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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#61 von AlexderFranke , 26.05.2009 19:33

Ich glaube, daß es ohne Verbindung zur politischen Führung nicht ging. Es war wohl die Kunst, den Funktionären einerseits das Gefühl zu geben, daß man nicht grundsätzlich gegen sie ist, aber andererseits auch seine Anliegen durchzusetzen. Im Fall von Ausreiseanträgen habe ich von einer Frau erfahren, daß führende Beamte einiges an Handlungsspielraum hatten, was andererseits natürlich auch Willkür ist. So hat sie mir erzählt, daß sie Leute gekannt hat, wo die Ausreise schnell und einfach genehmigt wurde und andere Jahre warten müßten. So sah das wohl auch in der Wirtschaft aus, daß Beamte z. B.bei Zuteilungen Entscheidungsspielraum hatten, wenn sie es nur im Sinne der DDR-Politik begründen konnten. Anders als bei den Nazis habe ich Verständnis dafür, wenn Leute gewisse Verbindungen zu Herrschenden gepflegt haben, um Freiheiten und Vorteile herauszuschlagen. Das muß ja nicht bedeuten, daß man auch grobes Unrecht unterstützt. War das vielleicht auch unter Selbständigen so, daß sie sich vor Ort gegenseitig geholfen haben, indem man sich z. B. von einer Reise gegenseitig Sachen für den Betrieb mitgebracht hat?

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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#62 von mutterheimat , 26.05.2009 20:00

Manfred von Ardenne, Allmächiger, ein Name, ein Symbol, ein Titan der Wissenschaft. Ich wuste ungefähr, wo er residierte (Weißer Hirsch Dresden). Sein weißer Mercedes in Dresden war bekannt. Sein gekaufter Titel (von) war ein Symbol, vor dem sogar der Westen Respekt hatte. Ratet mal auf wessen Mist, der Fernseher gewachsen ist. Und bevor ein Herman wieder "dumm" schwätzt, ich spreche vom Grundgedanken und seiner Umsetzung, nicht von der Weiterentwicklung. Wer hat wohl, neben Wernher von Braun, den Gedanken mitgetragen und die wissenschaftlichen Grundgedanken zur Raumfahrt entwickelt. der Ausgangspunkt waren die V1 und V2 Raketen. Genauso weiß ich ungefähr, in Dresden, wo sich General Paulus, nach seiner Gefangenschaft, bis zu seinem Tod aufgehalten hat. Kein Mensch der DDR, bis Honecker hinauf, wagte es, diesen Namen, von Ardenne, ohne Ehrfurcht auszusprechen. Er genoß einen, verdienter Maßen, Sonderstatus, den seine Kinder, als Baronin und Barones auszunutzen verstanden.

 
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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#63 von Kehrwoche , 26.05.2009 20:50

Manfred von Ardenne war als Stalinpreisträger unantastbar.

Der Großvater meines besten Freundes, selbst Nazi und Mitglied der SS, war einer von den deutschen Kernphysikern, die 1945 von den Russen deportiert wurden. Als er Ende der 50er nach Ostberlin zurückkehrte, besaß er neben höchsten Auszeichnungen den Titel "Ehrenbürger der Sowjetunion" (oder so ähnlich), obwohl er nie aufhörte Nazi zu sein. Er bekam von den Russen alles was er wollte und mußte nie etwas dafür bezahlen.
Als er Mitte der 70er für kurze Zeit in die Fänge der Stasi geriet, weil sein Sohn - der Vater meines Freundes - bei einem Fluchtversuch verhaftet wurde, genügte ein Anruf bei seinen geliebt-gehassten Freunden in Moskau. Der Sohn wurde freigelassen und bei ihm entschuldigt man sich mit einem großen Präsentkorb und einem Rosenstrauß für die Gattin.

Manfred von Ardenne war noch zwei Nummern größer. Natürlich war sein großes Institut den Verantwortlichen in der DDR ein Dorn im Auge und natürlich wollten sie es auch verstaatlichen, aber sie kamen nicht an ihn ran. Das ist der ganze Zauber.


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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#64 von vae victis , 27.05.2009 08:35

unter Bayrische volksvertreter heißt das
der " Ober " sticht den " unter "


klingt doch wesentlich unverfänglicher und funktioniert heute noch.


Ich bin das Abbild meines Gottes und folglich mache ich fehler so wie " Er ",
nur nicht so große.

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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#65 von bummi , 11.06.2009 19:48

als unternehmer in beiden systemen sage ich:

die ddr war als staat für unternehmer besser als der bund.

alles andere ist blablablasenmusik.

ich begründe das:
erstens waren die preise stabil
zweitens alles kalkulierbar, auch darlehen
drittens plan hieß in jedem fall ist,
was bedeutet, daß eine kontinuierliche übererfüllung
auch eine kontinuierliche belieferung mit den rohstoffen einschloß.
viertens - wer, betont, mehr machen wollte als geplant, mußte
ein unternehmer sein. das schließt diplomatie und
erfindungsreichtum ein.
usw.
die steuern waren gerecht und auch kalkulierbar.
alle genannten punkte kann der bund nicht erfüllen.

das instrument der besteuerung ist auch im gg fixiert.
es wird nicht gemacht. und daaas kommt raus.
das heißt, die demokratischen wirtschaftsverhältnisse waren
in der ddr gesamt besser als im vorlauten westen.
diese leute können nicht wirtschaften.
stehlen und mogeln können sie.

kh








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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#66 von joesachse , 11.06.2009 20:33

@bummi: Ich gehe davon aus,dass Du in deinem letzten Beitrag nur die Smileys vergessen hast

Ernst jedenfalls kannst Du das nicht gemeint haben.

Gruß
Joesachse


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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#67 von Weilheimer , 11.06.2009 20:57

Nein, Joesachse, ich befürchte er meint das Geschriebene ernst.


Wenn eine Frau nicht spricht, soll man sie auf keinen Fall unterbrechen.

Clint Eastwood


 
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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#68 von bummi , 11.06.2009 21:01

jo, @weili, du hast recht.
aber warum du das befürchtest...., bleibt mir schon als frage.
du mußt sie nicht beantworten.

kh

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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#69 von vae victis , 11.06.2009 21:05

die zwei letzten schreiber haben sich der BRD voll verschrieben.

seit mir nicht böse, aber so blind sind nur wenige aus der DDR übergelaufen
im westen.fehlen nur noch die goldenen lettern die ihr auf die BRD schreibt.


Ich bin das Abbild meines Gottes und folglich mache ich fehler so wie " Er ",
nur nicht so große.

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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#70 von DeutschLehrer , 11.06.2009 21:08

@vae victis,
den Gedanken hatte ich auch gerade.

Gruß DL

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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#71 von bummi , 11.06.2009 21:09

Zitat von joesachse
@bummi:
Ernst jedenfalls kannst Du das nicht gemeint haben.

Gruß
Joesachse


ich hab in beiden systemen sowohl steuererklärungen ausgefüllt,
genehmigungen ersucht, eingekauft und verkauft.
ich war in beiden systemen gastwirt/hotelier.
in beiden systemen händler, sowohl import als auch export.
in der ddr im rgw - raum.
die ddr war eindeutig das bessere für kleine wirtschafter,
wie ich es bin und war.
alles andere ist lotto und fast peinliche selbstüberschätzung.

von hundert geschäften, in denen ich heute arbeite, können neunzig
nicht mal ihre steuererklärung, geschweige ihre bilanz lesen.

und zu machen, willkürlich sozusagen, kann jedes amt jede
firma. nicht nur die ddr.

kh

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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#72 von Kehrwoche , 11.06.2009 21:11

aha


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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#73 von Kehrwoche , 11.06.2009 21:13

Zitat von vae victis

seit mir nicht böse, aber so blind sind nur wenige aus der DDR übergelaufen
im westen.fehlen nur noch die goldenen lettern die ihr auf die BRD schreibt.

P.s. Lettern sind Buchstaben v.v.! Buchstaben auf die BRD schreiben ergibt keinen Sinn. Aber Du findest es ja auch lustig....


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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#74 von peppe , 11.06.2009 21:26

Bravo,bravo Bummi hast du echt spitze geschrieben! Aber ärgere dich nicht wenn die andern das nicht verstehen Sie haben ja nie das Land gewechselt für die Arbeiit so wie Du und Ich Man muss erst mal alles selbst erlebt haben um es zu verstehen.........und was der grösste sch..... ist es wird alles schön geredet !!!
Peppe



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RE: (Privat-)Betriebe in der DDR

#75 von joesachse , 11.06.2009 21:26

Zitat von bummi

... ich begründe das:
erstens waren die preise stabil


Die Preise wurden aber willkührlich festgelegt und hatten nichts, aber auch gar nichts mit irgendwelchen Kosten zu tun, die zur Herstellung der Produkte notwendig waren. Damit fehlte schon mal eine Grundlage für freies Unternehmertum.
Zitat von bummi

zweitens alles kalkulierbar, auch darlehen


aber auch alles streng kontigentiert, entweder Du hast es geschafft, etwas von den Kontingenten abzubekommen, oder Du hattest Pech.
Zitat von bummi

drittens plan hieß in jedem fall ist,
was bedeutet, daß eine kontinuierliche übererfüllung
auch eine kontinuierliche belieferung mit den rohstoffen einschloß.


Die kontinuierliche Belieferung mit Rohstoffen funktionierte schon in den VEB nicht und erst recht nicht bei den privaten. Ich kenne keinen Handwerker in der DDR, der damals nicht ein permanentes Problem mit der Materialversorgung hatte. Diese richtete sich nach Plänen und nicht nach Bedürfnissen.
Zitat von bummi
viertens - wer, betont, mehr machen wollte als geplant, mußte
ein unternehmer sein. das schließt diplomatie und
erfindungsreichtum ein.
usw.


... und konnte dies in den meisten Fällen nur über ungesetzliche Wege erreichen: Beziehungen, Bestechungen waren an der Tagesordnung, nur wurde dies von allen als völlig normal angesehen.
Zitat von bummi
in der ddr gesamt besser als im vorlauten westen.
diese leute können nicht wirtschaften.
stehlen und mogeln können sie.


Und das ist eine völlig undifferenzierte Beleidung, die in diesem Forum nichts zu suchen hat.

In der DDR gab es keine Chance für Unternehmertum.

Gruß
JoeSachse


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