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RE: Hartzsätze neu berechnet

#46 von altberlin ( gelöscht ) , 10.10.2010 16:42

Zwangsarbeit ist sicher nicht die richtige Lösung. Besser wäre, die Einheit in Deutschland endlich Realität werden zu lassen, d.h. gleiche Löhne für gleiche Arbeit, das würde dem Westteil wenig schaden, aber dem Ostteil den lange überfälligen Anschluß bringen. Weniger haben wir im Osten nicht gearbeitet, im Gegenteil, ich mußte bremsen, als ich 2003 nach BW kam. Aber der Lohn ist hier das Doppelte !?
Warum wurden ganze Industrien nach 1990 gen Westen abgezogen oder plattgemacht ? Nicht alles war "marode", oft nur die Gebäude. Wir könnten aber heute ein weniger starkes Gefälle bei dr Arbeitslosigkeit haben. Und es wäre dann leichter, die gleichmäßiger verteilten Hartz IV- Empfänger zu beschäftigen als heute. Ein Bundesland hat nur einige Tausend, das andere dafür einige Hunderttausend. Die wirtschaftliche Basis ist krank, sie Ist begründet auf zig zehntausenden Berufspendlern, die Woche für Woche hunderte Kilometer zur Arbeit fahren müssen.
Der ganze Hartz IV - Kram ist hausgemacht und ich zweifele daran, das hier grundlegend etwas geändert werden soll.
Das Gießkannenprinzip bei Fördermitteln war grundverkehrt, es hätte gekoppelt sein müssen mit Standortgarantien, und nicht Firma im Osten dicht, wir im Westen übernehmen das mit. Ich kenne da Beispiele, und ich denke, viele von euch auch. Schließung nur, wenn es absolut keinen Zweck hat.
Die Begründung, wir müssen nach Osteuropa, Konkurrenzdruck usw, ist doch eine Lüge, denn die dort hergestellten Produkte vergleichbarer Qualität sind nicht billiger, nur der Gewinn steigt.
Ein ganz lapidares Beispiel : Modelleisenbahn, weil ich mich damit beschäftige. Nichts ist billiger geworden, seitdem ein Großteil in Ungarn, Tschechien und sogar in China produziert wird. Produktionskosten aber sehr viel geringer als in Deutschland. Lehmann pleite, Märklin war insolvent, verkleinert und so gerettet, Trix gehört zu Märklin, überall Entlassungen, zugunsten ferner Länder. Uns bringts nichts.
Autos : Selbst wenn sie aus Fernost kommen, liegt der Preis meist nur unwesentlich unter dem deutscher Durchschnittsfabrikate, Mercedes ect. mal ausgenommen, die haben sicher Blattgold unter den Fußmatten, was den hohen Preis rechtfertigen soll. Aber verdient der Arbeiter in Malaysia oder Südkorea vergleichbar wie wir ? Nein. So läßt sich die Palette beliebig fortsetzen.
Dieses ganze EU-Gehabe, Globalisierung usw hat bisher nicht und wird auch in Zukunft nicht dem "Kleinen Mann" dienen, er ist nur besser auszunehmen und zu unterdrücken, siehe Beitrag von Minimal, entweder du machst, oder du kannst verrecken. Schöne soziale Marktwirtschaft. Einziger Vorteil: Die Umtauschgebühren innerhalb des Euroraumes entfallen bei Urlaubsreisen, ein Riesengewinn zu welchem Preis.


Sinnlos ist ein Leben ohne Sinn für Unsinn
(unbekannt)

altberlin

RE: Hartzsätze neu berechnet

#47 von michaka13 , 10.10.2010 16:49

Ich sehe das ähnlich wie Minimal. Klar heißts oft Hartz4-Empfänger leben von unseren Geld, denen gehts gut und und und. Und schnell kommen dann die Gedankengänge einer Arbeitspflicht ala RAD. Doch darf man eines nicht vergessen dabei. 1-€-Jobs vernichten reguläre Arbeitsplätze.

Ich hatte schon mal davon geschrieben. In der Gemeinde meiner Eltern gibts 2 Gemeindearbeiter, einer vollzeitbeschäftigt nach Tarif TvÖD und ein H4-Empfänger auf 1-Euro-Basis. Einer verdient seinen Lebensunterhalt damit und einer machts gemeinnützig, oder wie? Früher gabs übrigens 2 festangestellte Gemeindearbeiter.

Ein Bekannter von mir (selbständig, Gartenbaubetrieb) mußte Leute entlassen. Er hat die Aufträge zur Pflege zweier Parks in Düsseldorf verloren. Das haben dann 1-Euro-Jobber gemacht.

Ein weiterer Freund von mir, aus Halle/S. arbeitete seit ein paar Jahren bei einem Hausmeisterservice. Die Firma hat unter anderem Winterräumdienste angeboten und auch für die Stadt Halle und umliegende Gemeinden im Räumdienst gearbeitet. Im letzten Winter hat die Stadt versucht auf 1-€-Jobber zu setzen, was wohl ziemlich in die Hose ging. Aufträge an Privatfirmen wurden kaum vergeben. Folge waren ungeräumte Fußwege, ungeräumte Straßen und entnervte Einwohner. In der Firma wurden übrigens mehrere Leute entlassen.


Gruß, micha


Das sind für mich Gründe, eine Arbeitspflicht abzulehnen. Denn die Politik kann sagen was sie will. 1-Euro-Jobs vernichten Arbeitsplätze. Früher hab ich da auch mal anders drüber gedacht, eher so wie Jürgen. Aber je mehr ich mir Gedanken gemacht habe, um so mehr Zweifel kamen auf.

Was ist ein 1-Euro-Job?

"Es handelt sich um eine sozialversicherungsfreie Beschäftigung bei einem geeigneten Träger. Die auszuführenden Arbeiten müssen zusätzlich, im öffentlichen Interesse und wettbewerbsneutral sein."

Quelle:http://www.arbeitsagentur.de/nn_25392/Na...o-Jobs-Nav.html

Zumindest in meinen Beispielen kann wohl von wettbewerbsneutral keine Rede sein. Sie sind auch nich zusätzlich, sondern fallen immer an. Und was ein geeigneter Träger ist-keine Ahnung.

Das von Dir angesprochene Schneeräumen, lieber Jürgen, ist wohl unbestritten nicht zusätzlich, es fällt in jedem Winter an, außerdem fällt es unter die Verkehrsicherungspflicht der Gemeinde und diese ist immer zu gewährleisten. Nix mit zusätzlich. Wettbewerbsneutral? Es gibt sicher auch in Eurer Region genug Firmen, die diese Arbeiten anbieten, als auch nix mit wettbewrbsneutral.


Bevor das jetzt jemand falsch versteht. Ich finde es gut das es Leute gibt, die sich so engagieren. Für die meißten Menschen ist es nicht so selbstverständlich einfach mit anzupacken. Und wenn ich ehrlich bin, mir würde wahrscheinlich ebenfalls die Lust zu solchen arbeiten fehlen, ich nehme mich davon also nicht aus. Aber deswegen eine Arbeitspflicht einzuführen, das halte ich für völlig falsch.


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RE: Hartzsätze neu berechnet

#48 von Weinböhlaer , 10.10.2010 18:20

Trotz euerer Argumente, die auch nachvollziehbar sind, bricht sich keiner einen Zacken
aus der Krone wenn er mal mit anpackt.
Es ist doch nicht zu viel verlangt bei Bedarf mit Hand anzulegen. Ob das eine Firma machen
kann steht doch hier nicht zur Debatte. Auch kann das Geld für andere nützliche Dinge verwendet werden.
Dies Leute sind einfach zu faul mal zeitig aufzustehen und für die Allgemeinheit etwas zu machen
- sie meckern lieber darüber das es keinen für sie gemahlten Arbeitsplatz gibt.
Ich meine da hilft nur Druck.

Jürgen


 
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RE: Hartzsätze neu berechnet

#49 von BesserWessi0815 , 10.10.2010 18:25

Zitat von Weinböhlaer
... es keinen für sie gemahlten Arbeitsplatz gibt.

...also im Osten Deutschlands wurden die Arbeitsplätze doch schon überwiegend gemahlen ...


Der Arbeitsplatzmühle sei Dank!
Eines Tages kommen auch -ganz bestimmt- die blühenden Landschaften - wie gemalt!
"Fiffi! Platz!"

 
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RE: Hartzsätze neu berechnet

#50 von michaka13 , 10.10.2010 18:33

Zitat
Trotz euerer Argumente, die auch nachvollziehbar sind, bricht sich keiner einen Zacken
aus der Krone wenn er mal mit anpackt.


Das ist vollkommen richtig.

Und bei manchem braucht es tatsächlich mal ein bißchen Druck, bei einigen sogar ein bißchen mehr.

Jedoch sind diese 1-€-Jobs oder eine Arbeitspflicht, meines Erachtens der falsche Weg. Eine Lösung weiß ich auch nicht. Nur wird eine Arbeitspflicht weitere reguläre Arbeitsplätze vernichten. Also wird die Gemeinde, die heut auf auf Hartz4-Leute setzt und damit erstmal etwas Geld spart, dieses gesparte Geld in die Bezahlung der neu hinzugekommenen Arbeitslosen stecken und am Ende ein vielfaches ausgeben.

Ziel muß es sein, möglichst viele reguläre Vollzeitstellen zu schaffen und die Arbeitslosenzahlen wirklich (und nicht nur in frisierten Statistiken) zu senken. Dann hätte sich die Diskusion über Arbeitspflicht etc. pp ruckzuck erledigt.


Gruß, micha


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RE: Hartzsätze neu berechnet

#51 von Weinböhlaer , 10.10.2010 19:43

Das ist richtig,
die 1 € Jobs sind der falsche Weg.
Das könnten reguläre Arbeitsplätze sein, aber dadurch verdienen sogenannte
Sozialverbände, soziale Einrichtungen wie DRK, Caritas, Seniorenheime usw.
sich eine Goldene Nase. Und deswegen wird sich da nichts ändern.
Es ist bei Rot-Grün eingeführt worden, Rot-Schwarz hat es fortgesetzt und beim
gelb-schwarzen Chaosclub geht es weiter.
Ich meine aber im direkten Wohnumfeld muß es doch möglich sein von den Leuten
die ihren Unterhalt, Wohn-u.Heizkosten von der Gemeinde beziehen, zu fordern
für eben dies Gemeinde etwas zu tun
.
Wenn ich dann erleben muß mit welchen Argumenten dies Typen kommen.
Bezeichnend ist z.B., die 3 die fest zugesagt haben sind Männer zwischen 35 & 45,
sie haben Harz 4 seit April/Mai 2010.
Die 3 habe ich nicht lange fragen brauchen, O.K. machen wir war die Aussage.
Bei den anderen 28 merkt man schon das sie sich eingerichtet haben, da hilft nur Druck.
Ich hoffe das dazu eine Möglichkeit gefunden wird.

Das ist dazu meine feste Meinung

Jürgen


 
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RE: Hartzsätze neu berechnet

#52 von kalteschnauze , 11.10.2010 13:56

naiv gefragt, aber warum wird diesen leuten dann kein richtiger arbeitsplatz angeboten zum schneeschippen und winterdienst, wenn es diese arbeiten gibt, meinetwegen befristet, auch teilzeit, da haste doch im endeffekt (zumindest als single) immer noch mehr wie hartz iv, oder wenn dir als hartz iv er partnerverdienst mit gegengerechnet wird, die gemeinde auch, es fliessen ein paar steuergelder, der "hartzer" zahlt etwas für die rente ein - steuer kann er sich wieder zurückholen mit seiner steuererklärung, er sammelt ein paar monate um evt. mal wieder anspruch auf alg 1 zu haben und du hast sicher weniger das gefühl ausgebeutet zu werden, hast nen richtigen job, als wenn du ein ein euro jobber bist..... die sozialfirmen ja die scheinen ganz gut zu verdienen, eine da hat(te) der chef doch nen maserati als dienstwagen
genauso jetzt gibts so ein projekt "bürgerhilfe", wo du drei jahre befristet nen teilzeitjob hast, irgendwelche arbeiten im öffentlichen bereich, mit ca. 900 euro brutto, ok, besser wie nix, lohnt sich sicher für (ehe) partner denen hartz iv angerechnet wird, wenn der partner noch nen verdienst hat... aber, warum zählt diese "bürgerarbeit" nicht als normales arbeitsverhältnis, es entsteht kein neuer anspruch auf alg 1 - die leute bleiben danach wieder nur in hartz iv hängen, wenn sie da nicht den absprung raus schaffen.


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