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"unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#1 von Daneel , 05.09.2011 12:09

In telepolis gibt es einen Artikel, der aufzeigt, wie wenig Vertrauen man eigentlich in den veröffentlichenden Medien haben sollte und wie sie die öffentliche Meinung ignorieren. http://www.heise.de/tp/artikel/35/35430/1.html


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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#2 von altberlin ( gelöscht ) , 05.09.2011 15:13

Ich hatte vor einigen Tagen an der Unabhängigkeit und Objektivität unserer Medien gezweifelt und wurde dafür kritisiert.
Bin neugierig, was jetzt passiert.


.

altberlin

RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#3 von joesachse , 05.09.2011 21:46

Ein sehr interessanter und spannender Artikel, wieder mal ein echtes Highlight auf Telepolis (nachdem dort immer wieder auch grottenschlechte Artikel auftauchen).
Eine treffende Analyse, wie heute die Meinungsbildung in den Leitmedien passiert. Die scheinbare Abhängigkeit der Medien von den Informationen der Regierenden führt zu dieser abstrusen Situation.

All diese Beispiele und Überlegungen verweisen darauf, dass der Berichterstattung von Leitmedien bei Terroranschlägen, so bitter diese Erkenntnis auch ist, nicht getraut werden kann. Eine Hinterfragung der Informationen, wie sie vermittelt werden, ist zwingend notwendig. Terroranschläge führen nicht nur zu Bestürzung und Fassungslosigkeit der Menschen, die davon erfahren, sie führen auch in regelmäßig zu beobachtender Weise zum Kollaps einer kritischen, distanzierten und unabhängigen Berichterstattung. Leitmedien sind so sehr abhängig von den Informationen, die vonseiten der Politik kommen, dass eine eigenständige Meinung, die alle zu bedenkenden Möglichkeiten mit einbezieht, nicht gegeben ist.

Diese Effekte sind aber auch unter gruppendynamischen und psychologischen Gesichtspunkten zu betrachten. Im Gegensatz zur DDR schreibt ja niemand den Medien vor, diese Informationen zu bringen und so zu werten. Und es wächst eine Generation heran, die erstens auf die sogenannten Leitmedien pfeifft und zweitens sehr offen und kritisch berichtet und hinterfragt. Wenn man die Berichterstattung in den Medien verfolgt, merkt man oft, wie dieser Druck auch die Printmedien verändert.
Einige Beispiele dazu: www.bildblog.de hat angefangen, die Bildzeitung zu sezieren, heute setzt sich dieser Blog intensiv mit den deutschen Leitmedien auseinander. Und die Erfolgsmeldungen, nach denen diese Leitmedien ihre Artikel und berichte korrigieren, wenn bildblog dir Fehler öffentlich gemacht hat, sind schon sehr häufig.
Dazu kommt noch ein zweiter Effekt: Wenn alle das Gleiche schreiben, dann fehlt bei den Kunden der Grund, gerade ein spezielles Blatt zu kaufen. Also sucht jedes Medium immer wieder nach anderen, vielleicht auch gegensätzlichen Informationen, um mit diesen Schlagzeilen Furure zu machen. Sehr schön ist das am Beispiel des Themas Klimawandel zu sehen. Alle Blätter sind sich wieder einmal einig. Dann kommt eines der Blätter mit einem Skandal oder einfach einer Meldung, die ernsthafte Zweifel am menschgemachten Klimawandel aufkommen lassen. Dann ziehen alle Blätter nach, weil keiner das Thema verpassen will. Bis dann wieder einer auf die Skeptiker losschlägt und dann wieder alle nachziehen. Das alles hat aber wesentlich mehr mit einer Gruppendynamik der Medien zu tun als mit bewusster politischer Vorgabe.

Wo die Zukunft hingehen kann, zeigt Twitter. Ich habe dieses Gezwitscher zunächst erst für unsinnig gehalten. Aber bei Fukushima habe ich dieses Medium schätzen gelernt. Immer neue Informationen in unerhörter Aktualität waren zu finden: Links zu Liveschaltungen von TEPCO-Pressekonferenzen mit englischer Übersetzung, als die Medien in Deutschland davon noch gar nichts mitbekommen hatten, der Link zu einer privaten Webseite eines Japaners, der den Livestream das Japanische Fernsehen ins Englische übersetze, der Link zum physikblog, wo Physiker rund um die Uhr fern jeder Sensationshascherei die physikalischen Fakten darstellten und vieles andere.
Ähnlich war es beim Attentat von Oslo, ich denke, heute ist die Medienlandschaft eine andere als noch vor 10 Jahren. Jeder kann jederzeit beliebige Informationen publizieren. Und diese Offenheit macht den Politikern der "alten" Parteien zu schaffen, während neue Parteien wie die Piraten genau dieses Prinzip der Transparenz zu einem der obersten Politikprinzipien machen.

Eine spannende Zeit
Gruß
JoeSachse


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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#4 von Buhli , 06.09.2011 01:04

Zitat Joe. "Im Gegensatz zur DDR schreibt ja niemand den Medien vor, diese Informationen zu bringen und so zu werten." Bist Du Dir sicher, daß dies heute noch auf die DDR zutreffen würde? Auch die hätte sich den modernen Medien nicht entziehen können. Beobachte doch andere Diktaturen. Die geben doch eine recht deutliche Antwort darauf.
Zitat Joe "Dann kommt eines der Blätter mit einem Skandal oder einfach einer Meldung, die ernsthafte Zweifel am menschgemachten Klimawandel aufkommen lassen. Dann ziehen alle Blätter nach, weil keiner das Thema verpassen will. Bis dann wieder einer auf die Skeptiker losschlägt und dann wieder alle nachziehen." Das alles hat aber wesentlich mehr mit einer Gruppendynamik der Medien zu tun als mit bewusster politischer Vorgabe." Meinst Du das bei solchen Spießerthemen politische Einflußnahme auch in der DDR passiert wäre?
"Links zu Liveschaltungen von TEPCO-Pressekonferenzen mit englischer Übersetzung, als die Medien in Deutschland davon noch gar nichts mitbekommen hatten, der Link zu einer privaten Webseite eines Japaners, der den Livestream das Japanische Fernsehen ins Englische übersetze, der Link zum physikblog, wo Physiker rund um die Uhr fern jeder Sensationshascherei die physikalischen Fakten darstellten und vieles andere." Meinst Du ernsthaft, daß deutsche Medien davon nichts mitbekommen haben? Wie naiv bist Du denn? Ich hab schon mal erwähnt, daß nur die Medien Deine Meinung beeinflussen, die Dich in entsprechender Menge
mit "Infos" beschiessen. Die echten Infos mußt Du Dir von den holen, die Dich nicht beschiessen dürfen. Auf die kommst Du allerdings nur, wenn Dir die Masseninfobombardemends zu viele Fragen aufwerfen. Das ist im Moment noch zu wenig. Hast aber recht. Es tut sich etwas seit etwa 10 Jahren.


Nehmt euer Herz in beide Hände, und macht was draus. (Zitat von Lutz Bertram. Ehemaliger blinder DT64 Moderator, den leider die Stasi in ihre Fänge bekam)
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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#5 von joesachse , 06.09.2011 14:11

Zitat von Buhli
Zitat Joe. "Im Gegensatz zur DDR schreibt ja niemand den Medien vor, diese Informationen zu bringen und so zu werten." Bist Du Dir sicher, daß dies heute noch auf die DDR zutreffen würde? Auch die hätte sich den modernen Medien nicht entziehen können. Beobachte doch andere Diktaturen. Die geben doch eine recht deutliche Antwort darauf.


Wenn ich die Berichte über die gleichgeschalteten chinesischen Medien lese (ich kann leider kein chinesisch), dann erinnert mich dies schon sehr an die Zustände in der DDR. Und zeigt mir, dass es so etwas auch heute noch gibt und gibt mir eine Vorstellung, wie dir DDR-Medienlandschaft heute aussehen könnte (zumindest was die Printmedien betrifft)


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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#6 von Kehrwoche , 06.09.2011 14:52

Zitat von joesachse
...wie die DDR-Medienlandschaft heute aussehen könnte (zumindest was die Printmedien betrifft)

Die Medien reicht, denn wir würden erfolgreich den 4MB Chip produzieren und auf der Leipziger Messe unser erstes Modem präsentieren, daß voraussichtlich schon 2014 auf den Markt kommt, kaum erschwinglich sein wird und nur unter dem Ladentisch zu haben ist. Wir würden uns über die internationale Wertschätzung unserer Halbleiterindustrie freuen (DDR-SDRAM) und Buhli würde nach wie vor alles glauben was liest, hört und sieht, da er immernoch kein Westfernsehen im "Tal der Ahnungslosen" empfangen kann.
Tja, so wäre das.


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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#7 von Weilheimer , 06.09.2011 15:09

Befreit von schwäbischen Kleingeist erwacht in Kehrwoche der altbekannte und lang vermisste schwarze Humor.
Noch zur Ergänzung das DDR Modem erfüllt durch die lange Entwicklungsdauer nur den V.34 Standard, das Modem gibt es nicht unter dem Tisch, es ist der Tisch.

 
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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#8 von Schlawine , 06.09.2011 15:19

Ihr beiden ergänzt euch perfekt


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Harald Zindler, dt. Umweltaktivist, 1981 Mitbegründer Greenpeace Deutschland

 
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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#9 von Ilrak , 06.09.2011 16:03

Da die zur Nutzung der neuen Medien nötige Technik recht voluminös ausfallen dürfte ,
ist zum Besuch des Internets ein entsprechender Gemeinschaftsraum der Nationalen Front
aufzusuchen . Damit ist eine Kontrolle der Internet (RGW-Net? )- Nutzung gegeben ,
eine Zensur kann somit weitestgehend entfallen .


Revolution ist das Morgen schon im Heute,
ist kein Bett und kein Thron für den Arsch zufriedener Leute.
(Renft - Zwischen Liebe und Zorn )

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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#10 von Daneel , 06.09.2011 16:28

Zitat von Kehrwoche
und auf der Leipziger Messe unser erstes Modem präsentieren, daß voraussichtlich schon 2014 auf den Markt kommt, kaum erschwinglich sein wird und nur unter dem Ladentisch zu haben ist.


Gibt es dafür das geeignete Telefonnetz mit Anschlüssen für jedermann?


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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#11 von Weilheimer , 06.09.2011 16:49

Zitat von Daneel

Gibt es dafür das geeignete Telefonnetz mit Anschlüssen für jedermann?



Spielverderber. Ich habe so meine Zweifel, ob es der sozialistische Wurschtelwirtschaft es innerhalb von 20 Jahren gelungen wäre, jedem der will, ein Telefonanschluss zur Verfügung zu stellen. Die Gräben für die Leitungen hätte man sicher gebuddelt, aber dann?


 
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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#12 von Kehrwoche , 06.09.2011 18:23

Nun macht mal meine DDR nicht so schlecht!
Es gab zwar weniger Telefone als Goldamaillen, aber man muß sich doch nicht immer an alles erinnern müssen.
Ein bischen träumen wird doch wohl erlaubt sein dürfen!


Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir.
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RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#13 von altberlin ( gelöscht ) , 06.09.2011 19:45

Zitat von Weilheimer
Befreit von schwäbischen Kleingeist erwacht in Kehrwoche der altbekannte und lang vermisste schwarze Humor.
Noch zur Ergänzung das DDR Modem erfüllt durch die lange Entwicklungsdauer nur den V.34 Standard, das Modem gibt es nicht unter dem Tisch, es ist der Tisch.




Es läge doch unter dem Tisch, auf einem Hubwagen.

altberlin

RE: "unabhängiger" Journalismus und die öffentliche Meinung

#14 von Buhli , 06.09.2011 22:53

Nun mal nicht so schnell. Man kommt bei diesem Entwicklungstempo richtig außer Puste. Einen gigantischen Rechner mit gigantischer Leistung und gigantischem Gewicht. Bei Tischgröße kann ich davon ausgehen, daß ein Fundament gegossen werden muß. Wo kommt auf die Schnelle der Zement für den Beton her? Und der ADK 125 wird sicher auch seine Probleme bekommen, die Kiste auf den Sockel zu heben. Wo bekommen wir dann noch schnell die Sicherungsanlage für den NF-Raum her? Bringt Schalk. Devisen sind knapp. Die Rover zum Jagdausflug werden anschließend ja immer nur in Westberlin repariert.



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Erster Strang der Ostseepipeline fertiggestellt


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