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LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#1 von mutterheimat , 14.01.2012 17:51

Da es nun ein Thema gibt, welches seperat zu behandeln ist, möchte ich es mal ansetzen. Die Landwirtschaft der DDR umfaßte nämlich Erfindungen und Technik zu seiner Zeit, davon träumt so mancher Staat im Westen und setzte entsprechende Gegenmittel ein (z.B. den US Dollar). Zunächst ist es so, daß Traktoren der DDR (ZT Reihe), aus der FIAT Lizenz stammten. Aber die waren, wahrhaftig, eine ausgezeichnete Sache. Kasis sind aus der UdSSR importiert worden und haben alles zerfetzt, wenn sie mit dem Pflug zu ungenau eingestellt waren, was nicht niet- und nagelfest war. Die hatten ein solches "Feuer in den Knochen", aber sie haben auch wie ein Loch gesoffen. Ein Bodenmeißel wäre ein Dreck dagegen gewesen. So die übereinstimmende Meinung der Leute der LPG Jahna (unweit von Meißen). Die Agrarsache, war so stark, das es zum Teil möglich war, sich selbst zu versorgen und keine Importe zu benötigen.


http://www.youtube.com/watch?v=Cb1RJlyfyKg&feature=related

 
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RE: LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#2 von Kehrwoche , 14.01.2012 18:48

Zitat von mutterheimat
Die hatten ein solches "Feuer in den Knochen", aber sie haben auch wie ein Loch gesoffen.

Durch den letzten Teil deines Satzes dürfte sich das Thema auch schon wieder erledigt haben. Technik, die sich nicht rechnet, taugt nichts.


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RE: LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#3 von Paule , 16.01.2012 12:30

Hier eine Info zu einer Fabrik in meiner Heimatstadt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Landmaschin...Friedrich_Dehne

Ich kann mich an diese Kartoffelsortiermaschiene erinnern. Fragt nicht nach den Details. Soweit ich mich erinnere, wurden die Kartoffeln mit Dreck udn Steinen durch eine Röntgeneinrichtung geschickt und alles, was nicht Kartoffel war, per Stößel oder wie man das auch immer nennt, herausgestoßen.

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RE: LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#4 von Björn , 31.01.2012 20:48

Zitat von Kehrwoche

Zitat von mutterheimat
Die hatten ein solches "Feuer in den Knochen", aber sie haben auch wie ein Loch gesoffen.

Durch den letzten Teil deines Satzes dürfte sich das Thema auch schon wieder erledigt haben. Technik, die sich nicht rechnet, taugt nichts.



Scheinbar müssen sich aber die russischen K 700/K 701-Typen für Landwirtschaftsbetriebe auch nach der Wende noch gelohnt haben und erst recht für mehrere landwirtschaftliche Lohnunternehmer in den alten Bundesländern, sonst hätten die sie sich nicht gekauft und jahrelang eingesetzt. Nur der oft relativ günstige Gebrauchtpreis wird wohl kaum ausschlaggebend gewesen sein.

Hier mal eine Teilkopie meines Beitrags dazu aus einem anderen Thema:

Zitat
Wenn du außerdem seit der Wende mal wachen Auges durch deine alten Bundesländer (vor allem in Niedersachsen, NRW und Schleswig-Holstein) gefahren bist, hast du in den 90´er Jahren bei vielen großen Landwirtschaftsbetrieben sowie Lohnunternehmern "alte und vergammelte" Großtechnik aus Ex-DDR-Beständen auf den Äckern arbeiten gesehen Sie haben nämlich die Chance ergriffen, sich zu günstigen Preisen die Allrad-ZT´s 323 ( http://de.wikibooks.org/wiki/Traktorenle...ltraktor_ZT_323 ) und sogar Kasimir´s (K701 > http://de.wikibooks.org/wiki/Traktorenlexikon:_Kirovets ), die Mähdrescher E 516B/517 und Mais-Häcksler etc. zu kaufen Manchmal war nur der alte Betriebsname überklebt, manche hatten einen neuen Farbanstrich. Einige Maschinen davon fahren sogar heutzutage noch rum. Ein großer Lohnunternehmer in Niedersachsen hat Ende der 90´er Jahre immer noch mehrere Ex-DDR-Maschinen neben seinen John Deers im regelmäßigen Einsatz gehabt, hab ich mit eigenen Augen mehrmals gesehen



Hier nur mal 3 "Kasimir´s" mit kleineren Kombinationen (auch mit Jugendlichem als Fahrer):
> http://www.youtube.com/watch?v=fCpwhpW0rhE&feature=related
> http://www.youtube.com/watch?v=NtPSoqJVu20&feature=related
> http://www.youtube.com/watch?v=VMHK7TsFfQw&feature=related
Selbst Schneepflügen kann man damit problemlos auch noch im Jahre 2010 > http://www.youtube.com/watch?v=G5Xk9ptVGuw&feature=related

Hier mal noch eine interessante und gut gemachte Seite zum Thema DDR-Landtechnik mit vielen Einsatzfotos
> http://www.ddr-landmaschinen.de/grundseite.htm


http://www.youtube.com/watch?v=pVHK7AadSV8&feature=related

http://material.festival-mediaval.com/gr.../300x250ani.gif

 
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RE: LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#5 von Buhli , 31.01.2012 21:47

Paule, damals wurden jedoch auch noch weitesgehend alle Kartoffeln vom Feld geholt. Zum stoppeln blieb zwar immer noch reichlich übrig. Aber es wurden nicht 50% der angebauten Früchte auf geheiß des Handels, so wie heute, in der Erde gelassen. Können Menschen so geistig krank sein, wenn es ihnen gut geht?
Björn, daß so manche "marode" Maschine im Westen intensiv genutzt wird, ist mir auch nicht entgangen. Da ich aber die Geräte nicht alle genau bezeichnen kann, kann ich auch nur begrenzt mit reden. Auf dem Weg nach Pfullingen, seh ich immer mal wieder einen blauen ZT und einen W50 auf einem Hof stehen. Ja, erst letztes Jahr wieder.


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RE: LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#6 von reporter , 31.01.2012 22:27

Wie es in Unserer Republik mit der LPG-Wirtschaft aussah, da sollte man lieber die Agrar-Fachleute von heute hören, als Retro-Ossis, die wegen Phantomschmerzen in Ba-Wü bei jedem Oldsmobile aus Unserer LPG Wirtschaft, welches noch irgendwie vereinzelt gesichtet wird, regelmäßig Schreie der Verzückung ausstoßen.

In top agrar online ist zu lesen

Zitat
Die Schlussbilanz der DDR-Landwirtschaft war trist: 4 300 personell überbesetzte Betriebe mit veralteten Maschinen und maroden Stallgebäuden. Trotz Betriebsgrößen von durchschnittlich mehreren tausend Hektar war von Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit keine Spur. Schnell war klar, dass die 3 844 landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und die 464 volkseigenen Betriebe (VEB) in der Marktwirtschaft keine Chance hatten. Unglaublich aber wahr: Die großen DDR-Betriebe beschäftigten im Schnitt 10 AK/100 ha in Produktion und Verwaltung. Die westdeutschen Familienbetriebe kamen schon damals mit rund 6,5 AK/100 ha aus, die großen schleswig-holsteinischen Marktfruchtbetriebe lagen bei 1,7 AK/100 ha. In der DDR waren kurz vor der Wende noch rund 11 % aller Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig, im alten Bundesgebiet dagegen - trotz der wesentlich kleineren Betriebsstrukturen - nur noch rund 4 %!


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RE: LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#7 von Buhli , 31.01.2012 22:34

Wie "stark" die westdeudtschen Strukturen der Marktwirtschaft gewachsen waren, zeigt ja das langsame Sterben dieser Betriebe. Betraf der Milchstreik etwa die großen Ostbetriebe? Da ist man scheinbar etwas robuster. Mit den schlankeren angepassten Strukturen, ist man im Osten nun schon seit einigen Jahren effektiver. Die Grundbucheintragungen der privaten Altbauern waren ja auch das Problem für die Grundstückshaie. Die alten wollten keine Privatwirtschaft auf dem Feld mehr haben, weil es den in der Genossenschaft besser ging. Die jungen scheinen es begriffen zu haben. Warum wohl gibt es so wenige Privatbauern im Osten? Das hatten wir allerdings schon mal.


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RE: LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#8 von Björn , 31.01.2012 23:00

Buhli dort > http://www.ddr-landmaschinen.de/geraete/geraete_e.htm < kannst du mal nachschauen, da sind die Mähdrescher und andere Erntemaschinen wie die Kartoffelroder mit den Teilen aus Halberstadt zu sehen. Übrigens habe ich (der ja nicht in der "Pflanze" arbeitete) vom seit 1988 gebauten Mähdrescher E 524 nur ein Exemplar mal selbst im Einsatz gesehen und zwar 1999 ein top gepflegtes (und kein rostiges Schrottgefährt) bei dem niedersächsischen Lohnunternehmer (durfte mich sogar mal reinsetzen) Er wollte mir aber nicht verraten, aus welcher Ecke der Ex-DDR er ihn Anfang der 90´er Jahre besorgt hat. Er war aufgrund der Vielseitigkeit (hat ihn sogar zur Mais- und Rapsernte genommen) sehr zufrieden mit ihm und hat ihn neben seinem John Deere ständig im Einsatz gehabt.
Also nichts mit marodem Oldsmobile oder nur noch vereinzeltem Einsatz! Allein in den neuen Bundesländern sind 22 Jahre nach der Wende noch immer eine ganze Menge an Traktoren, Mähern, Erntemaschinen usw. im Einsatz. Nicht nur in den nördlichen BL oder der Magdeburger Börde, sondern auch in Thüringen und Sachsen kann man das mit eigenen Augen sehen, wenn man nicht blind ist oder Scheuklappen vor den Augen hat.

Aber deine "Sichtweise" reporter kennen wir ja zur genüge.


http://www.youtube.com/watch?v=pVHK7AadSV8&feature=related

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RE: LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#9 von BautznerSenf , 02.02.2012 10:10

Hallo Bjoern!

Du differenzierst aber auch nicht, oder? ;-)

Erstens ist es ganz normal, dass Fahrzeuge und Maschinen in der Landwirtschaft sehr lange genutzt werden:
Sie sind nach der Abschreibung "sowieso da", kosten also nur noch Reparaturen und variable Kosten, koennen nach intensiver Nutzung (Grossbetrieb oder Lohnunternehmer) noch weiterverkauft und weitere Jahre bei kleineren oder gar Nebenerwerbs-Betrieben genutzt werden.

"Alte" Fahrzeuge haben zudem den Vorteil, dass sie technisch meist simpel (also ohne komplexe Elektronik) sind und verhaeltnismaessig einfach repariert werden koennen. Du siehst im Westen auch heute noch gelegentlich Maehedrescher aus den 70ern oder Traktoren aus den 60er und 70er Jahren (In ein paar Jahren wird das anders sein - da wird man elektronische Bauteile fuer heute neue Fahrzeuge nicht mehr nachbekommen).

Und vieles im Westen wurde eben auch nach Osten verkauft, als die Nachfrage da war: Der bauer haette alte Geraete weiterbetreiben und mit (vergleichsweise hohen deutschen Lohnkosten) reparieren koennen oder eben die alten Sachen nach Polen, Estland, Lettland, Litauen, Ukraine... verkaufen koennen (wo Reparaturen noch preiswerter sind) und sich stattdessen ein neu-Geraet auf den Hof stellen.

Beides hat Vor- und nachteile, sagt aber nicht ueber die Qualitaet der maschinen.

Ebenso bei den Ostgeraeten: Wenn der Preis passt, kann auch der Erwerb eines technisch nicht so "Top-of-the-Pops-State-of-the-Art-High-Tech"-Geraetes sinnvoll sein. Und die ostdeutsche Landtechnik wurde um die Wendezeit wie sauer Bier zum kleinen Preis angeboten, die Fabriken standen voll mit Teilen und die Mitarbeiter zitterten um ihre Jobs - da hat man Kampfpreise gemacht, um ueberhaupt mal ein Geraet in den Westen verkaufen zu koennen - dauerhaft aber haetten auch dort die Loehne angezogen und die Produktion verschlankt werden muessen...

Und nicht zuletzt: Es waren unsere eigenen Leute, die ploetzlich lieber das teurere Markenprodukt aus dem Westen kauften, statt mit dem Konsum der eigenen Produkte die eigenen Arbeitsplaetze zu sichern...

Das hat nichts mit ost oder West zu tun, sondern mit der wirtschaftlichen Situation - und das gab es im Westen auch:
1963 praesentierte die wirtschaftlich schwache Autofabrik NSU den Ro80 mit der Welt-Neuheit Wankel-Motor - innovativ, modern, chic, noch auf der Messe gab es viele Preise, die Presse war voll des Lobes.
Doch dann kamen die Probleme: Manche Fahrzeuge brauchten bis zu 7(!) Austauschmotoren, der Ruf der Autos war zerstoert, die Verkaeufe gingen zurueck, die Firma war bankrott und wurde vom VW-Konzern uebernommen (der K70 erschien dann bei VW und das Werk ging an Audi).

Haette das damals eine starke Fabrik wie Daimler-Benz gemacht, haette man die Kraft gehabt, noch ein Jahr abzuwarten und das Produkt auszureifen, ehe man auf den Markt ging (der Otto-Motor hatte > 30 Jahre Zeit zum Reifen, der Wankel-Motor nur 7) und haette sich den Ruf nicht versaut.

Und so ging es manchen Ost-Produkten (in West UND Ost): Man hatte "die Faxen dicke" und wollte mehr...

B. S.


Besten Gruss

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RE: LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#10 von Björn , 02.02.2012 18:41

Ich habe hier ja auch nur hauptsächlich Gebrauchtgeräte gemeint, die in die Altbundesländer gegangen sind oder in den neuen BL noch laufen (z.B. wurden die russischen K 701-Modelle schon seit der Wende nicht mehr neu nach Deutschland geliefert und die Nachfolger wie der K 744 wurden hier ein Flopp).
Diese Maschinen und Anbaugeräte müssen sich auch rechnen (Verbrauch im Verhältnis zur Leistung, Zuverlässigkeit und Reparaturkosten etc. ), wenn man sie nicht nur als Ausstellungsstück haben will.
Es wurde ja von einem bestimmten User behauptet, bis auf Einzelstücke war zur Wende die Landtechnik allesamt Schrott


http://www.youtube.com/watch?v=pVHK7AadSV8&feature=related

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#11 von Buhli , 02.02.2012 21:29

B.S., die Anzahl der LPG-Geräte und deren heutiger Zustand, nach nun schon mehr als zwanzig Jahren Einheit in Gebrauch, spricht ja schon mal gegen das Argument "Schrottreif".



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#12 von mutterheimat , 02.02.2012 21:37

Und genauso, wie Buhli, sehe ich das auch. Wenn ich daran denke, wie DDR Technik nachgefragt worden ist, im Ostblock, teilweise auch in den Weststaaten, so kann ich es nicht verstehen, daß man sie als schrottreif bezeichnete. Allerdings waren die russischen Produkte schon bald weg vom Fenster.


Wer sind die besten Fälscher der Welt, die Medien! Wer das alles glaubt, was alles so da drin steht und gesagt wird, (Presse, Rundfunk, Fernsehen, Internet), dem ist nicht zu helfen!

 
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#13 von Buhli , 02.02.2012 21:59

Mutterheimat, von den sowjetischen Produkten sind nur noch die Beloruss zu sehen. Andere kenn ich eh nicht. Den Famolus stufe ich in die vereinzelten Oldtimer genau so ein, wie die Porsche, Fendt, Ford usw. aus den 50er und 60er Jahren der ehemaligen BRD. Die "Zwiebelzieher" ebenfalls. Vergleichbare Karren rollen hier auf den Fildern ohne Ende rum.



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#14 von reporter , 02.02.2012 23:02

Ich hatte etwas Einblick in die LPG Landmaschinentechnik durch meinen langjährigen Bekannten in Neuruppin. Dort was das Schrauben als Beschäftigung von einem nennenswerten Teils der LPG Belegschaft an den verschlissenen Geräten der Regelfall. In der durchschnittlichen LPG war es nicht anders wie im durchschnittlichen VEB. Es wurde auf Verschleiß gefahren, da die Mittel für Neuinvestitionen fehlten.

Machte ja auch nichts, schließlich war in Unserer Republik das doppelte bis dreifache Personal mindestens im Vergleich zur "BRD" in der Landwirtschaft beschäftigt.

Bei meinem Bekannten, ungelogen kommt er mit einem Zehntel(!) des damaligen LPG Personals bei gleicher zu bewirtschaftenden Fläche aus, er macht Pflanzenproduktion, ohne Tierhaltung; allerdings muß er fallweise externe Dienstleister einschalten.
Obwohl im Osten die Betriebe vergleichsweise Riesenflächen bewirtschafteten, waren sie unwirtschaftlicher als die viel kleineren Familienbetriebe in der "BRD" wenn man die Betriebsergebnisse vergleicht.

Die Feststellungen des Stasi-Generalleutnants Kleine, zuständig für Wirtschaftsfragen, der dem Politbüro den wirtschaftlichen Status berichten mußte, lauteten, das LPG-Gerät habe zum großen Teil nur noch Schrottwert. Ich habe jetzt keine Lust, den Link nochmal zu ergoogeln, da das hier schon desöfteren Thema war. Das deckt sich übrigens mit der von mir genannten Nachwendeanalyse von Agrar-Spezialisten.


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RE: LPG`s und ihre Technik. Waren sie alle schrottreif, oder wurde es nur so hingestellt?

#15 von BautznerSenf , 03.02.2012 08:24

Buhli,

da koennte man natuerlich im Umkehrschluss auch argumentieren: "Wo nix dran ist, da kann auch nix kaputt gehen!".
Und das gilt ja fuer alle Lebensbereiche: Je komplexer das Produkt, desto groesser der Aufwand fuer Reparaturen (Zeit und Ersatzteile).

Wenn ich also "simplifiziere" und alles so baue, dass ich's "mit 'nem Hammer und 'nem Schraubendreher" reparieren kann ("Russentechnik"), dann ist der Komfort oder die Leistung moeglicherweise nicht sehr hoch (im Vergleich zu komplexen elektronischen Features), doch der Unterhaltungsaufwand sehr gering und die Lebenszeit laenger.

Das gilt aber fuer den VW Kaefer bzw. den Trabant entsprechend: Da gabe es keine Elektronik, keine Schaumteile fuer die Innen-Verkleidung oder die Armaturen-Tafel oder anderes komplexes Zeug - Technik, die quasi jedermann selbst beherrscht und die sich noch jahrzehnte spaeter basteln laesst.
Versuche das mal in 30 Jahren mit dem heutigen Golf - und bei der Bahn gilt das fuer Dampfloks und moderne Plastik-Triebwagen entsprechend: Dampfloks werden teilweise noch nach 100 Jahren betrieben und koennen (verhaeltnismaessig) einfach mit Ersatzteilen ausgestattet werden, aber moderne Triebwagen?

Gruss vom

B. S.


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