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Medien

#76 von Björn , 29.05.2009 01:29

Um fachlich richtige und neutrale Artikel zum Thema zu finden, sollte man in diversen
Fachzeitungen (z.B. TopAgrar, Deutsche Landwirtschaftszeitung) nachschauen. Noch besser sind aber Tatsachenberichte von Leuten aus dem realen Nord-Süd-Ost-West-Alltag!
Übrigens, viele DDR-Lw-Betriebe hatten 1-2 eigene Veterinäre bzw. -helfer und der Tierarzt schaute regelmäßig vorbei (unser Tierarzt hatte einen sehr guten Ruf, war später oberster Kreisveterinär). In den aBl sah ich diesbezüglich Gutes und sehr Schlechtes!


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RE: Medien

#77 von mathias , 29.05.2009 01:34

Zitat von Björn
Um fachlich richtige und neutrale Artikel zum Thema zu finden, sollte man in diversen
Fachzeitungen (z.B. TopAgrar, Deutsche Landwirtschaftszeitung) nachschauen. Noch besser sind aber Tatsachenberichte von Leuten aus dem realen Nord-Süd-Ost-West-Alltag!
Übrigens, viele DDR-Lw-Betriebe hatten 1-2 eigene Veterinäre bzw. -helfer und der Tierarzt schaute regelmäßig vorbei (unser Tierarzt hatte einen sehr guten Ruf, war später oberster Kreisveterinär). In den aBl sah ich diesbezüglich Gutes und sehr Schlechtes!


http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB...n~Scontent.html

Bitte keine Texte von anderen Webseiten hier hineinkopieren. Weilheimer Mod


Spürst du es in dir? Wie uns das Leben erfüllt mit Glück? Wir alle sind hier zu leben unser Geschick. Sing ein Lied! Vergiss die Sorgen, wenn ein Tag zu Ende ist! Komm vertrau auf morgen, weil das Leben es uns verspricht!

Es war einmal..das Leben

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RE: Medien

#78 von herman , 29.05.2009 08:33

Stasi-Versteher Minimal:

In Antwort auf:
Die Stasi war genauso notwendig und gut oder schlecht, wie jeder andere Geheimdienst. Nur ist es für Konservative wie Herman eine tolle Keule, das Ansehen der DDR zu besudeln.


Hier noch was zum Besudeln:

6.7.,11.45 Uhr,Phoenix:

Meine Geschichte-Häftling der Stasi.

Geschichte von Tatjana Sternberg.Doku,D 2008

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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#79 von Minimal , 29.05.2009 11:13

Zitat von herman
In Antwort auf:
Ich wüßte zu gern, in welchem der beiden deutschen Systeme die erwachsenen Ossis mehr Sorgen zu ertragen hatten, könnte man sie quantifizieren


Hallo aufwachen.

Wenn du vergleichen willst, bitte sehr.

Nicht rumspinntisieren über die 20 Pfennig S-Bahn und die 5 Pfennig Schrippen. Das wurde nicht verdient und heute wirs per Nachnahme zurückgezahlt. Ein PC hat 1988 von VEB Robotron angeboten 80000 Ostmark gekostet, ein Hinweis auf die tatsächliche Werthaltigkeit der Ostwährung und die Wettbewerbsfähigkeit der VEB-Wirtschaft.

Wie der Historiker Guido Knopp bei Maischberger vor einer Woche ausführte war Unsere Republik schon in den 70igern am Rande der Pleite. Nur die einmalig privilegierte Lage als heimliches EU Mitglied mit zollfreien Handel über den innerdeutschen Warenaustausch (Was den Engländern und Franzosen sehr gestunken hat) und diverse Westkredite konnte sie ihr Überleben bis 89 herauszögern, dann war aber endgültig Schluß. Genosse Gysi hörte sich das an und sagte dazu keinen Mucks. Obwohl er doch sonst immer gern die kumpelhafte Plaudertasche macht. Es sei daran erinnert daß, hätten die Brüder und Schwestern aus dem Westen nicht gestützt für die DDR-Bevölkerung der wirtschaftliche Supergau eingetreten wäre, alle Anwartschaften wertlos, alles Ersparte wertlos und dazu ein total heruntergewirtschaftetes Gemeinwesen.

Vergleiche die Renten und Sozialleistungen und das allgemeine Lebensniveau mit den ehemaligen Kampfgefährten in Polen und Tschechien, die spielten in der gleichen Wirtschaftsliga. Das ist der korrekte Vergleichsmaßstab weil an den Zahlen erkennbar ist was im Sozialismus erwirtschaftet wurde.

Unser Hilfslehrer wird dir sicherlich genau sagen können was ein Langzeitarbeitsloser in Tschechien oder Polen an Sozialgeldern bekommt.

Aber da setzt gleich die chronische Genickstarre ein.


Es ist nicht Geld und Besitz, was glücklich macht. Glück ist das Gegenteil von Angst (vielleicht nicht exakt, aber man weiß, was ich ausdrücken möchte). Vielleicht kann ein Armer in Deutschland noch ein eigenes Auto fahren, er kann vielleicht ins Internet und muss nicht hungern. Er kann viele Dinge tun, die der DDR Facharbeiter nicht konnte. Aber ist das der Punkt? Macht das irgendjemanden glücklich, wenn ihm täglich aufgezeigt wird, auf welcher sozialen Stufe er steht? Die Medien produzieren Ängste und Neurosen. Niemand weiß, wieviel Rente er bekommen wird, ob es eine Inflation geben wird, er seine Familie ernähren können wird, was im Krankheitsfall seinerselbst oder der Angehörigen blüht. Neuerdings werden Ängste vor Terrorismus, Epidemien und sonstwas geschürt. Aber man kann theoretisch machen, was man möchte. Das ist der Punkt: Freiheit oder Gerechtigkeit. In einem Land, in dem es kein Recht auf einen Arbeitsplatz gibt der einen ernährt, in dem auf der anderen Seite sogar 4 Millionen Arbeitsplätze fehlen und etliche andere so gering bezahlt werden, daß sie den Lebensunterhalt nicht decken, bleiben Millionen von Menschen das Glück verwehrt, sich gebraucht und anerkannt zu fühlen.

Was gab es an Ängsten in der DDR? Unbestritten kamen die meisten Ängste aus der Situation in die Mühlen eines stalinistisch geprägten Machtapparates zu gelangen. Aber wie gegenwärtig war diese Angst für den Normalbürger? In welchem Verhältnis stand diese (Volks-) Angst zu all den Risiken, denen der Bundesbürger sich heute ausgesetzt sieht?

Deswegen sagte ich, die Summe an Ängsten sei nicht quanitifizierbar. Da brauchst du mir nicht mit dem Brötchenpreis ankommen. Daß die DDR zahlungsunfähig war, spricht an sich nicht gegen das Modell. Man hat falsche Entscheidungen getroffen, aber 40 Jahre DDR haben bewiesen, daß das Modell überlebensfähig war. Nicht zu vergessen die ungleichen Bedingungen, denen beide deutsche Staaten ausgesetzt waren: Marshallplan hier, Reparationszahlungen da.

Heute wird Glück in den Medien oft über Erwerb definiert. Kaufen, benutzen, wegwerfen, neu kaufen. Wachstum, Wachstum, sonst bricht das System zusammen. Wer nicht kauft, ist Außenseiter. Es sind die falschen, unglück machenden Ideale für den Menschen, aber die richtigen für die Shareholder.

 
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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#80 von Björn , 29.05.2009 18:14

Mal auch zum Thema:

Zitat von vae victis

Übrigens.
auch die Bundeswehr hat ihre geheimdienst abteilung, ich hab selber damit
zu tun gehabt. heißt in der Bundeswehr M.A.D.

Ich denke mal, du hast auch nicht freiwillig mit denen zu tun gehabt (sicher beim Wehrdienst) und bist dann hoffentlich noch glimpflich davon gekommen?!
Ich wüßte gern mal, ob und unter welchen Voraussetzungen man bei denen Einsicht in seine eigenen Akten erhält?


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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#81 von vae victis , 29.05.2009 19:02

nein freiwillig sicherlich nicht, es war an sich eigentlich eine harmlose provokation seitens eines bundeswehrspezels und meiner wenigkeit.
es war ende der 60ziger jahre als wir eingezogen wurden. nach der grundausbildung wurden wir nach München versetzt und dort kamen
wir in einer kaserne wo noch unterkünfte aus der Hitlerzeit standen, die zu dieser zeit schon bruchbuden waren und man schon abreißen
wollte. aus irgendeinen grund geschah dies eben nicht, ich denke es lag am geld.
die wende bestanden blos aus gibs änliche materialien die fenter waren verzogen und im winter konnte man garnicht so viel heizen um die bude
warm zu kriegen.
irgendwann war das faß voll, der anlaß die WC waren wieder mal alle versieft und die urinbrühe lief stand wieder mal in die flure und zimmer.
auf unsere art tapezierten wir die zimmerwände mit Pin up girls und freche politische sprüche das hatte folgen, aber erst am ende als die entlassungen
bevorstanden. dazwischen lag eine zeit von gut ein halbes jahr.
mein spezel und ich wurden zum spieß gerufen und dort saß den dieser M: A. D-ler der uns anfing auszufragen.
welche plitische einstellung wir hattten, welcher partei wir angehörten und, und, und

mein spezel war vor mir drinnen und folglich war ich gewarnt, obwohl ich ja eigentlich überhaupt zum damaligen zeitpunkt mit politik überhaupt
nicht am hut hatte, ich hatte ganz andere sorgen.
aber irgendwie war ich angefressen über seine vogehensweise und folglich lies ich ihm auflaufen.
er sagte blos entweder sei ich wirklich harmlos oder sehr gerissen, meine antwort darauf " wörtlich " er sollte sich was davon aussuchen, ich hab nie
wieder was von ihnen gehört.
erst ab diesen zeitpunkt setzte ich mich mit politk wirklich auseinander und merkte bald welch dreckiges geschäft dies eigentlich ist.


Ich bin das Abbild meines Gottes und folglich mache ich fehler so wie " Er ",
nur nicht so große.

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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#82 von herman , 29.05.2009 19:15

Nochmal zu Tatjana Sternberg die vom Spitzelstaat fertig gemacht wurde.

In Antwort auf:
Darüber, dass ich das alles überlebt habe, kann ich mich bis heute nicht mal richtig freuen.


lautet ihr Resümee nachdem sie mit Psychopharmaka fast vergiftet wurde.

http://www.frauenkreis-hoheneckerinnen.de/sternberg.htm

Die Täter der Diktatur sind viel zu nachsichtig behandelt worden.

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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#83 von Björn , 29.05.2009 21:27

v.v., bei mir hatte es beide male jeweils einen anderen Grund! War aber absolut nicht freiwillig!!! Mehr schreibe ich darüber nicht, schließlich lesen sie alle "3" hier garantiert mit!
Damit klinke ich mich aus dem Thread hier aus. Bye


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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#84 von vae victis , 30.05.2009 07:17

Björn
ist in ordnung so deine entscheidung.
was mich angeht so möcht ich sagen es war nur eine episode in meinen leben und mehr nicht.
ich denke man kann das auch nicht miteinander vergleichen, auch wenn beide systeme einfach
kiri waren und sind.

Minimal
ich hätte es kaum besser beschreiben können über das elend Deutschland. die, die es noch nicht
erfasst haben und glauben sie leben in den sogenannten goldenen westen, werden irgendwann
begreifen das nicht alles gold ist was glänzt.
umsonst ist der Deutsche nicht in manchen teilen der welt verschrien wegen seiner arroganz.
manchmal muß man sich richtig schämen als Deutscher für seine landsleute.


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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#85 von herman , 30.05.2009 09:22

@Minimal:

In Antwort auf:
Daß die DDR zahlungsunfähig war, spricht an sich nicht gegen das Modell. Man hat falsche Entscheidungen getroffen, aber 40 Jahre DDR haben bewiesen, daß das Modell überlebensfähig war


Sicherlich. Mit Gewalt, mit einem Spitzelheer im Inneren und dem Einsatz von Mitteln des Kriegsrechts an seinen Begrenzungen kann ein staatliches Gebilde lange überleben. Der Verrückte von Nordkorea führt uns dies gerade vor, und wenn ich dann auf Deutsch-Nordkorea zurückkommen darf, leider hatten dort die "Entscheidungen" welches "Modell" wie so blasphemisch ausgedrückt denn nun gewählt worden war nichts mit dem Willen der dort lebenden und eingesperrten Bevölkerung zu tun.

Mit der "falschen Entscheidung" hast du sicherlich Recht wenn du meinst dass das SED-Regime per se eine falsche "Entscheidung" war, nur auf diese Entscheidung hatten noch nicht einmal die von Stalin eingesetzten deutschen Hofhunde einen Einfluß.

Und daß wenn jemand zahlungsunfähig ist dennoch überlebensfähig sein kann ginge doch auch nur dann wenn die notwendigen Zahlungen zur Überlehensfähigkeit dann ein Anderer leistet.

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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#86 von Minimal , 30.05.2009 10:24

Aus der verkorksten Ausgangslage der DDR (Krieg war verloren, Rußland führte am Willen des Volkes vorbei den Sozialismus ein) ist trotz allem ein hübsches Pflänzchen geworden, das mehr war, als ein mit Stacheldraht umwickeltes Stück Unkraut. Leider gibt es (wohl) kein repräsentatives Umfragematerial, so daß ich nur auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen kann. In meinem Umfeld kannte ich niemanden, der lieber im anderen Deutschland gelebt hätte. Und ich war zur Wende gerade neunzehn. Den wichtigste Beleg dafür, daß die Bevölkerung nicht der DDR überdrüssig war, sondern ihrer realitätsfernen Regierung, bilden die Montagsdemonstrationen. Dort ging es im Frühherbst nicht um Wiedervereinigung, sondern um die Abschaffung von Mißständen.

Das Machtvakuum, das ab dem 9. 10. plötzlich entstanden war, gelang aber keiner geistigen oppositionellen Führung der DDR zu füllen, sondern schlicht das Trommelfeuer der Westmedien. Der Rest ist Geschichte.

 
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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#87 von herman , 30.05.2009 11:01

Dein glorioses Gerede ist neben der Sache liegend.

Es mag ja sein daß man sich in den Begünstigten- und Täter-Kreisen der Diktatur in dem Previlegiengewirtchafte eingerichtet hat. Hierauf hat ja auch die Dresdener Freya Klier in einem ihrer Essays hingewiesen in dem sie schreibt

In Antwort auf:
Und wer sind die Nutznießer des jahrzehntelangen Aderlasses?
Es sind ausgerechnet jene, die ihn nach Kräften mitbetrieben haben - ehemalige SED-Funktionäre, Stasispitzel, juristische Handlanger, Genossen Lehrer...
Sie halten die Stellen der Verjagten besetzt und gerieren sich als originäre Vertreter der Ost-Seelen.

...
Nur die Genossen selbst sind in Überfülle vorhanden... und ernten die Früchte ihres jahrzehntelangen Wirkens.
.. Nicht nach der Wende sind die Eliten ausgeschaltet worden, sondern während einer vierzigjährigen Diktatur - sie flogen aus Gymnasien und Universitäten, verloren ihre Berufe, haben die Gefängnisse gefüllt und die Züge Richtung Westen.


http://www.freya-klier.de/texte/7_Die%20...20Deutschen.pdf


Schließlich hat "das hübsche Pflänzchen" vor dem Mauerbau an die drei Millionen in die Flucht geschlagen. Und "Leider" gibts duchaus repräsentatives Umfragematerial, die Statistik der Abstimmung mit den Füßen , allerdings nicht von den SED-Diktatur. Bei denen waren solche Informationen Staatsgeheimnis. Irgendwie scheint dir auch nicht mehr erinnerlich zu sein daß das Regime sich nur mit Mauer und Scheinwahlen über Wasser halten konnte. Und dessen überdrüssig zu sein hat nichts mit "Trommelfeuer der Westmedien" zu tun sondern mit den notwendigen Existenzbedingungen des SED-Staats.

Dein zitiertes "Machtvakuum" ist entstanden wie in allen kommunistischen Diktaturen die mit der Wende zusammengebrochen sind, die Spitzel-Apparate der internen Unterdrückung haben ihre Wirkung nicht mehr entfalten können und die Regime sind schneller verschwunden als du sehen konntest.

Viele im Westen hätten sich vielleicht auch gewünscht, es ginge nicht um die Währungsunion sondern nur um die Beseitigung von Mißständen. Auch Kanzler Kohl offerierte in seinem 10 Punkte Programm auf den Trümmern der Dresdener Frauenkirche keineswegs eine Währungsunion geschweige denn die staatliche Einheit in engem Zeitrahmen.
Dafür haben die Ossis gesorgt die von der Diktatur nichts mehr wissen wollten. Und da sollte gerade ein Ossi 20 Jahre später keine Fantasiegeschichten erfinden.

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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#88 von Minimal , 31.05.2009 11:23

Zitat von herman
Dein glorioses Gerede ist neben der Sache liegend.

Es mag ja sein daß man sich in den Begünstigten- und Täter-Kreisen der Diktatur in dem Previlegiengewirtchafte eingerichtet hat. Hierauf hat ja auch die Dresdener Freya Klier in einem ihrer Essays hingewiesen in dem sie schreibt

In Antwort auf:
Und wer sind die Nutznießer des jahrzehntelangen Aderlasses?
Es sind ausgerechnet jene, die ihn nach Kräften mitbetrieben haben - ehemalige SED-Funktionäre, Stasispitzel, juristische Handlanger, Genossen Lehrer...
Sie halten die Stellen der Verjagten besetzt und gerieren sich als originäre Vertreter der Ost-Seelen.

...
Nur die Genossen selbst sind in Überfülle vorhanden... und ernten die Früchte ihres jahrzehntelangen Wirkens.
.. Nicht nach der Wende sind die Eliten ausgeschaltet worden, sondern während einer vierzigjährigen Diktatur - sie flogen aus Gymnasien und Universitäten, verloren ihre Berufe, haben die Gefängnisse gefüllt und die Züge Richtung Westen.


http://www.freya-klier.de/texte/7_Die%20...20Deutschen.pdf


Schließlich hat "das hübsche Pflänzchen" vor dem Mauerbau an die drei Millionen in die Flucht geschlagen. Und "Leider" gibts duchaus repräsentatives Umfragematerial, die Statistik der Abstimmung mit den Füßen , allerdings nicht von den SED-Diktatur. Bei denen waren solche Informationen Staatsgeheimnis. Irgendwie scheint dir auch nicht mehr erinnerlich zu sein daß das Regime sich nur mit Mauer und Scheinwahlen über Wasser halten konnte. Und dessen überdrüssig zu sein hat nichts mit "Trommelfeuer der Westmedien" zu tun sondern mit den notwendigen Existenzbedingungen des SED-Staats.

Dein zitiertes "Machtvakuum" ist entstanden wie in allen kommunistischen Diktaturen die mit der Wende zusammengebrochen sind, die Spitzel-Apparate der internen Unterdrückung haben ihre Wirkung nicht mehr entfalten können und die Regime sind schneller verschwunden als du sehen konntest.

Viele im Westen hätten sich vielleicht auch gewünscht, es ginge nicht um die Währungsunion sondern nur um die Beseitigung von Mißständen. Auch Kanzler Kohl offerierte in seinem 10 Punkte Programm auf den Trümmern der Dresdener Frauenkirche keineswegs eine Währungsunion geschweige denn die staatliche Einheit in engem Zeitrahmen.
Dafür haben die Ossis gesorgt die von der Diktatur nichts mehr wissen wollten. Und da sollte gerade ein Ossi 20 Jahre später keine Fantasiegeschichten erfinden.


Sorry, aber das ist doch reines Herumspekulieren zu behaupten, lediglich "Begünstigte und Täter" hätten sich in der DDR eingerichtet. Ich würde mich sogar als Opfer bezeichnen, und trotzdem halte ich die DDR einer BRD moralisch überlegen.

Daß es drei Millionen "Flüchtlinge" gab, ist das ein Wunder? Auf der einen Seite Wirtschaftswunder, auf der anderen Seite noch bis in die Achtziger Kriegsruinen. Das hat natürlich Begehrlichkeiten geweckt: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral". Es mag in deinen Ohren wie eine Phrase klingen, aber zum Sozialismus muß der Mensch erzogen werden. Wenn du heute einen Schnitt machst, dann hast du morgen noch keine Sozialisten. Der Punkt ist, dass der Sozialismus nicht durch eine Revolution nach Deutschland kam, sondern durch eine Besatzung. Es ist eine ideologische Frage, ob es richtig war, das Volk "zu seinem Glück zu zwingen", wenn man denn die Frage so brutal stellen will. Die ideologischen Blaupausen waren da, jetzt musste noch das Volk geschmiedet werden. Hier wich man von Marx ab.

Zu dem Machtvakuum: es war reine Selbstüberschätzung / Fehleinschätzung der Regierung mit der Entscheidung, die zur Verfügung stehenden Mittel nicht zu nutzen. Zusammengebrochen ist da überhaupt nichts, man hat den Hund einfach nicht von der Kette gelassen und hat sich selbst ins Abseits geschoben. Das bezeichne ich sehr wohl als Machtvakuum.

Ich kann hier keine Phantasiegeschichte erkennen: es hat sich lediglich gezeigt, dass die Leute, die mit ihrem Herzen Sozialisten waren, bei den Volkskammerwahlen Frühlung '90 die Minderheit darstellten und wie groß die Zahl die Mitläufer war. Letztendlich ist das auch die eigentliche Ursache des Scheiterns der DDR: es war nicht gelungen, bei vielen ein ausreichendes politisches Bewußtsein herauszubilden. Vielleicht ist es das größte Verbrechen Stalins, die Idee des Kommunismus so beschädigt zu haben, daß immerfort eine Diskrepanz zwischen Wort und Tat allgegenwärtig war. Heute dämmert es so einigen, daß in der DDR zumindest nichts falsches über den Kapitalismus gelehrt worden war und stellen sich (zu spät) die Frage "Freiheit oder Gerechtigkeit".

 
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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#89 von Weilheimer , 31.05.2009 12:06

Zitat von Minimal
"Freiheit oder Gerechtigkeit"


Ging es in der ehemaligen DDR wirklich gerecht zu? Das liegt wohl eher im Auge des Betrachters. Ich meine ganz klar "NEIN".
Es war zum Beispiel nicht in Ordnung, das ein Allgemeinmediziner nach den Jahren des Studium (wo er nichts verdiente), weniger im Geldbeutel, als ein Facharbeiter.
Um es auf den Punkt zu bringen, der Sozialismus der DDR war gesellschaftlich nicht in der Lage, die individuelle Leistung zu fördern und auch entsprechend zu honorieren. Der Mensch, wurde nicht als materielles Wesen gesehen, was er aber unbestritten ist.
Zitat von Minimal
"Erst kommt das Fressen, dann die Moral".

Der größte Hemmschuh, war nach meiner Meinung diese "Planwirtschaft", welche sich als der Tod des technischen Fortschritts im der DDR herausstellte. Leider waren die "alten Herren" an der Macht, nicht in der Lage dieses Manko zu erkennen und etwas dagegen zu tun. Auch fehlte der Druck von unten, denn freie Wahlen gab es nicht. Jeder durfte auf seinen Stuhl an der Macht kleben, auch dann wenn er total unfähig war. Positionen wurden überwiegend nach der Gesinnung vergeben, nicht entsprechend der Leistung.


Wenn du im Recht bist, kannst du dir leisten, die Ruhe zu bewahren; und wenn du im Unrecht bist, kannst du dir nicht leisten, sie zu verlieren.


Mahatma Gandhi

 
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RE: Stasi und andere Geheimdienste

#90 von Kehrwoche , 31.05.2009 13:00

Ein mindestens genauso großer Hemmschuh war, daß Gesinnung mehr zählte als Können.

Zitat von Minimal
Der Punkt ist, dass der Sozialismus nicht durch eine Revolution nach Deutschland kam, sondern durch eine Besatzung...

Aha...,dann zeig mir doch mal bitte ein Land auf diesem Planeten wo der Sozialismus funktioniert hat...
Damit wir uns verstehen: Mit glücklichen Menschen, ohne Knute, ohne stasiähnliche Unterdrückungsmethoden usw..


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