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RE: NVA

#541 von Björn , 11.01.2012 18:01

Ich weiß zwar nicht, was daran phantasiebegabte Eindrücke meinerseits sein sollen, wenn vom "freigeben des Leitungsspeisesaals für Mannschafts-DG, damit sie endlich mal auf Stühlen ihre Mahlzeiten einnehmen können, die Rede ist." zumindest läßt die von dir zitierte Aussage allein viel Auslegungsspielraum bei "Laien" zu
Außerdem habe ich nach eigenen Erfahrungen mit der Einberufung und Armeezeit gefragt, die du ja wohl nicht hast??!!


Andrea Bocelli & Sarah Brightman - "Time To Say Goodbye"
http://www.youtube.com/watch?v=aR9Nit-3VDg&feature=related

 
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RE: NVA

#542 von mutterheimat , 11.01.2012 18:37

@reporter, ich zweifle ganz entschieden daran, daß du diesen Laden NVA jemals Live und in Farbe erlebt hast. Ich für meinen Teil durfte mich des "Vergnügens" erfreuen, in direkter Weise mitgeteilt zu bekommen, unter reichlich Zeugen, daß ich einer der ersten sein werde, welcher nicht aus 120 mm mit Betonköpfen schießt. Das heißt für alle, welchen der Denkvorgang abhanden gekommen ist, volle Treibladung, volle Granate. Das war im Sommer 1989. Und zu diesem Zeitpunkt habe ich dann (als Reservist) nicht mehr gelacht. Sagt dir der Name Stalin etwas. Auf den haben wir, als Nr. 2 warten müssen. Streng also mal deinen Kopf etwas an. Wir haben uns vor dem Witzfigurenkabinett, genannt Bundeswehr, niemals gefürchtet, wir wußten alle, wer hinter uns steht. Und wir wusten auch, ein Befehl aus Moskau reicht und es brennt. Die Trottel der Nato und insbesondere der Bundeswehr wären erst mal aus dem Urlaub und vom Swingerclub zu holen gewesen, ehe sie überhaupt etwas hätten organisieren können. Eine übereinstimmende Meinung von hochranigen Offizieren der Nato besagt (als der NVA Laden aufgelöst worden ist), der Warschauer Pakt wäre nie ohne atomare Mittel bezwingbar gewesen. Aber das hätte das Aus der ganzen Menschheit bedeutet. Lediglich Ronald Reagen erkannte den einzigen Weg zur Zerschlagung des Kommunismus. Den US Dollar. Hier die Übersetzung, wir (die USA) können zahlen, ihr (die UdSSR, Warschauer Pakt) auch???????


http://www.youtube.com/watch?v=Cb1RJlyfyKg&feature=related

 
mutterheimat
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RE: NVA

#543 von Weinböhlaer , 11.01.2012 19:02

Zitat von Volker Zottmann
Hallo Reporter,
ich bin ja ein absoluter Neuzugang in diesem Forum. Könntest Du mir bitte benennen, wann und wo Du Deinen Militärdienst geleistet hast?
Meine Einstellung zu Foren ist auch eine andere: Ich wünschte mir generell Offenheit und Benennung des Alters, der Herkunft.
Sieh, ich stelle in meinen Veröffentlichungen sogar Anschrift und Telefonnummer zur Schau.


Vielen Dank , Volker



Ich melde mich mal aus der Ferne.


Volker, ich lasse Dein geschriebenes mal als Zitat vollständig stehen, in der Hoffnung das er es ließt.
Du wirst aber sehen ER antwortet nicht , er legt Wert darauf anonym zu bleiben, das haben Heckenschützen so an sich.

P.S. fast allen im Forum noch schöne Januartage,...... dann muss ich leider wieder zurück.


Jene, die ihre Schwerter zu Pflugschare schmiedeten,
pflügen nun für die, die ihre Schwerter behielten.

 
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RE: NVA

#544 von Buhli , 11.01.2012 23:15

Hallo Volker und Mutterheimat. Das der Waschraum und der 12 Zylinderraum des Spieses liebstes Kind war, und auch heute noch ist, ist schon mal gut. Der Spies lebte da auch meine Einstellung zur Hygiene. "Mit der Toi und der Küche, steht oder fällt jeder Haushalt." Stube und Gang sind da zweitrangig. Der Umgangston ist allerdings ein anderes Thema, und garantiert kein "Privileg" der NVA.
Volker, als ich 81-83 an der Charite mitgebaut habe, waren auch Soldaten mit Spaten auf dem Schulterstück unsere Helfer. Mit einem aus Cölln bei Bautzen hab ich mich recht ordentlich unterhalten können. Er hat allerdings nicht von irgendwelchen Schikanen gesprochen. Ob es die nicht gab oder er nur nichts dazu sagen wollte, weiß ich nicht. Die Truppe tanzte etwa 7,00 Uhr auf der Baustelle an, ging mit uns gegen 9,00 Uhr frühstücken (den ging es da besser als uns, weil sie sich in der Bauarbeiterversorgung bedienen konnten ohne ins Portemonae greifen zu müssen) gegen 12,30 Mittagessen und gegen 16,00 war niemand von denen mehr auf der Baustelle zu sehen. Der Kamerad (Genosse war da fehl am Platz) sagte nur, daß sie es besser getroffen haben müssen als andere Bausoldaten in der Republik. Das die Truppen unter Miltärgesetz arbeiten mußten, hat die am allerwenigsten interessiert, weil es auch für sie nur Grundwehrdienst ohne Waffe war. Sie hatten ihren Willen durch setzen können.Die NVA wäre ja auch schön blöde gewesen, wenn sie diese Leute nur in der Kaserne hätte versauern lassen. So haben sie der Volkswirtschaft noch einen guten Dienst erwiesen. Ob das jeder so sieht, sei mal dahin gestellt. Ich kann mich etwas in die Leute hineinversetzen, weil auch ich nach der Grundausbildung meiner BEPO Wehrpflicht, in einen Bauzug versetzt wurde. In der ersten Hälfte der Werhrdienstzeit haben wir innerhalb des Kaserenenobjektes eine Tankstelle gebaut. Warum sollen es denn Firmen machen, wenn es genug Fachpersonal innerhalb der Kaserne gibt? Es reicht so schon zu, daß die Leute aus den Betrieben zum Grundwehrdienst abgezogen werden mußten. Mit Beginn der zweiten Hälfte hat man uns dann auch noch die Waffe und die chemische Ausrüstung abgenommen. Damit war ich einer der glücklichsten Menschen der damaligen Welt. Da sind wir an die Polizeihochschule, in der Neuländer Strasse versetzt worden. Da hatten wir nur noch Arbeitskombis ohne Schulterstücken an. Wir sahen aus wie Knastis. Konnten vor lachen nicht. Bis auf den Generalmajor Winkler, hat uns jeder Offizier mit Handschlag begrüßt. Übrigens hatten da die Offiziere den selben Speiseraum und Essensschalter wie die Schüler. Die haben sich auch nicht vorgedrängelt, wenn mal eine schlange stand. Vor den Schießübungen hatte ich immer Schiß. Ob in Annaburg, Nochten (Panzerfaust,Kalaschnikov), Jägerpark oder Wenzelskurve (Kalaschnikov, Pistole). Ich hatte immer ein mulmiges Gefühl im Ranzen. Nur den Tip vom Spies "Immer eine Patrone aufheben und mit auf die Bude nehmen. Sollte jemals beim Zählen auch nur eine fehlen, gibt es gewaltigen Stress." Hab ich beherzigt. Es war ja nicht so wie bei der Sowjetarmee. Die haben zur Übung mal Hände voll bekommen, und gut wars. Abzählen? Ha, ha, ha. Mit einer 7,62mm konnte ich dann auch mal unter immer größer werdenden Augen bei den Kumpels, "Stress verhindern". Die 9mm hab ich dann bei der Entlassung weitergegeben.


Nehmt euer Herz in beide Hände, und macht was draus. (Zitat von Lutz Bertram. Ehemaliger blinder DT64 Moderator, den leider die Stasi in ihre Fänge bekam)
Buhli

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RE: NVA

#545 von Volker Zottmann ( gelöscht ) , 11.01.2012 23:33

Hi Buhli,
Da hast Du Glück gehabt und besonders die Bausoldaten. Habe mich eine gewisse Zeit mit deren Schicksalen beschäftigt. Am bösesten traf es alle in Prora. Dort gab es auch noch kurz vor Entlassungen einen Suizid.
Brauchst nur googlen. "Bausoldaten"

Volker Zottmann

RE: NVA

#546 von reporter , 12.01.2012 00:25

Zitat von Volker Zottmann
Hallo Reporter,
ich bin ja ein absoluter Neuzugang in diesem Forum. Könntest Du mir bitte benennen, wann und wo Du Deinen Militärdienst geleistet hast?
Meine Einstellung zu Foren ist auch eine andere: Ich wünschte mir generell Offenheit und Benennung des Alters, der Herkunft.
Sieh, ich stelle in meinen Veröffentlichungen sogar Anschrift und Telefonnummer zur Schau.

Vielen Dank , Volker



Hallo Volker Zottmann,

ich verstehe deine Einstellung. Wie du vielleicht meinen Beiträgen entnehmen konntest, bin ich in der Bewertung der "DDR" nicht zimperlich. Weil ich ich schon den Begriff "DDR" für eine der zahlreichen Schwindelbezeichnungen halte, die das SED-Regime im Laufe seiner Geschichte so erfand, spreche ich dann lieber vom SED-Staat.

Im Internet sind viele unterwegs, und auch gerade wegen meiner direkten Äußerungen zum SED-Regime ziehe ich es vor, das Angebot dieses Forums wahrzunehmen, meinen Klarnamen nicht zu nutzen.

Zu deinem wie du schreibst "18 monatigen Martyrium im Arbeitslager Neiden" als Wehrpflichtiger und Arbeitssklave habe ich noch eine Frage, wie hoch war dein Stundenlohn als Bauhandwerker und wieviele Prozente deiner NVA-Wehrpflichtzeit hast du direkt als Arbeitssklave gearbeitet und wie hoch war dann der Anteil von typisch militärisch orientierten Tätigkeiten?

Im NVA-Forum hat meine deine Ausführungen von einigen Schwachmaten dort nicht so gern gehört, eine Frage noch dazu, die dort eine Rolle spielte. Wurden die NVA-Arbeitssklaven auch für den normalen Straßenbau, für nicht militärische Objekte etwa in der Industrie eingesetzt?

Bei den katastrophalen Zuständen der sanitären Einrichtungen der NVA-Behausungen wundert mich, daß nicht die Pest ausgebrochen ist.

Wenn du schreibst, daß "bei der NVA ununterbrochen vom bevorstehenden 3. Weltkrieg die Rede war" meine Frage, wie wurde denn dieses aberwitzige Gehetze der SED-Boiler von den Wehrpflichtigen aufgenommen?


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RE: NVA

#547 von Atze , 12.01.2012 09:16

Mäuselchen, Du bist ein elender Feifling.

Deinen Klarnamen kannste Dir an den Hut stecken. Es hat wohl kaum einer aus diesem Forum vor, Die die Fensterscheiben einzuwerfen oder gar Blumen zu senden. Aber solange Du Dich nicht ein bißchen öffnest, z.B. wo und wann hast Du in der NVA gedient...

Gelöscht wegen Beleidugung -- Churchill läßt grüßen.
Kehrwoche Moderator


Trennung

Herr Dr. Wolter schrieb aus eigenem Erleben, Büchlein über seine Zeit als Spatensoldat auf der Insel Rügen. Er hat sogar einen kleinen Absatz von mir in dem Buch veröffentlicht und ein Bild, wo ich vor der Einheit stehe bei einer Waffenübergabe durch Vertreter der GST
Er war so nett und hat mir ein Belegexemplar gesandt. Er schreibt einen gut lesbaren Stil und für meine Begriffe recht ehrlich.
http://asche-fahne.de/W/Wolter-NVA/index.htm

Da ich nie mit Bausoldaten zu tun hatte, kann ich an diesem Buch nicht kriteln. Aber er bedient sich einer ordentlichen Sprache und nicht solch obzöner Worte wie unser ahnungsloser, möchtegern "Reporterlein", Mäuselchen.

Trennung

Fein, dass selbst Leser dieses Forums, die es in der NVA nicht leicht hatten, wie ich bei einem persönlichen Gespräch mit Mutterheimat erfuhr, hier ein realistisches Bild der NVA zeichnen. Es war nicht alles so toll. Aber dafür waren unsere Soldaten auf einen eventuellen Krieg vorbereitet und hätten die Aufgaben erfüllen können, die man ihnen gestellt hätte, egal wie das Wetter oder die Geographie des Kriegsschauplatzes ausgesehen hätte. Deshalb ziehe ich auch den Hut vor jedem Mann, der seine 18 Monate absolviert hat.

Gruß


Sir W. Churchill

"Eine der fröhlichsten Erfahrungen im Leben ist es, als Zielscheibe zu dienen, ohne getroffen zu werden."

 
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zuletzt bearbeitet 12.01.2012 | Top

RE: NVA

#548 von Volker Zottmann ( gelöscht ) , 12.01.2012 10:46

Hallo Reporter,
Anonym hin oder her, ich erfahre dennoch aus Deinen Fragen, dass Du offensichtlich selbst nie bei der NVA warst. Das ist aber kein Makel, denn ich weiß nicht mal, ob Du vielleicht hinter (aus meiner Sicht) der Demarkationslinie aufgewachsen bist. Zum generellen Verständnis Deiner Fragestellung wäre aber schon hilfreich, Dein Alter zu wissen.

Also, alles was ich je zur NVA gesagt habe und auch nur sagen kann, bezieht sich auf die Jahre 1970 und 1971.
Nach 4 Tagen"Grundausbildung" wurde bis zum vorletzten Tag gearbeitet. Jeden Monat waren 2 Tage der politischen Bildung vorgesehen. Also Politunterricht im Klubraum, volle 8 Stunden Agitation und Propaganda. Einen Tag im Monat verbrachten wir als "Parktag". Da wurden den ganzen Tag Gerätschaften und Ausrüstungen geputzt. Einen Tag im Monat, selten zwei, wurde militärisch ausgebildet. Also Geländeübungen und Schießen.
Sonst waren täglich 8 Stunden Bauarbeiten zu verrichten. Ab etwa 2. Halbjahr wurde geschätzt an einem Drittel unsere Verweildauer der Dienst durch "Bauübungen" auf täglich 12 Stunden verlängert. Meine längste Arbeitsschicht dort waren 36 Stunden ununterbrochen! Nach Dienst wurden Teile unserer Kompanie zum Entladen von hunderttausenden Mauerziegeln auf dem Bahnhof Elsnig eingesetzt. Außer den geraubten Nachtruhen bekamen die Soldaten nichts dafür!
Wir bekamen Anfangs etwa 75.- Mark Wehrsold monatlich ausgezahlt und im ersten Halbjahr noch regelmäßig, später selten, 40.- Mark Bauprämie.
Um diese Jahre wurden Baupioniere nur zum Bauen militärischer Objekte eingesetzt. Mir ist nichts anderes bekannt.

Damals wurde in der DDR täglich 8,75 Stunden gearbeitet, 12 bis 15 Tage Urlaub. Der Maurerlohn im Wohnungsbaukombinat Quedlinburg lag 1969 netto in der Lohngruppe 5 bei 480.-Mark. Ältere Gesellen hatten mit LG 6 schon stolze 540.- Mark. Ab 1973 gab es etwa 100 Mark mehr. Stundenlohn für Feierabendarbeit (Schwarzarbeit), die durchaus gewollt war, lag bei 5.-Mark. Kurz vor der Wende, Ende der 80er Jahre wurden 7 bis 10.- Mark Ost verlangt. Dass der Maurer nur Westgeld nahm. ist eine Fabel, zumindest im Harz.
Als Selbständiger Handwerker durfte ich von den Kunden pro Stunde 4,80 Mark verlangen. Der Lohn wurde mit 25 % subventioniert, so dass ich also 6,40 Mark Stundenlohn hatte. Arbeitete ich für volkseigene Betriebe musste ich ungleich mehr verlangen, und den Überschuss an den Staatshaushalt abführen.

Unsere sanitären "Anlage" wurden zwar gereinigt, aber von Hygiene hatte ich schon immer eine andere Vorstellung. Gut, es war eine Baustelle. Trotzdem hätte unser Pinkelraum eine Stahlrinne und Entlüftung haben können. Ebenso war es unerträglich, dass sämtlicher nebenan ausgeschiedener Urin über den Duschenfussboden lief. Da war nichts kaputt!
Die Stabsführung waren Schweine!
Selbst aber hatten die in der Stabsbaracke normale Porzellantoiletten. Ebenso hat kein Feldscheer die Missstände jemals angeprangert. Und wir hatten keinerlei (!) Möglichkeit uns irgendwo oben zu beschweren. Schwedt wurde angedroht, sollten wir jemals die Zustände benennen und somit Militärgeheimnisse verraten.

Und niemanden werdet Ihr aus meinem Durchgang finden, der das nicht auch bezeugt!

Gruß Volker


Volker Zottmann
zuletzt bearbeitet 12.01.2012 10:49 | Top

RE: NVA

#549 von Volker Zottmann ( gelöscht ) , 12.01.2012 11:06

Hallo Atze,
Über die Bücher des Dr. Wolter bin ich zu den Bausoldaten gelangt. habe mich lange auf diesem Forum informiert und auch mit einigen vom Forum Prora reichlich korrespondiert.
Sie wurden von vielen Einheiten als Aussätzige angesehen. Die Zeit die er auf Rügen beschreibt, spielt auch später als meine Armeezeit. Meine Einschätzung ist, dass sie keinesfalls ein schwereres Schicksal als wir hatten. Der Unterschied ist nur, dass wir allesamt eingezogene Bauarbeiter waren. Körperliche Arbeit war für uns normal. Bei den oft schon etwas älteren Jahrgängen der Bausoldaten waren aber viele Akademiker und Schöngeister dabei. Die haben garantiert die schwere körperliche Arbeit schlimmer empfunden als wir ...
Dr. Wolter hält nun heute über seine Bücher und Leidenszeit Vorträge. Sein ganzes Leben dreht sich anscheinend nur noch darum. Ich halte das, als Dauerbeschäftigung für ungesund.

Ich bin auch für die geschichtliche Benennung jeden Übels, doch nur noch wehklagen liegt mir nicht. Wozu haben wir uns denn unser Freiheitstor aufgeschlossen? Ich genieße seit 1989 jeden Tag, trotz anfänglich noch vieler Arbeit.
Ich will die Erinnerung nur wachhalten, damit so ein Unrechtssystem nie wieder keimen kann.


Volker Zottmann
zuletzt bearbeitet 12.01.2012 11:09 | Top

RE: NVA

#550 von Kehrwoche , 12.01.2012 12:03

Als Bausoldat sowiso, noch dazu auf einer Baustelle, wird man wenig Privilegien gehabt haben. In den festen Unterkünften waren die sanitären Einrichtungen - im Rahmen der Bausubstanz natürlich - picobello. Die Schikane bestand ja gerade in der penetranten Reinigung derselben. Dafür haben schon die Spieße gesorgt und das "EK-System".

Ob reporter in der NVA gedient hat, ist mir egal. Vielleicht ist "Er" eine "Sie" und eine reporterin? - Wir wissen es nicht. "Gedient zu haben" ist kein Muß, dann dürften Frauen und Wessis hier garnicht schreiben. Ein paar Infos wären aber schon angebracht von einem Dauerschreiber, sonst leidet die Glaubwürdigkeit und das Ziel der "Mission" wird klar verfehlt.


Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir.
Konrad Lorenz

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RE: NVA

#551 von reporter , 12.01.2012 12:18

Danke für deine ausführlichen Informationen.

Ich habe hier im Forum schon einmal gesagt, dass ich nicht gewartet habe, bis der ganze Schamott, schon seinerzeit deutlich erkennbar, wirklich völlig zusammenfällt, ideologisch, materiell und moralisch, und habe glücklicherweise vorher die Kurve gekriegt, um den SED-Staat hinter mir zu lassen.
Und die geteilte Familie hat zusammengehalten, auch wenn sich das Gesindel ordentlich Mühe gegeben hat, mit seinen allbekannten Methoden der Nachstellung und Hetze, dies zu hintertreiben. Von daher habe ich auch recht gute Einblicke in das, was bis zum Ableben des SED-Staats dort passierte.
Ich habe erwachsene Kinder, allerdings noch keine Enkel. Dies zu meiner altersmäßigen Einordnung.

Zusammengefaßt kann man dann wohl aus deiner Stellungnahme herauslesen, dass das Konstrukt des "Baupioniers" als Wehrpflichtiger in der NVA den einzigen Sinn hatte, sich billige Arbeitssklaven mit den Mitteln des Militärrechts zur Errichtung von NVA-Baugewerken zu verschaffen.

Da Ätzchen offensichtlich immer noch nicht den Unterschied von Baupionier und Bausoldat versteht, möchte ich darauf hinweisen, dass es bei den Einheiten der NVA-Wehrpflichtigen "Bausoldaten", nach den Bekundungen meiner Verwandschaft durchaus üblich war, diese für ganz normale Infrastrukturprojekte sklavenmäßig einzusetzen, etwa für das Anlegen einer 20 km langen Kabeltrasse außerhalb jeder Militäreinrichtung.

Ich teile daher deine im NVA Forum geäußerte Ansicht, dass "Mit der Schaffung der Spatensoldaten-Einheiten ist wohl die Führung erst auf den Geschmack gekommen, scharenweise junge Facharbeiter für netto etwa 75 Mark als Baupioniere schuften zu lassen."

Meine Frage, ob ihr nicht auch für normale Zivilobjekte schuften musstet, kam mit der NVA-Forumsfrage auf, ob es hinsichtlich der Baustellen Mersburg und Welzow um militärische Einrichtungen ging, was beantwortet wurde mit "Nein, alles Industrieobjekte der DDR".


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RE: NVA

#552 von Volker Zottmann ( gelöscht ) , 12.01.2012 12:45

@Reporter,
einmal haben wir doch "zivil" gearbeitet. Im Torgauer Hafen haben wir sonntags ein westdeutsches Lastschiff mit Zucker beladen. Das geschah "freiwillig". Die Jutesäcke wogen 2 Zentner, also 100 kg. Die haben wir in den Kahn gestapelt. Da bekamen wir sogar 2,10 Ostmark pro Stunde! Das ist aber eine separate Geschichte. kann man nachlesen ... http://baupionier.zottmann.org/
In den 70ern wurde derart aufgerüstet, da war es noch umgekehrt.
Da mussten auch zivile Betriebe Kasernen bauen. Das habe ich auch in http://mein-ddr-leben.de/ beschrieben. Nach meiner Armeezeit hat mich das Kasernen- und Atombunkerbauen noch eine ganze Weile strapaziert. Fürchterlich!


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RE: NVA

#553 von michaka13 , 12.01.2012 14:04

Zitat
Wir haben uns vor dem Witzfigurenkabinett, genannt Bundeswehr, niemals gefürchtet, wir wußten alle, wer hinter uns steht. Und wir wusten auch, ein Befehl aus Moskau reicht und es brennt. Die Trottel der Nato und insbesondere der Bundeswehr wären erst mal aus dem Urlaub und vom Swingerclub zu holen gewesen, ehe sie überhaupt etwas hätten organisieren können.


Ich habe oft die Erfahrung gemacht, das die mit der größten Schnauze, als erste die Hose voll hatten. Und Deine ist ziemlich groß. Denk mal drüber nach!

Gruß, Micha

der sich gemeinsam mit seinen Kameraden während seiner Auslandseinsätze bei der Deutschen Bundeswehr auch im Gefecht beweisen musste und nicht wie mutterheimat im Blitz-Blank-Putzen von Sch...häusern!


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RE: NVA

#554 von mutterheimat , 12.01.2012 19:45

Zitat von michaka13

Zitat
Wir haben uns vor dem Witzfigurenkabinett, genannt Bundeswehr, niemals gefürchtet, wir wußten alle, wer hinter uns steht. Und wir wusten auch, ein Befehl aus Moskau reicht und es brennt. Die Trottel der Nato und insbesondere der Bundeswehr wären erst mal aus dem Urlaub und vom Swingerclub zu holen gewesen, ehe sie überhaupt etwas hätten organisieren können.


Ich habe oft die Erfahrung gemacht, das die mit der größten Schnauze, als erste die Hose voll hatten. Und Deine ist ziemlich groß. Denk mal drüber nach!

Gruß, Micha

der sich gemeinsam mit seinen Kameraden während seiner Auslandseinsätze bei der Deutschen Bundeswehr auch im Gefecht beweisen musste und nicht wie mutterheimat im Blitz-Blank-Putzen von Sch...häusern!



Ich muß mich vor dir nicht rechtfertigen, ich etwas älter als du. Möglicherweise hast du gerade mal gelernt, wie man geradeaus läuft. Mehr ganz sicher nicht, denn du bist freiwillig in Kampfeinsätze gegangen. Und zwar aus purer Abenteuerlust und des Geldes wegen. Das ist ein Faktum und unbestreitbar. Oder kannst du deinen Einberufungsbefehl (wie bei der Wehrmacht, oder der roten Armee) zum Kampfeinsatz vorzeigen. Also halte schön den Ball flach. Witzfiguren kenne ich reichlich, welche große Töne spucken und bei einem direkten und persönlichen Kontakt den Schwanz einziehen, wenn es um genaue Sachen geht. Ich war bei meinem Haufen nicht freiwillig und hatte auch andere Situationen vor der Nase, von denen du noch nicht einmal träumen kannst. Denke also mal über deine Schnauze nach.


http://www.youtube.com/watch?v=Cb1RJlyfyKg&feature=related

 
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RE: NVA

#555 von Volker Zottmann ( gelöscht ) , 12.01.2012 19:54

Ich will hier Mutterheimat beipflichten:
Niemals werde ich Leute begreifen, die freiwillig als Söldner in den Krieg ziehen. Abenteurer? Lebensmüde? Geldgierige? Ich weiß es nicht.

Volker Zottmann

   

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