesverrates vor einem DDR-Gericht verantworten mußten.

Diese 'Wahlen' zur 'Volkskammer' waren lediglich eine schlechtes Theaterstück zur Verschleierung des Sachverhalts.

Was den NVA Offizier angeht, der nicht bei der SED Mitglied war, kommt der Spiegel 1990 bei seinen Recherchen zum Ergebnis:

Zitat
Die NVA-Offiziere waren fast ausnahmslos Mitglieder der SED; vielleicht war "ein Schuß Überzeugung" dabei, sagt einer, aber sonst: "Wer etwas werden wollte, mußte rein in die Partei."



http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13497057.html


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#141 von reporter , 09.09.2011 00:01

Zitat von Kehrwoche
Tja, das ist Pech für euch.
Tränen kommen mir aber nicht. Wo es Gewinner gibt, gibt es eben auch immer Verlierer. So ist das Leben eben.



Die Dresdenerin Freya Klier sah zumindest vor 10 Jahren diesen Aspekt kritisch und wohl auch etwas verbittert:

Zitat
Seit der Wende tobt der Kampf um die Deutungshoheit von DDR-Geschichte. Und seit eben dieser Zeit beklagen die
Sozialisten, man habe die Eliten der DDR ausgeschaltet.
Ich halte dagegen: Nicht nach der Wende sind die Eliten ausgeschaltet worden, sondern während einer vierzigjährigen
Diktatur - sie flogen aus Gymnasien und Universitäten, verloren ihre Berufe, haben die Gefängnisse gefüllt und die
Züge Richtung Westen.
Zurückgeblieben, mit einem kaum noch vernehmbaren Stimmchen, ist ein Häuflein Aufrechter, das einst das innere
Exil dem äußeren vorzog. Zurückgeblieben ist ein lautstarkes Heer von Genossen, das nach dem Verschwinden ihres
Unrechtsstaates meist besser noch lebt als zuvor.



http://www.freya-klier.de/texte/7_Die%20...20Deutschen.pdf


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#142 von Monarde , 09.09.2011 08:18

naja, wenn freya k. auch nur noch einen heimatlichen oder guten gedanken an die ddr oder ihre zeit verschwendet hätte, wäre sie sich ja auch selbst untreu geworden. nach mehreren jahren haft - zusammen mit ihrem partner stefan kr., IST man einfach verbittert und guckt auch auf jeden verächtlich herab, der nicht wenigstens das gleiche wie sie durchgemacht hat. is´mir n bißchen zu schwarz-weiß. genauso war es eben NICHT. - liebe freya!

nachtrag: las gerade noch in ihrer biografie: kinderheim im zushg. mit verhaftung des vaters - auch hier ist mir ein ziemlich sicheres beispiel von jemandem bekannt, dem das KH in ähnlicher situation erspart blieb ...
aber natürlich ist es bitter. hier wurde dann sicher schon die weiche gestellt für alles folgende, was sie betrifft.


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#143 von Buhli , 09.09.2011 08:37

@reporter, "Es ist unerheblich, welche Leute die 'Volkskammer' im einzelnen bestückt haben." Da hast Du wahr. Nur warum ist die Vielfalt im Bundestag nicht vorhanden? Diese Frage hast Du aus dieser Zeile nicht rauslesen können? Gibt es in diesem Land nur Anwälte, Lehrer und Berufspolitiker? Das mit der Parteizugehörigkeit um Karriere zu machen, ist heute nur nicht mehr so berechenbar wie zu DDR Zeiten. Der Grundsatz gilt aber heute immer noch. Es sei denn private Beziehungen bestätigen die Außnahme. Siehe ehemaliger Wirtschaftsminister Müller. Er versteht sich heute noch ganz gut mit Schröder... .
Ich hätte es auch lieber gesehen, wenn die DDR Oberen nach DDR Recht verurteilt worden wären. Das haben uns die anderen Bruderstaaten vorraus. Die haben ihre Revolution weitesgehend zu Ende geführt. Unsere scheiterte am Beitritt. Also jammere den verpassten Gelegenheiten nicht nach.
Während meiner Grundwehrdienstzeit sind mir einige Unteroffiziere begegnet, die nicht in die Partei wollten. Bei Offizieren weiß ich das nicht so genau.



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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#144 von sachsenfrank , 09.09.2011 12:47

Zitat von Buhli
@reporter, "Es ist unerheblich, welche Leute die 'Volkskammer' im einzelnen bestückt haben." Da hast Du wahr. Nur warum ist die Vielfalt im Bundestag nicht vorhanden? Diese Frage hast Du aus dieser Zeile nicht rauslesen können? Gibt es in diesem Land nur Anwälte, Lehrer und Berufspolitiker?



Nein, aber das sind nunmal diejenigen, die gewählt wurden. Viele andere Berufsgruppen gehen leider aus Frust als falsche Konsequenz nichtmal zur Wahl, geschweige denn sttellen sie sich zu Wahl. Und Welche Vielfalt, außer bezogen auf die Berufsgruppen war denn bitte in der DDR gegeben?

Und um die thread Frage zu beantworten. Sicherlich wäre so das ein oder andere rettenswert gewesen, aber in Ihrer Form war die DDR nunmal allein schon finanziell nicht mehr zu halten. Klar kann man tolle Sozialleistung als Legitimationsgrundlage Einführen, aber die wirtschaftliche Leistungskraft musste das nunmal damals leider noch finanziell ermöglichen. Man muss natürlich auch sagen, dass der Staatsbankrott mittlerweile auch überall die Regel wäre, wenn dies nicht durch Rettungspakete usw. verhindert würde. Leider für die ehemalige DDR war sie nicht in der EU ;)


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#145 von reporter , 09.09.2011 12:55

Zitat von sachsenfrank
Leider für die ehemalige DDR war sie nicht in der EU ;)



Doch, faktisch war die ehemalige DDR durch den zollfreien Interzonenhandel mit der Bundesrepublik wirtschaftlich auch in der EU. Sie hatte daher im Gegensatz zu allen anderen Ostblockländern eine einmalige begünstigte Situation, die übriges der Bundesrepublik regelmäßig Ärger einbrachte. Frankreich und England waren damit nicht glücklich und auch aus der 'Volksrepublik' Polen kamen diesbezüglich kritische Töne.


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#146 von reporter , 09.09.2011 13:00

Zitat von Buhli
Die haben ihre Revolution weitesgehend zu Ende geführt. Unsere scheiterte am Beitritt.



Ziemlich verquergeltes Gerede.

Das zentrale Ergebnis der Revolution waren erstmalig freie Wahlen einer Volkskammer, die den Beitritt beschlossen hat.

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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#147 von Angi55 , 09.09.2011 13:37

Die Volkskammer hatte zu der Zeit als Gremium gar keine andere Wahl...aus vielerlei Gründen- UNSICHERHEIT und Zeitdruck und keine Interaktionen mit neuen Ideen von Bürgerrechtlern. DER DDR-Mensch hat mit der GESAMTLAGE auch eine SICHERHEIT erwähnt, aus dem Druck der SU-Beziehung auszusteigen, und die USA-SU Beziehung war immer ein Dämon für den DDR-Bürger....


aw

 
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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#148 von joesachse , 09.09.2011 17:50

Zitat von Buhli
@reporter, wußtest Du, daß mehr als die Volkskammer aus mehr als 50% Nichtparteimitgliedern bestand?


Es wäre interessant, wenn Du dafür eine Quelle liefern würdest, ich habe vergeblich gesucht.
In der Wikipedia steht nicht, dass die Abgeordneten des Kulturbundes, der FDJ, des DFD oder des FDGB keine SED-Mitglieder waren.


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#149 von joesachse , 09.09.2011 17:53

Ich habe doch noch was gefunden:

Seitdem bestand die hauptsächliche Bedeutung der Nationalen Front in der Organisation der Scheinwahlen, bei denen es nur die „Einheitsliste“ der Nationalen Front gab, die in der Regel im Block gewählt wurde. Die eigentliche Wahl wurde dabei auf die Kandidatenaufstellung durch die Nationale Front verschoben, die in Ausnahmefällen auch ausgetauscht wurden. Die Aufteilung der zu besetzenden Plätze auf die Parteien und Massenorganisationen wurde dabei bereits im voraus festgelegt und blieb über viele Wahlperioden gleich. Die SED hatte zusammen mit den der SED angehörenden Vertretern der Massenorganisationen stets die absolute Mehrheit.

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Front_%28DDR%29


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RE: Hätte man den Staat DDR "retten" können?

#150 von altberlin ( gelöscht ) , 09.09.2011 18:00

Ich finde es zu erfrischend, das wir in "reporter" einen Forumsschulmeister haben, der einfach alles besser weiß.
Besonders die Personen in seinen Links, Freya Klier, Alwin Ziel usw sind so repräsentativ und zukunftsweisend für die DDR, wie sonst nichts auf der Welt.
Danke, das du uns alle oft genug für dumm und unwissend hältst, Mr.Unbekannt.
Trotzdem, ich habe der DDR-Propaganda nicht geglaubt, und ich glaube auch der heutigen nicht, egal von wem sie kommt.

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