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RE: NVA

#301 von joesachse , 04.11.2011 21:53

Danke Kehrwoche, dann hast Du ja in der selben Armee wie ich gedient, dies entspricht auch meinen Erfahrungen. Vielleicht war Atze bei einer anderen Armee
Oder es ist tatsächlich so wie in der Politik auch: Die Offiziere der Divisionsführung hatten nach meinem Eindruck schon oft keine wirkliche Vorstellung mehr, was am unteren Ende der Befehlskette abging. Und die Gefechtsbereitschaft bei der Kontrolle zu beweisen, musste auch schon mal ein Panzer von seinem Standplatz gezogen werden, Hauptsache, er stand dann scheinbar bereit zum Ausrücken an der richtigen Stelle.

@Atze: Volle Zustimmung zu Deinen Anmerkungen an Smithie, ich denke, BW heute und NVA früher kann man nicht vergleichen.


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RE: Eingemauert

#302 von Buhli , 04.11.2011 21:55

Zitat Atze:"Armeegeneral, gibt es in einer Armee nur einen, dass mal so am Rande." Hast Du vergessen, daß jedes Ministerium seinen eigenen Armeegeneral hatte? Es müssten also drei Armeen in der DDR existiert haben. Du hast durch Deine lange Dienstzeit sicher zwei AG gehabt. Begonnen in Hoffmans "Wehrsportgruppe" und beendet unter Keßler. Seit 1980 hatte das MfS den Mielke, und 1984 das MdI den Dickel. Der war damals mein Bigboss.



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RE: NVA

#303 von Kehrwoche , 05.11.2011 07:20

Zitat von joesachse
Oder es ist tatsächlich so wie in der Politik auch: Die Offiziere der Divisionsführung hatten nach meinem Eindruck schon oft keine wirkliche Vorstellung mehr, was am unteren Ende der Befehlskette abging.

Ich denke, so wird es auch gewesen sein. Ich erinnere mich an die Stippvisite irgendeines Generals im Herbst -- kann der Stechbart gewesen sein. Da wurde eine Woche vorher begonnen alles "schön" zu machen. Wir Soldaten mußten Leitern an die Bäume stellen und die letzten Blätter abpflücken. Der von der Straße aus gut einsehbare Müllplatz, dessen zu wenige Tonnen immer überquollen, damit er als beliebter Arbeitsplatz für Arrestler seinen Dienst tun konnte, wurde kurzerhand auf Befehl mit einer Mauer umgeben. Nicht etwa eine für die Ewigkeit, mit Fundament und Tor und so. Nö, weit gefehlt, die Mauer stand auf Rasen und es gab keinen Eingang!

Die Idee war gut, die Ausführung Schei@e, wie so vieles damals.
Jedenfalls der Stechbart oder so fands toll und zog zufrieden wieder ab.


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RE: NVA

#304 von Atze , 05.11.2011 09:25

Buhli, die NVA als Armee hatte einen Armeegeneral.
Das MdI und das MfS waren keine Armeen und schon gar keine Waffengattungen.

Die NVA hatte die Aufgabe nach außen hin (deshalb gab es ja auch die großen Verwirrungen innerhalb der Wendezeit, als die NVA auf einmal, Aufgaben im Inneren der DDR erfüllen sollte).

MdI und MfS hatten nicht diese Aufgaben, wie die Armee. Dass die Beiden Minster auch den Dienstgrad führten, ist zwar dem Worte nach gleich, hatte aber eben nichts mit der Armee, dem stehenden Heer, zu tun.

Trennung

Es wäre Unsinn zu behaupten, dass im vorauseilenden Gehorsam, nicht manchmal richtiger Unsinn verzapft wurde, den meistens die Soldaten austragen und bewerkstelligen mußten, wenn sich irgend eine Generalspersönlichkeit angemeldet hatte. Ob da nun die Blätter von den Bäumen geholt wurden, kann ich nicht einschätzen weil ich solch Blödsinn nie erlebt habe. Aber das z.B. die Bortsteinkanten weiß gestrichen wurden habe auch ich erlebt und darüber den Kopf geschüttelt. Aber ich denke, dass ist in allen Armeen der Welt so, dass solcher Blödsinn verzapft wurde. Im übrigen, macht man seine Wohnung ja auch ein bißchen schicker, wenn man Besuch erwartet, der einem lieb und teuer ist. Aber richtig, es gab da maßlose Übertreibungen.

Trennung

Die Sache mit dem Panzer, der da in Reihe und Glied geschleppt wurde, mag vorgekommen sein. Ich war nicht dabei. Aber gerade wenn Stechbarth kam und der solch eine Eule herausbekommen hätte, hätte gerade Stechi, diesen Mann, den Kdr. des Truppenteils, sofort von seinem Posten enthoben. Er konnte alles verstehen, auch wenn eine Aufgabenstellung mit glasharter Terminsetzung folgte. Was er absolut nicht abkonnte, war Lügen und betrügen. Besser der Kdr. meldet ihm eine Gefechtsstärke unter 85 % und begründet diese Tatsache, als sochen Schmuh. Es kann doch durchaus vorkommen, dass aufgrund des Fehlens eines Ersatzteiles, ein Panzer nicht in Betrieb genommen werden kann. Und wenn der Kdr. das ordentlich meldet und begründet war Stechi so, dass einer seiner Adjus sofort ans Telefon sprang, im Panzerreperaturwerk Neubrandenburg anrief und Stunden später war das Teil in der Kaserne. Dafür wurde keinem der Kopf abgerissen.

Trennung

Noch ein Wort zum Alkohol. Ich weiß nicht in welchen Truppenteilen ihr gedient habt. Vielleicht äußert ihr Euch mal dazu?
Aber ich habe in unterschiedlichen Truppenteilen meinen Dienst versehen und in keinem war der Alkoholmißbrauch höher als in einem anderen Truppenteil.
In der 9.PD gab es allerdings öfter mal Probleme, die aber beherschbar waren. Und ich kenne sehr viele ehemalige Offizier der NVA. Aber ich kenne keinen, der dem Suff verfallen war. Insofern bin ich doch sehr erstaunt über Eure Erlebnisse. Aber ich war ja bei Gott nicht im entferntesten in allen Truppenteilen. Das ging ja gar nicht.

Nichts destsotrotz, eine kleine Episode. Unsere Soldaten waren ja meist fixe Bürschlein, mit Witz und Hirn im Schädel.

Ich war noch KC und wenn ich in eine bestimmte Soldatenstube kam, roch es da permanent nach Alk. Mein Spieß war schon am verzweifeln aber er konnte das Alkversteck nicht finden. Erst als die Kompanie zur Entlassung stand, verriet Stabsgefr. B. was da los war. (Bei uns gab es Dienstjahrreine Kompanien also das 1. Dienstjahr bildete eine Kompanie, das 2. und 3. Dienstjahr bestand eben aus Soldaten die genauso lange dabei waren. Nur in der 4. Fallschirmjägerkompanie, der NaKp und der schweren Kompanie waren die Dienstjahre gemischt, was aber von deren Aufgabe abhing).
Also besagter Stgefr. B. kam aus Zittau (oder war es Zwickau?) und war Glasbläser. Ihr kennt sicherlich die NVA-Betten (nicht die kantigen sondern die, die aus Rundmetall gefertigt waren, wo oben ein abnehmbarer Bügel drauf war). Strgefr. B. hatte sich eine Röhre aus Glas geblasen, die man genau in diese Röhren schieben konnte und die genau ein Glasmantelgeschoss fasste. Wenn abends Ruhe in der Kompanie herrschte, wurde der Bügel entfernt und über einen Gummischlauch der Alk. abgezapft. Das war mal wirklich ein gutes Versteck.

Gruß


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RE: NVA

#305 von mutterheimat , 05.11.2011 11:22

Ich war bei der Heeresgruppe Süd (PD 7, Spremberg, Cottbus, Großenhain, T72, ganz am Anfang nur ein paar Tage Fla-Raketen Zeithain) und kann eigentlich so ziemlich alles, was Joe und Kehrwoche hier sagen, bestätigen. Ich erinnere mich sehr genau an die Zeit, als der Boden, des Topfes DDR, warm wurde und ich entlassen wurde. Frühjahr `89 war das. Lediglich als ich im Sommer des gleichen Jahres den Resi-Mob Befehl bekommen sollte, habe ich dann nicht mehr gelacht, endlich draußen zu sein. Wir wären die ersten gewesen, welche eingesetzt worden wären. Und mehr als 100 prozentige gab es, überreichlich. Atze hätte unter Garantie dazugehört. Wir haben eigentlich nur auf den 2. Stalin gewartet. Das ist etwas, was Reporter und Atze nicht verstehen wollen, können, oder dürfen. Der Russe hätte unter Garantie, mit dem 2. Stalin im Rücken, geschossen. Darum auch meine absolute Zustimmung zur Aussage von Kehrwoche. Lumpengesindel war reichlich vorhanden! Die Schlacht am Dresdener Hauptbahnhof (Zug mit Botschaftsflüchtlingen Prag-Hof, über Dresden), von der ich bereits schrieb, läßt grüßen. Das wäre etwas für Atze und seine Einheit gewesen. Die Polizei (BP)und das MfS haben sie provoziert, nicht die Demonstranten! Und in Reserve haben sie bereits gestanden, die NVA Leute. Definitiv.


http://www.youtube.com/watch?v=Cb1RJlyfyKg&feature=related

 
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RE: NVA

#306 von Buhli , 05.11.2011 20:43

Zitat Atze:"Das MdI und das MfS waren keine Armeen und schon gar keine Waffengattungen" Das kann ich schon auch noch unterscheiden. Waffengattungen sind nur innerhalb einer oder eben auch drei Armeen vorhanden. Das MDI hatte in den PB ebenfalls verschiedene. Motsch.,Flaggs und Pioniere.
Ich wunderte mich jedoch schon damals, daß es drei Armeegeneräle gab. Deshalb meine Frage, ob sich die DDR drei Armeen hielt?
Zitat MH:"Und in Reserve haben sie bereits gestanden, die NVA Leute. Definitiv." Es ist ja bekannt, daß es militärische Reseven in der Nähe der Demos gab. Nur ist bis heute nicht bekannt, daß diese auch unter scharfer Bewaffnung standen. Wird das nur bewußt verschwiegen? Der Journalist, auf den sich alle berufen, hat selbst in seinem Buch nichts davon erwähnt.



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RE: NVA

#307 von Atze , 06.11.2011 10:05

Richtig Mutterheimat,

in Dresden waren Soldaten der NVA im Einsatz und wie von Dir richtig geschrieben, in zweiter Reihe. Zum Glück wurden sie nicht eingesetzt.

Über das andere, was Ihr so schreibt über den Alkohol, über nicht einsatzbereite Technik und so, ... Leute, mir ist völlig klar, dass hier ehemalige Soldaten, die Ihren Dienst in der NVA als reinen Frondienst sehen und gesehen haben, hier schreiben. Und da erwarte ich eigentlich nichts Gutes. Und ich weiß selber, es war nicht alles in Ordnung und schon gar nicht Friede, Freude , Eierkuchen. Das gibt es in keiner Wehrpflichtarmee dieser Welt. Aber in einem bin ich mir sicher, die Soldaten, vermutlich auch Ihr, die hier so gegen die NVA schimpfen und nur blöde Vorgesetzte hatten und mit dem Pferd, in Ermangelung von Gefechtstechnik, aufs Feld geritten wären, hättet Euere Aufgaben erfüllt, wenn es darauf angekommen wäre.
Ich habe viele Beispiele erlebt, wo Soldaten, die im Innendienst die größten Schlampen waren und nur rumgemault haben, bei Übungen oder in der Außenausbildung über sich hinausgewachsen sind und richtige Führungsqualitäten entwickelt haben und andere, schwächere Soldaten, mitgerissen haben.

Ich weiß auch das nicht alles in Ordnung war. Aber nicht einsatzbereite Gefechtstechnik (die da auf den Platz geschleppt wurde), permanent besoffene Vorgesetzte, "saudumme" Unteroffiziere und Offiziere ... die hier so kühn verallgemeinert werden, sind nicht wahr, da können noch 10 weitere hier solche Dinger erzählen / schreiben. Das die Soldaten der NVA gut ausgebildet waren und ihr Ding gemacht haben, beweisen unzählige Begebenheiten, selbst in den Phasen, wo ausländische (auch aus NATO-Staaten) Beobachter, vor Ort waren.

Sicher, es gab auch Vorgesetzte in allen Stufen, die nicht gerade den Stein der Waisen gefunden haben, dass weiß ich auch aus eigenem Erleben und wie ich schon mal schrieb, "die Beulen die ich während meiner 16 Jahre NVA davon getragen habe, habe ich nicht vom "Gegner" geschlagen bekommen, sondern von den Männern, mit denen ich eigentlich, am gleichen Strang gezogen habe."

Es wäre auch Ehre zuträglicher, wenn man hier, ganz sicher vereinzelt vorkommende, negative Sachverhalte, nicht auf das Große und Ganze transformieren würde.
So war es nämlich nicht und das weiß ein jeder der hier Schreibenden oder aber er spinnt, erlaube ich mir mal ganz kühn zu behaupten.

Gruß

Hier noch was zum Freuen

http://www.youtube.com/watch?v=sN6MJLyRKC8


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RE: NVA

#308 von Weilheimer , 06.11.2011 10:22

Atze ich stelle fest, du lebst in DEINER Welt. Die überwiegende Masse der Wehrpflichtigen empfand die NVA gleichbedeutend mit 1,5 Jahren Haft und als Einschnitt in ihr Leben und in die persönliche Freiheit. Du als Berufssoldat hast dich BEWUSST für diesen Weg entschieden und hattest dadurch auch genügend Privilegien auch während deines Dienstes, den der normale Soldat und Grundwehrdienstleistende nicht hatte. Das ging schon los mit einem eigenen Speisesaal für Berufsoffiziere, wo du wählen konntest, was du isst. Der Soldat musste das "fressen" was gerade da war. Wie begründest du solche (ungerechtfertigten) Hierarchien in einem Arbeiter- und Bauernstaat?


 
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RE: NVA

#309 von Atze , 06.11.2011 11:09

Tja Weili, Du kennst mich nicht. Wenn ich Dir jetzt verrate, dass ich selber erst Soldat war und erst danach aufgekohlt habe, wirst Du das vielleicht nicht glauben aber es war so. Ich war sogar Soldat in einem Spezialzug (UAZ) wo man als Soldat besonders geschunden wurde in der Ausbildung, im Innendienst und auch in der Freizeit. Du brauchst mir also darüber nichts erzählen. Wenn Du mir Deine E-Mailadresse sendest, maile ich Dir ein Bild, auf welchem ich, natürlich noch einige Dutzend Kilos leichter als heute, aber deutlich als Soldat zu erkennen bin. Insofern weiß ich, wie sich Soldaten fühlen.

Was das Essen angeht, da unterliegst Du einem Irrtum. In den Speisesäälen der Berufskader der NVA, gab es genau das gleiche Essen, wie im Soldatenspeisesaal, allerdings eben nicht auf diesen "schicken" Soldatentellern sondern auf einem Porzelanteller. Aber was ist daran auszusetzen? Es war halt der Beruf der Männer und in Deinem Betrieb, in dem Du als Arbeiter, Meister oder Ingenieur gearbeitet hast und noch über viele Jahre arbeiten würdest, hast Du ja auch nicht vom Plasteteller gegessen. Warum verlangst Du das von militärischen Berufskadern? Gleichmacherei (Anarchismus) geht in einer Armee gar nicht, was nicht heißen soll, das der oder der ein wertvollerer Mensch ist. So ist das nicht zu verstehen. Aber es gibt nun mal eine militärische Hierarchie und die geht eben runter bis zum Teller.

Getrennte Speisesääle sind auch deshalb notwendig, weil so ein Essen durchaus mal die Form einer Dienstbesprechung annehmen konnte. Und da musste nun Soldat Weilheimer nicht dabei sein, wenn Leutnant Hülsensack, eine Art Standpauke vom KC bekam oder die Zeiten und Aufgaben für den nächsten Ausbildungsabschnitt, Alarme, Übungen; Technikbereitstellung oder sonst was, besprochen wurden.

In dem von mir bereits im anderen Tread zitierten Brief an den Kdr. der Logistikschule, entblödete sich doch der Schreiberling des Artikels über die Ausstellung zur NVA, ebenfalls ähnlich Gedanken zu entwickeln wie Du es hier getan hast und bezog dies auf die Speisesääle (so wie Du) und die mausgrauen Felddecken, wo doch die Offiziere, in Schlafsäcken Ihr Haupt zur Ruhe legten.

Ich erlaube mir, hier die Antwort aus dem Brief zu zitieren:

Das es in jeder Armee einen gewisse Hierarchie gibt und geben muss ist unbestritten. Begründet durch die unterschiedlichen Aufgabenstellungen der einzelnen Dienstgruppen, gab es in der NVA in der Tat verschiedene Speisesääle oder Veranstaltungen für die Berufskader mit deren Ehefrauen, so wie es das im größeren Maße auch in der Bundeswehr gibt.

„ …Offiziere ruhen in Mumienschlafsäcken der Rest in Mausgrauen Decken …“

Es ist richtig, dass zur Gefechtsausrüstung der Berufskader der NVA ein Schlafsack gehörte und Unteroffiziere und Soldaten, die keine Berufskader waren, mit normalen Felddecken auskommen mussten. Und ja, diese waren mausgrau. Buntfarbige Felddecken wären nicht angebracht gewesen. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass Berufskader eine Dienstzeit von 10 bis 25 Jahren und mehr, zu absolvieren hatte, wobei Soldaten 1,5 bzw. 3 Jahre ihren Ehrendienst versahen. Da bei mehrtägigen Ausbildungen, Gefechtsübungen und Manövern teils in unbeheizten Zelten bzw. unter freien Himmel übernachtet worden ist, ist es auch nachvollziehbar, dass diese Umstände auf Dauer (10 bis 25 Jahre) einer gewissen gesundheitlichen Entschärfung bedürfen. Auch mit Blick auf die Zeit der Offiziers- und Fähnrichschule, wo Offiziersschüler drei bis fünf Jahre und Fähnrichschüler zwei Jahre lang nicht anders ausgerüstet waren als normale Soldaten, das heisst ohne Schlafsack. Darüber hinaus, hatte jeder Berufsoldat vom Feldwebel aufwärts einen Schlafsack.
Hier eine Hierarchie abzuleiten oder eine direkte Herleitung zur Deutschen Wehrmacht, so werden sie mir sicher zustimmen, ist mehr als grotesk. Sie ist schlicht falsch.
Quelle: Bekleidung und Ausrüstungslisten der NVA, DV 10/0/005 der NVA


Und nur damit Du nicht falsch denkst. Viele von uns nutzten den Schlafsack sowieso nicht. Bei meiner Truppe sowieso nicht, da wir gar keinen Platz hatten, diesen mitzunehmen. Wir schliefen unter der Zeltplane (Sommer wie Winter) wenn wir auf Übungen waren, die dann ja so angelegt waren, als ob wir im rückwärtigen Hinterland des Gegners waren. Da wurde sowieso kaum geschlafen und wenn, dann waren wir so fertig, dass da kein Zelt aufzubauen war. Vielleicht mal eine umgekippte Baumwurzel oder ein Ast der dazu angetan war, das man die Zeltplane daran oder drüber knüpfen konnte. Ansonsten haben wir (und damit meine ich vom Soldaten bis zum Offizier) uns in die Zeltplane gewickelt und uns in den Schnee eingegraben. Was wir aber alle hatten, war ein kleiner Ofen, den wir selber hergestellt haben. Dazu braucht man nur eine leere Spraydose, von der man den Boden abtrennt, einige Löche mit einem Nagel hinein bohrt und eine Kerze, vorzugswise ein Teelicht,und ferig ist der Ofen, der wenigstens etwas Wärem unter die Zeltbahn bringt


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RE: NVA

#310 von Weilheimer , 06.11.2011 11:24

Typisch NVA Offizier oder Tage-Bottich viel geredet, aber die Frage nicht beantwortet. Wenn du das Gleiche auf dem Teller gehabt hättest, wie die Soldaten und Unteroffiziere dann hättest du gemerkt, wie Scheiße die Truppenverpflegung war und die hättest dich um Änderung bemüht. Es geht nicht um getrennte Speisesäle, sondern das für dich und deinesgleichen extra und leckerer gekocht wurde. Es war immer gut jemanden auf der Bude zu haben, der in der Wirtschaftseinheit war, der hat das für alle mitgebracht, was ihr Buckel zu essen bekamt.

Zitat
In den Speisesäälen der Berufskader der NVA, gab es genau das gleiche Essen, wie im Soldatenspeisesaal, allerdings eben nicht auf diesen "schicken" Soldatentellern sondern auf einem Porzelanteller.



Bei diesem Punkt schwindelst du, das sich die Balken biegen oder vielleicht hast du deine Privilegien in den letzten 20 Jahren "vergessen". Joesachse hat dir ja schon mal gesagt, das du vermutlich in einer anderen Armee gedient hast.

 
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RE: NVA

#311 von Atze , 06.11.2011 11:37

Weili,

ich schwindele nicht. Vermutlich hat Dein Kamerad auf der Bude, geschwindelt.

Vom Soldaten bis zum Kommandeur eines Truppenteils, hatten alle den gleichen Verpflegungssatz. Ich glaube der lag bei Mot-Schützen-, Panzer-, Artillerie-, Pionier-, Nachrichten- und den anderen Truppen der Linieneinheiten, bei 4.50 Mark pro Tag. Bei den FJ lag er bei 6,50 Mark pro Tag. Für fahrendes Personal der Volksmarine wohl auch und Flieger bekamen, wenn ich nicht irre einen Verpflegungssatz von 8,50 Mark pro Tag.

Und sei versichert, es gab in einem Truppenteil nur eine einzige Küche. Und die kochte für alle das Gleiche. Kennst Du eine Kaserne in der NVA wo es zwei Küchen gab, es sei denn es gab ein Casino für die Berufskader oder das HdA? Ich nicht. Sei versichert, das Essen war beim Mittag auf jeden Fall das Gleiche. Beim Frühstück und beim Abendbrot konnte der Berufskader, der sich sein Essengeld auszahlen ließ, also nicht in der Truppenverpflegung war, sich in der Regel im Casino, sein eigenes Eichen braten lassen. Der mußte dann aber auch das Mittag gesondert bezahlen und zwar das Gleiche, welches im Soldatenspeisesaal ausgeschenkt wurde.
Es gab eine Ausnahme. Die Berufskader konnten sich Kaffee (gegen Bezahlung) holen, was wohl bei den Soldaten eher nicht möglich war.

Versuche also nicht, mich als Lügner hinzustellen. Das bin ich nämlich nicht.

Gruß


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RE: NVA

#312 von Weilheimer , 06.11.2011 11:54

Zitat von Atze
Weili,
ich schwindele nicht. Vermutlich hat Dein Kamerad auf der Bude, geschwindelt.


Ja, und du liebst uns alle. Klar Atze, die Soldaten und Unteroffiziere haben sich untereinander angelogen und du warst immer ehrlich und aufrichtig. Bei mir auf der Bude war ein Uffz. der war Koch in der Wirtschaftseinheit und hat dein Essen, bzw. das was übrig war mitgebracht, lecker und ganz anders als die Truppenküche.

Zitat von Atze

Und sei versichert, es gab in einem Truppenteil nur eine einzige Küche.


Das stimmt, ich kann in meiner Küche auch verschiedene Dinge kochen.

Zitat von Atze

Und die kochte für alle das Gleiche.


GELOGEN

Zitat von Atze

Kennst Du eine Kaserne in der NVA wo es zwei Küchen gab, es sei denn es gab ein Casino für die Berufskader oder das HdA? Ich nicht.



Ich denke es gab nur eine Küche? Und zu was musste es in einer Armee eines Arbeiter- und Bauernstaates Offizierscasinos geben?

Zitat von Atze

Sei versichert, das Essen war beim Mittag auf jeden Fall das Gleiche.



wieder GELOGEN

Atze ist ein Märchenonkel!


 
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RE: NVA

#313 von Atze , 06.11.2011 12:03

Tja Weili,

wenn Du es besser weist, was soll ich dann dagegen sagen?
Glaub was Du willst, es ist falsch.
Das Dein Köchlein ein paar Büchsen geklaut hat und auf der Bude verteilt wurde, will ich gar nicht kommentieren und genauso wenig, kann ich einschätzen, ob er nicht auch ein paar Schnitzel mitgebracht hat die es an diesem Tage gab. Aber es gab in der NVA keine zwei unterscheidlichen Küchen und Kochvorgänge für Soldaten und für Berufskader. Das ist Quark.

Die Fronten sind verhärtet und nicht auflösbar aber, ich werde diese Frage ins NVA-Forum tragen. Mal sehen wie es da kommentiert wird.

Casino für Berufskader. Warum? Na sag mal, wo lebst Du denn? Das war der beruf dieser Männer. Die können ja wohl schwerlich 25 Jahre in ihren Ledigenwohnheim sitzen und um 22.00 Uhr schlafen gehen. Diese Gleichmacherei ist doch dumm. Entschuldige bitte, jeder Arbeiter ist nach der Arbeit mit seinen Kollegen oder der Familie seinen Wünschen nachgegangen. Warum sprichst Du das Berufssoldaten ab? Sind das keine Menschen?

Märchenonkel wird wohl Dein Köchlein gewesen sein.

So, ich habe um 13.00 Uhr einen Termin und muss jetzt erstmal los.


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RE: NVA

#314 von Weilheimer , 06.11.2011 12:29

Zitat von Atze

Das Dein Köchlein ein paar Büchsen geklaut hat und auf der Bude verteilt wurde, will ich gar nicht kommentieren und genauso wenig, kann ich einschätzen, ob er nicht auch ein paar Schnitzel mitgebracht hat die es an diesem Tage gab. Aber es gab in der NVA keine zwei unterscheidlichen Küchen und Kochvorgänge für Soldaten und für Berufskader. Das ist Quark.


Es gab sie die unterschiedlichen Kochvorgänge, nette Aufschnittplatten, gebratene Schnitzel und geschnittene Braten für die Herren Genossen Offiziere und die Wurst, die liebevoll Panzerfett genannt wurde, aus der Plastekiste für die Soldaten und Unteroffiziere. Köchlein hat keine Büchsen geklaut, sondern nur das mitgebracht, was ihr Atzes nicht aufgegessen hattet. Jeder Soldat kann sich sicher noch an den Komplektetag (mit Grausen) erinnern. Die Offiziere hatten keinen Komplektetag. Den Supermarkt für die SED Größen in Wandlitz gab es ja auch nicht.

Zitat von Atze

Die Fronten sind verhärtet und nicht auflösbar aber, ich werde diese Frage ins NVA-Forum tragen. Mal sehen wie es da kommentiert wird.


Lass die Lösung bitte im NVA Forum, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Zitat von Atze

Casino für Berufskader. Warum? Na sag mal, wo lebst Du denn? Das war der beruf dieser Männer. Die können ja wohl schwerlich 25 Jahre in ihren Ledigenwohnheim sitzen und um 22.00 Uhr schlafen gehen. Diese Gleichmacherei ist doch dumm. Entschuldige bitte, jeder Arbeiter ist nach der Arbeit mit seinen Kollegen oder der Familie seinen Wünschen nachgegangen. Warum sprichst Du das Berufssoldaten ab? Sind das keine Menschen?



Mir schon klar, selbst gelebt wie die Made im Speck und alle Privilegien genossen, fast genau so wie die verhasste Bourgeoisie und im Politunterricht den Klassenstandpunkt der Arbeiterklasse erklärt. Das war die Doppelzüngigkeit der Funktionäre in allen gesellschaftlichen Bereichen der DDR.

 
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RE: NVA

#315 von joesachse , 06.11.2011 12:44

Zitat von Atze
Über das andere, was Ihr so schreibt über den Alkohol, über nicht einsatzbereite Technik und so, ... Leute, mir ist völlig klar, dass hier ehemalige Soldaten, die Ihren Dienst in der NVA als reinen Frondienst sehen und gesehen haben, hier schreiben. Und da erwarte ich eigentlich nichts Gutes. Und ich weiß selber, es war nicht alles in Ordnung und schon gar nicht Friede, Freude , Eierkuchen. Das gibt es in keiner Wehrpflichtarmee dieser Welt.



Zitat von Weilheimer
Die überwiegende Masse der Wehrpflichtigen empfand die NVA gleichbedeutend mit 1,5 Jahren Haft und als Einschnitt in ihr Leben und in die persönliche Freiheit.



Genau das, was Weili beschreibt, war auch mein Empfinden und das der meisten Soldaten. Ich habe in einer Diskussion mit dem Politoffizier des Bataillions die These aufgestellt, dass aus der Sicht eines Wehrpflichtigen die Freiheitseinschränkungen im Grundwehrdienst gleich nach dem Strafvollzug kommen, dass der Grundwehrdienst nach dem Strafvollzug die inhumanste Einrichtung in der DDR sei. Er konnte das nicht wirklich entkräften.

Die Soldaten waren aber ja nicht dumm, es galt für jeden, aus dem Grundwehrdienst das Beste zu machen, d.h. mit möglichst wenig persönlichem Stress und möglichst wenig persönlichen Einschränkungen durch diese 18 Monate zu kommen. Ich könnte deshalb eine Menge Geschichten aufschreiben, die aus jetziger Sicht einen hohen Unterhaltungswert haben.

Ein paar Worte zu meinem Grundwehrdienst. Ich bin nach meinem Studium eingezogen worden und kam dann als Diplomphysiker zur 7.PD (Mutterheimat kennt die ja auch). Das erste Halbjahr war das heftigste, da waren unter anderem auch sechs Wochen in der Kohle dabei. Ich hatte den Vorteil, mit zwei EKs auf dem Panzer zu sein, die ihr letztes Halbjahr gemütlich rumbringen wollten und die mit den Vorgesetzten eine unausgesprochene Vereinbarung hatten, dass sie bei den Schieß- und Fahrübungen und Überprüfungen die Bestleistungen bringen und dafür ansonsten nicht mehr als nötig belästigt werden. So war es dann auch. Da die beiden intelligente Burschen waren, die in kürze auch studieren wollten, gab es auch nicht den teilweise gängigen EK-Streß. Das zweite Halbjahr begann damit, dass offensichtlich die UaZ knapp wurden und deshalb gefragt wurde, wer von den Soldaten Interesse an einem Lehrgang zum Panzerfahrer oder Panzerkommandanten hätte. So war ich dann 6 Wochen auf U-Schule, dann Beförderung zum Gefreiten und dann des Rest dieses Halbjahres Panzerkommandant.
Dann gab es aus einer Dienststelle in der Nähe eine Anfrage nach jemanden, der studiert hatte. Eigentlich wurde ein technischer Zeichner gesucht, aber als Physiker kann man ja fast alles. Das Sommerhalbjahr mit 6 Wochen im Gelände war vorbei, mir schien das eine gute Alternative. So diente ich dann in dieser Spezialeinheit zusammen mit den Söhnen örtlicher Handwerker, der Dienst ging von Montag bis Freitag, ich bin jedes Wochenende nach Hause gefahren und ich hatte einen ZB als Vorgesetzten, der manchen "Zwangsausgang" verordnete, um mit beim Bau seiner Datsche zu helfen oder ein Wildschwein zu suchen, was diesem leidenschaftlichen Jäger vor die Flinte gelaufen, aber dann getroffen entkommen war. In dieser Zeit kamen dann die ersten Kleincomputer in die Dienststelle (KC87), ich hatte ein paar Ideen, wie man die sinnvoll für Verwaltungsarbeiten einsetzen könnte, damit habe ich das letzte Vierteljahr programmiert und hatte so eine eigentlich ganz gute Zeit, zumindest im Vergleich zu den anderen Wehrdienstleistenden. Ich musste dann die letzten zwei Wochen vor der Entlassung wieder in meine alte Einheit zurück, die Kontraste waren schon dramatisch. Zusammengefasst habe ich also mit dem was ich wusste und konnte das Beste aus der Wehrdienstzeit gemacht, habe einiges gesehen und gelernt, war beim Schießen natürlich immer für eine 1 gut und hatte sogar Spaß an manchen Übungen und Manövern, was allerdings auch mit dem vollen Bewusstsein zusammenhing, dass das nur Übungen waren und nichts Ernstes. Manches mulmige Gefühl gab es auch, wenn beispielsweise während eines Nachtschießens die MG-Geschosse eines anderen Panzers am Turm tickerten, der mein Positionslicht mit einem Ziel verwechselte.

Ich kann gerne gelegentlich die eine oder andere Story zum Besten geben, ein paar habe ich ja schon geschrieben. Allerdings wird keine von diesen Geschichten Atze sonderlich gefallen, die vielen "Einzelfälle", die ich da erlebt habe, müssen am System gelegen haben.


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50 Jahre Raketentruppen - zu Befehl! Diskussion beendet
Jammern, was hilft es...........


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