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Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#1 von Wega , 05.04.2012 07:55

Das Gedicht von Günter Grass
"Was gesagt werden muss"
Wir dokumentieren den Wortlaut des Gedichtes "Was gesagt werden muss" von Günter Grass in voller Länge. Das Gedicht erschien in der "Süddeutschen Zeitung", der "New York Times" und der "La Repubblica".

Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten -
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt 'Antisemitismus' ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir - als Deutsche belastet genug -
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung)


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Die über Nacht sich umgestellt, und sich zu jedem Staat bekennen - das sind die Praktiker der Welt, man könnte sie auch Lumpen nennen.
(Wilhelm Busch)

 
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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#2 von delta , 05.04.2012 10:20

Ich mag Grass nicht besonders gerne, aber wo er recht, da hat er recht.


wer fehler findet, darf sie behalten, ich habe reichlich davon.

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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#3 von Wega , 05.04.2012 10:23

Zitat von delta
Ich mag Grass nicht besonders gerne, aber wo er recht, da hat er recht.



Meine Meinung!


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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#4 von reporter , 05.04.2012 10:35

Grass provoziert gern und liegt dann auch daneben.

Den SED-Staat nannte er mal eine "kommode Diktatur", was die ehemalige DDR 'Bürgerin', die das Thema "Die DDR als Laufstall" bearbeitet, veranlaßte, Grass heftig zu widersprechen. Grass liegt in der Wahrnehmung der Realitäten desöfteren etwas daneben.

Der "Tagesspiegel" schreibt dazu

Zitat
Offener und gleichzeitig verdruckster hat selten ein deutscher Nachkriegs-Intellektueller im Repertoire der judenfeindlichen Klischees gewildert – und das Resultat dann als gewissenszerknirschte Friedensverantwortung getarnt. Hier muss keine textexegetische Überführungsarbeit mehr geleistet werden. Das Poem spricht für sich. Wer meint, es noch entlarven zu müssen, heuchelt Disputationsmöglichkeiten, die es nicht gibt.

Was aber ist so bestürzend an dem Vorgang, abgesehen vom Antisemitismus des Autors, der in seiner Lupenreinheit ja fast schon wieder etwas Erfrischendes hat? Vielleicht das: Wenn der Geist in Deutschland seine Hand nach dem Mob ausstreckt, droht einerseits die Vergeistigung des Mobs, andererseits die Verrohung des Geistes.



http://www.tagesspiegel.de/meinung/provo...ch/6476602.html


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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#5 von Smithie23 , 05.04.2012 10:41

Fakt ist, dass man Israel auch kritisieren kann, ohne gleich auf die Antisemiten-Schiene geschoben zu werden. Die Frage ist immer, in welchem Ton.


Auch der kleine Mann kann von der Krise profitieren !

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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#6 von Kehrwoche , 05.04.2012 10:55

@Smithie23, da muß ich dir widersprechen. Fakt ist, daß jeder, der Israel kritisiert, sofort in die rechte Ecke gestellt wird.


Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir.
Konrad Lorenz

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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#7 von Buhli , 05.04.2012 11:05

Da hat Kehrwoche leider Wahr. Ueber diese Wahrheit kann man sich nun mal wirklich nicht freuen.



Nehmt euer Herz in beide Hände, und macht was draus. (Zitat von Lutz Bertram. Ehemaliger blinder DT64 Moderator, den leider die Stasi in ihre Fänge bekam)
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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#8 von Atze , 05.04.2012 11:13

Ich denke jeder Staat, der gegenwärtig auf dieser Welt existiert, kann kritisiert werden, weil es in jedem dieser Staaten Mißstände gibt.

Kein Mensch würde sich aufregen, wenn diese Zeilen auf Russland, Frankreich, die USA, Groß Britanien oder Nord Korea (da würde man sogar jubeln) gemünzt wären.

Aber Israel - das ist unantastbar, für uns Deutsche. Warum eigentlich?
67 Jahre danach lebt kaum noch ein Deutscher, der mitschuldig ist, an den Verbrechen (na ja Grass war wohl auch ein Beteiligter), ja es waren ganz eindeutig fürchterliche Verbrechen, die an Menschen jüdischen Glaubens begangen wurden.

Aber haben die Deutschen danach nicht auch viel Gutes für Israel oder die Juden in dieser Welt getan, um diese Verbrechen zu sühnen. Rückgängig können wir sie nicht machen, entschuldigt hat man sich mehrfach und geholfen wo es ging auch.

Ich persönlich streue mir keine Asche mehr aufs Haupt und finde die Sätze (einen Vers kann ich nicht erkennen) als richtig ohne dabei meine Hochachtung gegenüber dem israelischen Volk zu verlieren, was ja G. Grass in seinen Zeilen auch zum Ausdruck bringt.
Wenn Israel als Atommacht, genau den gleichen Fehler begeht, wie die USA im Iran, dann wird das Judentum darunter leiden und ich hoffe auf den Realitätssinn der Kneset, sich zu einem militärischen Schlag nicht herzugeben.
Ich verehre das Volk von Israel. Aus dem "Nichts" haben sie einen modernen Staat gemacht. Ich verabscheue den Zionismus.

Gruß

Trennung

Mauselinchen, dass Du sofort wieder die DDR ins Spiel bringst, beweist mir wieder mal, dass Du überhaupt nicht in der Lage bist, eine vernbünftige, sachbezogene Diskussion zu führen. Dein Denken ist dermaßen schmalspurig, dass ich mich eigentlich nur noch wundern kann.
Ich erlaube mir mal Einstein zu zitieren: "Auf dem unbeackerten Boden der Unwissenheit wuchert das Unkraut der Vorurteile. Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
Dieses Zitat trifft auf Dich, meiner Meinung nach, wirklich zu.


Sir W. Churchill

"Eine der fröhlichsten Erfahrungen im Leben ist es, als Zielscheibe zu dienen, ohne getroffen zu werden."

 
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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#9 von Buhli , 05.04.2012 11:37

Hier was aus dem Stern. Die Stasi Postille ist ja nicht notwendig http://mobil.stern.de/op/stern/de/ct/-6d...s/1809506/home/
Vielleicht sind nur die Medienmacher und nicht Grass, nicht ganz auf der Hoehe?


Nehmt euer Herz in beide Hände, und macht was draus. (Zitat von Lutz Bertram. Ehemaliger blinder DT64 Moderator, den leider die Stasi in ihre Fänge bekam)
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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#10 von Buhli , 05.04.2012 12:42

Die Medienverantworliche Elite ist sich politisch korrekt, auffallend einig. Allen voran Meister Friedman. http://m.sz-online.de/articles/view/3030287
Ja Atze, da hast Du wohl recht. Jeder, nur nicht Israel. Traurig.


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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#11 von Buhli , 05.04.2012 13:09

Hier das Gegenstueck zur Medieneinigkeit. http://www.jungewelt.de/2012/04-05/058.php



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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#12 von delta , 05.04.2012 15:46

Atze schrieb
Zitat:
Ich verehre das Volk von Israel. Aus dem "Nichts" haben sie einen modernen Staat gemacht. Ich verabscheue den Zionismus.
Ende.


Diese Aussage ist so geschrieben falsch. Israel hat in Form von moralischer und Finanzieller Hilfe alles bekommen
was man sich denken kann und konnte, vor allem aus Deutschland.
Von Nichts kommt nichts.......


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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#13 von Smithie23 , 05.04.2012 15:48

Zitat von delta


Zu Friedman

Dieser schlei***** Zigeuner**** lässt bekanntlich kein Fettnäpfchen aus. Hätte mich gewundert, wenn er die klappe gehalten hätte.



Delta, du darfst doch Michel Friedmann nicht kritisieren !!! Dann bist du ein Rassist, Nazi, Antisemit, NPD Wähler ... keine Ahnung was noch alles. Der Mann ist doch eine moralische Instanz in Deutschland


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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#14 von Buhli , 05.04.2012 15:56

Hier noch was zum Mediengleichschritt. Hier ist die Pressefreiheit mal wieder richtig erkennbar. http://m.focus.de/politik/ausland/iran/i...aid_733336.html



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RE: Günter Grass "Was gesagt werden muss"

#15 von reporter , 05.04.2012 17:12

Ich möchte mal wissen, wie Deutschland reagieren würde, wenn es ein Land gäbe, welches Deutschland von der Landkarte verschwinden lassen möchte. Israel hat kein Land mit Atomwaffen per Erstschlag bedroht und hat selbst in Kriegen, wo es um seine Existenz ging, zu keinem Zeitpunkt an den Einsatz von Atomwaffen gedacht. Grass spinnt einfach substanzlos herum.

Das aggressive Mullah-Regime im Iran, welches regelmäßig die Auslöschung Israels androht, kommt bei Grass der Einfachheit halber erst garnicht vor.
Es sei daran erinnert, daß sich Israel bereits in einem Stellvertreterkrieg gegen das Mullah-Regime befindet, welches vom Gaza Streifen angegriffen wird. Angegriffen von der Hisbolla, die vom Mullah-Regime finanziert wird.


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