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13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#1 von thueringers , 13.08.2009 07:16

Trauer: 17 Millionen wurden eingesperrt

Freude: Wie ein Albtraum verschwunden

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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#2 von queeny , 14.08.2009 19:46

Ich kann mich noch an den Tag erinnern. Mein Vater war fassungslos. Meine Mutter war besonders getroffen, denn insgeheim hatte sie immer gehofft, wieder ins Rheinland zurückzukehren zu können.

Nach dem 13. August sortierten sie dann wohl ihr Leben neu und waren völlig angepassst wie fast alle. Westfernsehen war bei uns verpönt und Westmusik in ihren Augen nur primitiv. Wehe wenn meine ältere Schwester beim Hören der großen 8 von RTL erwischt wurde vom Vater. Alles aus dem Westen war nur Schund in seinen Augen. Aber die Westpakete von den Eltern meiner Eltern wurden dankend und gerne angenommen. So sind Westentaschenkommunisten.

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Wenn Ihr Eure Augen nicht braucht um zu sehen, werdet Ihr Sie brauchen um zu weinen.

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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#3 von Idealist 08 , 14.08.2009 22:20

Wenn es auch meines Erachtens dieses System nie brauchte, glaube ich ohne Grenze wäre die DDR schnell ausgeblutet.

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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#4 von thueringers , 15.08.2009 07:40

Zitat von Idealist 08
Wenn es auch meines Erachtens dieses System nie brauchte, glaube ich ohne Grenze wäre die DDR schnell ausgeblutet.


Bekanntlich wurden die Eingesperrten nie befragt ob man die DDR brauchte, Berthold Brecht hatte empfohlen, die Ostberliner Genossen sollten sich doch einfach ein neues Volk wählen, denn das vorhandene war der DDR Führung nicht würdig als es es 1953 den Genossen Ulbricht veranlaßte, sicherheitshalber sich erstmal bei der Roten Armee zu verstecken. Bekanntlich wäre ohne diese brüderliche Hilfe 1953 schon 1989 gewesen.

Und der eine nennt es "Ausbluten" und der andere sagt, die DDR hat bis zum Mauerbau drei Millionen in die Flucht geschlagen.


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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#5 von Weilheimer , 15.08.2009 11:55

Am 13. August 2009 lief auf RBB ein Film, wo die Handlung sich um die Ereignisse des 13. August 1961 drehte, vielleicht hat den ja einer gesehen. Bei mir zu mindestens machte sich bei diesen Film ein bedrückendes Gefühl breit. Ein Ehepaar war im Westteil Deutschlands auf Besuch und als sie in den Osten heimkehren wollten, konnten sie es nicht mehr, weil die "Ostzone" gerade abgeriegelt wurde und die "Mauer" errichtet wurde. Der Sohn des Ehepaars, war allein zu Hause geblieben. Die Familie war somit getrennt. Der Junge wurde in einem Kinderheim zu einem "sozialistischen Menschen" erzogen und ihm wurde erzählt, seine Eltern hätten ihn verraten, indem sie die "Deutsche Demokratische Republik" in Richtung Klassenfeind verlassen hätten. Das Perverse daran war, seine Eltern wollten ja nach Hause, nur man lies sie nicht rein. Diese Erziehung zu einer sozialistischen Persönlichkeit hatte ja jeder von uns durch, der in der DDR aufgewachsen ist. Ein großer Teil dieser Erziehung war drangsalieren und bevormunden. Es wurde einem gesagt, was man zu denken hatte und der Lebensweg war irgendwie vorbestimmt.



In Our Darkest Hour. In My Deepest Despair. Will You Still Care? Will You Be There? In My Trials And My Tripulations. Through Our Doubts And Frustrations. In My Violence. In My Turbulence. Through My Fear And My Confessions. In My Anguish And My Pain.Through My Joy And My Sorrow.In The Promise Of Another Tomorrow. I'll Never Let You Part. For You're Always In My Heart.


 
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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#6 von Björn , 15.08.2009 12:20

Erziehung, egal von welcher Seite, kann man sehen wie man will, ist immer Fall-abhängig und auch bis heute Auslegungssache! Ich glaube aber nicht, daß die Mehrzahl der Ex-DDR-Bürger drangsaliert oder gewalttätig behandelt wurden! Ich will natürlich nicht bestreiten, daß es sowas auch mehrfach gab!!
Einige (auch Medien) wollen immer noch den Eindruck erwecken, als wenn überall Polizei und Militär rum gestanden haben und man sich gar nicht normal im Alltag bewegen konnte Egal ob man in der Stadt unterwegs war (oder im Ferienlager, Urlaub, bei meinen Großeltern in Thüringen usw.), man hatte kaum mal was mit der Polizei zu tun und nicht öfters wie heute auch (bei Kontrollen u.ä.)!


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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#7 von Weilheimer , 15.08.2009 13:11

Björn da magst du Recht haben, wir in diesem Staat geborenen, haben es nicht als Gängelei empfunden. Wir kannten es ja nicht anders. Die Älteren sahen es aber so, denn die kannten die Unterschiede. Deswegen verstehe ich heute auch das, was meine Großeltern damals über den Staat DDR gesagt haben.
Es ist doch so ähnlich wie bei Kühen in Stallaufzucht. Die bekommen immer gut zu fressen und Wasser ist gratis, die wissen aber nicht das die Welt an der Stalltür weitergeht und es dort draußen grüne Wiesen gibt, wo man drauf weiden kann.



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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#8 von thueringers , 15.08.2009 15:02

Zitat von Weilheimer

Es ist doch so ähnlich wie bei Kühen in Stallaufzucht. Die bekommen immer gut zu fressen und Wasser ist gratis


Ob gut zu fressen ist die Frage. Sie fraßen die Kuh auf von der sie lebten. Deswegen war ja 1989 "Wir haben fertig" angesagt.

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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#9 von Björn , 15.08.2009 15:48

Trotzdem haben wir nicht (wie oft dargestellt) unter ständiger Bewachung, Bedrohung und allgegenwärtiger Polizei- bzw. Stasi-Anwesenheit gelebt Es war meistens doch ein normaler Tagesablauf wie heute auch: Arbeiten, Feiern, was mit Freunden unternehmen (Baden, Kino, Konzert), Urlaub ........ Ich habe da keinen persönlichen Bewacher gehabt und beim Baden an einem der Harzseen waren wir oft sogar ganz alleine
Heutzutage kannst du genauso auch wegen Kleinigkeiten (oder auch ohne diese) mit einem der 3 Geheimdienste in Berührung kommen und mußt dir auch überlegen WAS DU WO ZU WEM SAGST bzw. im Internet schreibst !!!! Auch dieses wird hier überwacht, da bin ich mir ganz sicher (und nicht nur durch H., egal unter welchem Nick er noch irgendwie anwesend ist )
Ich überlege mir, mich doch mal nach einer Stasi-Akte von mir zu erkundigen und gleichzeitig auch mal raus zu finden, wo ich meine jetzige Akte von Anfang der 90er einsehen kann! Zweiteres dürfte wahrscheinlich etliches schwieriger werden


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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#10 von joesachse , 15.08.2009 16:35

Hallo Weili, den Vergleich mit der Kuh ist auch noch auf andere Art und Weise treffend:

Im Stall wurde sie versorgt und beschützt, hatt ein Dach über dem Kopf und bekam regelmäßig ihr Futter, auch wenn es vielleicht nicht von besonderer Qualität war oder manchmal etwas eintönig.
Als sie dann in die Wiesen und Wälder ziehen konnte und die Freiheit hatte, alles zu Fressen, was da wuchs, da war sie auf einmal selbst dafür verantwortlich, dass da keine giftigen Kräuter dabei waren. Und vor dem bösen Wolf beschützte auch niemand mehr. Und jeden Weg, den sie ging, musste sie selbst entscheiden, und immer war ungewiss, was sie am Ende dieses Weges finden würde....
Und da sehnte sich sich manchmal nach der Sicherheit und Geborgenheit des Stalles zurück.

Gruß
JoeSachse


Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. (Goethe)

 
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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#11 von thueringers , 15.08.2009 16:58

Zitat von Björn

Heutzutage kannst du genauso auch wegen Kleinigkeiten (oder auch ohne diese) mit einem der 3 Geheimdienste in Berührung kommen


Also ich bin in den letzten 20 Jahren mit keinem der "3 Geheimdienste" in Berührung gekommen.
Vorher sah es so aus:

http://www.referate10.com/referate/Polit...erheit-reon.php


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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#12 von Björn , 15.08.2009 17:15

Zitat von thueringers
Zitat von Björn

Heutzutage kannst du genauso auch wegen Kleinigkeiten (oder auch ohne diese) mit einem der 3 Geheimdienste in Berührung kommen


Also ich bin in den letzten 20 Jahren mit keinem der "3 Geheimdienste" in Berührung gekommen.


Glück für dich!!! Ich und viele weitere haben da andere Erfahrungen Dabei war ich nur Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr


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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#13 von Kehrwoche , 15.08.2009 17:33

Zitat von Björn
Trotzdem haben wir nicht (wie oft dargestellt) unter ständiger Bewachung, Bedrohung und allgegenwärtiger Polizei- bzw. Stasi-Anwesenheit gelebt ...

Keine Ahnung, wie es damals am Hexentanzplatz aussah, in Ostberlin stand quasi an jeder Straßenecke ein sächselnder Polizist. Das waren die, die man sehen sollte. Die Anderen, die man nicht sehen sollte, liefen im Abstand weniger hundert Meter in zivil und immer zu zweit durch die Straßen oder saßen in konspirativen Wohnungen und lukten hinter schmutzigen Gardinen hervor. Kein Vergleich zu heute!
Der gesamte Ostseestrand wurde nachts mit Suchscheinwerfern abgeleuchtet, nächtliche Streifen waren allgegenwärtig. Schon im Ostseevorland begannen die Kontrollen durch die örtlichen Dorfpolizisten.
In den Betrieben wurden Kollegen von Kollegen bespitzelt... aber das wurde hier alles schon X-Mal durchgekaut.
Der Polizei- und Spitzelstaat war immer und überall präsent. Jeder, der damals offenen Auges durch die kleine DDR-Welt ging, mußte das auch so gesehen haben.
Seit der Wiedervereinigung bin ich kein einziges Mal in eine Ausweiskontrolle geraten, vorher wöchentlich in mindestens eine!
Zitat von Björn
Erziehung, egal von welcher Seite, kann man sehen wie man will, ist immer Fall-abhängig und auch bis heute Auslegungssache!

Und das ist ja wohl ein ganz schlechter Scherz! Mit so einem Satz könntest Du im Nachhinein selbst der Hitlerjugend einen Heiligenschein verpassen.
Hier war schließlich nicht von Lesen und Schreiben lernen die Rede, sondern von Erziehung zu einem "sozialistischen Menschen", von Drill und Bevormundung. Letzteres scheint ja zumindest bei Dir (bis heute) gut funktioniert zu haben.

Es wird langsam Zeit die Stalltür im Kopf etwas aufzustoßen, um gelegentlich etwas mehr Objektivität hinaus zulassen.


Die schönsten Träume von Freiheit werden im Kerker geträumt.
Friedrich Schiller

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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#14 von Björn , 15.08.2009 18:21

Kehrwoche, hier war von einer gewaltsamen und drangsalierenden Erziehung die Rede, welche die Mehrheit bestimmt nicht hatte!!!! Der Staatsbürgerkunde-Unterricht (den ich auch nie mochte) war damit nicht gemeint! Außerdem will ich hier nichts beschönigen, ich weiß selber das vieles nicht in Ordnung war!!!
Wenn wir Richtung Grenze kamen, waren natürlichauch Kontrollen,daß bestreitet auch niemand!
PS: in eine "allgemeine Verkehrskontrolle" mit Papiere vorzeigen kommt man schon, wenn man Nachts in der Nähe von Diskos oder Festen lang fährt Habe ich in den letzten 2 Monaten gleich 3x gehabt, aber wie immer ohne Probleme!


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RE: 13. August Ein Tag der Freunde und der Trauer

#15 von thueringers , 15.08.2009 18:28

Zitat von Björn


Glück für dich!!! Ich und viele weitere haben da andere Erfahrungen Dabei war ich nur Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr


Erzähl doch mal. Mein Sohn hat gerade seine Bundeswehrzeit hinter sich. Ich könnte ihm dann von deinen furchtbaren Erlebnissen berichten. Und die Leserschaft hier hat doch auch ein Anrecht darauf von den BRD Peinigern zu erfahren.

Oder verwechselt du da was? Etwa mit dem Armeeknast Schwedt?

http://www.mdr.de/doku/110294.html


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