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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#91 von Björn , 02.10.2009 21:11

Mutterheimar: Ich weiß schon, daß es bei Zeitarbeitsfirmen oft nur 7-8 Euro gibt (es können aber auch ohne Probleme 9-11€ oder mehr sein)! Aber bei 4€ für den Wachschutz und meist 250h/Monat sind es bloß 1000€ brutto und vielleicht 700 netto Wie soll man davon nur halbwegs über die Runden kommen????
Aber genau diesen Niedrigstlohn-Bereich fordern FDP und CSU, teilweise auch die CDU!!! Die das fordern verdienen aber mindestens 7000 Euro/Monat als Bundestagsabgeordnete, von den Nebeneinkünften bis zu 115.000€/Jahr ganz zu schweigen Sowelche maßen sich an, den Sozialstaat zu betonen


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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#92 von DeutschLehrer , 02.10.2009 21:48

@Björn,
Du hast Recht, speziell hier ganz im Osten ist alles über 5 Euro schon sehr guter Lohn. Friseusen, Wachschutz und Bäckereiverkäuferinnen sind am untersten Limit. Da lachen uns ja schon die benachbarten Tschechen aus mit Durchschnitslöhnen über 1000 Euro.

Gruß DL

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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#93 von Knurlinse_51 , 23.10.2009 19:19

??? Frage: wer ist .."Man.." Ich denke, hier sollte zwischen den Generationen differenziert werden. Entsprechend der ca. 40 -jährigen gesellschaftlichen Entwicklung bzw. Politik , d.h. bis zum Zeitpunkt der Wende - ist der Unterschied bei den heute 55 - 60 -jährigen und darüber gravierend. Und auch nicht verwunderlich. Aus meinen persönlichen Begegnungen und Gesprächen ( berufsbedingt u. privat) mit allseits gebildeten kapitalistischen Persönlichkeiten *g* hörte ich oft, dass DDR in der Schule ein "weisser" Fleck war. Und unvorstellbar für diejenigen, die ich kennengelernt habe, wie wir "hier" leben konnten. Mit Verwunderung mußte ich auch von ausländischen Bürgern (GB , USA) hören, dass sie keinerlei Informationen über die DDR bis zur Wende bekamen. Ich erinnere mich an einen 85-jährigen Mann, der in die USA immigriert war und nun nach fast 60 Jahren Berlin besuchte, mich, als ich ihm sagte, dass ich aus dem "Osten" komme, fragte, weshalb ich kein Kopftuch trage und statt Russisch so gut Deutsch spräche. Das habe ich mehrmals erleben dürfen und natürlich, das Manche einfach so dämlich quatschen, wie sie sind bzw. wie es in der "BILD" stand.

Ich habe längst aufgehört, solchen Typen die DDR zu erklären. Geht auch garnicht, muss man erlebt haben.
Leider hat die Politik einen entscheidenden Anteil daran, dass der Keil zw. OST u. WEST ziemlich festsitzt. >> ungleicher Lohn f. gleiche Arbeit, Rentenhöhe dito. Nicht unerheblich: klischeefundamentalistische Berichterstattungen durch die Medien. Wirklich gute TV- Doku´s über "uns" liefen im Spätabendprogramm und auch heute vermittelt Phönix Hintergrundwissen, was tatsächlich ablief vor-während u. nach der Wende. "Alte" Politiker aus Ost u. West kommen dort zu Wort. Alle, die ein echtes Interesse an einem Miteinander haben, schauen sich das sicher auch an. Andere - wohl die breite Masse - gucken RTL. TOLL!

Noch ein Buchtip, der mich beim Lesen mehrfach schmunzeln ließ, aber auch zum Verständnis beitrug.: "Ihr könnt uns einfach nicht verstehen" v. Olaf G. Klein
Kurzbeschreibung:
Die Mauer in den Köpfen ist eine Verständigungsbarriere - Ost und West sprechen verschiedene Sprachen. Ob beim Kennenlernen oder Geschäfte machen, beim Flirten oder Verabredungen treffen - stets lauern Fallen, Missverständnisse, Fehlinterpretationen. Am Beispiel typischer Sprachmuster von Ost- und Westdeutschen zeigt Olaf Georg Klein auf verblüffende und zugleich unterhaltsame Weise, wie wir besser miteinander auskommen können. Denn nur wenn wir eine gemeinsame Sprache finden, kann zusammenwachsen, was zusammen gehört.

...Hmm, gegenseitiges Verständnis , auch Toleranz genannt, wäre schon ein Fortschritt.


 
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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#94 von Smithie23 , 20.07.2010 17:47

Ich bin Baujahr 1985 und habe die DDR nur in meiner Kindergartenzeit mitbekommen und habe keine schlechten Erinnerungen an die Zeit. Ich habe aber viel mit meinen Eltern über die Zeit gesprochen und für mich war die DDR ein Unrechtsstaat. Die Leute, die sich die DDR zurückwünschen, sind die, denen es damals besser ging als heute - weil sie entweder die entsprechenden Kontakte hatten oder in den entsprechenden Abteilungen gearbeitet haben.
Ich und meine Eltern sind froh, dass alles so gekommen ist, wie es gekommen ist - wobei man sicherlich einige Dinge hätte anders machen sollen, aber man muss sich immer vorstellen, dass es historisch gesehen eine bisher einmalige Sache war, dass ein sozialistisches und ein kapitalistisch-marktwirtschaftliches System zusammengewachsen sind.
Warum man nach 20 Jahren noch wegen seiner Herkunft "gemobbt" wird, ist mir ein Rätsel. Das zeigt mir, dass die Menschen im Westen kaum was über den Osten wissen oder meinen, sie müssten uns vorhalten, wie wir damals gelebt haben - wobei nichtmal 50 % der Wessis im Osten waren. Jedoch waren sehr viele Ossis im Westen und in anderen Ländern. Dadurch sind wir vielleicht sogar noch weltoffener geworden, als die Wessis, da wir unsere Art des gemeinschaftlichen Zusammenlebens und der Hilfe untereinander auch auf andere Länder und Menschen projizieren können. Neonazis gibts auch im Westen. Asoziale gibt es dort auch. Es gibt Gegenden im Westen, die sind schlimmer betroffen von Verfall und Arbeitslosigkeit, als im Osten. Leider wird in den Medien immer der Osten als Beispiel genannt, wenn auf RTL oder SAT.1 am Vor - und Nachmittag das sog. "Hartz IV" TV gezeigt wird.
Das es hier teilweise moderner und fortschrittlicher zugeht, wollen Viele nicht wahrhaben und wenn, dann immer dieses Argument "Das ganze Geld fließt in Osten." Manche Wessis denken echt, wir bezahlen hier keinen Soli. Von mir aus kann der Soli auch genutzt werden, um dem Westen auf die Sprünge zu helfen.

Ich finde es toll, dass dieser Zusammenhalt hier im Osten nicht versiegt ist. Das hat auch was mit der Erziehung durch unsere Eltern zu tun. Im Osten gibt es weniger diese "Mein Kind ist das Beste und tollste und wenn ich ihm genug Geld in Hintern puste, dann macht es 1 Jahr Auslandsaufenthalt in Spanien und USA und geht dann studieren ..." das zeigt sich dann auch, wie die erzogen wurden. So typisch Einzelkind, dass alles bekommen hat und ne große Klappe bekommt. (Leicht überspitzt)
Ich finde es toll, dass ich in Halle oder Leipzig irgendwohin gehen kann und mit den meisten Leuten sofort warm werde und man sich beim nächsten Male schon duzt. Man stelle sich so die typische Supermarktkassiererin Anfang 50 vor, die ich hier wegen dieser leicht mütterlich/fürsorglichen Art geschätzt habe, die mich begrüßt mit "Na Meiner, was darfs denn sein?", im Westen vor !! Da kannste die Leute nicht so duzen, weil die das als Angriff auf ihre Person sehen und wenn da so ne leicht arrogante Ziege mit Doppelnachnamen steht, dann hat man ganz schnell ne Beschwerde am Hals. (Ihr merkt, ich schreibe etwas übertrieben :-) )

Aufgrund meines Berufes habe ich auch feststellen müssen, dass Wessis auch sehr sehr unbeholfen und unwissend in vielen Dingen sind. Das was man uns früher vorgeworfen hat nach der Wende, sehe ich jetzt genau so bei den Leuten. Ich habe Bankkaufmann gelernt und arbeite in meinem Unternehmen, dass Dienstleister für diverse Institute im Westen und Osten ist. Diese überhebliche Selbstverständlichkeit Mancher Wessis ist teilweise zum kopfschütteln. Z.b. wenn ich in 2 Tagen in Urlaub fahren will, dann kann ich nicht rummaulen, wenn ich bis dahin keine Kreditkarte bekomme, die ich ja so dringend für den Auslandsaufenthalt benötige oder 1 Tag vorm Flug fällt mir noch ein, dass es nicht schlecht wäre ein wenig ausländisches Geld mitzunehmen.
Außerdem habe ich das Gefühl, dass Viele Wessis Andere Leute für ihre Fehler zur Verantwortung ziehen wollen. Eigene Fehler zugeben scheint sowieso nicht Deren Ding zu sein - da wird versucht es so zu drehen, als sei man sogar selber Schuld an einer Misere. Das haben die Wessis wohl auch patentiert: Einfach persönliche Schuld versuchen in die Unfähigkeit Anderer umzuwandeln.
Da habe ich das Gefühl, dass wir Ossis da ein wenig anders sind. Wir brechen uns keinen Zacken aus der Krone, wenn wir mal was falsch machen. Dann sind wir dankbar für eine Hilfestellung - aber sehen es nicht als Schande an. Ossis sind auch so ziemlich die Einzigsten, die sich bedanken, wenn man Ihnen weiterhilft. (Laut meinen beruflichen Erfahrungen)

Schwaben sind da wieder ein spezielles Beispiel, weil die Leute für mich total widersprüchlich sind. Baden-W. hat zwar ne super Wirtschaft und viele große DAX Unternehmen, aber viele Menschen sind echt noch auf dem Level von 1890 stehen geblieben.

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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#95 von DeutschLehrer , 20.07.2010 18:23

Zitat
Die Leute, die sich die DDR zurückwünschen, sind die, denen es damals besser ging als heute - weil sie entweder die entsprechenden Kontakte hatten oder in den entsprechenden Abteilungen gearbeitet haben.

Keine Ahnung, aber voll auf die heutige Medienpropaganda abgefahren.

Die meisten, denen es heute schlechter geht, sind die, die etwas älter waren und ziemlich plötzlich ihre Arbeitsplätze und ihre Lebensplanung verloren hatten.

Gruß DL


Das Leben ist ein Jammertal, aber Jeder muss da durch.

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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#96 von altberlin ( gelöscht ) , 20.07.2010 18:57

Zitat
Smithie23



hier spricht mir jemand aus der Seele...


altberlin

RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#97 von Minimal , 20.07.2010 19:31

Zitat von Smithie23
Die Leute, die sich die DDR zurückwünschen, sind die, denen es damals besser ging als heute - weil sie entweder die entsprechenden Kontakte hatten oder in den entsprechenden Abteilungen gearbeitet haben.



Das hast du sicher empirisch ermittelt - oder war es einfach mal dahingeschwätzt? Ich wünsche mir die DDR zurück obwohl es mir persönlich eher schlecht ging. Gerechtigkeit ist für mich aber höchstes Gut. Freiheit dagegen kann alles bedeuten. Im Dschungel gehts auch frei zu.

Dem restlichen Posting kann ich aber weitgehend zustimmen.


Verloren in: Musik (Minimal Wave, 80s Wave & EBM), Literatur (von Kafka bis Houellebecq), Filme (Coen Brothers, Lynch & Co), Computerspiele

 
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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#98 von delta , 20.07.2010 19:50

Zitat von Smithie23
Ich bin Baujahr 1985 und habe die DDR nur in meiner Kindergartenzeit mitbekommen und habe keine schlechten Erinnerungen an die Zeit. Ich habe aber viel mit meinen Eltern über die Zeit gesprochen und für mich war die DDR ein Unrechtsstaat. Die Leute, die sich die DDR zurückwünschen, sind die, denen es damals besser ging als heute - weil sie entweder die entsprechenden Kontakte hatten oder in den entsprechenden Abteilungen gearbeitet haben. ...............................................
............................
..............





Vorurteilsfrei scheinst du mir aber auch nicht zu sein.
Es gibt ein paar Wahrheiten wo für die ehemaligen DDR Bürger nichts können, aber
uns Wessis eine menge abverlangt hat. Sicherlich gab und gibt es Wessis die
manches nicht gewusst haben, aber wie sagt der Schwabe, ganz von der Brennsuppen
kommen wir auch nicht.
Der Westen könnte Stinkreich sein, würde er nicht für alle und jeden das Geld raushauen
auch für die ehemaligen DDR sind gigantische Summen locker gemacht worden und hier bei mir
vor der Haustür bauen sie schon seit 40 Jahren an der Autobahn gesamtlänge 200km, davon sind
ca 70km bis jetzt geschafft worden in 40 Jahren.
So was schlegt sich nun mal auf den Magen.

Ich denke, wir sollten als Volk zusammenhalten und die quertreiber aus Politk und Wirtschaft
entlich mal im Arsch tretten, den sie sind das große übel unserer Gesellschaft.
Im wesen sind nun mal einzelne Bundesländer anders als die anderen.

Ich finde sogenannte geizige Schwaben jedenfalls sympatischer, als weltoffene Berlinder die
angeben wie 10 nackte Neger, aber keinen Pfennig in der Tasche haben und anderen dafür
verantwortlich machen und von der Stütze leben.
Trifft nicht auf jeden zu, aber berlin hat nun mal die meisten Sozialhilfe empfänger und sowas kommt
nicht von alleine.
Es leben die Vorurteile die hin und wiexer aber stimmen.


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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#99 von Smithie23 , 20.07.2010 20:21

Stimmt, ich habe auch Vorurteile und ich habe ja auch gesagt, dass Manches etwas überspitzt formuliert wird. Ich stehe aber auch dazu zu sagen, dass man nicht alle über einen Kamm scheren kann. Auch hier gibt es Typen, die mir auf den Geist gehen und drüben gibts auch nette Menschen. Völlig klar.
Du darfst aber nicht vergessen, dass der Westen durch die Wiedervereinigung Millionen an potenziellen Kunden erhalten hat, die alle was vom großen Luxus haben wollten. ich erinnere mich noch, wie mein Vater erzählte, in Dessau kamen sie nach der Wende und haben Duschköpfe verkauft und sie angepriesen, die wären aus Metall, dass von der NASA in der Weltraumfahrt benutzt wird.

Klar hat Berlin die meisten Sozialhilfeempfänger und ne Menge aus Ost und West sind einfach zu faul, um sich was zu suchen. Jeder der versucht aus Arbeitslosigkeit zu fliehen - und wenn es nur ein 400 € Job ist - hat meine Hochachtung. Ich habe aber das Gefühl, dass man im Westen aufgrund seines Berufes mal ganz schnell wie Mensch 2. Klasse behandelt wird und in meinem Job merke ich auch, dass je mehr Kohle dahinter ist, desto unfreundlicher und verbitterter sind die Leute. Da gibts Schwaben - vermutlich eigenes Haus seit der 3. Generation in Besitz,die haben Kohle ohne Ende (Erbe ... etc.), aber sind ständig besorgt und machen Terror. Da denke ich mir "Hey, euch gehts so gut - fangt doch mal an zu LEBEN !!" Warum im hohen Alter noch so geizig sein ?

@delta: Das deine Autobahn noch nicht fertig ist, muss nicht unbedingt an uns bösen bösen Ossis liegen.

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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#100 von Mario069 , 20.07.2010 23:54

@ Smithie23: Iiiih, bist du jung!

Danke für deinen Beitrag. Ich wünsche mir die DDR nicht zurück, auch wenn meine gesamten Jugenderinnerungen damit verbunden sind. Das hat aber mehr mit der Region im Bezirk Halle zu tun als mit dem Staat DDR. Ich wollte 1990 und will immer noch eine Gesellschaft, die Freiheit nicht als Ware behandelt und in der es keine so extremen Einkommensunterschiede gibt.

Zitat
Stimmt, ich habe auch Vorurteile und ich habe ja auch gesagt, dass Manches etwas überspitzt formuliert wird.



Mach dir keinen Kopf deswegen, jeder hat Vorurteile.

Ossis und Wessis sind in ihrem Wesen unterschiedlich. Das ist eine Tatsache. Ich finde das eigentlich gar nicht schlimm. Es wäre doch verwunderlich, wenn sich die Menschen in Staaten, die 40 Jahre lang getrennt sind, nicht unterschiedlich entwickeln würden. Gibt es außer der gemeinsamen Vergangenheit und Sprache etwas, das uns verbindet? Das ist vielleicht die entscheidende Frage. Man muss sich nicht anfreunden mit dem anderen, aber man muss ihm einigermaßen respektvoll gegenübertreten. Das sollte aber in beiden Richtungen so sein. Ich muss zugeben, dass mir das schwerfällt bei dem für mich typischen Wessi, der ein übertriebenes Selbstbewusstsein zur Schau stellt. Nach wie vor komme ich am besten mit Leuten aus, die ein klein wenig denken können und genug Humor haben, um meinen Sarkasmus zu ertragen.

Zitat
10 nackte Neger

Neidisch, was?


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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#101 von altberlin ( gelöscht ) , 21.07.2010 09:26

@ delta
Ich als Berliner kann dir sagen, warum Berlin eine so hohe Arbeitslosigkeit hat.
Handwerk (bin selbst Handwerker): Weil nach der Wende die westd. Firmen "geholfen" haben, die Wohnsiedlungen recht schnell zu sanieren. Jetzt ist alles fertig und auf Jahre nicht viel zu tun.
Industrie Westberlin: Ist durch Wegfall der "Berlinförderung" nicht mehr motiviert gewesen, im "Busch" zu bleiben. Teilweise Abwanderung nach Brandenburg (Fördermittel, auch wenn es nur über die Stadtgrenze rüber ging) oder gleich nach Osteuropa.
Industrie Ostberlin: Massenschließungen durch Wegfall der Märkte und weil sie (nicht alle Betriebe) "marode" waren.
Neuansiedlungen: Fehlanzeige, oder das Personal wurde mitgebracht (Regierung, Medien ect.)
Das gerade dort viele der guten alten Zeit nachtrauern, ist verständlich. Wäre ich nicht mit knapp 53 Jahren nach Stuttgart gegangen, leider mit allen negativen Konsequenzen (Scheidung, Haus verkauft usw) , ginge es mir nicht anders. Eine gewisse Sicherheit gabs in der DDR, nur die große Freiheit nicht.
Aber was ist besser, ein Dach über dem kopf und satt zu essen oder Hartz IV oder schlechter und die große Freiheit?
Und nicht jeder Mensch ist aus den verschiedensten Gründen in der Lage, seine Situation allein in den Griff zu bekommen.
Natürlich nur wenn er es will. Da fehlt effektive Hilfe.
Andererseits gibt es auch einen gewissen Prozentsatz, der sich so oder so mit der Situation arrangiert, und da müssten die Schmarotzer aussortiert werden, denen es besser geht als Leuten die arbeiten gehen.
mein Sohn in Berlin verdient oder besser bekommt knapp 1100 Euro netto, nach Abzug aller Kosten bleibt fast nichts, lohnt da das Arbeiten noch? Aber er geht zur Arbeit, andere ruhen sich lieber aus bei Aldi-Bier und Polenkippen.

WAS kann man tun, WEN darf man verurteilen? Ich glaube, das die Politik einen großen Teil Schuld an der Situation in Deutschland trägt, einen weiteren Teil ordne ich der "freien Wirtschaft" zu, die das Wort Verantwortung aus dem Wortschatz verbannt hat. Und schließlich auch ein Teil an den Prozentsatz Menschen, die nicht wollen, die sich lieber auf dem Rücken der Anderen ausruhen.

Wofür haben Politiker studiert, wenn sie das nicht begreifen ?


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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#102 von Smithie23 , 21.07.2010 09:50

Das Problem ist, dass die Politiker nicht wissen, wie es an der Basis aussieht. Da will man Arbeitslosen Bürgerjobs geben und mit 900 € im Monat für 30 h in der Woche entlohnen. Für manch Berufstätigen wäre das doch die bessere Alternative, weil Viele arbeiten mehr als 30 h und haben nicht 900 € raus.
Das sich viele Menschen nach einigen Dingen in der DDR zurücksehen, kann ich heute nachvollziehen. Jedoch gibt es nix, was Meinungsunterdrückung und Mauertote aufwiegen könnte.
Wir dürfen uns nur nicht unsere Art miteinander umzugehen nehmen lassen.

In einem anderen Forum hat mal jemand geschrieben, dass die meisten Ossis faul sind und nicht wissen, wie man arbeitet. Der Nächste schrieb, dass die Ossis das Lohnniveau drücken. Also was denn nun ? Ich glaube kaum, dass ein Ossi zu seinem Chef geht und sagt, er möchte weniger Geld haben, um dem Wessi eins auszuwischen. Das Schlimme ist aber, dass viele Wessis denken, es wäre richtig, dass Ossis weniger verdienen.

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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#103 von altberlin ( gelöscht ) , 21.07.2010 12:56

Ich habe in der DDR meine Meinung gesagt, und wer unbedingt über die Grenze klettern mußte, hatte auch das Risiko zu tragen.
Was nicht heißen soll, das ich den Zustand in Deutschland pauschal in Ordnung fand. Aber im Alltag konnte man gut mit leben.
Schuld am Untergang der DDR sind die damals Herrschenden selbst, wer sich derart abgrenzt, kann nicht mit viel Entgegenkommen von anderer Seite rechnen. Außerdem war es doch der BRD ganz recht, war doch so die Chance größer, uns eines Tages einzukassieren und uns dann weis zu machen, ihr System wäre das bessere. Das Resultat haben wir jetzt vor Augen. Superreiche und Hartz IV !
Doch es wird auch ein weltgeschichtlicher Prozess sein, es gab immer Veränderung mit mehr oder weniger langen Phasen, und was wir oder die nach uns noch erleben werden, will ich gar nicht wissen.
Der Kapitalismus in seiner heutigen Form wird nicht von Bestand sein, und den perfekten Kommunismus, in dem die Arbeit zum Bedürfnis wird, Geld abgeschafft ist und sich jeder nur das nimmt( laut Schule, Staatsbürgerkunde), was er benötigt, ist wohl auch Illusion.
Ach, fast hätte ich es vergessen: Es wurden auch auf Ostseite der Grenze Personen (Grenzer) erschossen, von der anderen Seite aus.
Die haben sich das nicht ausgesucht, da zu stehen, es gab Wehrpflicht. Bloß davon will im Westen keiner was wissen.


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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#104 von Schlawine , 21.07.2010 14:05

Nehmt es mir nicht übel aber dieses ganze Ossi-Wessi Gequatsche noch 20 Jahre nach der Wende geht mir wirklich auf die Nerven.
Das ist alles Vergangenheit. Sollten wir als "Deutsche" nicht langsam mal gemeinsam in die Zukunft schauen.
Ich kenne sowohl arrogante "Wessis" als auch arrogante "Ossis". Das gleiche könnte man auf die Adjektive:Fleißig und faul, klug und dumm usw. usw. beziehen.
In ihrem Wesen unterschiedlich sind auch Bayern und Niedersachsen, Schwaben und Thüringer usw. Wenn man hier vom Land in die Stadt fährt findet man selbst da schon "Wesensunterschiede" und Vorurteile.Die vom Lande halten die Städter für arrogant und arbeitsscheu und die Städter die "Landeier" für dumm und ungebildet.
Fakt ist, dass es uns nicht weiterbringt weiter in der Vergangenheit zu buddeln.
Manch Wehrpflichtiger hat an der Grenze den Flüchtling vielleicht einfach nicht getroffen. Wer weiß dass schon wenn er nicht selbst dort gestanden hat.
An der Vergangenheit werden wir nichts mehr ändern können. Ich habe gute und schlechte Erinnerungen an diese Zeiten und bemühe mich, mich heute einfach an den schönen Erinnerungen zu erfreuen. Alles andere bringt sowieso nichts mehr.


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"Es ist eine andere Welt, in der man zwischen »Freiheit« und »Freizeit« nicht unterscheiden kann, »Gesellschaft« sagt und »Zielgruppe« meint, von einem »Konzept« spricht und nicht einmal eine »Idee« besitzt, von einer »Idee« spricht und nicht einmal einen Einfall hat."
Roger Willemsen

 
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RE: "Man ist sich die ganzen Jahren über fremd geblieben"

#105 von kirschli ( gelöscht ) , 21.07.2010 15:22

Schlawi du gute Seele hast ja so was von Recht




"Gib jedem Tag die Chance,
der schönste deines Lebens zu werden"
Mark Twain
http://www.youtube.com/watch?v=bD6d-4HxPQU

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