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RE: NVA

#586 von mutterheimat , 14.01.2012 21:11

Ich erinnere mich, daß zu meiner Lehrlingszeit im GGV Dresden ein Major der nordvietnamesischen Armee (Ausbildung zum Drucker) etwas zu Partisanentaktiken (Dschungelkampf) erzählt hat. Es paßt zwar nicht ganz genau hierher, aber da es nur eine Episode ist, möchte ich sie mal so erzählen, wie man sie öfters im Film sieht. Oder besser gesagt, wie man sie nicht sieht. Wie leitet man eine Heeresstraße um (rote Ameisen)? Wie wirft man Giftschlangen und Skorpione so, daß sie auch garantiert beißen und stechen? Wie baut man Bambusspitzenfallen mit giftigen Stacheln. Wie infiltriert man den Gegner mit seinen eigenen Mitteln (wenn der "Schwanz" steht, gibt es Huren) und im Bett geht die "Klappe" auf. Wo befand sich der Ho Chi Min Pfad, zu guten Teilen unter Wasser. Vom Flugzeug/Hubschrauber nicht zu sehen. So sind damals die Amis ins Messer gelaufen und so laufen auch UMGEBAUT mit den Mitteln die Freiwilligen der Bundeswehr, in Afghanistan ins Messer. Viele Grüße von der Ex UdSSR Armee. Nun kann man sich die Hollywood Filme ansehen und etwas dabei lächeln. Reporter wird sicherlich etwas genaueres dazu zu sagen haben, er war ja schließlich im Vietnamkrieg dabei und weiß es besser als der Major aus Hanoi.


http://www.youtube.com/watch?v=Cb1RJlyfyKg&feature=related

 
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RE: NVA

#587 von reporter , 14.01.2012 21:16

Hallo Paulchen und Ätzchen,

jetzt ist ja schon viel von dem aufregenden Soldatenleben mit den abgehärteten Männern geschildert worden, die wie Pfadfinder quer über Unsere Republik gestreift sind. Aber mir ist eigentlich immer noch nicht klar, was denn für ein konkretes Szenario den SED-Staat und die SED-Obervolksarmisten veranlaßt hat, soviel Geld der arbeitenden Bevölkerung zu verbraten.

In diesem Zusammenhang die Frage, was hatte es mit den NVA Kommandostabsübungen BORDKANTE-85, -86, -87 und –88 auf sich und an wen denn die von der NVA bereits in größeren Stückzahlen eingelagerten Blücher-Orden hätten verliehen werden sollen. Denn der Blücher Orden fehlt wohl in Ätzchens Aufzählungen.


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zuletzt bearbeitet 14.01.2012 | Top

RE: NVA

#588 von Volker Zottmann ( gelöscht ) , 14.01.2012 22:14

Ich habe an anderer Stelle mal "gelesen" : (Zitat von Andersdenker)

"An alle Zweifler: Eine EK-Bewegung hat es in KEINEM Objekt der NVA gegeben, weil es überall nur allseits gebildete sozialistische Soldatenpersönlichkeiten gegeben hat - dies betrifft sowohl die GWD-ler, die voller Hingabe und gegenseitiger Achtung und Unterstützung bis hin zum gemeinsamen Revierreinigen ihre Aufgaben erfüllt haben, als auch die Berufssoldaten, die aktiv an der Erziehung von sozialistischen Persönlichkeiten durch intensive Vorbildwirkung teilgenommen haben.
JA, die Welt kann man so einfach erklären."


Bei Deinem Zitat musste ich wirklich lachen. Das habe ich nämlich an anderer Stelle genauso gelesen: Das stand sarkastisch aufgesetzt im NVA-Forum. Da wurde zur EK-Bewegung debattiert und ein ehemaliger Berufsoffizier, der im Übrigen etwa 10 Jahre nach mir in einer Baueinheit Dienst tat, hat die ironisch gemeint , eingestellt.
Dort im Forum wurde ich neben sehr sachlicher Auseinandersetzung von speziell einem Berufsoffizier angefeindet. (Was er nicht erlebte, gab es nicht, hatte es nicht zu geben)
Das ist mir hier noch nicht passiert. Ich finde auch, trotz unserer grundlegend verschiedenen Gesamtauffassungen, das Auftreten von Atze in Ordnung. Das zeugt von Ehrlichkeit, ist nachvollziehbar glaubhaft.

Ich habe in meiner NVA-Beschreibung auch auf unsere EK-Bewegung verwiesen. Wird viele enttäuschen, es gab keine. Warum habe ich auch berichtet. Das ist ein guter Aspekt, wir brauchten die Bewegung nie erleiden (oder später ausleben).


Volker Zottmann
zuletzt bearbeitet 14.01.2012 22:15 | Top

RE: NVA

#589 von Paule , 14.01.2012 22:21

Zitat von reporter
Hallo Paulchen und Ätzchen, ...Aber mir ist eigentlich immer noch nicht klar, was denn für ein konkretes Szenario den SED-Staat und die SED-Obervolksarmisten veranlaßt hat, soviel Geld der arbeitenden Bevölkerung zu verbraten...

Und mir ist nicht klar, wie jemand keine persönliche Erfahrung zum Thema NVA einbringen kann, obwohl "Verweigerung" nicht möglich und der werte Herr angeblich trotzdem Mitglied des SED-Staats war:

Zitat von reporter

Eine Kriegsdienstverweigerung war im SED-Staat nicht möglich, erst im März 1990 zum Zeitpunkt der freien Wahlen trat die "Verordnung über den Zivildienst in der DDR" in Kraft.

Zitat von reporter
Ich habe hier im Forum schon einmal gesagt, dass ich nicht gewartet habe, bis der ganze Schamott, schon seinerzeit deutlich erkennbar, wirklich völlig zusammenfällt, ideologisch, materiell und moralisch, und habe glücklicherweise vorher die Kurve gekriegt, um den SED-Staat hinter mir zu lassen.

Ein Troll unter uns oder nur Fehlinformation?

Paule  
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RE: NVA

#590 von Volker Zottmann ( gelöscht ) , 14.01.2012 22:28

An Atze:

Was ich vergaß, aufgrund der nachlassenden Arbeitsleistungen , kausal entstanden durch immer wiederkehrende Bauübungen und und und ... sowie etliche Pöbeleien und Gemeutere im Politunterricht, fand mal bei uns im Kompanieklub eine Art "Beschwerdestunde" mit Stabsvertretern für Bauausführung statt.
Unsere 500-Liter-Mischerbesatzung beschwerte sich über die Lebensbedingungen. Einer von uns fing die Fragestunde sehr unglücklich an, indem er einen Offizier fragte, ob er denn selbst jemals gearbeitet hat. (Er meinte allerdings nur körperliche Arbeit und seine eigenen Beschwernisse)
Weiter kam die Beschwerdestunde nicht. Der Litzenträger und dessen Begleiter brüllten nur noch ohne eine Gehirnwindung anzustrengen herum und schon war Schluss im Klub.
Uns wurde vom Kompaniechef anfangs mitgeteilt, wohl noch in der ersten Woche, dass Beschwerden jeglicher Art den schriftlichen Dienstweg über den Spieß nehmen.

Gruß Volker


Volker Zottmann
zuletzt bearbeitet 14.01.2012 22:29 | Top

RE: NVA

#591 von andersdenker , 14.01.2012 22:48

Atze, jetzt enttäuschst Du mich aber schon ... Der Satz stammt nicht von F. A. - der stammt von einem anderen Dir Bekannten

Dieser jenige welcher war zu Beginn seines Truppendienstes als Leutnant "nur" Kandidat der SED (eine lange Geschichte, die Du eigentlich kennen müsstest - zumindestens vom Lesen, von persönlichen Gesprächen und vom Telefon) ... was den damaligen Major Hau.... zu dem Satz veranlasste:

Leutnant, Du stehst unter meiner persönlichen Beobachatung, denn ein Offizier, der NUR Kandidat und kein Mitglied unserer Partei ist, der ist kein richtiger Offizier weil er keinen gefestigten Klassenstandpunkt hat..... Ich verspreche Dir: Das geringste Vorkommnis wir dgenutzt, damit Dir die Partei zeigt, wo es langgeht - Deine Karriere ist schneller zu Ende, alös Du schauen kannst ....

Nun ja . ja nun .. dieser Leutnant wurde einige Jahre später als Oberleutnant auf eine Baustelle nach Retschow verlegt - der frühere Major Sk....ny war als Oberbauleiter (vergleichbar Kommandeur eines selbstständigen Bataillons) Oberstleutnant - sein Immer-Noch-Politstellvertreter Ferdi.. H. war ebenfalls Oberstleutnant ... Frag mich bitte nicht "WARUM" - nimm es einfdach als gegeben hin .......

An das liebe Reporterchen: Wieviele Blücher-Orden wurden denn tatsächlich in der "Einlagerung" vorgefunden?????? Wieviele Fakes laufen seit Jahren über die große Versteigerungsbucht?

Wenn DU diese Frage RICHTIG beantworten kannst, DANN weißt Du mehr, als diejenigen, die in bestimmten Stanzereien tätig waren und von denen nicht ein einziger irgendwo behauptet hat, jemals einen solchen Orden angefertigt oder gesehen zu haben......

@Volker: Das mit dem Gebrülle kannte ich auch - nur habe ich mir auf Grund Dienstgrad und Dienststellung gelegentlich gegenüber solchen Zeit-Genossen die Bemerkung erlaubt: Wer schreit, hört auf zu denken

Gruß

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RE: NVA

#592 von Volker Zottmann ( gelöscht ) , 14.01.2012 23:09

@Andersdenker,
Mir erschließen sich hier Welten. Sag mal, der von Dir Genannte war doch ein Adeliger, ein VON Sk... ny , oder?
Bei uns krauchte damals ein Unterleutnant von Skutelny rum. Arbeitete im Stab und war den einfachen Rekruten gegenüber sehr abweisend. War übrigens der, der im Klub gefragt wurde, ob er schon mal gearbeitet hat. Den fand ich wiederlich. Ein Emporkömmling auf dem Rücken der Soldaten.

Gruß Volker


Volker Zottmann
zuletzt bearbeitet 14.01.2012 23:17 | Top

RE: NVA

#593 von andersdenker , 14.01.2012 23:19

Psssst - sein "von" wurde gelegentlich eines Dienststellungswechsels "vergessen" oder es war NIE vorhanden... , statt "t" wurde ein "d" eingefügt - und die persönliche Freundschaft mit Günter R. hielt bis zum Schluss.....

Im übrigen wurde wegen seines "Vergehens der sexuellen Belästigung" der Frau eines Berufsunteroffiziers ein dicker fetter Teppich geordert, während der junge Leutnant innnerhalb eines dreivierteljahres 2 Parteistrafen abgriff (nach der dritten, die definitiv der Ausschluss gewesen wäre, wäre für diesen Schluss gewesen - das war allerdings dem Eingreifen eben von G. Reß geschuldet, dass es nicht so weit kam) ........

Das mit dem "widerlich" ist so eine subjektive Betrachtungsweise, die ich hier nicht weiter vertiefen will - dem Diskutanten im NVA-Forum, dessen Zitat ich hier eingestellt habe, geht es übrigens genauso

Wenn derjenige heute jenen Leuten gegenüberstehen würde, so hätte er wahrscheinlich ( so schätze ich ihn ein) für diese früheren Militärkollegen nur ein müdes Lächeln übrig und würde seiner Wege gehen (frei nach Dale Carnegie )

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RE: NVA

#594 von reporter , 14.01.2012 23:43

Zitat von andersdenker

An das liebe Reporterchen: Wieviele Blücher-Orden wurden denn tatsächlich in der "Einlagerung" vorgefunden?????? Wieviele Fakes laufen seit Jahren über die große Versteigerungsbucht?

Wenn DU diese Frage RICHTIG beantworten kannst, DANN weißt Du mehr, als diejenigen, die in bestimmten Stanzereien tätig waren und von denen nicht ein einziger irgendwo behauptet hat, jemals einen solchen Orden angefertigt oder gesehen zu haben......




Scheint wohl bei euch Node zu sein, mit dümmlicher Verkleinerungsform die fehlende Substanz der Aussage wettmachen zu wollen. Dabei braucht man nur bei Wikipedia nachsehen, wo es heißt

Zitat
Der Blücher-Orden (bzw. die Blücher-Medaille) ist eine nicht vergebene Kriegsauszeichnung der DDR.

Blücher-Orden in Gold, Silber und Bronze
Er sollte für „Tapferkeit im Kriege“ als Orden und Medaille jeweils in den Stufen Gold, Silber und Bronze verliehen werden. Benannt war er nach Gebhard Leberecht von Blücher, einem preußischen Generalfeldmarschall (auch „Marschall Vorwärts“ genannt), der in der Neujahrsnacht 1814 im Krieg gegen Napoléon Bonaparte die Rheingrenze überschritten hatte...

Der Blücher-Orden wurde nie verliehen, da die DDR nie aktiv an Kriegshandlungen teilnahm. Für einen solchen Fall hatte die NVA aber bereits Blücher-Orden in größeren Stückzahlen eingelagert. Diese wurden unter Geheimhaltung vom VEB Präwema in Markneukirchen gefertigt, wo auch die Prototypen unter Verschluss lagen. Die Existenz des Ordens wurde erst zur Wende weithin bekannt. Exemplare des Ordens sind heute im Militärhistorischen Museum in Dresden und in der Gedenkstätte Point Alpha (Haus auf der Grenze) ausgestellt.



Jetzt wäre ja nur noch zu klären, was es mit den NVA Kommandostabsübungen BORDKANTE-85, -86, -87 und –88 für eine Bewandtnis hatte.


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zuletzt bearbeitet 14.01.2012 | Top

RE: NVA

#595 von Volker Zottmann ( gelöscht ) , 14.01.2012 23:48

Danke anonymer Andersdenker ...

Der "Diskutant" ist dort im Forum der Sachlichste, wieder nur meine subjektive Wahrnehmung. Er ist aber erkennbar auch der Einzige im Forum , der in vergleichbaren Objekten, nur später, diente.
Deine Ausführungen sind für mich höchst interessant.
Im NVA-Forum wurde mir ja abgrundtiefer Hass gegen die NVA vorgeworfen und dass ich noch heute Groll empfinde. Die so etwas schreiben, können nicht lesen und Denken und deuten. Ich habe ein Zeitzeugnis und meine DAMALIGEN Befindlichkeiten geschildert.
Den uns also beiden bekannte damalige Stabschef R. würde ich heute mal gern befragen, was er an seinem gedeckten Tisch dachte. Ob er überhaupt dachte? Wenn ja, hatte er keine Skrupel, weil er "seine" Soldaten
sinnlos der Kälte aussetzte. Stimmen meine Ausführungen zu den Heizkörpern im Essenszelt, die abgebaut wurden. Hat er gar mitgeholfen?

Gruß Volker


Volker Zottmann
zuletzt bearbeitet 15.01.2012 00:05 | Top

RE: NVA

#596 von Volker Zottmann ( gelöscht ) , 15.01.2012 09:34

Dadurch, dass gestern Abend der armseelige Unterleutnant (zu meiner Dienstzeit) von Skudelny ins Gespräch kam, fielen mir vorm Einschlafen 2 Ereignisse mit diesem Emporkömmling ein:

Nach Feierabend standen etwa 10 oder 12 Soldaten an unserer NVA-Konsumluke in Schlange an. Der uns bis dahin völlig unbekannte Unterleutnant kam angeeilt und zwar an der Schlange vorbei nach ganz vorne. Da kam postwendend Gemurre auf. Etwa so: "Stell Dich hinten an du Vogel!" Sofort war lautes Lachen im Gange.
Nun bläkte von Skudelny, weil er nicht mitbekam, wer der Rufer war. Vor mir stand Bernd Thiele aus meiner Gruppe und griente den Unterleutnant frech an. Der stürzte in seiner Rage nun zu Bernd, einem der Kleinsten und brüllte den in seiner Wut an: "Hören sie auf, so blöd zu grienen, warum grienen sie denn?"
Und Thiele meinte dann in seiner Roßbacher (Thüringen) Mundart: "Soll ich wegen Ihnen vielleicht heilen (Heulen)?". Wir haben uns ob der Situationskomik fast die Hosen voll gemacht.
Wutschnaubend und ohne Einkauf ist Fiesling von Skudelny dann verschwunden...

An einem Parktag, bekam ich das Kommmando über etwa 10 Mann, mit der Aufgabe, per Muskelkraft Stahlgittermasten von A nach B zu tragen. Das war eine mächtige Schinderei. Ich als "Oberbefehlshaber" habe nach jedem Masten eine schöne Pause angeordnet.
Während solcher kam von Skudelny , wohl als Stabsaufsicht nach dem Rechten gucken, bei uns an: "Wieso wird nicht gearbeitet? Tun sie was!" Nun ich: "Habe Pause angeordnet, wegen der Schwere der Teile, zur Erholung."
Da ist der fast ausgeflippt und hat das Ende eines auf Wippe liegenden Stahlmastes angehoben: "Was soll da schwer sein?"
Die Antwort kam sofort aus unseren Reihen, von Gelächter begleitet: "Das kann jeder Trottel!".
Skudelny schwor noch, mich zur Bestrafung zu melden und verschwand, doch gehört haben wir diesbezüglich nichts mehr.


Volker Zottmann
zuletzt bearbeitet 15.01.2012 09:39 | Top

RE: NVA

#597 von Atze , 15.01.2012 09:49

Mauselinchen.

Deine immer wieder kehrende Frage zur "Bordkante", kannst Du doch ganz sicher selber beantworten, da Du Dich ja im NVA - Forum rumtreibst.

Ich vermute mal ganz kühn, asiatisch listig, dass keiner der hier Lesenden, direkt etwas damit zu tun hatte und somit auch keiner etwas darüber wissen kann außer eben dem, was Du ganz sicher schon gegoogelt hast.

Aber für die Interessierten Leser hier, sei soviel dazu erklärt.

In der operativen Planung einer Armee auf einem bestimmten Kriegsschauplatz, wurden unter anderem die Überwindung von Gebirgen, das Forcieren von Flüssen oder auch die Einnahme oder Blockierung von Städten geplant.

Bei so mancher Kommandostabsübung, wurden dann solche Handlungen auf der Karte durchgespielt, inkl. Kräfteansatz der eigenen Truppen, der vermutlich zu erwartenden gegnerischen Truppen, der Verlustberechnungen, der Berechnungen der medizinischen Unterstützung, des Verbrauches von Treib und Schmierstoffen, des vermutlichen Verbrauches von Munition bis zum Erreichen von bestimmten Abschnitten, der Zuführung von Reserven an Personalbestand und Truppen sowie ausgefallener Waffensysteme, der Hauptstoßrichtungen und Nebenrichtungen, des vermutlichen pioniertechnischen Ausbaus der Verteidigung durch den Gegner oder wenn man selber in der Verteidigung lag, der eigenen Truppen usw. usf. .

Bordkante waren nun die Planungen zur Einnahme von Berlin - West in Form von Kommandostabsübungen. Das wolltest Du doch hören Mauselinchen, gelle?

Ja, ist doch wohl klar. Wenn es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung der Blöcke gekommen wäre, wäre die Einnahme von Berlin - West eine strategische Aufgabe, auf dem westlichen Kriegsschuaplatz. Dazu wären Truppenteile und Einheiten der CA, der NVA und der GT der DDR eingestzt worden.

Ziel war es, Berlin - West erst in zwei und dann in drei Teile aufzuspalten und somit die Alliierten von einander zu trennen. Die Flugplätze Tegel und Gatow, zügig einzunehmen und somit Berlin zu besetzen und praktisch aus dem weiteren "Kriegsgeschehen" herauszunehmen.

Die USA hatten vor, im Rahmen der Spannungsperiode vor einem Krieg, Berlin - West massiv zu verstärken. Damit wäre ein Pfahl im Rücken der handelnden Truppen des Warscheuer Vertrages gerammt, der immer ein größeres Truppenkontingent gebunden hätte.
Trainiert wurde diese Kommandostabsübung zur Einnahme Berlins an Hand der Stadt Magdeburg, die in vielen Gegebenheiten Berlin ähnlich ist.

Eine Stadt zu blockieren wäre ein weiteres Mittel gewesen, Berlin aus dem Geschehen heraus zu nehmen. Dazu schrieb ich mal einen längeren Artikel.
Nur hätte das große Not unter der Bevölkerung zur Folge gahabt und das war, schon aus humanistischer Sicht, von uns nicht gewollt. Was kann die Zivilbevölkerung, die Kinder dafür, wenn es zur bewaffneten Auseinadersetzung zwischen den Blöcken kommen würde.


Sir W. Churchill

"Eine der fröhlichsten Erfahrungen im Leben ist es, als Zielscheibe zu dienen, ohne getroffen zu werden."

 
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RE: NVA

#598 von andersdenker , 15.01.2012 10:50

@Volker: eine kleine Story noch zu G. R. - zu jener Zeit K-IBR-2......

Der von mir mehrfach erwähnte Leutnant war zu der Zeit Leiter des Unterkunftsdienstes im Truppenteil - militärisch dem StKRD (also dem Stellvetreter des Kommandeurs für Rückwärtige Dienste) unterstellt , hatte aber meist direkt dem Kommandeur zu berichten und abzurechnen...

Es begab sich zu einer Zeit, da eine "Abordnung des Stabes" zu einer Baustelle nach Sanitz fuhr - Teilnehmer waren der StKRD Hptm. Scha.. (ein sehr patenter und engagierter Offizier, der junge Leutnant, der später mal der Vorgesetzte vom User "Krazlude" des NVA-Forums wurde, sowie 1 Angehöriger der Abteilung Bauausführun/Bauplanung .....

Während der Besprechung mit OSL Kur... (dem späteren Nachfolger von R. als Kommandeur) ging es auch um die Verpflegungsvorräte und die Organisation der Zuführung von Trockenvorräten aus dem Zentrallager ..... Also ein Anruf des OSL beim Oberst - die Antworten hörten wir so deutlich, dass wir gar nicht wussten, was wir darauf hätten antworten sollen:

OSL K. : Genosse Oberst, für die Verpflegung meiner Einheit fehlen xxx kg ... (Auflistung von Produkten) ...
Oberst R. : Also wenn bei mir was fehlt, schicke ich meinen Fahrer in die MHO oder zum Konsum und lasse ihn das fehlende für mich holen .....
OSL K. : Genosse Oberst, wenn Sie nicht wissen, WO Ihre Truppen liegen und wieviel Mann vor Ort sind, kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen ...
Danach legte er den Hörer auf, wandte sich uns zu ..... den weiteren Verlauf des Gespräches unter Soldaten, die sich ihrer Verantwortung für unterstellte Menschen bewusst waren, brauche ich nicht wiederzugeben ... Sanitz wurde jedenfalls in voller Höhe termingerecht beliefert.


Gruß Jürgen

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RE: NVA

#599 von reporter , 15.01.2012 11:06

Richtig, für 89 war die Übung "Bordkante" auch schon in der Planung weit gediehen. Der Überfall auf West-Berlin wurde bei der SED-Armee alljährlich so geübt, wie wo anders die Menschen zu Weihnachten in die Kirche gehen.

Nur da kam das Volk der "Volksarmee" abhanden und die obersten Genossen der SED-Armee zogen es plötzlich vor, in ihren ohnehin eher dürftigen Erinnerungen die Aktion "Bordkante" mit keinem Wort mehr zu erwähnen, denn formal bestand ja im SED-Staat noch irgendwie ein Gesetz, welches für die Planung einer Aggression die Höchststrafe vorsah.

Den Speznars wurde darin eine besondere Rolle zugewiesen. "Das wir dabei unsere Kampffähigfkeit eingebüßt hätten, mit materiellen und sanitären Verlusten über die 60%- Grenze war auch keinn Geheimnis" räumt einer im entsprechenden Forum ein.

Da kann man ja froh sein, daß diese merkwürdige SED-Armee mit Kriegsorden fertig in der Schublade, mit Mumienschlafsack für den Boiler und Decke für den NVA-Heloten, mit 250 verschiedenen Orden und Auszeichnungen, mit dem Dienstsäbel wie bei der SS, mit sieben verschiedene Küchen für sieben verschiedene gesellschaftliche Schichten in der SED-Boiler-Armee *) doch nur ein Wurmfortsatz der sowjetischen Besatzungsmacht war und bei Bedarf entsprechend gedeckelt wurde.

*) „NVA Lehrsammlung“ in der Logistikschule der Bundeswehr

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Deine Ausführungen zu den Beschwerdemöglichkeiten des NVA-Wehrpflicht-Heloten sind lächerlich.

Rüdiger Wenzke, Mitarbeiter am Militärgeschichtlichen Forschungsamt, hat eine umfassende Analyse der Disziplinierungsmethoden bei der NVA vorgelegt. Er schreibt u.A.

Zitat
Wesentliches Kennzeichen des NVA-Strafsystems war die Nichteinhaltung rechtsstaatlicher Mindeststandards. So wurden die Urteile im Militärstrafprozess in der Regel noch vor Beginn der Hauptverhandlung "abgestimmt" und, soweit den Angeklagten überhaupt Verteidiger beigestellt wurden, deren Rechte etwa auf Akteneinsicht massiv beschnitten (88). In noch stärkerem Maße trifft dies auf die nahezu unkontrollierte Disziplinargewalt der Kommandeure zu. In der Theorie sollten "Militärische Disziplin und Ordnung" vor allem mit "Überzeugung", "die freiwillige Einsicht in das Notwendige" und erst in zweiter Linie mit Zwang durchgesetzt und die NVA-Angehörigen so zu "sozialistischen Soldatenpersönlichkeiten" erzogen werden



http://www.sehepunkte.de/2011/12/20105.html


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RE: NVA

#600 von Paule , 15.01.2012 11:31

Zitat von reporter
Deine Ausführungen zu den Beschwerdemöglichkeiten des NVA-Wehrpflicht-Heloten sind lächerlich.

Ist diese Aussage nicht mehr als anmaßend ohne persönliche Erfahrungen? Ich warte übrigens noch auf die Beantwortung meiner Frage. Gibt es dazu keinen Wikipedia/Google/Spiegelartikel? Arme Wurst!


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