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Die Frau im Osten

#1 von mel28 , 26.01.2009 20:35

Hallo zusammen
Ich weiß ja daß ich mich in letzter Zeit echt nich großartig gemeldet hab aber jetzt könnt ich etwas Hilfe gut gebrauchen. Mein Deutschlehrer hat mir aufgrund meiner Herkunft ein Referat über die Damenwelt im Osten auf´s Auge gedrückt (Schlüsselkinder, Scheidungsquote, Beziehungen). Im Allgemeinen kann ich ja schon was dazu sagen, nur bei 9 gelebten Ossijahren wird es mit handfesten Belegen und Quellen schwierig. Also alles rein was Buchstaben hat und mir helfen will meine Mitschüler über alte Vorurteile aufzuklären

Liebe Grüsse
Melanie

 
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RE: Die Frau im Osten

#2 von Pamina , 26.01.2009 21:20

Mel,darüber hat sich meine Tochter auch immer aufgeregt, die ist seit der 4.Klasse hier, sollte aber immer wissen, wie sich der DDR-Bürger gefühlt hat oder sein Leben war.
Ich überlege mal............, auf die Scheidungsrate war ich nicht stolz,aber als ich von diesem idiotischen Scheidungsjahr hörte, da gingen bei mir doch die Schultern hoch, denn das wurde der Frau damals doch nicht zugemutet, dass sie noch ein ganzes Jahr durchhalten mußte.
Die Regelung finde ich so blöd hier, das sollte man erwachsenen Leuten schon zutrauen,zu wissen, ob sie noch zusammen bleiben wollen oder nicht. Und wenn sie wirklich nicht dazu in der Lage sind, ja.....dann ist das eben so,dann kriegen die es anders auch nicht hin.

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RE: Die Frau im Osten

#3 von Weilheimer , 26.01.2009 21:27

Wie sagt man so schön "Welcome Back" oder so. Ich finde das ist doch ein sehr ergiebiges Thema, denn um die Gleichberechtigung der Frau war es in der DDR um einiges besser gestellt, als in der BRD. Das hing schon damit zusammen, das die Frauen in der DDR fast zu 100% berufstätig waren und eigenes Geld macht selbstbewusst, das ist nun mal so. Man kann sich nun streiten ob die Kinderbetreuung speziell in der Kinderkrippe optimal war, das ist aber ein anderes abendfüllendes Thema. Es gab in der DDR eine Rundum-Kinderbetreuung. Die Einrichtungen wurden meist von der Betrieben, wo die Frauen tätig waren, finanziert. Von 0-3 Jahren gab es die Kinderkrippe und von 3 bis zur Einschulung gab es den Kindergarten. In den Kindergärten gab es sowas ähnliches wie Lehrpläne, d.h. die Kinder wurden auch in ihrer Entwicklung gefördert.
Auch wenn das ganze auch politisch angehaucht war, diese Kinderbetreuung war eine Entlastung für die Mütter, besonders dann, wenn mehrere Kinder im Haushalt waren. 2 Kinder in der Familie normal, ich selber habe noch 4 Geschwister, was heute in der reichen BRD schon fast asozial ist und vor allem muss man sich sowas finanziell leisten können. Das war in der DDR eigentlich kein Thema kinderreich sein und trotzdem berufstätig. Ist man dann in die Schule gegangen, gab es in der 1. bis 4. Klasse einen Schulhort. Man konnte als Schüler schon vor der Schule in der Hort gehen und blieb so lange in der Einrichtung bis die Eltern von der Arbeit kamen und einen abholten. Wenn man dann etwas älter war, ist man allein nach Hause gegangen. Besonders privilegiert waren Hauskinder, die gingen nicht in den Hort, die hatten meist eine Oma zu Hause, welche die Betreuung übernahm. Hauskinder waren eigentlich recht selten anzufinden. Die Masse nutzte den Hort. Ich weiß sogar noch sie meine Hortnerin hieß, das war die Frau Siegel. Das Schulsystem der DDR war das was die Finnen heute noch haben und die sind die Nummer 1 in den Pisa Studien. Mehr schreibe ich morgen, ich muss ins Bett.


Wenn du im Recht bist, kannst du dir leisten, die Ruhe zu bewahren; und wenn du im Unrecht bist, kannst du dir nicht leisten, sie zu verlieren.


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RE: Die Frau im Osten

#4 von mel28 , 26.01.2009 21:29

Ja wie jetzt - heißt das daß wir im Osten kein Trennungsjahr hatten!!!
Is ja mal dreist - da hätt ich mir ja ein Jahr sparen können
Sowas hört sich sehr interessant an für mich - immer her damit. Danke Dir schon jetzt.
Alles Liebe

 
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RE: Die Frau im Osten

#5 von Pamina , 26.01.2009 22:02

Hi,hi, das ist Mel, wie ich sie kennengelernt habe, nee ich traue dir auch zu, dass du es nicht gebraucht hättest

Ich überlege aber noch, aber Weilis Beitrag war auch toll oder?

Mel und erst Frauentag, das war ja erstmal voll schön, finde ich sowieso besser als Muttertag, der diskriminiert so, finde den blöd, meine Tante hatte durch die Russenvergewaltigungen nie Kinder, war aber voll die tolle Frau, so konnte ich ihr immer was basteln , weil am Frauentag war es egal, ob sie Fummel hatte oder nicht.
Unsere Männer im Heim haben uns echt immer toll verwöhnt (Jungs hier, habt ihr den Wink mit dem Zaunpfahl begriffen????????????),die sagten immer Frauentagswoche,grins.Das sind ja mal tolle Erinnerungen.

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RE: Die Frau im Osten

#6 von WELLO , 26.01.2009 22:24

Hallo mel28,
im alten Westen gab es bis in die sechziger Jahre einen Kuppelei-Paragrafen und das Recht des Ehemannes, seiner Frau eine Berufstätigkeit zu erlauben oder zu verbieten. Dieses alte Recht stammte noch von anno Tobak, es könnte sein, dass es auch noch eine Zeitlang in der DDR gegolten haben könnte. Weiß jemand mehr darüber?

Mit dem Kuppelei - Paragrafen konnte sich jeder zu einer Art Blockwart/Abschnittsbevollmächtigtem aufschwingen und die Nachbarn ausspähen - und ebentuell verklagen! Ein vergleichbares "Arbeitsverbotsrecht" hat es wahrscheinlich in der DDR nicht gegeben - oder doch?

Das heute noch geltende Steuerrecht, Abteilung "Ehegattensplitting", wurde pikanterweise von den Nazis eingeführt. Die wollten sich damit bei den werktätigen "Volksgenossen" einschleimen. Ob das auch noch in der DDR galt, weiß ich leider nicht.

Dass Frauen in Männerberufe eindrangen ging recht langsam. Noch in den Achtzigern gab es fast keine Bus- oder Taxifahrerinnen, ebensowenig Pilotinnen. Auch Soldatinnen gab es erst spät bei der Bundeswehr; bei der NVA vermutlich gar nicht.
In den Achtzigern gab es in Kassel eine Firma, die wurde von einigen Belegschaftsfrauen verklagt, ihnen gleichen Lohn wie ihren Kollegen zu zahlen - sie bekamen Recht, die Firma musste zahlen! Name ist mir leider entfallen. Dieses Thema ist auch heute noch nicht ganz vom Tisch.

Gruß Wello

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RE: Die Frau im Osten

#7 von Banaus , 27.01.2009 03:03

Zitat von WELLO
Hallo mel28,
...

Auch Soldatinnen gab es ... bei der NVA vermutlich gar nicht. ...

Gruß Wello

Als wir den Einstrich-Keinstrich der NVA gegen den Uniformmix der "Bundeswehr (Heeresgruppe Ost)" zum 03.10.90 tauschen mußten, als wir unter massenhaften Degradierungen beigetreten wurden, traf es in unserer 70-Mann-Kneipe 3 Frauen, die ihre Uniform ausziehen mußten. Als Zivilangestellte durften sie noch ein paar Tage bleiben.
An Offiziersschulen war die Frauenquote (in Uniform) wohl am höchsten, nach meinen Beobachtungen könnte sie bei ca. 2-5% gelegen haben. In den Fähnrichsdienstgraden lag der Frauenanteil mindestens um den Faktor 10 niedriger, in den Unteroffiziersrängen waren Frauen in der NVA an zwei Händen abzuzählen. Alles in allem spielten Frauen in Uniform in der DDR keine Rolle. (War "die Durchschnittsfrau" in der DDR vernünftiger?)


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RE: Die Frau im Osten

#8 von Weilheimer , 27.01.2009 03:19

Zitat von mel28
Ja wie jetzt - heißt das daß wir im Osten kein Trennungsjahr hatten!!!



Doch Mel es gab ein Trennungsjahr in der DDR, einer meiner Onkel hat sich in der DDR scheiden lassen. Was es nicht gab war diese Rundumversorgung nach einer Scheidung für die Ehepartner, wenn einer kein Einkommen hatte. Es war auch kein teurer Anwalt nötig.


Wenn du im Recht bist, kannst du dir leisten, die Ruhe zu bewahren; und wenn du im Unrecht bist, kannst du dir nicht leisten, sie zu verlieren.


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RE: Die Frau im Osten

#9 von kalteschnauze , 27.01.2009 07:23

in der ddr gab es einen haushaltstag, alle verheirateten frauen egal ob mit oder ohne kinder kriegten einmal im monat einen tag frei um den haushalt zu schmeissen, das recht hatten auch alleinerziehende männer. allerdings gab es zu ddr zeiten erheblich weniger urlaub wie jetzt in der brd (ca. 10 tage weniger/jahr) und auch weniger offizielle feiertage, also gleicht sich die soziallstg. wieder aus
ab 2 kindern konnte frau von 43,75 wochenstunden arbeit auf 40 stunden runtertouren (ob bei vollen lohn weiss ich jetzt nicht?).

negativ, wer als mutter gern von vollzeit auf teizeit wechseln wollte, lief spiessruten, bzw. durfte erstmal einen ämtermarathon durchmachen, funzte oft nur wenn kind "krippenuntauglich" war, oder häufig krank/behindert etc. teilzeitplätze wahren rar, bzw. wurden die frauen, die eben nur teilzeit arbeiten wollten oft auch "gepiesackt" von den chefs, das sie doch in vollzeit wechseln sollen... da brauchte man starke nerven das durchzuhalten

negativpunkt, wer nur ein kind hatte, kriegte keinen pfennig krankengeld, wenn man mit kranken kind zu hause bleiben musste kinderkrankengeld gabs erst ab 2 kindern

im zivilbereich gabs schon frauen bei der nva

der paragraph in der brd, wonach der mann der frau ihre berufstätigkeit verbieten konnte, bzw. ihren arbeitsvertrag kündigen wurde erst 1977 abgeschafft

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RE: Die Frau im Osten

#10 von DeutschLehrer , 27.01.2009 08:10

@Weilheimer,
Es gab kein Trennungsjahr in der DDR, ich bin selbst 1977 geschieden worden und das ging ratz-fatz. Keine Drei Monate vom ersten Gedanken an die Scheidung bis zur Rechtskraft. Auch meine Eltern waren innerhalb weniger Tage geschieden. Es gab nur einen Güte-Termin, als ersten Verhandlungstag, wo über den Weiterbestand der Ehe diskutiert wurde. Anwaltspflicht wie heute bestand auch nicht.

Gruß DL

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RE: Die Frau im Osten

#11 von vae victis , 27.01.2009 08:30

Zitat: Weilheimer

ich selber habe noch 4 Geschwister, was heute in der reichen BRD schon fast asozial ist und vor allem muss man sich sowas finanziell leisten können.

Zitat ende:


sag Weilheimer ist das dein ernst, erst vor wenige minuten las ich, das jedes neugeborene schon mit 20.000 euro belastet ist.
das meißte vermögen besitzen gerade mal 10% der Deutschen, der rest schaut in die röhre.


Ich bin das Abbild meines Gottes und folglich mache ich fehler so wie " Er ",
nur nicht so große.

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RE: Die Frau im Osten

#12 von DeutschLehrer , 27.01.2009 08:51

"das meißte vermögen besitzen gerade mal 10% der Deutschen, der rest schaut in die röhre."

Das ist Kapitalismus !

Gruß DL

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RE: Die Frau im Osten

#13 von Ossilinchen , 27.01.2009 10:51

Zitat von DeutschLehrer
@Weilheimer, Es gab kein Trennungsjahr in der DDR...


Dem muss ich bedingt widersprechen, ich wurde 1990 nach altem DDR-Recht geschieden.
Das Trennungsjahr hieß damals Versöhnungsjahr und wurde auch uns nahe gelegt.
Ich habe dem Richter darauf geantwortet, dass die Ehe kaputt ist und beide Seiten kein Interesse an einer Weiterführung haben.
Somit konnten wir diesem Versöhnungsjahr aus dem Weg gehen.

In den Genuss eines Haulhaltstages kamen alle, die Kinder hatten (man musste nicht zwingend verheiratet sein) oder eben verheiratete Frauen (auch ohne Kinder).

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RE: Die Frau im Osten

#14 von DeutschLehrer , 27.01.2009 11:30

Dann ist das "Versöhnungsjahr wahrscheinlich erst später eingeführt worden.
Den Haushalttag habe ich als alleinerziehender Vater auch genießen können.

Gruß DL

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RE: Die Frau im Osten

#15 von Wega , 27.01.2009 11:35

Zitat von kalteschnauze

ab 2 kindern konnte frau von 43,75 wochenstunden arbeit auf 40 stunden runtertouren (ob bei vollen lohn weiss ich jetzt nicht?).



negativpunkt, wer nur ein kind hatte, kriegte keinen pfennig krankengeld, wenn man mit kranken kind zu hause bleiben musste kinderkrankengeld gabs erst ab 2 kindern

im zivilbereich gabs schon frauen bei der nva




Die Verringerung der Wochenarbeitszeit geschah bei vollem Lohnausgleich!

Bei Erkrankung des Kindes/der Kinder wurde Krankengeld gezahlt und zwar genau so viel, als wäre man selber erkrankt.

Es gab auch uniformierte weibliche Angehörige bei der NVA/VPB. Ihr e Einsatzgebiete waren meist im med. Dienst, im Nachrichtenbereich oder im administrativen Dienst.

 
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