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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#31 von Bücherwurm , 30.05.2011 20:17

Zitat von michaka13

Zitat
Auch in der alten Bundesrepublik gab und gibt es teilweise erhebliche Unterschiede im Lohngefüge etwa zwischen Friesland und Rhein/Main.


So ist es, reporter. Dieses Gefälle gibt es auch in vielen anderen Ländern. In Portugal ist der Norden deutlich reicher als der Süden. Ebenso ist es in Italien.


Was ihr beide übersehen habt ist, dass es um Tarifverträge ging - die haben überhaupt nichts mit wirtschaftlichen Situationen in bestimmten Regionen zu tun sondern einzig und allein mit den jeweiligen Berufen.


Zitat
Der Unterschied zu Deutschland ist allerdings, die Menschen dort jammern weniger.

Echt? Wenn es um deine persönlichen Verluste geht, kannst du aber auch ganz gut jammern. Man sollte nicht mit Gläsern werfen, solange man im Steinhaus sitzt oder so....

Im Übrigen solltest du mal die letzte Zeile (ja, die fettgedruckte) in deinem pdf-link durchlesen! Bloß, weil etwas im Internet veröffentlicht ist, ist das kein Garant für die Wahrheit. Meine "Phantasien" stammen aus 150%ig sicherer Quelle - und dabei handelt es sich nicht um eine virtuelle, sondern um eine wahrhaftig existierende.

 
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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#32 von joesachse , 30.05.2011 20:35

Zitat von Bücherwurm
Was ihr beide übersehen habt ist, dass es um Tarifverträge ging - die haben überhaupt nichts mit wirtschaftlichen Situationen in bestimmten Regionen zu tun sondern einzig und allein mit den jeweiligen Berufen.


Wichtiger Bestandteil des deutschen Tarifsystems ist, dass die meisten Tarifverträge Flächentarifverträge sind und damit regionale Unterschiede beinhalten. Hier ein Beispiel für die Metall- und Elektroindustrie bei der IG Metall:

http://www.igmetall.de/cps/rde/xbcr/inte...ms_26107__2.pdf

Die Tarifverträge haben also sehr wohl etwas mit der wirtschaftlichen Situation in bestimmten Regionen zu tun.

Viele Grüße
JoeSachse


Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. (Goethe)

 
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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#33 von reporter , 30.05.2011 20:40

Zitat von Bücherwurm
dass es um Tarifverträge ging - die haben überhaupt nichts mit wirtschaftlichen Situationen in bestimmten Regionen zu tun sondern einzig und allein mit den jeweiligen Berufen.



Nein. Viele Tarifverträge gelten nicht bundesweit. Die Regel ist der sog. "Flächentarifvertrag", er gilt eben nur für die betroffene 'Fläche' und berücksichtigt durch seinen lokalen Bezug zur Regionalfläche die unterschiedliche Leistungskraft der Regionen.


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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#34 von Bücherwurm , 30.05.2011 21:00

Zitat von reporter
Nein. Viele Tarifverträge gelten nicht bundesweit. Die Regel ist der sog. "Flächentarifvertrag", er gilt eben nur für die betroffene 'Fläche' und berücksichtigt durch seinen lokalen Bezug zur Regionalfläche die unterschiedliche Leistungskraft der Regionen.

Stimmt, ihr habt beide Recht!

Ich bin von unserem Tarifvertrag für Maler- und Lackierer ausgegangen. Wir haben einen RTV, der bundesweit, außer dem Saarland, gültig ist. Darin werden immer noch Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern gemacht. Das Einzige, was man jetzt zum Positiven geändert hat, ist der einheitliche Mindestlohn für Ost und West.

 
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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#35 von reporter , 30.05.2011 21:04

Zitat von Bücherwurm
Das Einzige, was man jetzt zum Positiven geändert hat, ist der einheitliche Mindestlohn für Ost und West.



Den Mindestlohn gibt es faktisch bereits, es sind Regelsätze nach Hartz IV und die 'Kosten der Unterkunft' die auch noch vom Staat bezahlt werden.

Unter diesem Niveau braucht in Deutschland niemand zu arbeiten, ist sein Verdienst geringer, wird er auf Hartz IV plus Freibeträge aufgestockt.


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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#36 von Smithie23 , 30.05.2011 21:05

Die Arbeitgeber sollten gut daran tun, den Mitarbeitern ein menschenwürdiges Auskommen zu gewährleisten, denn irgendwann, wenn die Inflation immer weiter steigt, die Krankenversichungszusatzbeiträge steigen, die Spritpreise steigen, dann macht es keinen Sinn mehr zu arbeiten bzw. wird es so paradox, dass "arbeiten gehen" existenzbedrohend wird. Dann kann ich gleich zu Hause bleiben, weil das Geld vom Staat genau so hoch ist, wie das frei verfügbare Einkommen, wenn ich Sprit, Autosteuer, Versicherung etc. abziehe.
Leider ist es in Deutschland immermehr dazu gekommen, dass man über die Personalkosten versucht im Wettbewerb zu bestehen, statt mit Qualität und Innovation, wie es in der Bonner BRD mal der Fall war.
Irgendwann werden die paar Millionen Leiharbeiter und Geringverdiener auf die Straßen gehen. Und das Märchen vom armen, armen Arbeitgeber, der zusehen muss, wie er seinen Laden und die Leute über die Runden bekommt, wird immermehr Menschen glauben lassen, dass sie jahrelang verarscht wurden.

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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#37 von Björn , 30.05.2011 21:08

Hier ist mal ein Gehaltsvergleichs-Portal (von mir als Beispiel mal der Altenpfleger genommen):
http://www.gehaltsvergleich.com/gehalt/A...npflegerin.html


Time To Say Goodbye
http://www.youtube.com/watch?v=aR9Nit-3VDg&feature=related

 
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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#38 von reporter , 30.05.2011 21:09

Zitat von Smithie23
dann macht es keinen Sinn mehr zu arbeiten



Diese Betrachtung funktioniert nur, weil in Deutschland bei Nichtarbeit auf Niedriglohnniveau über Hartz IV alimentiert wird.

Deswegen sehen das die Bürger etwa von Italien oder Spanien ganz anders. Dort gibt es kein Hartz IV.

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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#39 von Bücherwurm , 30.05.2011 21:20

Zitat von reporter
Diese Betrachtung funktioniert nur, weil in Deutschland bei Nichtarbeit auf Niedriglohnniveau über Hartz IV alimentiert wird.

Deswegen sehen das die Bürger etwa von Italien oder Spanien ganz anders. Dort gibt es kein Hartz IV.

Naja, es kann doch aber nicht Sinn und Zweck sein, dass wir die soziale Marktwirtschaft ganz abschaffen. Ich muss dir ehrlich sagen, ich war heilfroh, dass es das ALG II gab, als ich 2 Jahre bundesweit Arbeit gesucht habe und keine bekommen habe. Man kann ja nun nicht behaupten, dass alle Hartz IV Empfänger nicht arbeiten wollen.

 
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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#40 von Smithie23 , 30.05.2011 21:34

Richtig ! Im Grunde kann man froh sein, dass es in Deutschland ein "noch einigermaßen" funktionierendes soziales Netz gibt. In anderen Ländern haben die Menschen quasi keine andere Wahl.
Und in Deutschland wird gerne mit der Angst der Leute gespielt: "entweder du arbeitest für nen Minilohn und machst Sch*** Arbeiten, doer du landest auf dem sozialen Abstellgleis"

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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#41 von michaka13 , 30.05.2011 22:03

Zitat von michaka13

Zitat
Am schlimmsten ist es bei unseren Bundis, ein Soldat, der seinen Wohnsitz in den neuen Bundesländern hat, seinen Wehrdienst aber in den alten Ländern absolviert bekommt weniger Sold, als sein westdeutscher Kamerad. Das nenne ich erst Irrsinn.



Zitat
Und ein Bundi aus den Alten Bundesländern, der im Osten stationiert ist, bekommt auch West-Sold. Und wenn es nach Afgahnistan geht, dann verdient der Ost- Bundi unterm Strich auch weniger - bei gleicher Gefahr


Und wo habt Ihr diese Weisheit her? In der Besoldung von Soldaten gibt es keine Unterscheidung in Ost und West.

http://www.deutsches-wehrrecht.de/Besold...llen01-2009.pdf

Das gilt ebenso für Bundesbedienstete.


Ich war 8 Jahre bei der Deutschen Bundeswehr. Mein Wohnsitz war in der Nähe von Halle/Saale. Stationiert in Regensburg. Damals wurde noch in Ost-und Westbesoldung unterschieden, aber entscheident war der Standort und nicht der Wohnsitz. D.h. ich habe bereits Anfang der Neunziger Westbesoldung erhalten, ebenso wie alle anderen Kameraden, welche ihren Wohnsitz in den neuen Bundesländern hatten, aber deren Standort in den Altbundesländern war.


Gruß, micha





Ich zitiere jetzt mal meinen eigenen Beitrag, um dem ein oder anderen in Erinnerung zu rufen, das es in den obigen Sätzen lediglich um Soldaten oder Bundesbedienstete geht. Und da gibt es definitiv keine Unterscheidung mehr in Ost und West.

Zitat
Im Übrigen solltest du mal die letzte Zeile (ja, die fettgedruckte) in deinem pdf-link durchlesen! Bloß, weil etwas im Internet veröffentlicht ist, ist das kein Garant für die Wahrheit.


Du kannst Dir gerne den TvÖD-Bund durchlesen. Solltest Du dort Unterschiede zwischen Ost und West entdecken, kannst Du es ja gern mal mitteilen. Den TvÖD gibt es übrigens auch in gedruckter Version bei jeder Bundesbehörde und im Buchhandel.



Gruß, micha

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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#42 von peppe , 30.05.2011 22:05

Björn-------- diese gehaltstabellen sind schlicht weg Schrott!!! Dies kann man auch von hier aus abrufen, jedoch stimmen dies nicht mit der realität ein! Mein Tipp dazu: Finger weg davon sonst wird man irr Ausser bei Beamten Stellen dann ist dies schon korregt



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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#43 von reporter , 31.05.2011 09:14

Zitat von Bücherwurm
Naja, es kann doch aber nicht Sinn und Zweck sein, dass wir die soziale Marktwirtschaft ganz abschaffen. Ich muss dir ehrlich sagen, ich war heilfroh, dass es das ALG II gab, als ich 2 Jahre bundesweit Arbeit gesucht habe und keine bekommen habe. Man kann ja nun nicht behaupten, dass alle Hartz IV Empfänger nicht arbeiten wollen.



Dass 'alle Hartz IV Empfänger nicht arbeiten wollen' wird kein vernünftiger Mensch behaupten. Es ist gut, daß du ALG II als Überbrückung einer Notsituation nutzen konntest.

Doch leider sind insbesondere jüngere Leute in einem Umfang 'hilfsbedürftig', wie dies in dem Maße in der deutschen Sozialgeschichte bisher noch nicht vorgekommen ist. Insbesondere Schulabbrecher, Ausbildungsabbrecher und andere Unqualifizierte sehen in ALG II eine alternative Lebensform, welche ihnen ein anstrengungsloses Einkommen in tariflicher Höhe eines Vollzeittätigkeit im Niedriglohnsektor ermöglicht.

Mit anderen Worten, würden sie einem ihrer Qualifikation entsprechenden Volltagsjob nachgehen, hätten sie auch nicht mehr in der Tasche.


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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#44 von altberlin ( gelöscht ) , 31.05.2011 18:00

Zitat von reporter


Dass 'alle Hartz IV Empfänger nicht arbeiten wollen' wird kein vernünftiger Mensch behaupten....

Doch leider sind insbesondere jüngere Leute in einem Umfang 'hilfsbedürftig', wie dies in dem Maße in der deutschen Sozialgeschichte bisher noch nicht vorgekommen ist. Insbesondere Schulabbrecher, Ausbildungsabbrecher und andere Unqualifizierte sehen in ALG II eine alternative Lebensform...



Bitte nicht schon wieder pauschalisieren.
Es gibt Alleinerziehende, ausgebildet, die mangels Kita-Platz seit über einem Jahr auf Hartz IV angewiesen sind.
Es gibt regional zu wenig Lehrstellen für Nichtabiturienten. Mir sind Beispiele namentlich bekannt aus dem berliner Umland.

Einem gewissen Prozentsatz deiner geschilderten Klientel will ich zugestehen, mit dem staatlich gestützten Faulenzerleben zufrieden zu sein. Die werden ja auch immer in den Vordergrund geschoben bei der Berichterstattung. Aber das ist nicht die Masse. Sehr viele Hartzer, auch junge, würden lieber am Wohlstand teilnehmen, aber nicht bei 1-€-Jobs Laubkehren o.ä.

Es sind nicht unbedingt die Jüngeren, sondern Menschen, die sich in Familie seit Jahren mit Hartz IV eingerichtet haben, damals noch mit Sozialhilfe. Schon kurz nach der Einheit hatten sie ganz schnell gelernt, ohne Arbeit, und auch ohne Bemühung um neue, ganz gut leben zu können. Plus Wohngeld, plus Zuschuß für Möbel, plus Kindergeld und so weiter. Unterm Strich mehr als vom Malochen netto !
Ich weiß von Leuten, die seit fast 20 Jahren so leben, Kinder sind groß, aus dem Haus. Die Leute leben seit fast 20 Jahren von Stütze und fahren sogar ein Auto (Opel Vectra). Und das sind keine Einzelfälle.

.


Sinnlos ist ein Leben ohne Sinn für Unsinn
(unbekannt)

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RE: 20 Jahre im Westen - was tun ?

#45 von peppe , 31.05.2011 18:32

Recht hast Altberlin !!! Sollche Fälle kenne ich auch seit der Wende kein Finger mehr krum gemacht lebem aber besser als manch Arbeiternehmer Es komt noch härter.......davon welche haben eine Schwarzjob seit jahrzehnten!!! Da stehen mir die Haar zu berge und fehlen die Worte!!!



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