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Tarife im öffentlichen Dienst

#1 von michaka13 , 15.12.2009 15:33

"Die Dienstleistungs-Gewerkschaft Ver.di und der Beamtenbund verlangen für die rund zwei Millionen Kommunal- und Bundesbediensteten im öffentlichen Dienst fünf Prozent mehr Gehalt.
Mit einer deutlichen Forderung gehen Ver.di und der Beamtenbund in die neue Tarifrunde. Die Arbeitnehmervertreter fordern 5,0 Prozent mehr Geld in die bevorstehenden Verhandlungen für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen.

Das Forderungspaket für die Tarifrunde 2010 beschloss die Bundestarifkommission in Berlin, wie die Gewerkschaften mitgeteilt haben. Im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen arbeiten knapp zwei Millionen Menschen. Die Verhandlungen beginnen am 13. Januar. "


Hab ich gerade bei welt-online.de gelesen. Findet Ihr das in Ordnung? Schließlich haben viele Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft in diesem Jahr ihren Arbeitsplatz verloren oder mußten auf Lohn verzichten.

Bin mal gespannt auf Eure Meinungen.



Gruß,
michaka13

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RE: Tarife im öffentlichen Dienst

#2 von kirschli ( gelöscht ) , 15.12.2009 17:13

finde ich voll in Ordnung, ich werde zur Zeit angelehnt an den öffentl. Dienst bezahlt ,nach ca vier Jahren Kampf ist der Tarifvertrag immer noch nicht unter Dach und Fach.Weil die Diakonie Mauert, für meine Arbeit bin ich unter bezahlt!Am Jahresanfang sollten wir sogar alle Überstunden streichen lassen und der Diakonie schenken, es waren so an die 4500 Stunden, die wir alle zusätzlich gearbeitet haben!!! Oder 2% unseres Lohnes abgeben, wo wir nach Jahren endlich mal eine Erhöhung bekommen haben!!! Ich kenne noch mehr die auch im öff. Dienst arbeiten ,da gibt es auch gravierende Unterschiede! 1300€netto finde ich nicht viel!!!




"Gib jedem Tag die Chance,
der schönste deines Lebens zu werden"
Mark Twain
http://www.youtube.com/watch?v=bD6d-4HxPQU

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RE: Tarife im öffentlichen Dienst

#3 von Minimal , 15.12.2009 17:34

"Kaufkraft der Deutschen sinkt immer stärker"

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,541398,00.html

Warum fragst du angesichts solcher Tatsachen, ob eine Lohnerhöhung in Ordnung ist? Wenn ich gemein wäre, würde ich mir gleich selber antworten: "wenn uns die Presse lang genug einredet, jede Erhöhung über x % sei vermessen, glauben wir irgendwann selber dran"

In guten Zeiten haben die Menschen schon nicht von der Konjunktur profitiert. Deswegen haben sie in der Krise erst recht keine Ansprüche zu haben.


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zuletzt bearbeitet 15.12.2009 | Top

RE: Tarife im öffentlichen Dienst

#4 von Weinböhlaer , 15.12.2009 18:20

Ich meine das wäre alles kein Problem,
alle Lohn & Rentenerhöhungen werden an die Diäten unserer Volsvertreter gekoppelt
und gut ist es.
Gleiches Recht, gleiche Prozente für alle......das wäre Demokratie .

Jürgen

 
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RE: Tarife im öffentlichen Dienst

#5 von michaka13 , 15.12.2009 18:50

Danke für den Link Minimal. Das wußte ich nämlich nicht.

Ich frage deshalb, weil meine Freundin im öffentlichen Dienst arbeitet. Oft höre ich von Kollegen wie toll das doch wäre, sicherer Job und gute Bezahlung. Dachte ich früher auch mal, heut weiß ich das es nicht so ist.

Sie hat eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten im BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) in Bonn gemacht. Nach der Ausbildung gabs direkt die Versetzung nach Berlin. Sie wurde dafür 3 Tarifgruppen runtergestuft mit der Begründung, Sie müsse sich in Ihrem neuen Arbeitsplatz erst einarbeiten. Dazu natürlich Bezahlung nach Osttarif. Das waren dann im Monat gleich mal 250 € weniger als Sie in Bonn gehabt hätte. Ihr monatlicher Verdienst war 1056 € netto, inkl. Ministerialzulage. Soviel zur guten Bezahlung. Von diesem Geld mußte Sie die Fahrtkosten zwischen Köln (Wohnsitz) und Berlin bezahlen. Dazu natürlich die Miete für ein Kleines Appartment in Berlin. Sie hat dann gleich gekündigt, 3 Monate war Sie in Berlin, und hat sich dann was bei einer kleinen Gesellschaft des Bundes in Bonn gesucht. Dort ist Sie immer noch beschäftigt. In den 3 Monaten in Berlin hat sie übrigens 84 Überstunden gemacht, die bei ihrer Kündigung verfallen sind. Festgehalt eben. Hier hat sie jetzt 300 € mehr im Monat und eine geregelte Arbeitszeit. Könnte bissel mehr sein aber der Job ist verhältnismäßig sicher und anderen in diesem Land gehts viel, viel schlechter. Wir haben jedenfalls keinen Grund zu Jammern. Sie ist übrigens Angestellte und nicht Beamtin.

Schon deshalb finde ich eine angemessene Lohnerhöhung gerechtfertigt. Gerade die unteren Gehaltsgruppen sind auch im öffentlichen Dienst ziemlich schlecht bezahlt. Wollte nur mal die Meinung von ein paar Leuten hören, da ich ja, wie oben geschrieben, oft von Vorurteilen gegenüber diesen Beschäftigten höre.

Und 1300 € für eine Altenpflegerin (war doch richtig jetzt?) halte ich für zu wenig. Ich nehme mal an, Du mußt ja im Schichtdienst arbeiten.


Zitat
Ich meine das wäre alles kein Problem,
alle Lohn & Rentenerhöhungen werden an die Diäten unserer Volsvertreter gekoppelt
und gut ist es.
Gleiches Recht, gleiche Prozente für alle......das wäre Demokratie .

Jürgen




Das wäre doch mal ein Vorschlag über den unsere "Volksvertreter" dringend nachdenken sollten.


Gruß,
michaka13

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RE: Tarife im öffentlichen Dienst

#6 von kirschli ( gelöscht ) , 15.12.2009 20:22

kop.Und 1300 € für eine Altenpflegerin (war doch richtig jetzt?) halte ich für zu wenig. Ich nehme mal an, Du mußt ja im Schichtdienst arbeiten.

@michaka13 ich muss dich etwas berichtigen ,ich bin Helferin mit einjährigem Examen, arbeite 85% ,aber das andere stimmt.

werde jetzt gleich zum Nachtdienst aufbrechen.




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RE: Tarife im öffentlichen Dienst

#7 von michaka13 , 16.12.2009 07:03

Na gut, dann bist Du eben Helferin mit einjährigem Examen.

Deswegen wird ja Deine Arbeit nicht einfacher. Und genau hierum gehts ja. Die unteren Tarifgruppen haben einfach zu wenig. Müssen aber oft schwer arbeiten und ihre Arbeit ist nicht weniger wichtig als die eines Abteilungsleiters. Was wäre denn, wenn Du oder Deine Kollegen/Kolleginnen nicht mehr da wären? Eure, sicher gut bezahlte Heimleitung, würde ganz schön blöd dastehen. Was wäre wenn in den ganzen Amtsstuben keine Putzfrau mehr kommt? Oder wenn der kleine Beamte oder Angestellte im Einwohnermeldeamt, Straßenverkehrsamt usw. plötzlich nicht mehr da wäre? Es sind alles sogenannte einfache Tätigkeiten die oft unterbezahlt, aber wichtig sind.
Genau wie bei Dir, Du bist Helferin in der Altenpflege. Wie unterscheidet sich Deine Arbeit von der einer "gelernten" Altenpflegerin? Ich denke, ihr werdet beide die selbe Arbeit machen müssen, nur das der eine halt weniger dafür bekommt. Bitte korrigiere mich wenn ich falsch liege.
Und wenn ich dann noch lese, Lohnverzicht, Verzicht auf Überstunden-Bezahlung. Mann, Mann, Mann, da geht mir echt die Hutschnur hoch. Ich hoffe Ihr laßt Euch das nicht gefallen!

Vieleicht wäre ja mal einen Lohnerhöhung, die sich an die Einkommen koppelt nicht schlecht. Gerade im öffentlichen Dienst ließe sich das ja gut umsetzen, denke ich.

z.B.

Einkommen bis 2000 € brutto =7% Erhöhung
Einkommen bis 3000 € brutto =6% Erhöhung
Einkommen bis 4000 € brutto =5% Erhöhung usw.

Damit würde auch die Schere zwischen niedrigen und höherem Einkommen nicht weiter auseinanderklappen.


Gruß,
michaka13

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RE: Tarife im öffentlichen Dienst

#8 von Pamina , 16.12.2009 13:52

Wow, micha


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RE: Tarife im öffentlichen Dienst

#9 von kirschli ( gelöscht ) , 16.12.2009 18:58

Der Unterschied besteht darin das wir jetzt seid der MDK da war! nur noch Ärsche putzen und Waschen dürfen, ach ja und Essen reichen.Ach wird das ein schönes Leben werden
Eine Kollegin die Familienpflegerin ist ,wurde sofort als Schichtleitung abgesetzt,als Dank da für, das sie es 15 Jahre mit Duldung der Heimleitung gemacht hat!!! Und sich echt den Arsch aufgerissen hat.
Nun, sie wird jetzt bedeutend ruhiger Leben und wir Helferinnen mit Examen auch.
Und unsere PDL hat nach einem viertel Jahr schon das Handtuch geworfen und die Heim Leitung kommt jetzt mit der sehr motivierenden Mitteilung, wenn wir nicht an Schulungen außerhalb der Arbeitszeit teilnehmen bekommen wir eine Abmahnung !! Unsere MAV hat zur Zeit sehr viel Arbeit denn wir arbeiten jetzt nur noch nach Vorschriftdas heiß das zb. um 14°°Uhr der Hammer fällt, denn wir sollen ja keine Mehrstunden machen!! Das wir Angehörige in die Verwaltung schicken weil wir ja Feierabend haben und keine Auskünfte ohne Genehmigung erteilen dürfen.
Das die Schichtleitung jetzt über die Station hetzt und alle Verbände und Ahnuspreter Wechsel machen muss und sogar die Künstliche Ernährung anlegen muss!! All dies haben wir aus Kollegialität und Entlastung ohne Geld dafür zu bekommen mit erledigt ob wohl wir es auch in der Ausbildung hatten. Hoch Lebe die Bürokratie. Wir sind also somit gezwungen zu bescheißen !!!!
Ja und in der Nachtschicht rufe ich jetzt einen exam.Altenpfleger von der obersten Station und der entscheidet was wird und ich stelle mich daneben und darf zu schauen . So eine schöne Nachtschicht wie gestern kannte ich nicht,es fehlte leider nur das Bett für mich




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kirschli

RE: Tarife im öffentlichen Dienst

#10 von Schlawine , 18.12.2009 22:26

[quote="kirschli"]Der Unterschied besteht darin das wir jetzt seid der MDK da war! nur noch Ärsche putzen und Waschen dürfen, ach ja und Essen reichen.Ach wird das ein schönes Leben werden
Eine Kollegin die Familienpflegerin ist ,wurde sofort als Schichtleitung abgesetzt,als Dank da für, das sie es 15 Jahre mit Duldung der Heimleitung gemacht hat!!! Und sich echt den Arsch aufgerissen hat.
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Du meinst ihr dürft nur noch die Grundpflege übernehmen und Essen anreichen. So hätte es schon immer sein müssen denn für die Behandlungspflege sind nun mal die examinierten Altenpflegerinnen oder Krankenschwestern zuständig. Dein Arbeitgeber hat eine Menge Glück gehabt, dass bisher immer alles gut gegangen ist.


Zitat Kirschli:Und unsere PDL hat nach einem viertel Jahr schon das Handtuch geworfen und die Heim Leitung kommt jetzt mit der sehr motivierenden Mitteilung, wenn wir nicht an Schulungen außerhalb der Arbeitszeit teilnehmen bekommen wir eine Abmahnung !!
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Auch da hat die PDL recht denn als Pflegekraft die Verantwortung für das Wohl von Menschen trägt ist man nun mal auch gefordert sich auf dem neuesten Stand zu halten. Das gehört für mich zu diesem Beruf dazu und ist auch eine Einstellungssache. Es ändert sich ständig soooo viel und es ist in unserem eigenen Interesse uns auf dem Laufenden zu halten. Außerdem sorgen diese Fortbildungen dafür dass man sich mit anderen austauscht und nicht betriebsblind wird.


Zitat Kirschli:denn wir arbeiten jetzt nur noch nach Vorschriftdas heiß das zb. um 14°°Uhr der Hammer fällt, denn wir sollen ja keine Mehrstunden machen!! Das wir Angehörige in die Verwaltung schicken weil wir ja Feierabend haben und keine Auskünfte ohne Genehmigung erteilen dürfen.
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Dass ihr Überstunden abbaut ist ja lobenswert aber wie sieht es mit der Versorgung der Bewohner aus ? Ist die trotzdem gewährleistet ?


Zitat Kirschli:Das die Schichtleitung jetzt über die Station hetzt und alle Verbände und Ahnuspreter Wechsel machen muss und sogar die Künstliche Ernährung anlegen muss!! All dies haben wir aus Kollegialität und Entlastung ohne Geld dafür zu bekommen mit erledigt ob wohl wir es auch in der Ausbildung hatten. Hoch Lebe die Bürokratie. Wir sind also somit gezwungen zu bescheißen !!!!
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Verbände sind Behandlungspflege und dürfen nur von examinierten Altenpflegern oder Krankenschwestern durchgeführt werden. Zurecht wie ich finde denn um eine Wunde zu beruteilen mus man schon eine Menge medizinisches Wissen und gute Kenntnisse über die Anatomie der Haut haben. Fehler bei der Wundversorgung können schwerwiegende Konsequenzen für den Patienten haben.
Warum ihr keine Anus Praeter (künstlicher Darmausgang) versorgen dürft weiß ich allerdings nicht. Das gehört bei uns zur Grundpflege und wird auch von den Helferinnen übernommen. Da kann ja auch nicht wirklich viel bei passieren.

Ich denke bei euch ist lange aus Personalmangel bzw. Personalkosteneinsparungen eine Menge nicht in Ordnung gewesen. Da ist es doch in Ordnung wenn der MDK so etwas feststellt. Dafür ist er schließlich da.


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