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RE: Guter Westen - böser Osten

#106 von Karli ( Gast ) , 22.11.2006 17:59

Klar , das wir uns im großen und ganzen verbessert haben .
Die meisten sind - so wie ich - eigentlich nur darüber sauer ,
daß man trotz aller Demokratiebeteuerungen eigentlich keine
Chance hatte , selbst was beizutragen . Vieles hätte mit viel
weniger Geld , aber wesentlich mehr Kreativität und Eigenverantwortung
anders gemacht werden können . Mit den Schecks kamen aber leider nicht nur
sture und hochbezahlte Beamte , in ihrem Schlepptau auch
unzählige Gesetze , Verordnungen , Durchführungsbestimmungen , Anweisungen .... ,
über deren Sinnhaftigkeit nicht diskutiert werden durfte und die viel
Pioniergeist im Keim erstickt haben . Wenn ich an die sagenhafte Aufbruch-
stimmung denke , die noch 1990 / 91 geherrscht hat !
Somit wich die Euphorie der bitteren Erkenntnis , daß man letzten Endes
auch nur verarscht wird .

Karli


Karli

RE: Guter Westen - böser Osten

#107 von Wolf , 22.11.2006 18:43

Ja, Karli, dem will ich nicht widersprechen. Die Organisierte Kriminalität hast Du vergessen zu erwähnen. Wie hieß die Bande doch gleich? - Ach ja: Treuhand. Ist das nicht der Gipfel des Zynismus? Als würde man die Mafia "Volkssolidarität" nennen.
Aber ich sehe gerade in Deinem Profil, dass Du ein alter Leipzscher bist. Dann weißt Du ja, wovon ich rede. Erinnere Dich mal an die Leninstraße! (Ich habe zwei Jahre in Reudnitz gewohnt)


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RE: Guter Westen - böser Osten

#108 von Buhli , 22.11.2006 20:55

Leipziger Ruinen gleich beim Hbf ums Eck hab ich auch gesehen. Das trarige daran ist, daß solche Behausungen heute im Umland von S als Wohnungen für viel Geld angeboten werden. Natürlich nicht für Asylbewerber. Ich hab es erleben dürfen, als ich auf Wohnungssuche war. Als das Gebilde was die DDR war, will ich sie auch nicht wieder haben. Es würde der Wiedervereinigung im wörtlichen Sinne etwas besser zu Gesicht stehen, wenn die Dinge, die von da übernommen werden und schon wurden, auch deren Namen tragen würden. Nicht nur der grüne Pfeil und Rotkäppchen. Differenzierter an die "Aufklärung" ran zu gehen wäre bestimmt besser.
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RE: Guter Westen - böser Osten

#109 von Buhli , 23.11.2006 07:58

Wolf, willst Du die DDR etwa an den Ruinen fest machen? Was Gohlis für L war, war Friedrichstadt für DD. Ist das nicht Gohlis, wo der Cäsar(Renft,Karusell) ab und zu unter seinem Wolga lag um das Gefährt zu reparieren? L- Gohlis hab ich vor 25 Jahren gesehen. Es war zum heulen. Wie war das doch gleich? Ruinen schaffen, ohne Waffen. Der "Erfolg" war gewaltig.
Kinderbetreuung, Bildungssystem und Gesundheitssytem sind Dinge, die mit dem was dem Sozialismus und dessen negativen Auswüchsen zugeordnet wird, nun wirklich nichts zu tun. Die politsche Richtung lässt sich ja "anpassen". Nur das System als solches nicht. Ein Auto als System, stellt auch keiner in Frage, nur weil es rostet oder schlechte Reifen hat.
Die Diskusion zu diesen Themen ist doch durch die Ostbevölkerung erst in die Gänge gekommen. Meinst Du nicht, daß die Dinge nicht in diese Geellschaft hinein gehören sollten? Nur schade, daß damals die Politik sich soweit in die Wirtschaft eingemischt hat, daß diese nicht zum positiven Wachstum führen konnte. Die Rahmenbedingungen waren bis heute, abgesehen von ein paar ewiggestrigen, unbestritten Spitze. Hast Du vor kurzen in Frontal 21 das Thema Poliklinik gesehen? Wenn ja, dann weist Du was ich meine.
Zum Thema Zeitung. Die roten hatten diese Art von Antworten auch immer parrat. Fragte man warum es beim Fleischer keine Lende gibt, kam die Antwort: " Gibts doch in jedem Delikatgeschäft." Fragte man warum man nicht nach Österreich in den Urlaub wollte. War die Antwort:(Drei mal dürft Ihr raten)"Du kannst doch in der DDR und deren Bruderländer Urlaub machen." Hast Du Dich damsls mit solchen Antworten zufrieden gegeben, oder haben diese sich für Dich gar nicht gestellt?
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RE: Guter Westen - böser Osten

#110 von Wolf , 23.11.2006 14:12

In Antwort auf:
Leipziger Ruinen gleich beim Hbf ums Eck hab ich auch gesehen. Das trarige daran ist, daß solche Behausungen heute im Umland von S als Wohnungen für viel Geld angeboten werden. Ich hab es erleben dürfen, als ich auf Wohnungssuche war.

Okay, da kann ich jetzt nicht mitreden. Aber so richtig ohne Bad und mit dem Klo auf halber Treppe – gibt’s das tatsächlich noch?

In Antwort auf:
Als das Gebilde, was die DDR war, will ich sie auch nicht wieder haben. Es würde der Wiedervereinigung im wörtlichen Sinne etwas besser zu Gesicht stehen, wenn die Dinge, die von da übernommen werden und schon wurden, auch deren Namen tragen würden.

Das Problem daran ist, dass eigentlich nur ganz Wenige Westdeutsche wirklich eine Wiedervereinigung wollten.
Konservative Politiker haben ja zu 95% nur deshalb die Wiedervereinigung gefordert, weil sie zu wissen glaubten, dass sie nicht mehr kommen kann.
Und die Dinge, die von Ostdeutschland übernommen werden und schon wurden, werden von vielen nur deshalb abgelehnt, weil sie wissen, dass sie von dort kommen.
Machen wir uns nichts vor: Alles Ostdeutsche ist für viele einfach nur albern und lächerlich. Oder Mist.

In Antwort auf:
Wolf, willst Du die DDR etwa an den Ruinen fest machen?

Ja sicher! Denn die Ruinen waren das Kennzeichen der Entwicklungstendenz!
Der bescheidene Wohlstand in der DDR war eben kein stabiler Wohlstand!
Alles war vom Verfall bedroht.
Unter diesem Aspekt ist es schwierig, Werbung für positive Segmente wie Kinderbetreuung oder Bildung zu machen. Denn jeder kann sagen: Es war ja gar nicht finanzierbar! Die sozialen Wohltaten wurden mit dem bezahlt, was in die Erhaltung der Substanz hätte fließen müssen!
Ob das stimmt oder nicht, kann man jetzt schwer nachprüfen.
Sicher versickerte in der DDR Volksvermögen noch in ganz anderen Kanälen und auf vielen unsinnigen Kostenstellen.
Und es wäre durchaus denkbar, dass vieles Vernünftige hätte realisiert werden können, ohne Raubbau an der Substanz zu betreiben.
Aber der Beweis fehlt!!!
Bewiesen ist nur, dass der Versuch gescheitert ist und die Chance vergeben wurde.

In Antwort auf:
Kinderbetreuung, Bildungssystem und Gesundheitssytem sind Dinge, die mit dem, was dem Sozialismus und dessen negativen Auswüchsen zugeordnet wird, nun wirklich nichts zu tun hat

Sagst Du. Aber was sagt ein Volkswirt? Er weist Zusammenhänge auch dort nach, wo es auf den ersten Blick keine gibt.

In Antwort auf:
Meinst Du nicht, daß die Dinge nicht in diese Geellschaft hinein gehören sollten?

Meine Frau und ich schon. Aber uns fragt keiner. Wir wären durchaus bereit, für eine humanistische Gesellschaft auch finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen.
Aber wir sind halt kinderlose Doppelverdiener und obendrein noch Idealisten.
Frag mal einen alleinverdienenden Familienvater, ob man zur Finanzierung der Kinderbetreuung die Einkommensteuer um 2 Prozent erhöhen sollte! Der dreht Dir den Hals rum!

In Antwort auf:
Nur schade, daß sich die Politik damals soweit in die Wirtschaft eingemischt hat, daß diese nicht zum positiven Wachstum führen konnte. Die Rahmenbedingungen waren bis heute, abgesehen von ein paar Ewiggestrigen, unbestritten Spitze.

Also wenn sich die Politik nicht eingemischt hätte, dann hätte es auch keine „Rahmenbedingungen“ gegeben. Denn Eines ist unbestreitbar: Geld ist in den Osten geflossen. Und zwar massenhaft. Und das war gut so.

In Antwort auf:
Hast Du vor kurzen in Frontal 21 das Thema Poliklinik gesehen? Wenn ja, dann weist Du was ich meine.

Nicht gesehen. Aber ich weiß noch, wie meine Frau vor zehn Jahren mal eine schmerzhafte Gelenkkapselentzündung in Thüringen bekam. Sie war total begeistert von der Poliklinik, wo man alle Ärzte auf einem Fleck hatte. Das kannte sie gar nicht. Davon schwärmt sie heute noch.

In Antwort auf:
Hast Du Dich damals mit solchen Antworten zufrieden gegeben, oder haben diese sich für Dich gar nicht gestellt?

Ich habe mich mit gar keinen Antworten zufrieden gegeben. Ich habe selbst Antworten gegeben und die DDR verlassen.



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RE: Guter Westen - böser Osten

#111 von Karli ( Gast ) , 23.11.2006 14:42

Siehst du , Buhli , auch Cäsar hat sich verbessert .
Er hat jetzt eine Villa im Abtnaundorfer Park ,
mit Studio und so.
Schlimm ist auch , daß man sich , obwohl in Vollbesitz geistiger
und körperlicher Kräfte immer als Bittsteller vorkommt .
Das ist aber wahrscheinlich beabsichtigt , schon Marx stellte
sowas fest , als er zum Thema Bürokratie schrieb.

Karli


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RE: Guter Westen - böser Osten

#112 von Buhli , 23.11.2006 21:22

Karli, wenn mehr etwas über Marx und seine Theorien wüßten,ausgenommen die gewaltrecht fertigenden, würden sie nicht so jammern. Da hätten sie gewußt was mit der Wiedervereinigung auf sie zukommt.

Wolf, Du bist also auch einer von den 1 Million, die vor 1990 weg sind. So So.
Die "Wohnungen" werden auch noch mit der Ölkanne betankt. Die ist vorher im Keller zu füllen. Das ganze Treppenhaus "riecht" wie ne Dieselzapfsäule. Fenster durch deren Spalten du ne Mütze werfen kannst. Das mit dem Öl ist hier sehr verbreitet. Isolierung gleich null. Bad wie bei uns in den 60ern. Nur bei uns wurden die 1996 renoviert. Hier hat man mir sowas 2004 zur Miete angeboten. Der Zustand bezieht sich allerdings auf den privaten Mietbestand. Die Genossenschaft, die unsere Siedlung vermietet, hat das ganz gut im Griff. Wie begründest Du die Ruinenlandschaften in den USA? Ich hab da einige in New York und auf dem Weg nach Albany gesehen. Hatten die auch sozialistische Planwirtschaft? Es gibt hier noch viele Dinge zu entdecken, die so mancher nur von der DDR kennt. Das Erstzteilproblem wurde angesprochen. Ich durfte mich um diese kümmern. Nicht in der DDR. Neiiiiinnnn. In Tübingen und Stuttgart. ATU und Schwabengarage. Mir ging es 2003 zwei mal so. Ich hab den glatt an den Kopf gehauen: Schlimmer, als in der DDR". Sogar der Hersteller, den wir rausgefunden haben, hat sich geweigert. Sitz in Ludwigsburg. Die Ersatzteile hab ich dann aus DD kommen lassen. Da das Telefon der Schwabeng. auf laut gestellt war, durften die sich den Kommentar:"Schlimmer, als zu Ostzeiten" auch von da noch mal anhören.
Das die sozialen Dinge nicht zu finanzieren gingen, weis jeder gelernte DDR-Bürger.Aber das rechtfertigt doch nicht, daß dieses Know how 16 Jahre in der Tonne liegen musste. Ne ne, die Chance ist noch nicht vertan. Die alten Herrn wollten den Soz. nur persöhnlich erleben. Das mußte schief gehen. Gut Ding will Weile haben. Der Kapitalismus in seiner jetzigen Form, hat auch über 200 Jahre gebraucht. Da kann es nur gegen den Baum gehen, wenn jemand annimmt, daß sich Sozialismus in 70 Jahren aufbauen lässt.(1919-1990)
Es war doch gut, daß wir den die feindliche Übernahme, als Wiedervereinigung verkauft haben. Die ersten sind doch schon dabei, Ostdeutsch zu lernen. Sieh doch in unser Forum....

Die Politik hat sich in der DDR eben zu stark eingemischt. Ein progresiver Steuersatz ist nun mal nicht Wachstumsfördernd
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RE: Guter Westen - böser Osten

#113 von Karli ( Gast ) , 24.11.2006 18:07

Ja, Buhli ,
an Wohnungen habe ich hier auch so einiges angeboten bekommen , was mich in fataler Weise an
meine Kindheit erinnerte - Altbau im Leipziger ( Nord-) Osten , halbe Treppe tiefer ,
Dach mit hohen Lichtdurchlassfaktor usw .
Nur die Summen , die sich die Vermieter im Kölner Raum dafür vorstellen , sind der kleine Unterschied.
Da mir aber per Sozialplan ein Mietausgleich für drei Jahre zustand , konnten wir im Umland eine
ordentliche Behausung beziehen . Nach den drei Jahren war´s dann doch günstiger , zu bauen.

Andere bittere Erkenntnis nach der Marx-Lektüre :
Es ist noch nicht schlimm genug , um etwas zu ändern - Stichwort " Revolutionäre Situation ".
Und heutzutage funktionieren keine Insellösungen - auch da muß globalisiert werden .


Karli


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RE: Guter Westen - böser Osten

#114 von Buhli , 24.11.2006 22:30

Ja Wolf, die Bildung, die Kinderbetreuung und das Gesundheitssystem gehören unmittelbar mit der Volkswirtschaft zusammen. Bring mal mit ungebildeten, kranken und kinderreichen Menschen eine Volkswirtschaft auf die Beine.
Buhli


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RE: Guter Westen - böser Osten

#115 von Thor-am-Felsen , 08.01.2007 09:31

Hallo Joe,

Ich habe mal Deinen Beitrag hierher kopiert, um dieses Thema wieder zubeleben.

In Antwort auf:
[Joe]
Vielleicht sollten wir tatsächlich zwei neue Themen eröffnen: "Menschenbilder" und "Zukunft des Kapitalismus" oder auch der sozialen Marktwitschaft. Beide Themen sind in einigen Beiträgen schon diskutiert worden, aber immer nur bruchstückhaft.



Das Thema Menschbilder ist ein heißes Eisen. Erst einmal müssen wir feststellen, dass wir durchaus zwei verschiedene Menschenbilder haben. Das wird ja in den Medien negiert (wir sind ein Volk!). Was wurde in den Schulen für ein Menschenbild vermittelt?

In Antwort auf:
[Joe]
Auch aus dem Thema "Guter Osten-Böser Westen" bleiben noch einige Fragen und einige Meinungen, denen ich wiedersprochen hätte, aber dort ist die Diskussion ja schon ziemlich in die Breite gelaufen...
Mir fehlt nur irgendwie eine Idee, wie man die Diskussionen hier etwas konzentrierter führen kann...


Die Idee dieses Themas ist, das Kernproblem zu erfassen: der Westen stellt sich gegenüber dem Osten als elitär dar. Warum tut er das und ist der Osten wirklich so daneben, wie er beschrieben wird/sich selbst ausmalt?

T


 
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RE: Guter Westen - böser Osten

#116 von Jörg , 08.01.2007 13:51

Da dieses Thema weitaus mehr als nur ein Smalltalk ist, hab ich es mal in die Kategorie "Aufklärung" verschoben.

Bitte weiter machen!


Jörg


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RE: Guter Westen - böser Osten

#117 von Quintus , 08.01.2007 22:00

Hi, Torsten!

Aus Gründen der Systematik hätte ich es lieber gesehen, wenn wir die Themen "Menschenbilder" und "Zukunft des Kapitalismus?" in zwei getrennten Threads zunächst gesondert behandelt hätten, um sie dann in einem zweiten Schritt wieder zusammen zu bringen. Dennoch mag es legitim sein, sie hier zwischen den Polen "gut" und "böse" zu diskutieren. Allerdings ist dann das Risiko sehr groß, Wertung und Begriffsklärung miteinander zu vermischen. Mir ist bekannt, daß Du dieses Risiko nicht scheust, fragt sich nur, ob Deine Absichten von allen auch verstanden werden, womit ich hier niemandem zu nahe treten will, sondern auf eigene Erfahrung anspielen möchte.

Liebe Grüße
Quintus


Quintus  
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RE: Guter Westen - böser Osten

#118 von joesachse , 08.01.2007 22:32

In Antwort auf:
Die Idee dieses Themas ist, das Kernproblem zu erfassen: der Westen stellt sich gegenüber dem Osten als elitär dar. Warum tut er das und ist der Osten wirklich so daneben, wie er beschrieben wird/sich selbst ausmalt?


Komme öfters mal nach Sachsen und war jetzt ein paar Tage in Thüringen (Biathlon-Weltcup)und kann dort nur immer wieder feststellen, dass die Unterschiede nicht so groß sind, wie sie immer gemacht werden. Das Selbstbewußtsein der Leute in Dresden oder Erfurt ist schon beachtlich. Und auf der Wartburg in Eisenach kam ich mit einem älteren Mann ins Gespräch, vermutlich ein Vorruheständler, der mir voller Stolz die Geschichte und die Umgebung erläuterte und aus seiner Freude, dass der Blick von der Wartburg heute nicht mehr auf eine Staatsgrenze geht, keinen Hehl machte, gleichzeitig aber auch auf einige Dinge in der DDR etwas wehmütig zurückblickte. Für viele Ostdeutsche eine charakteristische Haltung.

Im Westen ist die Gleichgültigkeit gegenüber der Wiedervereinigung größer (logisch, da die Veränderungen im Leben der Menschen wesentlich weniger davon betroffen waren)

JoeSachse


 
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RE: Guter Westen - böser Osten

#119 von Buhli , 09.01.2007 07:54

Joe, die Wessis in den Kreisen ES, RT und TÜ mit den ich es täglich zu tun habe, jammern mir ganz schön die Ohren voll. Von wegen charakteristisch für die Ossis. Das die weniger betroffen waren, ist richtig. Das was bei uns vor 16 Jahren mit einem Schlag weggemacht wurde, wird jetzt, allerdings etwas langsamer und sanfter, im Westen in Angriff genommen.
Buhli


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RE: Guter Westen - böser Osten

#120 von Thor-am-Felsen , 09.01.2007 09:56

Zitat von Buhli
Joe, die Wessis [...] jammern mir ganz schön die Ohren voll.


Das Grundproblem dieser Republik sind tatsächlich die ambivalente Menschenbilder. Während die einen den Menschen als konsumgeiles Vieh betrachten, das gemästet werden muss, um es glücklich zu machen, sehen die anderen im Menschen das Regelglied zwischen Diesseits und paraphysischen Subraum - je nach geistiger Couleur Paradies, Nirvana oder Kommunismus genannt - das erst dann zufrieden ist, wenn es den Übergang von der These zur Antithese erreicht hat.

Die Einen meinen, die Anderen sind glücklich, wenn sie im Supermarkt alles kaufen können. Also bauen sie im Andersland Supermärkte und freuen sich, wenn die Anderen glücklich sind und sind enttäuscht, wenn die Anderen dann trotzdem unzufrieden sind.

Immerhin haben die Einen den Anderen alles gegeben, zuminidest ein Teil von allem.

Und die Anderen? Die suchen immer noch das Paradies.

T

P.S.: Um Kritik vorzubeugen: obriger Text ist ironisch gemeint und stellt keine Beeinflussung des Lesers dar.

P.P.S.: (*seufz* früher habe ich keine Smileys verwendet)


 
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